St. Antonius Abbas

Engelbert M. Müller stellt den siebten kleinen Bruder der Strunde vor: den Hombach. Seine Quelle liegt unterhalb der Kirche des heiligen St. Antonius, im Rheinland auch als „der Ferkestünn“ bekannt. Ihm begegnet man mehrfach auf dem Weg von Herkenrath bis zur Mündung des Baches in die Strunde.

Die Kirche St. Antonius Abbas in Herkenrath liegt zwischen den zwei Quellflüssen des Hombachs. So drängt sich eine gedankliche Verbindung zwischen dem Bach und der Kirche förmlich auf.

Ich machte mich auf die Suche nach der Quelle des längeren Zuflusses an der St. Antonius-Straße. Ohne die Hilfe von Frau Dramaix hätte ich seine Quelle nie gefunden, zumal der Bach sich hier in einem Siefen befindet, der zu etlichen verschiedenen Gartengrundstücken gehört.

Frau Dramaix redete sehr liebevoll von dem Quellgebiet in der Tiefe ihres Gartens und ungehalten über die Verschmutzungen, die sich im Laufe der Jahre dort ansammelten, chemische Verunreinigungen, alte Autoreifen, allerlei Schrott.

„Vielleicht ist es kein Zufall, dass sie griechischer Herkunft ist“, kam es mir in den Sinn. Ich dachte dabei an meine Erfahrungen im heutigen Griechenland und die Tatsache, dass dort an vielen Stellen Quellen noch heute mit Ehrfurcht betrachtet und besucht werden.

Vor unserer Verabredung gab sie mir am Telefon den Rat, Gummistiefel mitzubringen. Die erwiesen sich als unentbehrlich, als ich vor ihrem Haus im Asselborner Weg durch ihren Garten in den Siefen hinunterstieg.

Dort bot sich mir ein ungewöhnlicher Anblick: ein sumpfiges Naturparadies, fast unzugänglich, obwohl mitten in Herkenrath gelegen. Ganz in der Nähe des Schulzentrums Herkenrath. Mir kam gleich eine mögliche Arbeitsgemeinschaft einer der Schulen in den Sinn, die sich mit diesem Naturparadies beschäftigen könnte. Zusammen mit einem Biologielehrer zum Beispiel.

Aber wie gesagt, genau zwischen den beiden Quellbächen liegt die tausendjährige Kirche des Ferkestünns. So nämlich wird der heilige Antonius der Große im Rheinland genannt. Weil er immer mit einem Schwein abgebildet wird.

Der Heilige lebte um das Jahr 300 n.Chr. in Ägypten und war der Vater des Mönchtums. Es ist auffällig: In der Kirche von Herkenrath ist er gleich dreimal abgebildet. Wie man sieht, jedes Mal mit einem Schwein.

Zwei Figuren befinden sich im Inneren der Kirche, eine außen am Turm.

Warum er immer mit einem Schwein dargestellt wird, ist nicht ganz klar. Manche Kunsthistoriker führen das Schwein auf seine Visionen zurück, wie sie von vielen Künstlern dargestellt wurden. Hier in einem Gemälde von Hieronymus Bosch.

Plausibler ist die Behauptung, dass das Schwein auf den Orden der Antoniter zurückzuführen ist, dessen Mönche im Mittelalter von der Bevölkerung freilaufende Schweine geschenkt bekamen, als Dank für die Hilfe bei der Krankenpflege. Sie kümmerten sich vor allem um Kranke, die sich am Mutterkorn vergiftet hatten.

Am Ende dieses Artikels wird man sehen, dass ich in der Nähe der Mündung des Hombachs die – heute seltene – Gelegenheit hatte, freilaufende Schweine zu beobachten. Zufall?

Die 1000-jährige Kirche von Herkenrath glänzt noch mit mehreren kunsthistorischen Besonderheiten, einem romanischen Taufstein, einem romanischen Schiff, den modernen Wandmalereien von Gottfried Hermann und dem Fachwerk-Heiligenhaus vor der Kirche. Die Besichtigung der Kirche in die Wanderung einzuschließen, lohnt sich.

Doch nun zurück zum Hombach. Unterhalb des Kirchbergs fließt er weiter in Richtung Hombacher Weg.

In dem sich anschließenden einsamen Tal stehen mehrere schöne alte Fachwerkhäuser.

In Unterhombach lohnt sich ein kurzer Abstecher nach Oberhombach. Dort finden wir am Ende des Fachwerk-Weilers ein Wegkreuz mit einer weiteren Abbildung des Ferkestünns.

Neben der Straße hinunter ins Tal führt ein verwunschener Wanderpfad am Bach entlang. Im Wald bei Gut Schiff mündet der Hombach schließlich in die Strunde.

Auf Gut Schiff ließ mir die freundliche Bäuerin ihre glücklichen Schweine für das Abschlussfoto frei laufen. Im Gedenken an Ferkestünn und die Antoniter.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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7 Kommentare

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  1. Wieder ein sehr lehrreicher Beitrag! Mit schönen Fotos. Vielen Dank!
    Und bitte weiter so!!!
    Ich lerne immer noch Neues dazu.

  2. Bei der Erstellung einer Broschüre aller dieser liebevoll beschriebenen Bäche könnten doch NABU, BUND, RBN und die Stadt(Verwaltung) mitwirken. Gerne auch Brief an die Fraktionen oder Ausschuss für Anregungen bitten, das Projekt auch finanziell zu unterstützen (mehr machen „die“ eh nicht )

  3. Auch erwähnenswert: Alte Rosskastanien am Fachwerk-Heiligenhaus vor der Kirche St. Antonius Abbas. Siehe: kuladig.de „Naturdenkmal ‚Zwei Rosskastanien‘ an der katholischen Kirche in Herkenrath“.

    Noch etwas zu Walter Severin (1925-2015): in 1947-1953 Fußballer bei Preussen Dellbrück, Mitbegründer der Fußballabteilung des TV Herkenrath und Förderer des Vereins, Rektor an der ehem. Johanniter Volks-/Hauptschule in Herkenrath, Wanderfreund, Bereiter von Wanderwegenetzen (bei Herkenrath u.a.), am 12.12.2015 verstorben, nach Trauerfeier in St. Antonius Abbas auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.

  4. In der Tat, eine wunderschöne Heimatgeschichte. Es gibt sicher noch viel mehr davon. Hoffentlich dürfen wir noch mehr erfahren.

  5. Ein wunderschöner Beitrag, der Autor sollte alle Berichte in einem Büchlein zusammenfassen. Ich bin jedes Mal begeistert. Danke Engelbert M. Müller. Besonders schön „Der Tünn mit der Sau“ aus Herkenrath, der vom früheren Schulleiter der Herkenrather Schule, Walter Severin, oft besungen wurde.

  6. Die sehr anregenden geschilderten Quellwege der Zuflüsse zur Strunde regt mich zu Wanderungen in die vor der Haustür liegende Natur und Geschichte an. Vieles ist mir neu. Auch die gelungenen Fotografien vertiefen mein Gefühl für diese schöne Umgebung.

  7. Die Artikel von Engelbert M. Müller über die kleinen Brüder der Strunde habe ich mit großem Interesse verfolgt. Mit den dazugehörigen Fotos kann man sich so manches schöne Bild von den mitunter ganz versteckten Quellen und Siefen machen. Vielen Dank für diese kleine Reise in doch weitestgehend unbekannte Ecken rund um die Strunde!