Der Ganey-Tikva-Verein e.V. ist im im Rahmen der Feierlichkeiten zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ nach Groß-Umstadt in Hessen gereist. Eine dort geplante Ausstellung zu Israels Staatsgründung war jedoch zuvor abgesagt worden.

Groß-Umstadt liegt im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen und zählt ca. 21.000 Einwohner. Ein beschaulicher Ort mit schönem Zentrum, beeindruckenden Schlössern und Gebäuden, inmitten von Weinbergen gelegen.

Spuren jüdischen Lebens in der Stadt lassen sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen und die jüdische Geschichte ist wechselhaft wie an vielen Orten in Deutschland.

Nach der Machtergreifung Hitlers begann wie überall im Deutschen Reich die Diffamierung, Ausgrenzung und schleichende Vertreibung von Juden, die schließlich in der systematischen Vernichtung gipfelte. Noch vor 1938 verließen zahlreiche jüdische Familien Groß-Umstadt und wanderten aus. Wer geblieben war, wurde schließlich Opfer der Shoah. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht 1938 demoliert und geplündert, aber nicht in Brand gesetzt, wie es zuvor geplant war: Das Haus des Bürgermeisters stand in unmittelbarer Nachbarschaft.

Hinweis der Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Beitrag des Ganey-Tikva-Vereins.

Für bisher 26 ehemalige jüdische Bewohner von Groß-Umstadt konnten inzwischen „Stolpersteine“ gelegt werden vor den Häusern, in denen sie ihren letzten, freiwillig gewählten Wohnort hatten.

Im Jahr 2009 gründete sich der „Runde Tisch jüdisches Leben in Groß- Umstadt“, zunächst vor allem, um die jährlichen Veranstaltungen rund um die „Pogromnacht“ zu koordinieren. Im Laufe der Jahre sind die Aufgaben gewachsen und haben sich verändert: Über eine vom Ganey-Tikva-Verein in Bergisch Gladbach 2019 angebotene Reise nach Israel entstand der Kontakt zu Mitwirkenden des „Runden Tisches“.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zu 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland organisierte der GTV die DavidsternFahrt nach Groß-Umstadt, um dort an der Ausstellungseröffnung „1948. Wie der Staat Israel entstand“ im Rathaus teilzunehmen.

Die Verwaltung von Groß-Umstadt war seit Oktober 2020 mit den Organisatoren der Ausstellung im Gespräch, noch Ende Juni 2021 wurde der Termin für November 2021 bestätigt.

Ende August diesen Jahres tagte erneut der „Runde Tisch“ und es wurde entschieden, dass das Konzept der Ausstellung 1948 im Rahmen des Festjahres 1700 Jahre nicht „gut platziert“ sei – so die offizielle Begründung.

In der Sitzung äußerte nach Angaben von drei Teilnehmenden ein Mitglied des „Runden Tisches“, dass es seinen Recherchen zufolge vorwiegend Juden seien, die für die Ausstellung 1948 verantwortlich zeichneten, da müsse man vorsichtig sein. Eine zweifelsfrei antisemitische Äußerung.

Der GTV aus Bergisch Gladbach wurde in Groß-Umstadt von den aktiven Israelfreunden und Antisemitismusbekämpfern herzlich empfangen. Führungen durch den Ort, die auch an den Platz der ehemaligen Synagoge und ehemalige Wohnhäuser jüdischer Bürger führten, ein Besuch im Jüdischen Museum in Frankfurt und vieles mehr hat erneut gezeigt: Nur gemeinsam gelingt der Kampf gegen Israel- und Judenhass.

Die aktuellen Hakenkreuz-Schmierereien in einem Gesangbuch der evangelischen Kirche in Groß-Umstadt und die Äußerungen von Anhängern der „Erinnerungskultur“ beweisen erneut, dass es nicht reicht Veranstaltungen rund um die Pogromnacht zu koordinieren. Antisemitismus ist heute. In Bergisch Gladbach und auch in Groß-Umstadt.

Ganey-Tikva-Verein

Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V. ist zu erreichen über die Vorsitzende Petra Hemming, per Mail: petra.hemming@gmail.com

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