Marcus Otto ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und des Einzelhandelsverbands
Marcus Otto ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und der Initiative Arbeiten und Leben in GL

Die „Initiative Leben und Arbeiten in GL“ kritisiert die Haltung der Ampelkoalition und der Stadtverwaltung zum Regionalplan: Statt Spielräume zu benennen sollen sie offenbar auf ein Minimum reduziert werden, kommentiert der Unternehmerverband. Wohnort-nahes Arbeiten werde damit in GL konterkariert.

Die Diskussion um Gewerbeflächen hat in Bergisch Gladbach ja gute Tradition. Das jüngste Kapitel – die Auseinandersetzung um den Regionalplan und den dort genannten Bedarf von 58 Hektar – bestätigt dies.

Erschreckend ist, dass die Ampelfraktion und die Stadtverwaltung weitere Überlegungen beenden möchten. Statt im Regionalplan Spielräume für die nächsten 20 oder 30 Jahre zu benennen, sollen diese auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Dahinter steht die Sorge, dass im Regionalplan genannte Flächen eventuell (!) ja vielleicht noch realisiert werden könnten.

Also lieber jetzt Fakten schaffen, ohne eine Ahnung zu haben, wie die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahren aussehen kann …

Von Seiten der Verwaltung werden lediglich zwei Flächen zugelassen: die an der Autobahn in Refrath – ein potentieller Streichkandidat – und die in Kürten-Spitze – deren Realisierung in den Sternen steht und deren Verkehrsproblematik nicht gelöst ist. Dazu kommt das mittlerweile mehrfach überplante Zanders-Areal, dessen verkehrliche Anbindung ja ebenfalls noch auf eine Lösung wartet. Dies alles wären Projekte, die von ihrer Realisierung noch Jahre entfernt sind.

Hinweis der Redaktion: Das Bürgerportal steht als Plattform für alle Vereine, Initiativen, Parteien und Einrichtungen der Stadt zur Verfügung. Dieser Beitrag stammt von der ILA-GL.

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Die ILA geht, der Unternehmensverband kommt

Die „Initiative Leben und Arbeiten in GL“ gibt die Eigenständigkeit auf und wird Teil eines bislang unbekannten „Unternehmensverbands“. Dahinter steht ein alter Bekannter, der die Wirtschaft über das Handwerk und den Handel hinaus in einem Haus bündelt.

Allerdings gibt es schon heute gibt keine Flächen mehr: weder für die hier ansässigen Handwerksbetriebe noch für den wachsenden Mittelständler, von der Neuansiedlung attraktiver Unternehmen ganz zu schweigen.

Der Ansatz vieler Stadtplaner, Wohnort-nahes Arbeiten zu ermöglichen, wird in Bergisch Gladbach konterkariert. „So wird das Potenzial der Stadt Gladbach, ein attraktiver Raum für Leben und Arbeiten in einer spannenden Region zu sein, geopfert!“, sagt Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land und des Unternehmensverbandes Bergisches Land e.V. (ILA-GL).

In diesem Zusammenhang lohne sich ein Blick in die Schweiz: Hier wird die Privatwirtschaft durch attraktive Standortbedingungen gestärkt und somit werden Produktivitätspotenziale ausgeschöpft. Die Kantonsregierungen versuchen, ihre Attraktivität für den Steuerzahler zu steigern, und stehen miteinander im Wettbewerb.

Im europäischen Vergleich steht die Schweiz mit dieser Strategie gut da. Sie hat nur eine leichte Inflationserhöhung um 2,9 Prozent in den letzten 12 Monaten – auch dank ihrer widerstandsfähigen Privatwirtschaft.

Absurd wird das ganze Spiel, wenn gleichzeitig die Haushaltsplanung des Kämmerers mit steigenden Gewerbesteuer-Einnahmen arbeitet. Gibt es keinen Austausch in der Verwaltungsspitze? Oder sollen die bisherigen Steuersätze entsprechend erhöht werden?

Um eine Zukunft gestalten zu können, müssen dafür Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das ist die Aufgabe von Kommunalpolitik und Verwaltung. Keine Handlungsoptionen zu belassen, verweigert uns allen eine Zukunft.

ILA

Die Initiative „Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach“ ist ein Zusammenschluss von Unternehmern, Selbstständigen, Freiberuflern und wirtschaftlich Tätigen, die die Stimme der Wirtschaft in der Standortpolitik stärken und sich in den Dialog mit einbringen möchten.

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3 Kommentare

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  1. Gott, geht dieses Gejammere schon wieder los.
    – GL wird Schlafstad – na und?
    – Andere Gemeinden haben den Nutzen bei geringen Gewerbeflächen hier-na und?
    – Arbeitsplätze sind wichtiger als Verkehrs- und Stadt-Konzepte – wieso?
    – „Den Wählern klarzumachen . . .“ ist alte und gescheiterte CDU-Manier.
    – Die Bevölkerung will keine neuen Gewerbegebiete, höchstens die Politiker.
    – Die Bevölkerung hat die Größe der neuen Gewerbegebiete verhindert.

  2. Es war schon immer schwer den Wählern klar zu machen, dass ohne Gewerbegebiete die Bergisch Gladbacher Wirtschaft und das Wachstum bald komplett einschlafen wird. Die notwendige Ausweisung neuer Gewerbegebiete wurde schon im FNP Aufstellungsverfahren insbesondere von den Grünen drastisch bekämpft.
    Jetzt ist diese Partei in der Ampelkoalition maßgeblich an der “Nichtausweisung weiterer Gewerbegebiete beteiligt. Wie soll denn eine Verbesserung dieser Situation erfolgen, wenn diese Ampel den maßgeblichen Beigeordneten stellt, der die zuständige Verwaltung steuert. Der, von den Koalitionspartner vor der Wahl schon ausgekasperte “ grüne Umweltdeal” hieß doch: Grüne und FDP bekommen jeder einen hochbezahlten Dezernenten, die dann nach unserer Pfeife tanzen, und die SPD bekommt den BM. Alles was nicht in höchstem Maße umweltgerecht und grünflächen schonend ist ,und den Verkehswandel Richtung Fahrrad unterstützt bzw. fördert, wird in den Ausschüssen abgelehnt, auch von der FDP Herr Krell!
    Sie könnten es ändern, wenn Sie wollten.
    Gewerbe bedeutet Arbeitsplätze im Nahbereich unserer Stadt, nicht nur Verkehr, Lärm und Immssion.
    Wenn GL weiterso macht, freuen sich alle umliegenden Gemeinden und Städte, denn die machen alles möglich, wenn neue Steuerzahlen mit Ansiedlung drohen.

  3. Lieber Herr Otto,

    die Diskussionen zum Regionalplan innerhalb der Ampel Koalition und mit der Stadtverwaltung werden über den Sommer fortgeführt. Um diesen Prozess zu ermöglichen, hat sich die FDP für die Vertagung der Entscheidung über den Regionalplan von der Ratssitzung am 21. Juni auf die Ratssitzung am 30. August eingesetzt, was ja dann von der Ampel in der letzten Sitzung des Stadtentwicklung- und Planungssitzung am 14. Juni entsprechend beantragt wurde und vom Ausschuss beschlossen wurde.

    Ich kann der ILA nur zustimmen: wir brauchen Spielräume, gerade für Gewerbegebiete, sonst verbauen wir den Weg für eine lebendige und wirtschaftlich vitale Stadt. Leider sind die Signale aus den Koalitionsverhandlungen in Düsseldorf und die Position der Bezirksregierung nicht hilfreich.