„Gärten des Grauens“ sind bekannt für ihre Schotterflächen und Folienzäune, aber für Vögel und Insekten tödlich. Daher plädiert der Naturschutzverein RBN für Hecken und naturnahe Flächen zum Erhalt der Lebensräume für der Tiere. Er belässt es aber nicht bei Appellen, sondern fordert entsprechende Verbote bei der Gartengestaltung ein.

Der Begriff „Gärten des Grauens“ ist inzwischen bundesweit bekannt – eintönige Schotterflächen in den Vorgärten vor den Einfamilienhäusern haben trotz erheblicher Bedenken auch der Gartenbauer weiter ihren unheilvollen Weg hin zu immer weniger Artenvielfalt, immer weniger Blüten, immer weniger Vögel und Insekten angetreten. Und seit geraumer Zeit erhalten sie – oft kombiniert – Begleitung durch zwei Meter hohe Drahtgeflechte, verhüllt mit schwarzer oder schwarzgrauer undurchsichtiger Kunststofffolie.

„Das ist der absolute Todesstoß für Vögel und Insekten“, sagt der Vorsitzende des (Rheinisch)-Bergischen Naturschutzvereins (RBN), Mark vom Hofe. Den Tieren würden Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten genommen, da häufig kleinere Hecken oder Strauchbereiche fallen mussten, um den Aufbau der abschirmenden Einfriedungen zu gewährleisten.

Wer in seinem Garten ungestört sein wolle, könne dies durch eine Buchen- oder Ligusterhecke genauso gut erreichen – die Hecken trügen nicht nur ihren Teil zur Artenvielfalt und Biodiversität bei, sondern ließen auch Wind und Luft, natürlich dosiert, durch. Kleinere Innenhöfe durch die Folien-Abriegelungen zu umgeben, verhindere die Luftaustausch – angesichts steigender Temperaturen in den Sommermonaten ein wichtiger Faktor, um der Klimaerwärmung etwas entgegen zu setzen. „Hecken und Gehölze, ja auch der Rasen, senken die Temperatut um einige Grad – immer weitere Versiegelungen und Einigelungen schaffen das genaue Gegenteil.“

Naturfreundlicher Steingarten

Der RBN appelliert deshalb, im eigenen Umfeld auf Schottergärten, Gabionen („das sind die in Drahtkörbe eingesperrten Steine“) und Einfriedungen mit undurchsichtiger Folie zu verzichten.

„Wir können nicht Plastiktüten, Plastik-Strohhalme und ähnliches verbieten, gleichzeitig aber diese unnötige Abschottung aus Plastik tolerieren und nichts dagegen unternehmen“, so der RBN-Vorsitzende.

Der (Rheinisch)-Bergische Naturschutzverein (RBN) rege bei allen Grundstückseigentümern an, sich Gedanken darüber zu machen, wie auf der einen Seite weniger wertvoller Boden versiegelt werde und andererseits durch Anpflanzungen die Temperaturen gesenkt werden könnten. „Beton und Steine heizen auf; Bäume, Sträucher, Hecken, Wiesen schaffen Kühle und liefern Lebensraum für Insekten, Vögel, Kleinlebewesen, halten den Boden feucht.“ Gleichzeitig sollten Bau- und Gartenmärkte die Kundschaft entsprechend beraten: „Pflanzen leben und schaffen Buntheit, Pflaster und Schotter nicht!“

Der Verein erwarte von den Stadtverwaltungen und Stadträten im Kreisgebiet, in neuen Bebauungsplänen in den textlichen Festsetzungen diese gegen den Klimaschutz gerichteten Maßnahmen grundsätzlich auszuschließen. Gleichzeitig sollten auch in Baugenehmigungen für Bereiche, in denen es keinen Bebauungsplan gibt, entsprechende Verbote ausgesprochen werden. „Wir werden diese Frage immer wieder erneut stellen und gemeinsam mit anderen daran arbeiten, über die Landesbauordnung entsprechende Ausschlüsse zu erreichen.“

Eigentum verpflichte, mahnt der Verein und weist auch darauf hin, dass gemäß Landesbauordnung Garagen zum Abstellen von Autos vorgesehen seien und entsprechend genehmigt wurden. „Aber schauen Sie doch mal in einen Großteil der Garagen: Rasenmäher, Fahrräder, Regale, Gartengeräte sind dort untergebracht, das Auto steht davor.“ Wie ernst, so der RBN, wird diese Landesbauordnung eigentlich genommen?

