Die Ferien sind vorbei, Corona ist noch da. Viele Schulen wie hier das Berufskolleg appellieren, weiterhin Masken zu tragen. Foto: Thomas Merkenich

Das neue Schuljahr bricht an, schon zum dritten Mal unter Pandemiebedingungen. Das Land NRW setzt dabei auf freiwilliges Maskentragen und Testen. Damit kommen die Schulen klar. Das fehlende Breitband hemmt jedoch erneut den Distanzunterricht. Und den hat das Bildungsministerium explizit nicht ausgeschlossen. Immerhin: Einige Luftfilter sind da, aber gelüftet wird weiter.

Man hatte sich daran gewöhnt: Morgens zum Schulstart einen Corona-Test. Maskentragen von der ersten bis zur letzten Schulstunde. Das ist nun (vorläufig) Geschichte.

Das Land NRW setzt zum Schulstart an diesem Mittwoch auf Eigenverantwortung der Schulen im Umgang mit der Pandemie, auf Freiwilligkeit. Testungen gibt es nur noch anlassbezogen: In der Regel zu Hause, ausnahmsweise in der Schule, nur bei Symptomen. Beim Maskentragen werden Empfehlungen ausgesprochen, es gibt keine Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes.

Punktuell in Distanz

Sollte es dennoch zu einem ansteigenden Infektionsgeschehen kommen, schließt das Land Distanzunterricht nicht völlig aus. Vorausgesetzt, Alternativen wie Vertretungslehrer:innen oder Kooperationen mit anderen Schulen sind ausgeschöpft.

Distanzunterricht solle je nach Infektionsgeschehen aber nur punktuell realisiert werden, heißt es dazu aus dem Schulministerium, „abhängig vom technischen Stand, der digitalen Ausstattung“ in den Schulen. Ganze Schulen würden nicht mehr in die Distanz verbannt.

Soweit die Eckpunkte des neuen Handlungskonzepts „Corona“ für das beginnende Schuljahr.

Distanzunterricht einer Grundschule am heimischen Laptop

Wir haben stichpunktartig bei vier Schulen nachgefragt: Wie bewerten sie die neue Beinfreiheit? Lässt sich der Distanzunterricht realisieren? Und wie ist der Stand bei der Beschaffung von Luftfiltern und CO2-Messgeräten? Und was sagt die Stadt?

So arbeitet die Redaktion: Bei welchen Schulen haben wir nachgefragt?
Katholische Grundschule Sand: Stephanie Horn, Schulleiterin
Berufskolleg Bergisch Gladbach: Katharina Blum, Schulleiterin
Integrierte Gesamtschule Paffrath: Angeliky Wollny, Schulleiterin
Nicolaus Cusanus Gymnasium: Jörg Schmitter, stellvertretender Schulleiter

Masken, Hygienemaßnahmen

Die Umfrage zeigt: Das Maskentragen wird von allen Schulen als sinnvoll erachtet, die Schulen wollen entsprechende Empfehlungen aussprechen. „Wir werden an unsere Schülerinnen und Schüler appellieren, auch weiterhin freiwillig eine Maske zu tragen“, erklärt die Schulleitung des Berufskolleg.

„Erleichternd ist es, dass die Pflicht hierzu aufgehoben wurde und wir die Kinder dann erinnern und nicht mehr „ermahnen“ müssen“, erklärt Stephanie Horn von der Grundschule Sand.

Angelika Wollny von der Integrierten Gesamtschule Paffrath ergänzt: „Zusätzlich werden wir natürlich weiterhin auf die Hygienemaßnahmen verweisen, also möglichst Abstand halten, Hände desinfizieren.“

Corona-Tests

Auch das anlassbezogene Testprocedere mit Schwerpunkt zuhause kommt bei den Schulen gut an – sprich Schülerinnen und Schüler testen sich in den heimischen vier Wänden nur dann wenn Symptome auftreten. Hierzu stellt das Land pro Kind fünf Tests bereit.

Tauchen die Symptome erst in der Schule auf, kann auch in der Einrichtung – wiederum anlassbezogen – selbst getestet werden. Eigenverantwortung beim Testen bedeutet natürlich auch, dass die entsprechende Entscheidungen in den Klassenzimmern fallen:

„Nach Maßgabe des Ministeriums entscheiden die Kolleginnen und Kollegen, ob eine Testung eines Schülers erforderlich ist“, stellt Angelika Wollny fest. Ob diese Eigenverantwortung nun eine Be- oder Entlastung darstellt, wird der Alltag zeigen.

Die Integrierte Gesamtschule Paffrath setzt neben Masken und anlassbezogenen Testungen auch auf Abstand halten und Hände desinfizieren. Foto: Thomas Merkenich

Luftfilter

„Luftfilter gibt es in den vier Klassenräumen, in den OGS-Räumen nicht“, sagt Stephanie Horn von der Katholischen Grundschule Hand. Die mobilen Endgeräte sollen die Luft reinigen und Corona-Viren heraussieben. Die vom Bürgerportal befragten weiterführenden Schulen verfügen (noch) nicht über Luftfilter.

Die Geräte haben eine lange Vorgeschichte: Das Land NRW hatte 2021 Fördergelder zur Beschaffung aufgelegt, aber an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Nach einer Bestandsaufnahme der Stadt stand fest: Es gibt keine förderungswürdigen Schulräume, also Räume die die Kriterien des Landes für eine finanzielle Unterstützung bei der Beschaffung erfüllen. Daher hatte sich die Kommune entschlossen, in einem ersten Schritt 150 Luftfilter auf eigene Kosten besorgen.

