Tomás Santillán bewirbt sich für die Linke in Bergisch Gladbach und Rösrath für ein Landtagsmandat

Er ist einer der letzten einigermaßen bekannten Gesichter der Linken im Rheinisch-Bergischen Kreis, und tritt bei dieser Landtagswahl im Wahlkreis Rhein-Berg 1 (Bergisch Gladbach und Rösrath) nicht zum ersten Mal an: Tomás Santillán stellt sich im Fragebogen des Bürgerportals vor.

Santillan wurde in Köln geboren, lebt aber seit dem ersten Lebensjahr in Refrath. Nach dem Abitur studierte er Jura in Köln, gründete mit Studienkollegen 1995 ein Internetunternehmen und war lange Zeit selbständiger IT-Fachmann. Seit acht Jahren führt der 57-Jährige gemeinsam mit seinem Bruder das legendäre argentinische Restaurant „El Gaucho” seines verstorbenen Vaters in Köln.

Politisch war Santillán schon als Schüler aktiv, zunächst ausgerechnet in der Jungen Union, dann aber bald und sehr lange bei der SPD – bis es im Streit um Afghanistan und Hartz IV zum Bruch kam; seit 2007 ist er in der Linken zuhause und in der Kommunalpolitik aktiv.

In Bergisch Gladbach saß er zehn Jahre lang im Stadtrat, die meiste Zeit als Fraktionschef der Linken, zuletzt nach einem heftigen internen Streit allerdings ganz ohne Fraktionszugehörigkeit. Dieser Krach eskalierte bis zur Auflösung der Linken in Bergisch Gladbach, und auch im Kreis spielt sie kaum noch eine Rolle.

Lernen Sie die Kandidat:innen persönlich kennen

Wir haben alle acht Kandidat:innen gebeten, die 26 Fragen zu beantworten. Hier finden Sie alle Antworten.

Zudem haben sie acht Fragen zum Programm beantwortet – womit wir den analogen Wahl-O-Mat produziert haben.

Damit Sie die Kandidat:innen persönlich kennenlernen können bieten wir wieder die WahlArena an, mit Speeddating, Infomesse und Debatten – am 26.4. ab 17 Uhr im Bergischen Löwen. Hier finden Sie das ganze Programm.

Unser Spezial zur Landtagswahl 2022 finden Sie hier.

Dennoch ist Santillán Kreisvorsitzender der Linken und umweltpolitischer Sprecher der Fraktion der Linken in der Landschaftversammlung Rheinland LVR. Die Umwelt nennt er neben der sozialen Frage als sein Kernthema.

Santillán hatte schon 2010 für den Landtag kandidiert, 2017 für das Amt des Landrats – und tritt jetzt erneut als Bewerber der Linken für ein Landtagsmandat an. Auf der Landesliste ist er nicht vertreten.

Weitere Informationen: Website, Facebook

Los geht’s. Nicht lange nachdenken, nicht weit ausholen – ein, zwei Sätze genügen.

Wie starten Sie in den Tag?
Mir ist es sehr wichtig jeden Tag positiv, mit Liebe und Optimismus zu beginnen. Ich habe mir angewöhnt erstmal gedankenlos in den Himmel zu schauen und erst nach einem Glas spanischen „Café con leche“ den Tag zu planen und die Termine zu prüfen.

Was wollten Sie als Kind werden?
Bei meiner Herkunft aus Argentinien ist das sicher kein Wunder: Fußball war mein großer Traum. Das habe ich auch lange gespielt und tue das gelegentlich auch heute noch. Kann man sich wohl kaum vorstellen, oder?  

Was sind Sie geworden?
Während meines Jura-Studiums in den 90ern habe ich gemeinsam mit einem Freund eine der ersten Internetfirmen in Köln gegründet. In diesem Bereich habe ich dann bis vor wenigen Jahren auch als selbstständiger IT & Softwareberater gearbeitet und eine Menge Projekte betreut und umgesetzt. Nachdem mein Vater gestorben war und der elterliche Betrieb vor großen Herausforderungen stand, bin ich 2014 in den fünfzig Jahre alten Familienbetrieb eingetreten und leite heute zusammen mit meinem Bruder das argentinische Restaurant El Gaucho in Köln. 

Wohin laden Sie Kollegen oder Geschäftspartner am liebsten ein?
In unser original argentinisches Restaurant „El Gaucho“ in Köln.

Wohin gehen Sie gerne mit Freunden?
Wir gehen gerne durch den naheliegenden Wald spazieren. Das ist auch ganz unabhängig von der Jahreszeit, denn im Wald gibt es immer etwas zu sehen und ich fühle mich da immer sehr wohl.

Wohin gehen Sie, wenn Sie ganz für sich sein wollen?
Ich gehe regelmäßig in den Kölner Dom. Auch wenn ich nicht sehr gläubig bin, stelle ich dort eine Kerze für meine verstorbenen Verwanden auf. 

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus?
Gutes Frühstück, entspannter Spaziergang, Besuch des FC Köln im Rheinergie-Stadion mit 3:0 Sieg, danach ruhiger Sommerabband auf dem Balkon mit Freunden bei einem Glas leckeres Kölsch oder trockenen Wein.  