RBN

Der (Rheinisch-) Bergische Naturschutzverein ist seit 1975 die Stimme des Naturschutzes im Bergischen Land. Ursprünglich entstanden aus einer Bürgerinitiative engagieren sich Ehrenamtler quer durch das Bergische Land für den Schutz von Natur und Landschaft. Kontakt: info@bergischer-naturschutzverein.de

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12 Kommentare

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  1. Sehr geehrte Frau Barthold,

    die beiden Fragen in meinem Kommentar für den RBN sind, ob die Prüfung von Vorgärten und Garagen im Kampf gegen den Klimawandel wirklich an erster Stelle stehen sollte. Und, ob man in den kleinen Vorgärten von Einfamilienhausbesitzern tatsächlich die Schäden ausgleichen kann, die durch die „großen“ Klimasünden verursacht werden.

    Ich denke nach wie vor: Nein.

    Möglicherweise sehen Sie dies anders. Das kann ich aus Ihrem Kommentar nicht erkennen.

    Zu Ihrer Nachfrage bzgl. Sichtbarkeit des RBN ein aktuelles Beispiel zur Verdeutlichung: Derzeit laufen im Stadtrat Bemühungen, die sog. „weißen“ Flächen zu retten. Es geht um große klimarelevante Flächen und Wald, die den Weg in den Flächennutzungsplan (FNP) bisher glücklicherweise nicht geschafft haben. Offenbar wollen die Mehrheit der Politik und die Verwaltung dies nun nachholen. Hier ist im Interesse des Natur- und Klimaschutzes engagierte, praktische Unterstützung notwendig, aber der RBN bringt sich nicht ein. Er bleibt unsichtbar. Das letzte offizielle Signal im Bürgerportal zum FNP stammt aus 2019.

    Ähnliches gilt für die übrigen von mir aufgeführten Themen, ohne dass ich diese hier im einzelnen ausführen möchte. Vielleicht prüfen Sie einfach selbst einmal, wie aktuell und praktisch engagiert – d.h sichtbar – der RBN hier ist, oder ob es nicht doch eher bei einzelnen Meinungsbekundungen in der Presse geblieben ist.

    Nun habe ich den RBN eigentlich nicht zu kritisieren für das was er tut oder lässt. Das ist mir klar und wäre mir normalerweise im Traum nicht eingefallen. Nachdem die Besitzer von Einfamilienhäusern aber dermaßen einseitig aufs Korn genommen wurden, habe ich mir das ausnahmsweise einmal erlaubt.

    Hinzu kommt, dass Umwelt- und Klimaschutz in Bergisch Gladbach in der kommenden Zeit starke und fachkundige Verbündete ganz besonders benötigen. Z.B. von einem RBN, der bei den großen, evtl. unbequemen Themen zeitnah, vor Entscheidungen der Ausschüsse deutlich Position beziehen könnte.

    Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage damit beantworten.

    Meine Kritik bezieht sich dabei ausschließlich auf dieses spezielle politische Engagement des RBN. Die ehrenamtlichen Aktivitäten habe ich nicht angesprochen und auch nicht gemeint. Insofern verstehe ich Ihre Hinweise da nicht. Im Gegenteil: Ich hatte selbst die Gelegenheit, eine Saison lang u.a. bei der Apfelernte mitzumachen und die fachkundigen, engagierten und sympathischen Menschen des RBN sehr schätzen zu lernen.

    Ansonsten:

    Ihre Feststellung, dass jeder einzelne Bürger seinen Beitrag zu Klimaschutz und Klimawandelvorsorge leisten kann, würde ich unterschreiben. Es darf nur nicht der Eindruck entstehen, die Verantwortung für diese große Aufgabe würde auf ihn abgewälzt.

    Freundliche Grüße
    Hanns-Eberhard Schulze

  2. Sehr geehrter Herr Schulze,
    wie kommen Sie denn darauf, dass der RBN bei den von Ihnen genannten Themen”unsichtbar” ist? Dies entspricht nicht der Realtität. Sie können diverse Stellungnahmen des Naturschutzvereins auch auf dem Bürgerportal nachlesen (siehe oben unter weitere Beiträge zum Thema). Die Feststellungen, die der RBN trifft, sind richtig. Der Verlust der Artenvielfalt ist eben auch ein Indikator für die Folgen des Klimawandels.
    Man kann sicher geteilter Meinung darüber sein, ob Verbote ein wirksames Mittel sind der Versiegelung entgegenzuwirken. Es gibt viele gute Beispiele, wie man auch kleine Gärten und Balkone naturnah gestalten kann (im Internet finden sich viele Anregungen, z.B. bei den Naturschutzverbänden, zu diesem Thema). Im Übrigen leistet der RBN seit vielen Jahren auf ehrenamtlicher Basis wertvolle praktische Natur- und Klimaschutzarbeit (z.B. Erhalt und Pflege von Streuobstwiesen u.v.m.).
    Klimaschutz und Klimawandelvorsorge ist nicht nur eine Aufgabe für Polititk und Stadtplanung, Hier können nur Rahmenbedingungen geschaffen werden. Letzlich kann jeder einzelne seinen Beitrag dazu leisten.
    Mit einem freundlichen Gruß
    Katja Barthold

  3. Danke Herr Schulze, dies würde ich unterschreiben.

    Ich wäre für eine Radikale Idee, die Zandersgebäude, die nicht mehr benötigt werden abreißen und Bäume Pflanzen und aus dem Gelände ein Park machen.

