Foto: Thomas Merkenich

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Sie arbeiten beide mit der Stimme, wenn auch in unterschiedlichen Bereichen: Silke Weisheit ist Mezzosopranistin und Gesangspädagogin, Philipp Schepmann Schauspieler und viel beschäftigter Sprecher für TV und Hörbuch. Unter dem Titel „Nachtzauber“ geht das Bergisch Gladbacher Paar nun auf eine kleine Tournee: Mit Liedern und Gedichten, die sich der dunklen Hälfte des Tages widmen.

„Ich war Priester, sie war ein Knabe.“ Philipp Schepmann schmunzelt, als er an die erste Begegnung der beiden denkt. Es war am Aalto-Theater in Essen, bei den Proben zur Zauberflöte.

„Ich habe zu der Zeit noch an der Musikhochschule Köln studiert. Philip war an der Folkwang Schule als Schauspielschüler“, fügt Silke Weisheit hinzu. Beide sind verkleidet, als sie sich auf der Bühne kennen lernen. Er mit Bart, sie mit Perücke.

Erst kurz vor dem ersten „Date“ sehen sie sich ohne Kostüm – in der Garderobe.

Silke Weisheit und Philipp Scheppmann. Foto: Thomas Merkenich

Gemeinsame Liederabende

Seither sind sie ein Paar. Und beide arbeiten mit der Stimme: Dem elementarsten Ausdrucksmittel, dem ältesten Instrument überhaupt. Hin und wieder mündet das in gemeinsamen Produktionen – Liederabende mit Rezitationen von Gedichten und Texten.

„Es gab immer wieder gemeinsame Produktionen, unter anderem Heine-Abende für die Goethe-Gesellschaft“, schildert Silke Weisheit, „und auch Liederabende mit geistlicher Musik.“ Es sei ein Traum, so zusammen arbeiten zu dürften, aber immer auch ein Kostenfaktor.

„Nachtzauber“ lautet das neueste Programm, das die beiden nun im August auf einer kleinen Tournee aufführen werden. Veranstalter ist Liedwelt Rheinland, das Netzwerk widmet sich der Förderung des Kunstliedes. Lokale Sponsoren wie die Agentur Strothmann unterstützen die Finanzierung, die sich auf Landesmittel stützt.

Nachtzauber: Liederabend | Lesung | Videokunst
Silke Weisheit – Sopran
Tobias Krampen – Klavier
Philipp Schepmann – Lesung

19. August, 19 Uhr: Gemeindesaal der Herz Jesu-Kirche, Schildgen
20. August, 17 Uhr: Saal der anthroposophischen Gesellschaft, Kölner Neustadt
21. August 17 Uhr: Zentrifuge, Bonn

Tickets über Eventbrite, an der Abendkasse, unter 0170 19 57 580
Weitere Infos im Interview mit Silke Weisheit bei Liedwelt Rheinland

Schumann und Eichendorff

„Gemeinsam mit meinem Pianisten Tobias Krampen entwickelte ich ein Programm zum Thema Nacht, als ich auf das Gedicht „Die Nacht“ von Joseph Freiherr von Eichendorff gestoßen bin“, schildert Silke Weisheit die Entstehung des neuen Programms. Flugs habe sie das Gedicht mit dem „Liederkreis“ von Rober Schumann zu einer neuen Dramaturgie verwoben. Der berühmte Zyklus von Schumann widmet sich ebenfalls Gedichten von Eichendorff.

Das fügt sich zu einem wundervollen Ganzen. „Ich hatte früher den Eindruck, dass Rezitationen den Spannungsbogen eines Liederabends stören könnten“, räumt Philipp Schepmann ein. „Die Erfahrung hat uns aber gezeigt dass die Zuhörerinnen und Zuhörer die Abwechslung von Gesang und Sprechstimme sehr schätzen. Es ergänzt den Abend um eine weitere Facette der Rezeption.“

Nachtzauber: Der zweite Teil des Abends widmet sich der Kurzgeschichte „Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde. „Einer meiner Lieblingsautoren“, wirft Schepmann ein.

Lieder von Richard Strauss („Die Nacht“, „Rote Rosen“), Alban Berg („Die Nachtigall“) und Jean Sibelius („Schwarze Rosen“) unterstreichen den zutiefst romantischen Text: Eine Nachtigall gibt ihr Leben für einen Studenten, der mit dem Blut des Vogels eine Rose für seine Geliebte färbt. Sie weist ihn indes zurück, zieht schnöden Mammon vor.

