Zum Abschluss dieser Serie stellt unser Autor den Mutzbach vor, der zwar kein Bruder der Strunde ist, denn Quelle und Mündung liegen außerhalb von Bergisch Gladbach. Aber an seinem Lauf kann man viele, zum Teil recht unbekannte Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele entdecken. Und erholsame Wanderungen in der Natur genießen.

Eigentlich ist der Mutzbach nicht klein, auch kein Bruder der Strunde, sondern eher ein Vetter. Kein Bruder, weil er nicht in Bergisch Gladbach entspringt und auch nicht in Gladbach endet, nach seinem immerhin 15 Kilometer langen Lauf. Aber zu einem großen Teil fließt auch er durch unsere Stadt.

In Odenthal-Voiswinkel, gleich unterhalb des Bauernhofs mit der Milchtankstelle entspringt er.

Die vielen Radfahrer und Spaziergänger, die an Wochenenden hier bei Affemia frische Luft und mehr tanken, wissen wahrscheinlich nicht, dass ganz in der Nähe der Mutzbach das Licht der Welt erblickt, ein Begleiter menschlicher Besiedlung seit Jahrtausenden.

Wie viele andere Bäche entspringt er in einem tief eingeschnittenen Siefen. Auffällig ist der Artenreichtum des Baumbestands: zum Beispiel Eichen, Buchen, Kirschen, Erlen und Eschen.

Von hier, in Oberborsbach, das zu Odenthal-Voiswinkel gehört, hat man einen schönen Blick ins Rheintal mit dem Kölner Dom. Als wüsste der Mutzbach schon, dass er nach Bergisch Gladbach auch Teile von Köln durchfließen wird.

Gladbacher Gebiet „betritt“ er zuerst in Unterboschbach. Hier ist er noch sehr schmal. Trotzdem wurden für die Schafe, die hier weiden, kleine Holzbrücken gebaut.

Waren die schon immer hier, oder hat hier der Wupperverband mit Renaturierung seine Hand im Spiel? Auch in vorgeschichtlicher Zeit und im Mittelalter wurden Waldränder, Heidelandschaften und anschließende Wiesen oft von Schafen beweidet.

Der Mutzbach bildet an einigen Stellen die Gemeindegrenze zwischen Odenthal und Bergisch Gladbach, nachdem er die Odenthaler Straße unterquert hat. In Hebborn tritt er aus einem bewaldeten Siefen heraus auf das Gebiet des Mutzer Felds.

Hier handelt es sich um ein Gelände, auf dem zahlreiche vorgeschichtliche Funde gemacht wurden. Darauf weist auch der Straßenname Am Urnenfeld hin. Die ältesten Funde auf dem Mutzer Feld sollen laut der Bergisch Gladbacher „Stadtgeschichte in Straßennamen“ 10 000 bis 8000 Jahre alt sein.

Auf diesem Foto sehen wir eine fränkische Urne, gefunden im Mutzer Feld. Es wurde mir freundlicherweise vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

Noch im Siefen traf ich auf Herrn Möhlmann, auf dessen Grundstück sich ein kleiner Weiher befindet, der auch auf der Karte erkennbar ist.

Der vom Mutzbach gespeiste Weiher gehört zu einem System von Weihern, in denen ein Bauernhof eine Fischzucht betrieb, wie mir Herr Möhlmann versicherte. Sein Freizeithobby besteht darin, den nahezu versumpften Teich in mühevoller Arbeit wiederzubeleben.

So sieht man vor sich einen malerischen Teich mit Holzwänden, wie man sich ihn im Mittelalter vorstellen könnte. Der Mutzbach-Fan hat im Schlamm auch einen sogenannten Mönch gefunden, über den der Abfluss des Wassers reguliert werden kann.

Meine nächste Station ist Alt-Paffrath. Hier fließt der unterirdische Mutzbach-Kanal um die Paffrather Kirche herum, ganz in der Nähe von Haus Blegge.

Man kann also vermuten, dass die Gründung von Paffrath auch die Wasserversorgung des Grabens um die Wasserburg Blegge etwas mit dem Mutzbach zu tun hatte. Auf jeden Fall fließt das Wasser im Graben von Haus Blegge auch heute noch in Richtung Mutzbach ab.

Natürlich sind auch die Reste von früheren Mühlen Zeugen der Vergangenheit am Mutzbach. Die etliche Jahrhunderte alte Paffrather Getreidemühle ist heute Teil einer modernen Wohnanlage. Ein freundlicher Bewohner erlaubte uns einen Blick auf das alte Mühlrad im Inneren seines Hauses.