Tee oder Kaffee; Bier oder Wein?
Tagsüber „Café con leche“ und abends gerne ein Kölsch oder ein Glas Wein. 


Was ist für Sie das größte Unglück?
Krieg, Hunger und Ungerechtigkeit.

Bitte ergänzen Sie: Der Rheinisch-Bergische Kreis ist …
… meine Heimat. Ich liebe diese Region, auch wenn sich mein früher gutes Bild über die regionale Politik und Verwaltung in den letzten Jahren sehr verschlechtert hat. Ich komme eben von hier.

Was ist Rhein-Bergs größter Pluspunkt?
Die offenherzigen, ehrlichen und fleißigen Menschen.

Was ist Rhein-Bergs größtes Problem?
Ausgedehnte korrupte und verfilzte Strukturen, zu viel Auto-Verkehr und zu wenig bezahlbarer Wohnraum.

Wenn Sie drei Wünsche für den Rheinisch-Bergischen Kreis frei hätten, würden Sie …
Viele Menschen werden an den sozialen Rand gedrängt, sie sind einsam oder ihnen fehlt ein glückliches Leben. Das sollte sich als ersten ändern. Wir brauchen mehr soziales Glück für alle und glückliche Menschen.
Ich wünsche mir zweitens mehr Freiheit und Demokratie.
Und drittens mehr Transparenz und Offenheit statt korrupter Vetternwirtschaft.

Wenn Sie einen persönlichen Wunsch frei hätten, würden Sie …
Ich würde gerne mit meiner Liebsten in einem Segelboot um die Welt segeln und das werde ich auch noch tun.

Was war Ihre größte Leistung?
Das müssen andere beurteilen. Ich bin da sehr bescheiden und überprüfe mich selbst jeden Tag, um meine Fehler zu korrigieren und ein besserer Mensch zu werden. Auch wenn mir das nicht so schwerfällt, ist es Angesicht der tatsächlichen Realitäten in dieser Welt für uns alle immer wieder eine große Leistung, manchmal nachzugeben, dennoch nicht aufzugeben, die Menschen zu lieben und menschlich zu bleiben und das Leben zu leben.

Was war Ihre größte Niederlage oder Ihr schlimmster Fehler?
Meine größte politische Niederlage war mein Austritt aus der SPD, für die ich mehr als 20 Jahre und seit meiner Jugend gekämpft habe. Als die SPD Anfang 2000 unter Schröder zu unsozialen Kriegspartei mutiert war, habe ich jahrelang um sozialdemokratische Positionen in der SPD gerungen und gestritten und dieses erst 2007 aufgegeben. Ich bin mit den ganzen Ideen im Gepäck zu DIE LINKE. übergetreten und habe das bis heute nicht bereut.

Mein großes Ziel ist …
„Freiheit, Gleichheit, Solidarität!“ bleiben die Leitlinien für meine politische Arbeit. Das ist das Ziel!

Was ist Ihre Stärke?
Selbstständiges, undogmatisches und unabhängiges Denken und den Mut zu haben überall meine Meinung zu sagen und dabei Durchhaltevermögen zu zeigen.

Was ist Ihre Schwäche?
Gutgläubigkeit und Vertrauen in Menschen, die dieses nicht verdient haben und das rücksichtslos zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen. Freunde raten mir immer dazu misstrauischer zu sein. Dann aber hätte ich viele wunderbare Menschen nie kennengelernt. Deshalb werde ich diese Schwäche sicher nicht loswerden.

Wie sind Sie als Chef?
Ich erwarte von meinen Mitarbeitern nicht mehr als von mir selbst.

… und was würden Ihre Mitarbeiter sagen?
Ich frage sie besser nicht, aber sicher nur Gutes!

Worüber können Sie sich aufregen?
Auch wenn ich Rassismus und Intoleranz seit meiner Kindheit ausgesetzt war und bin, werde ich mich nie daran gewöhnen oder damit abfinden. Unreflektierter Dogmatismus ist das zweite, über das ich mich aufrege. 

Wer ist Ihr Vorbild im Beruf?
Das hat sich über die Jahre immer wieder geändert. Eigentlich orientiere ich mich dabei nicht an Personen, sondern an guten Ideen, dem echten Leben und wichtigen Inhalten. 

Wer ist Ihr Vorbild im Privatleben?
Mein verstorbener Vater und mein verstorbener Bruder! Beide sind viel zu früh aus dieser Welt gegangen und ich denke jeden Tag an sie.

Was war der beste Ratschlag, den Sie je erhalten haben?
Leben und leben lassen!

Welchen Ratschlag würden Sie Ihren Kindern erteilen?
Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Welche Frage wurde nicht gestellt, würden Sie aber gerne beantworten?
Warum treten sie zur Wahl an, obwohl ihnen die Umfragen kaum eine Chance einräumen den Wahlkreis direkt zu gewinnen?  
Meine Antwort: Ich trete nicht für mich an, sondern für das Programm DIE LINKE. und die Idee für eine sozial gerechten, freie und friedliche Welt. Die meisten Menschen auf dieser Erde habe nicht das Recht frei und demokratisch darüber zu entscheiden, wer sie in den Parlamenten vertritt. 

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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