Seit einer Woche müssen Schüler:innen im Klassenraum keine Maske mehr tragen. Eine Umfrage unter den Schulen der Stadt zeigt aber: Aus Angst vor Infektionen bleibt die Maske meistens an, auf beiden Seiten der Klasse. Zum Teil gibt es Empfehlungen, zum Teil eindringliche Appelle, nicht auf den Atemschutz zu verzichten. Die Sorge ist berechtigt, wie die Inzidenzen unter den jungen Menschen zeigen. 

Die Inzidenz lag an diesem Montag in Rhein-Berg bei den 5 bis 9-Jährigen bei über 305, bei den 10 bis 14-Jährigen bei knapp 182. Zum Vergleich: Die allgemeine Inzidenz über alle Altersgruppen hinweg lag bei 112.

Die Konsequenz für Schüler:innen und Lehrer:innen: Die Masken bleiben in der Regel auf. Obwohl sie seit dem 2. November von der Pflicht zum Maskentragen befreit sind. Dem Vorstoß von Bildungsministerin Yvonne Gebauer folgt kaum eine Schule in Bergisch Gladbach.

Vorbildfunktion

„Der größte Teil der Schüler trägt die Maske weiterhin“, berichtet Angelika Wollny von der IGP. Ein kleiner Teil habe sie abgenommen, diese Schüler:innen dürfe man indes nicht unter Druck setzen. „Wir müssen die Situation wortlos akzeptieren“, so ihr Fazit. 

Als Vorbilder würden die Lehrer:innen agieren, sie würden die Masken weiter tragen. In der vergangenen Woche habe die IGP einen leichten Anstieg bei den Ansteckungen verzeichnet.

Aus Angst, die Prüfungen infolge einer Infektion zu versäumen, sprechen sich die meisten Schüler:innen am BKSB für die Beibehaltung der Maske im Unterricht aus

Bitten von Eltern,  Ausbildungsbetrieben, Schülern

Das Berufskolleg BKSB berichtet von Bitten der Eltern und der Ausbildungsbetriebe, die Masken weiter aufzusetzen. Wegen alter Menschen und Krebskranker zuhause. Und weil ein Ausfall der Azubis im Unternehmen nicht zu verkraften wäre, berichtet Schulleiterin Nicole Schuffert.

„Die Auszubildenden haben Angst, durch eine Quarantäne oder Erkrankung nicht an der IHK-Prüfung Ende November teilnehmen zu können“, erklärt sie weiter. Eine Infektion hätte die Verschiebung der Abschlussprüfung und damit eine Verlängerung der Ausbildung zur Folge, mit allen weiteren Konsequenzen wie späterer Bezug des normalen Gehalts.

Am BKSB habe gar ein Azubi vor der versammelten Schülervertretung darum gebeten, die Masken aufzubehalten. Die Konsequenzen seien den Schüler:innen bewusst und hätten sie nachdenklich gestimmt, berichtet Schuffert.

„Informieren und Impfen“

Auch das BKSB habe einen Anstieg der Infektionszahlen verzeichnen müssen, nicht zuletzt da in manchen Klassen nur 18 Prozent Geimpfte seien, sagt Schuffert. Dem will das BKSB nun entgegenwirken. 

„Das Gesundheitsamt bietet bei uns einen mobilen Impfservice vom 18. bis 20. November an. Hier können sich alle impfwilligen Bürger:innen impfen oder boostern lassen,“ berichtet die Schulleiterin. Der jährliche Informationstag an der Schule am 20. November 2021 stehe entsprechend unter dem „Informieren und Impfen am BKSB“.

Appell an die Schüler:innen

„Natürlich appellieren wir an unsere Schüler:innen, trotz neuer Möglichkeiten weiterhin verantwortungsbewusst und mit Bedacht zu handeln“, erklärt Romina Matthes vom Gymnasium Herkenrath. Sehr viele Schüler:innen würden die Masken im Unterricht daher anbehalten. 

Aus Solidarität mit den Schüler:innen würden auch die Lehrer:innen Atemschutz tragen. „Eigenverantwortung mit Blick auf seine Mitmenschen spielt bei uns eine große Rolle“, sagt Matthes.

