Fehlverhalten auf der Straße kann zum Verlust des Führerscheins führen. Und das nicht nur im Rahmen von Strafverfahren, sondern auch auf dem Verwaltungsweg. Immer dann, wenn viel Alkohol im Spiel ist, entscheidet eine medizinisch-psychologische Untersuchung, ob man die Fahrerlaubnis behalten darf. Oder eben nicht.

Von Barbara De Icco Valentino

Als Rechtsanwältin erlebe ich häufig – gerade dann, wenn ein Straf- oder Bußgeldverfahren gegen meinen Mandanten eingeleitet worden ist und es um das „Heiligtum“, den Führerschein, geht – große Verwunderung bei meiner Schilderung von möglichen Rechtsfolgen, gefolgt von Wut über die gesetzlichen Vorschriften und großen Erwartungen an die Verteidigung. 

So möchte ich von einem Fall aus dem Jahr 2019 berichten, den das Verwaltungsgericht Magdeburg (Beschl. v. 02.02.2021, 1 B 364/20) zu entscheiden hatte. 

Mitte 2019 war der spätere Antragsteller mit einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 2,14 ‰ auf seinem Fahrrad unterwegs. Dabei hatte er einen Fuß auf dem Pedal, mit dem anderen Fuß stieß er sich immer wieder vom Boden ab (sog. „rollern“). 

Gegen ihn wurde wegen Trunkenheit im Verkehr ein Strafverfahren eingeleitet, welches im Anschluss gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt wurde. 

Die Staatsanwaltschaft leitete im Anschluss die Akte an die zuständige Fahrerlaubnisbehörde weiter, die eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) anordnete.

Ein Testat hierzu legte er nicht vor, weshalb ihm sodann die Fahrerlaubnis entzogen wurde. Hiergegen wandte er sich an das Gericht. 

Das Verhalten der Behörde war rechtmäßig, so der Beschluss des VG.

Ohne auf die Einzelheiten des Falls eingehen zu wollen, möchte ich Ihnen in aller Kürze den Hintergrund für eine solche Vorgehensweise erläutern. 

Wenn u.a. Staatsanwaltschaft oder Polizei Tatsachen bekannt werden, die die Zweifel oder gar die Annahme aufkommen lassen, dass der Fahrerlaubnisinhaber zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet ist, kann die Fahrerlaubnisbehörde die Fahreignung überprüfen. Dies geht u.a. aus § 11 Fahrerlaubnisverordnung (FeV) hervor.

Dies muss nicht immer auf Grund von Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Alkohol im Straßenverkehr geschehen, sondern kann auch eventuell auf Grund anderer Eignungszweifel der Fall sein. Wenn z.B. eine Straftat unter Nutzung eines Kfz begangen wurde.

Aber auch schon bei viel weniger schwerwiegenden Fällen wie der von Polizeibeamten wahrgenommenen körperlichen Verfassung eines Unfallbeteiligten bei einer Unfallaufnahme kann die Überprüfung durch die Behörde gerechtfertigt sein. 

Bei einer Blutalkoholkonzentration von mehr als 1,6 ‰ wird von Seiten der Fahrerlaubnisbehörde jedoch eine medizinisch-psychologische Untersuchung angeordnet. Ohne Nachweis über deren positives Ergebnis ist die Fahrerlaubnis zu entziehen.

Strafverfahren und Verwaltungsverfahren von Seiten der Fahrerlaubnisbehörde sind zwei voneinander getrennt zu betrachtende Verfahren, sodass von beiden Seiten wegen eines einzigen Vorfalls Sanktionen folgen können. 

Ich wünsche Ihnen weiterhin gute Fahrt. 

Ihre Barbara De Icco Valentino

Barbara De Icco Valentino ist Fachanwältin für Verkehrsrecht und für Medizinrecht in der Kanzlei Leonhard & Imig. Sie ist Ihre Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um das Verkehrsrecht (u.a. für Schadenregulierung, Autokauf, Ordnungswidrigkeiten und Strafsachen) und Medizinrecht. Des Weiteren ist sie Vorstandsmitglied im Automobilclub Deutschland e.V. (Ortsclub Köln linksrheinisch).

Leonhard & Imig Rechtsanwälte steht seit 50 Jahren für Rechtskompetenz in Bensberg.

Die renommierte Traditionskanzlei bietet seriöse und vertrauensvolle Rechtsberatung in allen Fragen des Arbeits- und Sozialrechts, Familien- und Erbrechts, Miet- und Wohnungseigentumsrechts, Bau- und Architektenrechts, Verkehrsrechts, Straf- und Ordnungswidrigkeitenrechts sowie Medizinrechts. Sie wurde 1969 in Bensberg gegründet und hat heute ihren Sitz in zentraler Lage zwischen Schlossstraße und Bahnhof.

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