Sehnsucht statt heiterer Beschwingtheit

Die Nachtigall – ein Opfer der Liebe. „Ein Liederabend ist kein Operettenabend, wo man beschwingt nach Hause geht“, betont Silke Weisheit. Fast die gesamte Musik des Abends stamme aus der Romantik, das Suchende, das Sehnsüchtige sei hier prägend.

„Die Texte bringen eine neue, weitere Farbe in das Programm. Das Kunstlied hat ohnehin viel mit Klangfarbe zu tun, mit Wohlklang, dem man je nach Kontext aber auch eine fahle, schroffe, kalte Ausdrucksweise entgegensetzt“, erläutert die Sängerin.

„Umgekehrt bestimmt die Musik die Stimmung beim Sprechen“, ergänzt Schepmann. Er arbeite viel für das TV, für Dokus, da lege man sich emotional auf die Musik auf, „dagegen zu sprechen macht keinen Sinn.“

Philipp Scheppmann. Foto: Thomas Merkenich

Auf diese Weise fügt sich der Liederabend mit Lesung zu einer neuen Dramaturgie. An ihrer Seite der Pianist Tobias Kampen, „das ist mein Lieder-Pianist schlechthin“, betont Silke Weisheit. Seit sechs Jahren arbeiteten sie zusammen.

Eine gute Wahl: Kampen ist immerhin Preisträger des deutschen Schubertpreises und des international renommierten „Robert Schumann Wettbewerb“ in Zwickau.

Restart nach Corona

Die beiden Stimmkünstler verstehen das neue Programm auch als Restart nach Corona. „Ich erinnere mich noch gut als Silke 2019 zu mir sagte: Das kommende Jahr wird mein Jahr mit den meisten Konzerten werden. Und dann wurde 2020 eine Aufführung nach der anderen abgesagt“, blickt Schauspieler Schepmann zurück.

Foto: Thomas Merkenich

„Jetzt wollen wir auf die Bühne, so lange es geht“, betont Silke Weisheit. Auf der Bühne zu stehen, zu singen und zu spielen, das sei das Größte für sie. Als die Kinder kamen musste sie notgedrungen Abschied von der Opernbühne nehmen. Baute sich aber ein zweites Standbein als Gesangpädagogin auf, mit Schulungen beim Bund Deutscher Gesangspädagogen.

Philipp Schepmann ist als Sprecher nach wie vor gut im Geschäft. Er betreibt ein eigenes Studio, wird aber auch von Verlagen gebucht. „Jüngst gab es Produktionen für Lübbe mit meinem Lieblungsautor Luca di Fulvio und Randomhouse, weitere im Bereich Jugendfantasy stehen an.“ Nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis, Platz 1 der Hörbuchbestenliste, Hörbuch des Jahres – seine Hörbücher sind erfolgreich.

Foto: Thomas Merkenich

Das muss man schon können

Nun führen ihre Stimmen die beiden Künstler:innen wieder gemeinsam auf die Bühne. Haben sie sich auch mal in der Profession ihrer Gegenübers versucht? Die Sängerin einen Text gesprochen, der Schauspieler und Sprecher auf der Bühne gesungen?

„Das Fach Schauspiel habe ich an der Musikhochschule Köln mit Bestnote abgeschlossen“, sagt Silke Weisheit. Aber Sprechen? „Man denkt, man kann Texte sinnvoll rezitieren, aber das muss man schon können.“ Ein entsprechender Versuch schlug fehl, schmunzelt sie.

Silke Weisheit. Foto: Thomas Merkenich

Er habe sehr wohl bei einigen Theaterproduktion gesungen, erinnert sich Schepmann. Beim gestiefelten Kater in Hagen, oder bei der Produktion „Kleiner Mann was nun“ in Münster. Und auch Unterricht bei der Gesangslehrerin seiner Frau genommen. Aber letztlich bleibe jeder in seinem Gebiet.

Silke Weisheit fasst die Unterschiede ihrer beider Arbeit mit der Stimme so zusammen: „Beim Sprechen muss Du auf den Punkt kommen, Deine eigene Struktur finden. Der Gesang wird dagegen durch Melodie und Rhythmus strukturiert, man arbeitet eher mit dem Klang.“

So oder so, es ist ein stimmungsvolles Künstlerpaar, das demnächst seinen „Nachtzauber“ entfaltet.


In der Corona-Zeit war Silke Weisheit gemeinsam mit Roman Salyutov zweimal im Rahmen des KulturKuriers des Bürgerportals aufgetreten:

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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