Das Tor zum Alten Freibad - hier mündet der Asselborner Bach in die Strunde, am Ende unserer Wanderung.

Als achten kleinen Bruder der Strunde stellt Engelbert M. Müller den Asselborner Bach vor. Lange Zeit war seine Quelle die Wasserversorgung von Braunsberg, aber nach dem Krieg wurde alles anders. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging, weiß man bis heute nicht genau. Aber auch der Asselborner Bach lädt zu einer wunderbaren Wanderung ein.

Auf der Karte sieht man, dass es sich bei Herkenrath um einen wahren „Hotspot“ für die kleinen Brüder der Strunde handelt. So nennt man ja laut Duden seit 2004 einen „Ort, der eine besondere Anziehungskraft ausübt“. In diesem Fall für Quellen und Bäche.

Zwischen Herkenrath und Bärbroich findet man Höhen von 231 m und in Bärbroich den höchsten Punkt von Bergisch Gladbach, die Höhe 267. Von der war im Bürgerportal schon mehrmals die Rede. Heute wollen wir uns den Asselborner Bach anschauen.

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Den Asselborner Bach kann man gut auf einer Wanderung von Herrenstrunden aus kennenlernen.

Man beginnt in Herrenstrunden mit dem Trotzenburger Weg. Insgesamt dauert die Wanderung etwa eine Stunde. Von Spitze geht es weiter nach Asselborn. Dort machte ich mich auf die Suche nach der Quelle.

Ich erhielt den Hinweis, dass diese sich auf dem Braunsberg befinde. Familie Lennefer könne mir Genaueres sagen. Dazu musste ich zurück nach Herkenrath, auf die Straße nach Spitze.

Hier geriet ich an Herrn Engels, einen ehemaligen Fliesenleger, der mir sofort interessiert und sehr offen über die Geschichte der Quelle erzählte:

„Bis zum 2. Weltkrieg diente die Quelle der Wasserversorgung von Braunsberg. Wir zahlten 1 Mark monatlich. Damals hatten wir noch keine Wasseruhr. Wir konnten soviel Wasser benutzen, wie wir brauchten.“
„Und wie kam das Wasser in die Häuser?“
„Über eine Pumpe und eine anschließende Leitung.“
„Und wer hat die Leitung gebaut?“
„Ein Installateur von Braunsberg. Wir waren alle sehr zufrieden mit der Situation, bis nach dem Krieg alles anders wurde.“
„Wieso?
„Die Stadtwerke Bensberg. Sie wollten, dass wir an die Wasserleitung von Herkenrath angeschlossen wurden. Und sie wiesen uns durch Wasserproben nach, dass unser eigenes Wasser den Gesundheitsanforderungen nicht genügte. Aber das war ein Betrug.“

Ich hatte leichte Zweifel. Woher wussten die Leute, dass es sich um einen Betrug handelte? Herr Engels zeigte mir ein bleigefasstes Bild in seinem Haus.

Auf ihm war das Vorgängerhaus dargestellt, das Fachwerkhaus, in dem er aufgewachsen war. Darauf erklärte er mir den Weg zur Asselbornquelle. Den ich dann nicht fand. Stattdessen landete ich auf dem Grundstück des Hufschmieds Broich

Der berichtete mir aber haarklein die gleiche Geschichte von der Wasserversorgung. Auch von dem Betrug mit den Proben. Er kannte sie von seiner Großmutter, die immer in seinem Haus gelebt hatte.

„Soll ich mitgehen, um Ihnen die Quelle im Wald zu zeigen?“
„Wenn Sie Zeit haben. Dann würde ich mich nicht noch einmal verlaufen.“

Unterwegs erfuhren wir jeder vom anderen dessen ganze Lebensgeschichte, und ich erblickte nach teilweise schwierigen Wegen das Brunnenhaus der Asselbornquelle im Wald.

Mittlerweile sprachen wir Platt miteinander. „Joot, daddo metjejange sitt. (Gut, dass Sie mitgegangen sind). Söns hätt ich dat nit jefonge. (Sonst hätte ich das nicht gefunden).“

Als wir wieder an seinem Haus anlangten, fragte ich ihn, ob der Verkehr auf der belebten Straße nach Spitze ihm nicht auf die Nerven gehe. „Ich interessiere mich mehr für Natur“, meinte er und zeigte mir seine Sammlung von ausgestopften Tieren in seiner Wohnung.

Als ich mich am Nachmittag im Archiv der Belkaw über die Geschichte dieser Quelle vergewissern wollte, verhedderte ich mich in einem viel wüsteren Gelände, nämlich endlosen fruchtlosen Telefonaten, um schließlich die Mitteilung zu erhalten: „Es gibt kein Archiv, in dem die Geschichte der Belkaw aufbewahrt wird.“ Man ist also wirklich auf das Gedächtnis von netten, offenen, meist älteren Mitmenschen angewiesen.

Ein Stück weiter talabwärts von Asselborn gelangt man zur Asselborner Mühle, einem schönen Fachwerkensemble, in welchem man bis vor einigen Jahren ein beliebtes Speiserestaurant besuchen konnte. Im hinteren Teil kann man das Mühlenhaus und den Schacht sehen, in dem sich einmal das Mühlrad befand.

Leider ist der Zutritt zu dem privaten Gelände heute schwierig. Nur durch eine Sondererlaubnis des Besitzers war es mir möglich, ein Foto des noch erhaltenen Mühlenschachts zu machen.

Das Tal endet schließlich am ehemaligen Freibad Herrenstrunden. Auf dem Tor ist das alte Bergisch Gladbacher Wappen mit Symbolen für die Strunde und die Papierherstellung dargestellt.

Hier mündet der Asselbornbach in die Strunde.

Ein Blick zurück: Der idyllische Auenwald am Asselbornbach

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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9 Kommentare

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  1. Und hier beweist es sich schon wieder: Willst du es genau wissen, dann gehe zu den Quellen, hier gleich in doppeltem Sinne! Der Fliesenleger, Herr Engels und der Hufschmied, Herr Broich waren die wahren Quellen der Information über die Quelle des Asselborner Baches und seiner früheren Bedeutung. Ad fontes sagte schon der Lateiner!

  2. Herzlichen Dank, Herr Müller!
    Die Verbindung Bergisches Land, Natur, Menschen und Historie ist eine wertvolle Dokumentation. Insbesondere die Erfahrungen der angetroffenen Einheimischen sind spannende Dokumentationen, von denen man sich mehr wünschen würde.

  3. Ihre Berichte zu lesen ist immer eine wahre Freude, Herr Müller! Vielen lieben Dank, freue mich auf mehr davon!

  4. Wieder eine vorzügliche Doku mit feinen Fotos und guten Karten, eine Bereicherung.

  5. Wieder so eine schöne Heimatgeschichte, danke. Bitte noch mehr davon.

  6. Wieder viel Neues gelernt! Danke!
    Hat mir sehr gefallen, dass der Autor erneut so genau recherchiert hat, macht Spaß, den Beitrag zu lesen!

  7. Schöner Bericht wiedermal! übrigens hat der Berg.Geschichtsverein im digitalen Kurier ausführlich über die Asselborner Mühle in einer Chronik berichtet!

  8. Sehr schön und animiert zum Nachlaufen. Danle! Die Asselborner Mühle war ein sehr schönes Restaurant. Ich hoffe auf weitere Berichte von Engelbert M. Müller.

  9. Vielen Dank für den hochinteressanten Bericht !

    Gruß aus dem Süden von GL