Am OHG empfiehlt man mangels Impfmöglichkeit insbesondere den Schüler:innen der Klassenstufe 5 und 6 das Tragen der Maske auch im Unterricht
Foto: Thomas Merkenich

Impfen oder Maske

Karl-Josef Sulski vom Otto-Hahn-Gymnasium hält die Abkehr von der Maskenpflicht zwar für verfrüht. Aber: „Wir sehen auch die entwicklungspsychologischen und pädagogischen Argumente für die Aufhebung der Maskenpflicht am Sitzplatz“, sagt der Schulleiter.

Seine Schule empfehle den Kindern der Klassenstufen fünf und sechs das Tragen der Maske, da diese in der Regel noch nicht geimpft werden dürften. „Schüler:innen ab Klasse 7 empfehlen wir, sich impfen zu lassen oder eine FFP2-Maske am Sitzplatz zu tragen.“ Unter dem Strich würde der überwiegende Teil der Schulgemeinschaft also weiter die Maske im Unterricht tragen. 

Das berichtet auch N. Schüller von der GGS Heidkamp: „Kinder und Kolleg:innen können natürlich freiwillig auch weiterhin Maske tragen, von dieser Möglichkeit wird auch durchaus Gebrauch gemacht.“

Sitzpläne schreiben

„Soweit ich das beobachten kann, trägt die überwiegende Zahl der Schüler:innen und auch der Lehrkräfte weiter freiwillig eine Maske“, erklärt Jörg Schmitter vom NCG auf Anfrage des Bürgerportals.

Man sei wieder dazu zurückgekehrt, Sitzpläne zu schreiben. „Damit wir im Falle einer Infektion der Forderung gerecht werden können, die Sitznachbar:innen der infizierten Person dem Gesundheitsamt melden zu können.“

Schmitter berichtet von einer Klassenstufe Q1 die freiwillig die Masken aufbehalten habe. „Die Schüler:innen wollten sich vor der nächsten Runde der bald wieder anstehenden Klausuren nicht anstecken und dann ausfallen – für die Vorbereitung auf die Klausur im Unterricht und für die Klausuren selbst.“

Halten uns an Vorgaben

Man halte sich genau an die Maßgaben des Schulministeriums, berichtet Rolf Faymonville vom AMG. Dennoch weist man auf die Probleme der Vorgaben hin: „Alle sind darauf hingewiesen worden, dass das Infektionsrisiko und auch das Risiko einer Quarantäne dadurch wächst, wenn man keine Maske trägt.“

Die Infektionszahlen würden ansteigen, ob dies in Zusammenhang mit der Abkehr von der Maskenpflicht stehe könne er nicht sagen. 

Faymonville berichtet von einem zweigeteilten Meinungsbild in der Schulgemeinschaft: „Viele Eltern, Schüler:innen und Lehrkräfte halten die Lockerungen für fragwürdig. Dennoch gibt es auch Stimmen, die die neuen Freiheiten begrüßen.“ Trotz Lüften und konsequentem Hygienekonzept befürchte er einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen.

Am Abertus-Magnus-Gymnasium in Bensberg halten viele Eltern, Schüler:innen und Lehrkräfte die Lockerungen für fragwürdig, es gibt aber auch Stimmen die dies befürworten. Foto: Thomas Merkenich

Plan ist aufgegangen

Konfrontation und Spaltung konnte am DBG vermieden werden, indem sich die Schulleitung bewusst gegen eine Positionierung zur Aufhebung des Maskenpflicht entscheiden habe, berichtet Frank Bäcker.

Dies sei aufgegangen, „die große Mehrheit der Schüler:innen und Lehrer:innen trägt nun freiwillig die Maske.“ Nur wenige Schüler:innen setzten die Maske ab, so Bäcker, „aber meist am Fenster.“

Maskenbefreiung verantwortbar

Der NRW Lehrerverband und auch die Landes-SPD fordern unterdessen eine Rückkehr zur Maskenpflicht, nicht zuletzt um den Präsenzunterricht zu sichern. Bildungsministerin Gebauer hat dagegen ihre Position bekräftigt. Aufgrund der herrschenden Sicherheitsvorkehrungen sei die Aufhebung der Maskenpflicht „verantwortbar“. 

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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