Daniela Ali. Foto: Thomas Merkenich

Liebe Leserin, lieber Leser,

2021 war ein hartes Jahr. Ein Jahr, in dem wir Sie schnell und zuverlässig informiert haben. Zu Corona, zur Lokalpolitik und zu anderen wichtigen Themen. 

Ein Jahr, in dem wir Sie unterhalten haben, mit dem #Kulturkurier, großen Geschichten, eindrucksvollen Panoramatouren, Serien und tollen Fotos.

Ein Jahr, in dem wir uns für die lokale Kultur, für die Gastronomie sowie den Handel eingesetzt und immer wieder klar Position bezogen haben.

Damit wir 2022 auf diesem Niveau und einem stabilen Fundament weitermachen können, haben wir ein Anliegen:

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Daniela Ali hatte mit neun Jahren zum ersten Mal Probleme mit ihren Augen und stellte sich vor, wie es wäre, blind zu sein. Heute ist sie tatsächlich blind – und wünscht sich dass „alle in einer Welt leben, ganz ohne Hürden“. Was ist Ihr großer Weihnachtswunsch?

Ich war neun Jahre alt, als sich über Nacht bei mir eine schwere Uveitis-Entzündung einstellte. Vorher hatte ich gesunde Augen mit voller Sehkraft. Schon in meiner Kindheit hatte ich oft so starke Entzündungen, dass während dieser Phasen, meine Sehkraft stark eingeschränkt war. 

In einer solchen Phase kamen mir, auf dem Schulweg, an einer Ampel, ein paar Gedanken:

„Wie erkennen blinde Menschen, wann sie über die Straße gehen können? Ich kann vieles nicht mehr erkennen, nur einen gestreuten Lichtfleck erkenne ich noch bei rot und grün. Was wäre, wenn ich auch das nicht mehr sehen könnte. 

Blinde können sich aber in ihrem Haus bei vollständiger Dunkelheit orientieren. Was würde ein Sehender wohl sagen, wenn er dorthin zu Besuch käme. Das Erste wäre sicherlich „macht erst einmal Licht an, hier kann man sich gar nicht zurechtzufinden, das ist eine Zumutung; ansonsten gehe ich sofort wieder.“

An diesen Moment erinnere ich mich auch heute noch oft. Um ehrlich zu sein, in den letzten Jahren immer wieder und öfter.

Heute, mehr als vierzig Jahre später, bin ich blind.

Advent, Advent, nun bist du bald vorüber 
und ich steh‘ dem Christkind gegenüber.

Mein Wunschzettel ist schon längst geschrieben, 
denn er ist all die Jahre gleich geblieben.

Mit Neun – und das ist schon viele Jahre her -,
dachte ich, wie schön es wär‘,

wenn wir ALLE in EINER WELT leben würden, 
die so wär‘, ganz ohne Hürden.

Eine barrierefreie Gestaltung (und das ist weit mehr als nur stufenfrei) ist, bis auf wenige Ausnahmen, in keinem Haus und auf kaum einer Fläche in Gänze gegeben. 

Der Ruf der Betroffenen und ihrer Verbände auf Barrierefreiheit und Teilhabe ist wesentlich älter, als das Wort Inklusion.

Seit Jahren gibt es diverse Gesetze und andere verpflichtende Vorschriften, nicht zuletzt die Behindertenrechtskonvention, die Deutschland am 24. Februar 2009 ratifiziert hat, viel zu vieles ist davon noch immer nicht umgesetzt. 

Dabei bräuchten wir uns nur an unserer guten altes Grundgesetz zu halten. 

Im Artikel 3, Abs. 3, Satz 2 GG steht:

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“.

Es ist also weit mehr als nur ein Wunsch, den ich (und ganz viele andere mit mir) habe, es ist ein Grundrecht❗️

Hinweis der Redaktion: Frau Ali hat uns einen Impuls gegeben, den wir gerne aufgreifen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Haben Sie auch einen großen Weihnachtswunsch, der sich auf die Stadt, auf unsere Gesellschaft oder unser Miteinander bezieht? Dann melden Sie sich, unten in den Kommentaren oder per Mail an die redaktion@in-gl.de

Daniela Ali

Ich bin in Bergisch Gladbach geboren und lebe bis heute in der Stadt. In der Grundschulzeit bekam ich eine chronische Augenentzündung. Sie verläuft progressiv und so verhielt es sich auch mit meinem Sehvermögen. Seit über 20 Jahren bin ich juristisch blind. Der Blindenlangstock ist nach einer weiteren...

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