Dann wandert man durch ein renaturiertes Gebiet mit weitflächigen Schafweiden. Der Wupperverband musste hier einen Kompromiss schließen mit dem Schäfer, damit dessen Weideland nicht zu sehr durch den freien Verlauf des Mutzbachs eingeengt wird. Zwischen Kombibad und Gesamtschule bildet der Bach einen schönen See.

An manchen malerischen Ansichten des Bachs vorbei gelangt man schließlich zur Diepeschrather Mühle.

Auch die Diepeschrather Mühle diente jahrhundertelang als Getreidemühle. 1911 brannte sie komplett ab. Heute befindet sich hier neben einem Reiterhof ein beliebtes Ausflugsrestaurant. Das Mühlrad konnte man bis vor wenigen Jahren noch in Betrieb sehen.

Am Waldbad Köln-Dünnwald vorbei gelangt man in den Wildpark, der vor allem bei Kindern sehr beliebt ist. Neben dem Mutzbach sieht man hier allerlei Getier.

In der Nähe des Waldbads befindet sich ein archäologisch wichtiges Gebiet: die Dünnwalder Hügelgräber. Die Funde zeigen, dass hier vor 3000 Jahren die sogenannten Bandkeramiker die Asche ihrer verbrannten Toten in einer Urne bestatteten.

Dünnwald als Ort feierte vor drei Jahren sein 900jähriges Bestehen. Auf einer Seeinsel im Wald konnte man damals eine historische Kriminalkomödie erleben.

Noch heute gut sichtbar ist ein anderer Zeuge der Siedlungsgeschichte am Mutzbach: die Wasserburg Haus Haan. Der Graben wird vom Mutzbach mit Wasser versorgt.

Die Bewohner der Wohnanlage zeigten mir den Grundstein des barocken Schlosses im Hauptgebäude. Auf ihm ist in lateinischen Zahlen das Jahr 1601 angegeben. Urkundlich ist die Wasserburg aber schon seit 1200 belegbar.

Im Zentrum von Dünnwald begleitet der Mutzbach eine schöne Promenade.

Am westlichen Ende stoßen wir dann auf den eigentlichen Siedlungskern des Ortes: Klosterhof und Kirche St. Nikolaus. In der Kirche, die zu den sogenannten kleinen romanischen Kirchen von Köln gehört, beeindrucken vor allem die gotischen Fresken in der Sakristei.

Heute noch bietet die Gesamtanlage von Kloster, Klosterhof und Kirche, umflossen vom Mutzbach, einen mittelalterlichen Eindruck, wie man ihn selten findet.

Hier biegt der Mutzbach in einem weiten Bogen nach Norden ab, noch nicht beeinträchtigt durch Eisenbahn und Autobahn. Weite Grünflächen geben den Blick frei auf seinen Lauf mit altem Baumbestand.

Danach folgt ein Waldgebiet mit dem weiten Von-Diergardt-See, mit seinen erstaunlichen Sandufern. Es handelt sich allerdings um ein ehemaliges Baggerloch, welches nicht vom Mutzbach durchflossen wird.

Der begegnet uns dann erst wieder in Kurtekotten. Das alte Hofgut wurde in den 60er Jahren von der Firma Bayer abgerissen, zugunsten der weitläufigen Sportanlagen und des Segelflugplatzes.

Vorhanden sind aber noch spärliche Reste der mittelalterlichen Motte Kurtekotten, mitten im Gelände der Sportanlagen, eine baumbestandene Insel in einem Teich. So oder ähnlich wird die Burg im Mittelalter ausgesehen haben.

Der Wupperverband hat heute hier seine Hand im Spiel, sei es bei Maßnahmen am Mutzbach im Sportgelände, sei es, wenn es darum geht, den nebenan fließenden Bach in den Teich zu leiten. Dabei muss es sich in bebauten Gebieten immer um Kompromisse handeln.

Solche Kompromisse waren im dicht bebauten Leverkusen-Manfort zwar angedacht, aber schließlich nicht zu verwirklichen. Unmittelbar bevor der Mutzbach nach einem engen Betonkorsett zum letzten Mal in einem Stück Natur erscheint, im Manforter Lindenhof-Teich.

Eingekeilt zwischen den Lärmschutzwänden der Autobahn und Siedlungsblocks in Manfort findet sein Wasser sein trauriges Ende in einem Kanal, der es kurz danach unterirdisch in die Dhünn und später in die Wupper und den Rhein leitet.

An manchen Stellen des Mutzbachs wurden schon gute Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, andere werden vielleicht folgen, aber überall wird das wohl nicht möglich sein.

Freuen wir uns über die Strecken, wo er uns schon jetzt malerische Blicke und gute Wandermöglichkeiten bietet, mit interessanten historischen Erinnerungen –und Einkehrmöglichkeiten! Ob wir irgendwann von seinem Wasser einmal trinken können?

