Landrat Stephan Santelmann

14 Monate lang hat der Krisenstab des Rheinisch-Bergischen Kreises die Bekämpfung der Pandemie geleitet – bis es Mitte April zum Krach zwischen Kreisdirektor Erik Werdel, der den Krisenstab geführt hatte, und Landrat Stephan Santelmann kam. Der erläutert nun, wie die Kreisverwaltung die andauernde Herausforderung bewältigen soll. Mit externer Unterstützung aus Düsseldorf.

Der Marathon der Corona-Bekämpfung hat die Kräfte der Kreisverwaltung schwer strapaziert, viele Nerven liegen blank. Zum öffentlichen Eklat kam es Mitte April, als sich Kreisdirektor Erik Werdel aus der Leitung des Krisenstabs zurückzog – nachdem Landrat Stephan Santelmann sich in der Frage der Notbremse über das Votum des Krisenstabs hinweg gesetzt hatte.

Damit lief die Maschinerie zunächst aus dem Ruder. Mehr oder weniger alle Mitarbeiter der Pressestelle baten um neue Aufgaben bzw. erkrankten; die veröffentlichten Corona-Daten zeigten immer mehr Widersprüche, Fragen wurde häufig nicht beantwortet.

An diesem Wochenende stellte die Kreisverwaltung gar die direkte Information der Öffentlichkeit ein: Die vorletzte Meldung auf der hochfrequentierten Facebook-Seite sowie auf der Website des Kreises stammt von Freitagnachmittag, war in mehreren Punkten (Distanzunterricht, Ausgangssperre) falsch und ist bislang immer noch nicht korrigiert.

Krisenmanagement neue ordnen

In der vorerst letzten Meldung auf der Facebook-Seite berichtet Landrat Santelmann, die das Corona-Krisenmanagement künftig neu geordnet werden soll. Als Begründung führt er u.a. die „Infektionslage” an, sowie die Bundesnotbremse: „Da die Regelungskompetenz des Kreises in der Coronapandemie außer Kraft gesetzt wurde”, komme es jetzt auf eine enge Zusammenarbeit des Lagezentrums, des Impfzentrums und des Landrates in einem neuen „Corona-Stab” an.

Der Krisenstab selbst, wird erst einmal eingemottet. „Der Stab hat diese außergewöhnliche Herausforderung über die 14 Monate sehr gut bewältigt”, betont Santelmann. Aber „bei einem solchen Zeitraum stößt eine Struktur, die für zeitlich beschränkte Situationen gedacht ist, an ihre Grenzen.“ Daher soll der Krisenstab wieder für seine eigentliche Funktion bereitgehalten werden, „für alle kurzfristigen Krisen wie z.B. Starkniederschläge und Großbrände”.

Der Corona-Stab soll eng mit dem Lagezentrum des Gesundheitsamtes und dem Impfzentrum in der RheinBerg Galerie als selbstständige Einheiten zusammenarbeiten. Zudem kooperiere er mit dem Sozial- und Gesundheitsdezernat und der Pressestelle.

„In der Digitalsierung steckt viel Potenzial”

Enge Zusammenarbeit sei zudem besonders mit dem Personal- und IT-Bereich nötig. So stehen derzeit weitere Personalverstärkungen für das Lagezentrum an. Und in der digitalen Nachverfolgung stecke viel Potenzial. „Deswegen wird es auf eine weitere Stärkung der Digitalisierung ankommen“ sagt Santelmann. Hier gebe es Kooperationsmöglichkeiten mit den Städten Köln und Bonn.

Insgesamt wurde so das Corona-Krisenmanagement in den kommenden zwei bis drei Wochen in die Organisationsstruktur der Verwaltung überführt.

„Marketingunterstützung” aus Düsseldorf

Wer den Corona-Stab operativ leitet, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. In der Woche zuvor hatte Santelmann gesagt, bei der Pandemiebekämpfung übernehme er selbst die Führung, gemeinsam mit Kreisdirektor Werdel. Von Werdel ist in der neuen Mitteilung keine Rede.

Santelmann hatte in der vergangenen Woche und auch an diesem Wochenende die Pressearbeit selbst übernommen, hatte Anfragen kurzfristig telefonisch beantwortet und auch die Pressemitteilungen selbst verschickt. Nach Informationen des Kölner Stadt-Anzeiger erhalte er dabei „externe Marketingunterstützung eines Büros aus Düsseldorf”. Weitere Fragen dazu will er in der kommenden Woche beantworten.  

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Herr Santelmann wirkt immer überforderter. Aber statt ein bewährtes Mittel wie den Krisenstab zu stärken und auszubauen erklärt er, dass solche Einrichtungen nur bei kurzfristigen Einsätzen Sinn hätte. Wenn also z.B. ein Fußballtrainer für eine Bundesligamannschaft nur für kurze Zeit verpflichtet wird, um dem Abstieg zu entgehen, er Großartiges leistet, um dann in die Wüste geschickt zu werden statt seine gelungene Tätigkeit weiter zu führen, dann ist das konterkarierend.

    Und was passiert im RBK? Alles wird durcheinander gewirbelt, Anfragen werden nicht beantwortet, herausgegebene Zahlen zur Pandemie sind falsch, Santelmann wurschtelt mit Hilfe eines Düsseldorfer Büros?

    Der Kreis scheint im Corona-Chaos zu sein und Santelmann zieht immer mehr Aufgaben auf sich, um damit dann nicht fertig zu werden. Mir scheint, dass das nicht so bleiben sollte.