Pfadfinder-Leiter Jan Burbach (ganz links) mit seinem Team. Foto: Privat

Sie gehörten zu den Ersten, die Initiative gezeigt und bei der Flutkatastrophe tatkräftig mit angepackt hatten. Nun wurde die Pfadfinderschaft St. Georg Stamm Ommerborn vom Kinderkanal der ARD und des ZDF für ihr beherztes Engagement geehrt – und berichtet von Bildern, die sich bei ihnen tief eingegraben haben.

Noch immer sitzt das Erlebte tief. Die Bilder eines totalen Zerstörungswerks durch die Gewalt der Natur haben sich eingebrannt. Wenn Pfadfinderleiter Jan Burbach von seinen Eindrücken in Dernau, Ahrbrück oder Mayschoß berichtet, wohin er wenige Tage nach der Flut einige Male mit einem Hilfstransport und einem etwa 20-köpfigen Pfadi-Team aus Bergisch Gladbach-Bensberg aufgebrochen ist, dann bezeichnet er das, was er dort gesehen hat, immer noch als surreal, chaotisch und traumatisierend.

„Eigentlich fehlen einem dafür die Worte. Das kann man sich nicht vorstellen: Es war eine völlig unübersichtliche Situation, es gab kaum Zufahrtswege – nur weiträumig über die Weinberge – alles war von einer braun-matschigen Schlammschicht überzogen und die Infrastruktur kaum auszumachen. Da wird einem erst klar, welche Kraft sich da Bahn gebrochen hat.“

Die Autos hätten sich an den Straßenrändern zu aufeinander getürmten Schrottbergen gestapelt. „Und die Menschen hatten selbst Tage nach dieser Katastrophe noch gar nicht realisiert, was da wirklich passiert ist. Viele standen sichtlich noch unter Schock, andere erzählten traurige Geschichten von Nachbarn, die in ihrem eigenen Keller ertrunken oder von der Flut einfach so mitgerissen worden waren.“ Das alles sei unglaublich bedrückend gewesen.

Auf der anderen Seite, so der 24-Jährige, der an der TH in Köln Rettungsingenieurswesen studiert, habe es eine enorme Nachbarschaftshilfe gegeben. „Jeder war bereit, dem anderen zu helfen, sich im Leid miteinander zu solidarisieren, aber auch in dem Vorsatz, so schnell wie möglich anzupacken, die vollgelaufenen Keller und Erdgeschosse leer zu pumpen, aufzuräumen und sich diesem Schicksal des kompletten Existenzverlustes entgegenzustemmen.“

Anwohner und Helfer werden von den Bensberger Pfadis mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Foto: Privat

Anwohner und Helfer mit warmen Mahlzeiten versorgt

In der Dernauer Grundschule, ihrer ersten Anlaufstelle, die – anders als viele Gebäude im Ort – zugänglich gewesen sei, war in der ersten Etage, wo das Wasser keinen Schaden angerichtet hatte, spontan ein Lebensmittellager mit vielen Sachspenden, darunter vor allem auch Handwerksgerät, Hygieneartikel, Wasser und Konserven, eingerichtet worden.

„Hier wollten auch wir die bereits in unserer Kirchengemeinde gesammelten Lebensmittel, Besen, Schaufeln und Generatoren abladen. Doch kaum, dass wir den Anhänger aufgemacht hatten, war alles im Handumdrehen auch schon weg, weil der Bedarf einfach unsagbar groß war und viele Helferinnen und Helfer damit beschäftigt waren, diese dringend benötigten Dinge zu verteilen.“

Auch Generatoren brachten die Bensberger Pfadfinder ins Ahrtal. Foto: Beatrice Tomasetti

Natürlich seien auch die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk und andere Hilfsorganisationen sowie viele Ehrenamtliche vor Ort gewesen, so dass auch ein Anhänger mit Frischwasser und Toilettenhäuschen zur Verfügung gestanden hätten.

Sie selbst hingegen hätten sich mit ihrem Equipment, mit dem sie sonst bei großen Zeltlagern Mahlzeiten kochten, darauf vorbereitet, für warmes Essen zu sorgen und damit das bestehende Unterstützungsangebot sinnvoll zu ergänzen, so dass sie am ersten Tag etwa 200 Portionen ausgegeben hätten.

An den Folgetagen, für die sich einige der Jugendlichen Urlaub nehmen mussten, hätten sie dann für Nachschub gesorgt und seien andere Orte angefahren, „auch weil in Dernau zwischenzeitlich riesige Räumfahrzeuge und viel technisches Gerät im Einsatz war und wir hier bei den professionellen Aufräumarbeiten keine Behinderung darstellen wollten“.