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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5 Kommentare

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  1. Und wieder viele schöne Fotos, vielen Dank!

    Noch etwas zu Paffrath und dem Umfeld des Mutzbach:

    Im NSG Fronnenbroich/Buschhorner Bruch, zwischen Torringen und Nußbaum, wenige 100 m vom Mutzbach entfernt, entspringt der Weidenbach, der weiter südwestlich nahe der Diepeschrather Mühle von rechts in den Mutzbach mündet.
    Im Oberlauf des Weidenbach, also im NSG-Gelände nordwestlich von Nußbaum, liegt der sog. Grüne Weiher. Es handelt sich um einen abgesoffenen Tagebau der ehem. Eisengrube Eduard & Amalia. Grubenbesitzer war der Unternehmer Eduard Knobel (1801-1870). Er besaß auch Anteile an weiteren Erzgruben im Bensberger Revier, war Gutsbesitzer auf Haus Lerbach und Betreiber der Schnabelsmühle an der Strunde in Stadtmitte (zusammen mit seinem Partner und Papierfabrikanten Friedrich Wachendorff).

    Vom Betrieb auf o.g. Eisengrube gibt es Fotos von Vinzenz Feckter (1847-1916) aus Paffrath, Fotopionier und vermutlich einer der ersten Industrie-Fotografen.

    Auch ist auf einem seiner Fotos das Wohnhaus Flachsberg Nr.14 in Paffrath zu sehen. In dem Haus (heute Bäckerei) lebte einst die Schneiderfamilie Buschhorn. Eine Tochter des Hauses heiratete in 1823 den Schuhmacher Mathias Debos. Dieser verließ Jahre später die Familie, lebte als Vagabund, verübte vielerorts seine
    Streiche und erzählte anderenorts gerne über seine „Heldentaten“. Er wurde als „Tobias von Hebborn“ und „Lügschuster“ bekannt und gilt als Bergisch Gladbacher Original. An seinem Todestag fand man seine Leiche auf dem Heuboden des alten Gronauer Wirtshauses (bzw. Gronauer Hof). Laut einem Bericht im KStA hat Tobias von Hebborn auch für die Namensgebung der ehem. Gastwirtschaft „Zum löstigen Dreck“ an Ecke Laurentiusstraße/Odenthaler Straße gesorgt, indem er die Hausfassade mit Lehm bewarf, nachdem Soldaten der damaligen französchen Besatzungstruppe die Einheimischen aus der Gastwirtschaft vertrieben hatten.

    Siehe Wikipedia (auch Bilder/Fotos): NSG Fronnenbroich/Buschhorner Bruch,
    Grube Eduard & Amalia, Eduard Knobel, Vinzenz Feckter, Tobias von Hebborn.

  2. Der Mutzbach ist ja mein Hausbach und der des Reporterhundes. Und ich denke, man kann sein Wasser auch jetzt schon trinken. Es gibt Stellen, an denen sich Fische tummeln. Ich selbst habe schon öfter ohne schlechtes Gewissen oder ungutes Gefühl aus dem Bach getrunken, wenn die Trinkflasche leer war. Es gibt verschmutztere Gewässer, als den Mutzbach und ich denke Cola ist schädlicher. :)

  3. Da ich in Paffrath wohne, ist mir der Mutzbach mit seinen schönen Möglichkeiten zum Spazierengehen in der Nähe des Kombibads oder auch an der Diepeschrather Mühle sehr lieb und vertraut! Früher haben die Kinder dort gerne am Wasser gespielt – und neulich hatte der kleine Enkel auch wieder großen Spaß am (und im) Wasser des Mutzbachs. So erfreut er nun schon einige Generationen und es ist zu hoffen, dass die Wasserqualität einigermaßen gut bleibt!
    Vielen Dank, lieber Autor, für die schöne und informative Serie über die kleinen Brüder ( und Vettern) der Strunde.

  4. Mit Vorfreude haben wir auf diesen letzten Bach, den Mutzbach, gewartet. Mit der Vorstellung „ist ja unser Bach, ganz in der Nähe“ war auch der Gedanke verbunden „kennen wir alles“. Groß war die Überraschung, in diesem informativen Artikel Einiges an Neuem über „unseren Bach“ zu lernen. Dafür, lieber Manfred Müller, besonderen Dank.

  5. Lieber Manfred Müller, danke für diese tolle Serie in Sachen praktischer Heimatkunde! Wir sind bei vielen Wanderungen in der Vergangenheit diesen Bächen immer wieder begegnet, nun aber werden wir nach und nach ihren Verläufen auf Deinen Spuren folgen.
    Ursula Hinrichs und Heinz-D. Haun