Vor elf Jahren hatte die Kamps-Gruppe das Porschezentrum Bensberg in der Meisheide in Moitzfeld eröffnet. Seither ist das Autohaus stark gewachsen, das Geschäftsmodell wandelt sich grundlegend. Daher will die Gruppe jetzt gut 13 Millionen Euro in Bergisch Gladbach investieren. Um das Zentrum in eine „Destination Porsche“ umzubauen. Und kräftig zu erweitern.

Zum symbolischen Spatenstich, nicht zufällig auf den 9.11. terminiert, war auch Alexander Pollich, Geschäftsführer von Porsche Deutschland, nach Bergisch Gladbach gekommen. Und er stellte zwei naheliegende Fragen: Warum sollte man ein so schickes Haus wie das „Porschezentrum Bensberg“ komplett umbauen? Und werden Autos nicht längst online verkauft?

Doch auch aus Sicht eines Schwaben mache die Investition der Eigentümer Thilo und Tobias Kamps Sinn, erläutert der Porsche-Manager. Zum einem sei das Zentrum in der Meisheide in den vergangenen elf Jahren stark gewachsen; vor allem in der Werkstatt und für die Elektromobilität reiche der Platz nicht mehr aus.

Zudem bleibe der Kauf eines Porsches auch in Zukunft ein hochemotionales Ereignis, das sich nicht rein digital abwickeln lasse. Daher sei die Umsetzung des Verkaufskonzeptes „Destination Porsche“, die die Bensberger als eines der ersten Porsche-Häuser in Deutschland wagen, der richtige Weg.

Roman Konrads, Geschäftsführer, seit 18 Jahren bei der Kamps Gruppe für Porsche und vor elf Jahren mit dem Zentrum von Kürten nach Bergisch Gladbach gezogen, dokumentiert diese Gefühlswelt mit zwei emotional aufgeladenen Videos, die die Geschichte des Porsche-Zentrums nachzeichnen und einen animierten Blick in die Zukunft bieten.

Dabei wird klar, dass die bisherige große Autohalle in einen großzügigen, aber eher kleinteiligen Showroom umgebaut werden soll. Mit viel Platz für Mensch und Auto.

Großer Auflauf beim symbolischen Spatenstich

Mit 30 Mitarbeiter:innen war Porsche von Kürten nach Bensberg gekommen, inzwischen sind es mehr als 70. Der Jahresumsatz, berichtet Konrads, liege bei knapp 80 Millionen Euro. Und der wird nicht nur im Verkauf, sondern auch in der Werkstatt erzielt.

Konkret sehen die Pläne eine deutliche Erweiterung des Zentrums vor. Gegenüber des bisherigen markanten silbrigen Gebäudes, wo derzeit ein provisorischer Parkplatz unter den Hochspannungsmasten am Hang unterhalb der Friedrich-Ebert-Straße liegt, soll ein ganz neuer Komplex entstehen. Eingebettet in einen Park mit Teich und Bienenhotel.

Geplant ist dort zum einen ein großzügiges Werkstattgebäude. Und, nicht zuletzt auf Bitten der Stadt Bergisch Gladbach, ein kombiniertes Büro- und Parkhaus auf drei Etagen – die zum großen Teil vermietet werden sollen, berichtet Konrads.

Hintergrund: Das Grundstück hatte das Unternehmen vor einigen Jahren für die Erweiterung gekauft und ist laut Flächennutzungsplan für Gewerbe vorgesehen. Der Aufstellung eines vorhabensbezogenen Bebauungsplans für das Gelände hatte der Stadtrat im Juni einstimmig zugestimmt.

Auf der mit „G“ gekennzeichneten Fläche werden die neuen Gebäude errichtet. Östlich davon liegt das Wohngebiet Meisheide, südlich der Technologiepark, westlich auf der anderen Seite der Friedrich-Ebert-Straße das Unternehmen Miltenyi Biotec.

Durch den Auszug der Werkstatt aus dem Untergeschoss des bisherigen Gebäudes entsteht deutlich mehr Platz für die Präsentation der Neuwagen. Und für eine neue Gebrauchtwagen- und Klassiker-Ausstellung.