Der Dernauer Bürgermeister David Fuhrmann überreicht den Bensberger Pfadfindern den „KiKA Award Spezial“ während einer Live-Sendung. Foto: KiKa

Preisverleihung im Fernsehen übertragen

Einige Wochen später hat die Initiative der Bensberger Pfadfinder auch im Internet Kreise gezogen und Beachtung gefunden. Über einen Beitrag bei DOMRADIO.DE wurde der Kinderkanal von ARD und ZDF, der kreative Ideen von Kindern und Jugendlichen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Digitales prämiert, auf die Jugendlichen aufmerksam und fand deren Einsatz so beeindruckend, dass die Verantwortlichen das Team aus dem Bergischen kurzerhand für den „KiKA Award Spezial“ nominierten und zur Preisverleihung nach Erfurt einluden.

„Zu diesem Zeitpunkt wussten wir zwar noch nicht, was uns da erwartet und ob wir definitiv gewinnen würden, aber allein die Freude, von einer Jury ausgewählt worden zu sein und damit öffentliche Wertschätzung zu erfahren, war groß“, erklärt Jan Burbach rückblickend, der schließlich gemeinsam mit Stella Kranzhoff, Carina Walpert und Philipp Müller – stellvertretend für alle Pfadis zuhause – auf der Bühne stand.

Grund zum Feiern hatten Bürgermeister David Fuhrmann, Jan Burbach, Carina Walpert, Stella Kranzhoff, Philipp Müller und Moderatorin Jess Schöne. Foto: KiKa

Und in der Tat gab es dann an diesem Abend noch Grund zum Feiern. In einer spannenden Fernsehshow, die aus dem Kesselsaal der Erfurter „Zentralheize“ live übertragen wurde, ehrte die KiKA-Redaktion dieses außergewöhnliche Engagement mit einem Sonderpreis, nicht ohne zu betonen, dass dieser Preis stellvertretend auch all denjenigen zugedacht sei, die bei der Flutkatastrophe freiwillig geholfen hätten.

Die 20-köpfige Jugendgruppe aus Bensberg habe im rheinland-pfälzischen Dernau schnelle und unkomplizierte Hilfe für Betroffene und deren Helferinnen und Helfer geleistet, hieß es in der Begründung der Juroren, die die Moderatoren Jess Schöne und Tommy Scheel vortrugen.

„Ihr seid unsere ganz besonderen Heldinnen und Helden, Respekt von uns allen, Ihr seid wirkliche Vorbilder“, unterstrichen die beiden anerkennend bei der offiziellen Gratulation.

Pfadfinder spenden Preisgeld an Kita in Hoffnungsthal

Lobende Worte fand auch David Fuhrmann, zweiter Bürgermeister in Dernau, der zu diesem Event eigens in die thüringische Hauptstadt angereist war. „Es ist eine Ehre für mich, heute hier dabei zu sein. Im Namen aller möchte ich mich für Euren Einsatz und Eure beispiellose Hilfe bedanken. Das war der absolute Hammer, der entscheidende Punkt, der den Menschen wieder Hoffnung gegeben und dazu beigetragen hat, dass der Blick wieder nach vorne gerichtet werden kann – gerade in der dunklen Jahreszeit. Ihr habt einfach angepackt und daher den Preis mehr als verdient.“

Dass es mit solchen einmaligen Einsätzen aber nicht getan ist, betonte abschließend noch einmal Jan Burbach. „Es gibt noch eine Menge zu tun, und es ist wichtig, dass die Hilfe weitergeht“, sagte der Student. „Bleibt dran“, rief er dem Publikum im Saal und allen Zuschauern an den Bildschirmen zu.

Es gebe einen Hilf-Shuttle für die Orte im Ahrtal, die am schwersten betroffen seien. Noch immer fehle es an vielem, um den Menschen, die zum Teil alles verloren hätten, über den Winter zu helfen und in ihrer verzweifelten Lage gleichzeitig Mut zu machen.

Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld von 1000 Euro wollen die Bensberger Pfadfinder spenden. Es geht an die Kita St. Servatius in Rösrath-Hoffnungsthal, wo bei der Flut die Sülz über die Ufer getreten war, die gesamte Einrichtung evakuiert werden musste und nun unter anderem die Außenspielanlage wieder hergestellt werden soll.

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Beatrice Tomasetti

ist freie Journalistin und ehrenamtlich für die Pfarreiengemeinschaft St. Nikolaus und St. Joseph tätig.

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