Vollbach

Der vierte „kleine Bruder der Strunde“, den Engelbert M. Müller vorstellt, ist der Volbach. Auch bei ihm ist es nicht ganz klar, wo er genau entspringt. An seinen Ufern wurde Zink abgebaut und so findet man heute noch alte Wohnhäuser und Überreste der Gruben auf einer Wanderung entlang des Baches von Herkenrath bis zu zur Mündung in die Sülz bei Immekeppel.

Das romantische Volbachtal erstreckt sich ganz im Osten von Bergisch Gladbach, über mehr als fünf Kilometer von Herkenrath bis Immekeppel. Die schönsten Blicke hat man vielleicht zur Zeit der Kirschblüte – aber auch danach lohnt sich diese Wanderung.

Die Suche nach der Quelle gestaltet sich hier noch schwieriger als bei den anderen Bächen, weil der Oberlauf zahlreichen Fingern einer Hand ähnelt, wie ein umgekehrtes Delta. Und es ist schwer zu sagen, welcher der richtige Finger ist.

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Einer der zahlreichen Quellsiefen befindet sich gleich unterhalb der Evangelischen Kirche in Herkenrath, am Ende der Straße „In der Heilen“.

Wenn man für eine Wanderung durch das Volbachtal mit dem Bus anreisen will, kann man übrigens an der Haltestelle Oberheide aussteigen. Etliche weitere Quellsiefen des Volbachs kann man unterhalb von Oberheide vermuten, in der Nähe dieses Bauernhofes:

Und in der Nähe dieses Wanderwegs, der von Herkenrath ins Volbachtal hinabführt.

In dem schönen Haus Volbach 21 begegnet uns zum ersten Mal die frühere wirtschaftliche Bedeutung des Tals. Es handelt sich um das Haus des Steigers der Zeche Berzelius. So erklärte es mir ein früherer Bewohner des Hauses.

Die Zeche Berzelius war eine der zahlreichen Gruben des Bensberger Erzreviers, in dem hauptsächlich Zink gefördert worden war. So gewaltig sah die Zeche Berzelius um 1880 aus.

Foto: Wikipedia

Sie befand sich in Wulfshof an der Stelle der heutigen Firma Max Baermann. Diese ist weltweit aktiv als Hersteller von Magneten, wie sie auch in Kühlschränken verwendet werden.

Im Bild das Verwaltungsgebäude. Zu Zeiten der Zeche war es ein Konsum für die Arbeiter. Die Glocke auf dem Dach wurde zu Beginn und Ende der Schicht geläutet.

Hier sehen wir auch noch die Fundamente der ehemaligen Aufbereitungsanlage der Grube, das Steigerhaus und das Zechenhaus.

Wir können nun eine etwa einstündige Wanderung bis zur Mündung des Volbachs in die Sülz in Immekeppel beginnen. Vorher oder auch auf dem Rückweg lohnt sich ein Abstecher zur Volbacher Mühle.

Herr Schwamborn zeigte mir im Haus das noch erhaltene Mühlrad. Die Achse aus Eiche ist besser erhalten als die Metallteile. Seine Familie besitzt das Mühlenhaus mittlerweile in der 7. Generation.

Unterhalb von Wulfshof sieht der Wanderer abwechselnd Erinnerungen an die Zeit der Erzgruben einerseits und malerische renaturierte Landschaft andererseits.

Hier ein Haldenrest der Grube Apfel.

Und das Zechenhaus der Grube Apfel, welches später einmal zum Försterhaus wurde.

Schließlich das Steigerhaus der Grube Apfel.

Dann geht die Wanderung weiter durch eine zauberhafte, stille Landschaft mit wechselnden Blicken auf den Volbach.

Frau Schremmen aus Immekeppel unternimmt im Alter von 86 Jahren noch weite Wanderungen. Sie erzählte uns, dass dieser Weg den Volbach entlang von ihrer Großmutter „de Appeler Bahn“ genannt wurde, weil hier eine Bahn das Erz aus der Grube Apfel abtransportierte.

Ein Stück weiter kommt man am liebevoll gestalteten Garten des Künstlers Uszpelkat vorbei, der leider vor zwei Jahren verstorben ist. Hier eine Michelangelo-Replik, die er geschaffen hat.

Der Bergische Naturschutzverein schützt in den anschließenden Sumpfwiesen ein besonderes Biotop und lässt hier Wasserbüffel grasen.

In Immekeppel schließlich mündet der Volbach in die Sülz.

Wiederum ein malerisches Fleckchen Erde. So ist es kein Zufall, dass die Teiche im Volbachtal Künstlern aus dem Bergischen Modell gestanden haben.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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6 Kommentare

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  1. Vielen Dank an Herrn Müller für diesen schönen Bericht! Vor ein paar Tagen war ich in Immekeppel und bin über den Jucker Weg bis zur Firma Baermann gelaufen und zum ersten Mal durch das Volbachtal zurück und war verzaubert von diesem schönen und friedlichen Tal. Die schönen Bilder und Informationen haben dies nun noch vertieft, vielen Dank!

  2. Hoffentlich gibt es diese hochinteressanten Berichte später mal auch als Broschüre zum nachlesen.
    Chapeau für die RechercheArbeit !

  3. Bergische Landschaftsgemälde gibt es auch von Albert Siebenmorgen (1894-1978), der lange in Immekeppel gelebt hat, dort Pädagoge in der Dorfschule war und auch als Fotograf, Heimatforscher/-kundler u.a. gewirkt hat.

  4. Im Volbachtal stehn auch meine Pferde, auf den Fotos sieht man sogar ein paar ;)

  5. Ein ganz toller Bericht. Jetzt lebe ich hier schon seit über 25 Jahren und das Volbachtal ist seit all den Jahren mein 2. Wohnzimmer insbes. wo jetzt auch Immo und Keppel hier im Sommer beheimatet sind.

    Viele Fragen zu der Gegend wurden mir durch die Lektüre der Bücher von Willi Fritzen beantwortet.

    Noch offene Fragen wurden mir gerade nach diesem Bericht beantwortet. Da gab es noch einige Dinge, die ich nicht kannte. Wie z.b. der Konsum für die Arbeiter oder das ehemalige Zechenhaus, welches mir lediglich als Forsthaus ein Begriff war.

    Vor ca. 56 Jahren war ich schonmal in der Gegend. Damals ging der Klassenausflug meiner Schulklasse der Realschule Frechen unter der Leitung des Biologielehrers der auch Klassenlehrer war, nach Immekeppel. Die Wanderung mit Butterbrot und Trinkflasche ging durchs Volbachtal und bei Moitzfeld wurden wir wieder vom Bus abgeholt.
    Diese Wanderung führte er wohl mit all seinen Schulklassen durch.

    Auch von mir besten Dank für den tollen Bericht.

  6. Es macht immer wieder Spaß diese Berichte zu lesen und Informationen zur Geschichte zu erhalten.
    Vielen Dank Herr Müller