Für die Bauarbeiten, die parallel zum laufenden Betrieb geplant sind, kalkuliert Konrads zwei Jahre. Ende 2023 soll die „Destination Porsche“ fertig sein.

Moderne Arbeitsplätze, moderne Autos

Darauf freuen sich nicht nur die Porsche-Fans. Sondern auch Bürgermeister Frank Stein, der nicht wie sonst oft mit dem Rad, sondern mit dem E-Dienstwagen einer anderen Marke angereist ist. Ausdrücklich weist er daraufhin, dass er eine politische Ampel repräsentiere. Der rot-grün-gelben Koalition gehe es aber eben nicht darum, ein bestimmtes Verkehrsmittel zu stigmatisieren und zurückzudrängen, betont Stein. Sondern dafür zu sorgen, dass jeder das Fahrzeug nutzen könne, dass seiner konkreten Situation und seinen Bedürfnissen entspreche.

Dabei, so Stein, spiele Porsche, auch mit seinen moderneren Verbrennern und seinen Elektrosportwagen, eine wichtige Rolle: „Wir brauchen moderne Arbeitsplätze und moderne Fahrzeuge, je mehr, desto besser“, daher unterstützte die Stadt Bergisch Gladbach das Umbauprojekt nach Kräften.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Darüber, was wichtig und richtig für eine Stadt sein soll, lässt sich trefflich streiten. Manche Themen sind das berühmte „Hemd“, was dem Körper näher ist, andere bloß Jacken oder Mäntel. Dem, der sich keinen Porsche leisten kann, geht die Zukunft dieser Marke am selben vorbei, der Porschefahrer freut sich – dem ein sin Uhl ist eben dem anderen sin Nachtigall.

    Bei vielen solcher Betrachtungen spielt Neid eine große Rolle. Dass sich ein Porsche-Zentrum hier ansässig machte, halte ich für einen Vorteil. Es mag sein, dass andere Vorhaben wichtiger sind – für eine begrenzte Anzahl von Einwohnern. Es wird auch stimmen, dass Verwaltungen Anfragen, deren Bedeutung über die Grenzen der eigenen Stadt hinausgehen, eher und schneller beantworten werden und das meist positiv. Aber sollen in Bergisch Gladbach immer nur die Objekte behandelt und verabschiedet werden, die irgendwelche Partikularinteressen folgen? Wie viele sind das wohl und wie wird man sich streiten, weil ja das eigene Vorhaben selbstverständlich vor allen anderen kommt?

    Ich wünsche mit Zentren von Audi, BMW, Mercedes und VW in unserer Stadt. Das würde Arbeistplätze schaffen und ein klein wenig Glanz unserer ehemaligen Papierstadt verleihen.

  2. Makaber: „Investition in die Zukunft“.
    Porsche Protzautos sind definitiv nicht die Zukunft. Aber Geld regiert die Welt, auch Bergisch Gladbach. („Ampel“ hin und „Ampel“ her)

  3. Vielen Dank für die Rückmeldung!

    Die komplizierte und vielseitige Aufgabe des Projektes rechtfertigt nicht die 10 Jahre Verhandlungen und Bearbeitungszeit der Stadt und der weiteren Beteiligten. Hinzu kommt es, dass man zum detaillierten Planen, Prüfen und Ausführen der zu erst beiden getrennen Projekte (Kreuzung und Märkte) ausreichend Zeit berücksichtigen sollte.

  4. @Sofia Relativ unkomplizierte Vorhaben werden relativ schnell genehmigt, bei komplexen Projekten dauert es länger. Dass ihnen die Nahversorgung in Herkenrath wichtig ist, haben Stadtrat und Stadtverwaltung mehrfach deutlich gemacht.

  5. Die Genehmigung wurde deutlich schneller bearbeitet und erteilt als das noch zur Zeit seit Jahren ruhende Projekt Edeka Markt Herkenrath. Der jetzige Edeka-Markt fällt fast auseinander. Gestern wurden die Schlaglöcher am Parkplatz notdürftig wieder gestopft……Ist halt Porsche und somit gaaaannnzzz wichtig!