  4. Die Erklärungen des RBN finde ich nachvollziehbar, die Forderung nach Verboten nicht. Verbote und Auflagen haben wir in Deutschland mehr als genug.

    Ich frage mich (und den RBN) allerdings, ob die Gestaltung unserer Vorgärten und die Entrümpelung von Garagen wirklich an erster Stelle eines wirksamen Klima- und Umweltschutzes in Bergisch Gladbach stehen sollte. Ob die Welle, die hier verursacht wird, wirklich der Rede wert ist.

    Mir jedenfalls sind für Bergisch Gladbach spontan ganz andere, wesentlich bedeutsamere Klima- und Umweltthemen eingefallen. Themen, bei denen es um tatsächlich klimarelevante Flächen geht, schon allein aufgrund der Größe.

    Es sind weitgehend „alte Bekannte“:

    – die weiterhin flächendeckende Versiegelung der Stadtzentren (Schloßstraße Bensberg, Zentrum Bergisch Gladbach, Forum Park).
    – die umfangreich geplanten Baumfällungen in der Schloßstraße.
    – Zusätzlich sollen noch 19 Bäume im Bereich „Deutscher Platz“ gefällt werden.
    – die ganz aktuellen Bemühungen von Stadtrat und Verwaltung, weitere klimarelevante Flächen im Flächennutzungsplan (FNP) zur Bebauung unterzubringen
    – Die laufenden Aktivitäten zur Einplanung der Rodung des Neuborner Busches.
    – Die seit Langem fehlende Berücksichtigung von Klimawandel und Klimanotstand in den baulichen Projekten und Ausschreibungen der Stadtverwaltung

    Alles Themen bei denen der RBN unsichtbar ist.

    Stattdessen schielt man auf kleine Vorgärten und unaufgeräumte Garagen – ganz exklusiv – von Einfamilienhausbewohnern. Mit dem Ruf nach Gesetz und Ordnung.

    Für mich klingt das – zugespitzt – so, als sollte ein Teil der Bürgerschaft mit möglichst zahlreichen Pflänzchen, hinreichend großem Schäufelchen und einigen Eimern Mutterboden versuchen, die Klima gefährdende Maschinerie von Stadtverwaltung und Immobilienwirtschaft auszugleichen. Ohne Kosten und Mühen zu scheuen.

    Das kann nicht gelingen!

    Warum nicht wirklich etwas für die Umwelt und gegen den Klimawandel unternehmen? Da wäre ich dabei.

  5. Dass die Plastikzäune potthässlich sind, steht wohl außer Frage. Die Naturschutzbedenken dagegen sind aber ziemlich schwurbelig formuliert. Dass jemand eine Hecke entfernt, um sich so eine ästhetische Katastrophe hinzustellen, dürfte ein seltener Ausnahmefall sein. Da stört sich wohl jemand einfach an der Optik und versucht sich an einer rationalen Begründung.

    Ähnliches gilt für die Gabionenzäune: Erst einmal ziemlich unschön, aber wenn man sie wie eine Trockenmauer bewachsen lässt, machen sie richtig was her und sind auch als Kleinbiotop sehr wertvoll.

    Übrigens: Dass der RBN „die“ Stimme des Naturschutzes im Bergischen Land sei, klingt schon merkwürdig. Da gibt es noch zahlreiche andere Stimmen, die teils auch bekannter und einflussreicher sind.

