Eierkartons aus dem Kunstmuseum Villa Zanders haben es bis ins Musee Imaginaire Suisse geschafft. Möglich macht dies ein neues Kunstprojekt in der Schweiz. Es sorgt für einen unkonventionellen Zugang zur Kunst und hat auch in Bergisch Gladbach Anhänger gefunden.

TiM lautet die Abkürzung für das Projek „Im Tandem ins Museum“. Die Idee dazu wurde in der Schweiz geboren. Sie bringt Museums-Guides und Menschen für einen Museumsbesuch zusammen. Im Museum wählen sie ihr liebstes Objekt, erfinden eine Geschichte dazu und stellen sie online. Das Projekt existiert seit 2020.

Das geht auch von Deutschland aus, dachte sich Ursula Pietsch-Lindt aus Bergisch Gladbach. Zum Weltgeschichtentag am 20. März 2021 schrieben sie und ihr Partner Sigi eine kleine Geschichte über geschichteten Eierkarton von Gesine Grundmann. Das Werk ist derzeit im Kunstmuseum Villa Zanders zu sehen.

Gesine Grundmann. Ohne Titel, 2015. Eierkartonpaletten, Acrylbinder, Armierung 3-teilig. VG Bild Kunst, Bonn 2020

Text und Bild sowie ein witziges Selfie von Ursula Pietsch-Lindt und Co. wurden auf der Webseite des Musee Imaginaire Suisse hochgeladen – fertig. Dort ist ihre Co-Produktion nun eine von vielen Beiträgen, die Kunstwerke mit kreativen Texten von Museumsbesuchern aus dem TiM-Projekt zusammenbringen. Eben viele kleine Kunstgeschichten.

So interpretiert Pietsch-Lindt die Kunstgeschichte neu (vgl. Bild oben): „Max kauft für sich und seine Brüder Moritz und Moses einmal in der Woche 12 Eier auf dem Markt. Die Verpackung kann er aus ökologischen Gründen nicht zurückgeben. Also sammelt er die Kartonagen und stapelt sie in der Garage neben dem Wohnhaus. Der Turm wird immer höher, bis er größer ist als Max. Dann stirbt er. Da kommen seine Brüder und sagen: Wir bauen weiter. Als ihre Türme auch bis zur Decke reichen, sterben auch sie. Haus und Garage werden verkauft. Die neue Besitzerin kommt ursprünglich aus San Gimignano, wo es viele eckige Türme gibt. Die drei Brüder hat sie gut gekannt und sehr gemocht. Sie möchte die Papptürme als Erinnerung an die DREI behalten. Sie schleift die eckigen Türme rund und malt sie an. Schließlich stellt sie die drei Türme unter das Hausdach und nennt sie: DREI STELEN FÜR DREI EM.“

„Man kann beim Schreiben über die Kunstwerke seiner Phantasie freien Lauf lassen. Es entstehen neue Assoziationen zu den Werken, welche andere Betrachter anregen“, schildert Pietsch-Lindt. Letztlich sorge das Projekt dafür, mehr Menschen ins Museum zu bringen. „Vielleicht auch jene, die ansonsten nicht den Gang in eine Ausstellung wagen würden.“

Die bisherigen Beiträge zu Werken der Villa Zanders im Musee Imaginaire Suisse
Drei Stelen für DREI EM
Wächter der Schweigenden
Hilfe aus Ägypten

TiM ist ein niedrigschwelliges Angebot und öffnet jedem den Zu- und Umgang mit Kunst, egal ob jung oder alt. Fernab von Kunstkenntissen, von Fachbegriffen, vom Richtig oder Falsch in der Betrachtung der Werke. Man braucht kein Wissen in Kunstgeschichte, um Kunstgeschichten zu schreiben. Der Upload steht allen offen.

Damit verlängert das Projekt die Museen nicht zuletzt ins Virtuelle, macht Exponate aus weitab gelegenen Museen zugängig, sorgt für eine subjektive und damit frische und unverbrauchte Sicht auf die Kunstwerke.

Auch dieser Wächter von Hede Bühl steht derzeit in der Villa Zanders – und hat es in die Schweizer Ausstellung geschafft. Foto: Thomas Merkenich

Mitmachen ausdrücklich erwünscht

„Drei Tandems sind bereits mit Beiträgen zu Arbeiten aus dem Kunstmusem Villa Zanders vertreten. Es wäre schön, wenn noch weitere hinzu kommen würden“, meint Pietsch-Lindt.

Wer mag könne sich mit ihr per Email in Verbindung setzen, Ideen besprechen oder Hilfestellung beim Upload seiner Geschichte bekommen, bietet Ursula Pietsch-Lindt an. Sie ist ehrenamtlich in der Kunstvermittlung aktiv und freut sich auf weitere Beiträge.

Das Kunstmusem Villa Zanders ist als Partner des Projekts gelistet. TiM sei laut Pietsch-Lindt jedoch grundsätzlich offen für Geschichten aus allen anderen Museen der Stadt. Eventuell sei künftig auch ein deutscher Ableger des Musee Imaginaire Suisse geplant.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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