  6. Die Kritik des RNB teile ich voll und ganz. Nahezu jeder Politiker in Stadt und Land spricht sich für Umwelt und Nachhaltigkeit aus. Praktisch geschieht aber wenig. Der Artikel bringt es auf den Punkt und spricht aus, was vielen Menschen am Herzen liegt. Das Insektensterben und in Folge dessen der Rückgang der Vögel ist seit langem bekannt und sollte endlich in unseren Köpfen angekommen sein. Die Bodenversiegelung und das Speichern der Wärme in den Steingärten erhöht im Sommer unser Stadtklima, während grüne „Oasen“ Kühle und Feuchtigkeit spenden.
    In der Landesbauordnung heißt es klar und deutlich, dass unbebaute Flächen auf Baugrundstücken bepflanzt und begrünt werden müssen! Ausnahmen sind u.a. Carports, Müll- und Fahrradabstellplätze. Für mich ist das eine deutliche Aussage, der Beigeordnete Harald Flügge scheint das aber anders zu sehen, wie bereits von Ihnen berichtet wurde.
    Im Landtag steht gerade jetzt eine Novellierung (Änderung) der Landesbauordnung an und ich hoffe, die Politiker fügen in § 8 den Satz ein, dass eine Gestaltung, die hauptsächlich aus Steinen besteht, verboten ist. Das wird dem Gesetz zu mehr Klarheit verhelfen und die Menschen in ihrem begründeten Widerstand gegen die Steinwüsten im Vorgarten unterstützen. Das Setzen auf Freiwilligkeit und Einsicht sowie Wettbewerbe für den schönsten Vorgarten sind dagegen nicht hilfreich und bringen kaum etwas. Manchen Menschen ist unsere Umwelt egal und deshalb bedarf es klarer Regeln. Ich hoffe sehr, dass bald auch die Stadtverwaltung selbstbewusst gegen diese zunehmende Unsitte vorgeht.

  7. Hallo,
    leider musste ich soeben bei einem Spaziergang feststellen, dass an der Straße vom Papiermuseum zum Igler Hof der grüne Randstreifen beseitig und mit Schotter bedeckt wird. Es liegt dort ein großer Haufen Schotter und ein kleiner Bagger steht bereit. Ein kurzer Teil ist schon so bearbeitet. Das ist nicht nur Umweltfrevel, sondern ich erkenne auch keinen Sinn darum, warum das der Eigentümer will. Die Straße ist eine Privatstraße. also bitte nicht auf die Stadt einprügeln.

  8. Christian, herzlichen Glückwunsch zu diesem Kommentar!

    Immerhin haben Sie ja mit ihrem PKW-Parkplatz den öffentlichen Raum entlastet. Das ist ein Unterschied zu diesen unsäglichen Steinwüsten. Hier sollte man erstmal ansetzen… Wir reden von 20-3oqm großen Gärten, die ausschließlich aus Steinen bestehen. https://de-de.facebook.com/GaertenDesGrauens/
    Diese Industriezäune mögen fürchterlich aussehen, sind aber nicht zwingend das große Problem im Sinne der Versiegelung. Das Problem ist aber anscheinend auch die Beratung bei einigen Betrieben im Landschafts- und Gartenbau. Was nicht angeboten wird, wird auch nicht nachgefragt.

  9. Liebes iGL-Team,
    erst mal vielen Dank für die sehr guten und informativen Beiträge.
    Bei dem Beitrag über naturfreundliche Gärten, ohne Schotter und Plastikabtrennungen wurde mir aus der Seele gesprochen. Schon lange überlege ich, dieses Thema hier in Overath bei dem Bürgermeister mal anzuschneiden. Es ist erschreckend, wie viele auf solche leblosen Gärten umstellen.

    Übrigens: Z. Z. des Klimawandels würde ich eine Pflicht zum Aufbringen von Solarzellen auf den Dächern bei Neubauten sehr begrüßen.

  10. Rasenflächen sind für die Insektenwelt übrigens genauso überlebensnotwendig, wie grün angestrichener Asphalt.

  11. Diese Verbotskultur geht mir gehörig auf den Sack.
    Ja ich habe meinen Vorgarten in einen PKW Stellplatz umgewandelt, bitte nimmt mich in Ketten und stellt mich an den Dorfpranger, damit ich mit Biotomaten beworfen werden kann.

  12. Und wenn man nun einen Zaun baut und dahinter eine Hecke hat?

    Bei Neubau eine zwei Meter hohe Hecke pflanzen zu lassen ist ein wirklich teurer Spaß. Da sind die Zäune eine gute Möglichkeit.

    Dazu noch als Diebstahlschutz, da neue Hecken kein Hindernis für Gelegenheitsdiebe darstellen.

    Man sollte den Bürgern Hilfestellungen an die Hand geben, aber nicht mit Verboten arbeiten.

    Werden demnächst auch Freigänger bei Katzen verboten? Der Verlust an Singvögeln ist sicherlich größer als durch ein paar Zäune oder Steingärten.

    Und wo ist der Übergang vom Steingarten zum Garten? Anzahl an Pflanzen pro qm? Gar keine Steine mehr am Boden?
    Man kann ja viel fordern, aber sollte auch mal spezifizieren, was man fordert.