Lieferung fast abgeschlossen

Diese sind nun weitestgehend ausgeliefert und einsatzbereit, erklärt die Stadt auf Anfrage des Bürgerportals am Dienstagnachmittag. 18 Schulen hätten Bedarf gemeldet, 16 Schulen seien bereits versorgt: 13 Grundschulen, zwei Gymnasien, zwei Realschulen und eine Gesamtschule.

„Für die zwei verbliebenen Einrichtungen sind die Geräte ebenfalls vorhanden, die Installation bedarf noch einiger finaler Abstimmungen“, sagt ein Sprecher der Stadt.Aber auch hier sei in Kürze mit der Inbetriebnahme zu rechnen.

CO2-Messgeräte

Co2-Messgeräte sind nicht vorhanden, erklären die Schulen, die das Bürgerportal befragt hat. Die Geräte sollen beim Lüften in den Klassenzimmern unterstützen und schlechte Luftqualität signalisieren.

Nur das Nicolaus Cusanus Gymnasium verfügt über Geräte, die jedoch selbst finanziert wurden: „CO2-Messgeräte haben wir einige für Klausurräume selbst angeschafft. Die Lehrkräfte können sie vor Klausuren im Sekretariat ausleihen“, berichtet Jörg Schmitter.

„Die einzige Maßnahme bleibt weiterhin ein regelmäßiges Lüften“, sagt Angelika Wollny. Da wurde es in den vergangenen Wintern bereits kalt in den Klassenzimmern. Und könnte noch kälter werden, wenn im Rahmen des Energiesparens auch die Raumtemperatur in den Klassenzimmern abgesenkt würde.

Der fehlende Breitbandanschluss ist nach wie vor ein Hemmschuh, sollte es zu Distanzunterricht im Herbst kommen

Baustelle Breitband

Sollten einzelne Klassen wegen Corona in den Distanzunterricht gesandt werden – was das Bildungsministerium wie erwähnt nicht ausgeschlossen hat – ist ein schneller Breitbandanschluss an den Schule erforderlich. Nur so können die Lehrerinnen und Lehrer vernünftig online unterrichten. Aber bei dem Thema gibt es nach wie vor Baustellen.

„Die Katholische Grundschule Sand ist digital leider kaum ausgerüstet, es gibt nur zwei Klassen mit (schlechtem) WLAN“, macht Schulleiterin Horn klar. Abhilfe sei aber in Sicht.

„Es gibt weiterhin kein Breitband, wir haben kein stabiles WLAN. Digitales Arbeiten im Schulgebäude ist beschwerlich bis unmöglich“, so Katharina Blum vom Berufskolleg. Die Lehrerinnen und Lehrer würden dies bei Bedarf mit ihrem privaten Breitband und Unterricht von zuhause auffangen.

Damit könnte das Konzept des punktuellen Distanzunterrichts aber an seine Grenzen stoßen: Präsenzunterricht in der Schule und Distanzunterricht von zuhause, und das alles an einem Vormittag – dieses denkbare Szenario wird kaum machbar sein.

Die fehlende Ausleuchtung (WLAN-Erschließung des Gebäudes) ist auch an der Integrierten Gesamtschule Paffrath ein Problem. Hier liege der Glasfaseranschluss nur bis vor das Gebäude, schildert Angelika Wollny. „Die Glasfaser wurde bis jetzt noch nicht im Gebäude angeschlossen.“

„Wir sind bald drin“ heißt es indes am Nicolaus Cusanus Gymnasium. „Bei uns liegt seit ein paar Tagen der Breitbandanschluss, der wird wohl in den nächsten Tagen endgültig aufgeschaltet. Dann sind wir mitten in der laufenden Sanierung zumindest internettechnisch auf einem ziemlich guten Stand“, freut sich der stellvertretende Schulleiter Jörg Schmitter.

Endgeräte

Immerhin kommt Bewegung ins Thema Endgeräte: „Diese stehen den Kolleginnen und Kollegen nun zur Verfügung. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, ein Endgerät bei der Schule auszuleihen“, sagt Wollny. Kranke Kinder könnten Lerninhalte jederzeit digital zur Verfügung gestellt werden.

„Wir haben von der Stadt iPads für unsere Schülerinnen und Schüler und alle Lehrkräfte erhalten“, heißt an der Katholischen Grundschule Sand. Dort ist man also gut ausgestattet, sollte Corona den Unterricht in Präsenz verhindern.

Die Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit Tablets, wie hier am NCG, ist für Distanzunterricht und digitales Lernen zwingend. Foto: Holger Crump

Digitales Lernen nach vorne gebracht

Und noch etwas betonen alle Schulen gleichermaßen: Die Lehrerinnen und Lehrer hätten die Corona-Zeit genutzt, um Lerninhalte zu digitalisieren und aufzubereiten.

„Distanzunterricht kann am Berufskolleg jederzeit kurzfristig realisiert werden, sollte dies nötig sein. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich im Laufe der Pandemie eine umfassende Expertise erarbeitet und können flexibel reagieren, um auf Distanzunterricht umzustellen“, erklärt Katharina Blum.

Auch Angelika Wollny berichtet von der Digialisierung des Lehrens an der IGP: „Digitale Lerninhalte wurden von den Kolleginnen und Kollegen in den letzten Monaten vorbereitet. Auch die Vermittlung der Inhalte im Unterricht werden durch digitale Medien und Plattformen unterstützt, damit die Schülerinnen und Schüler Routine in der Nutzung digitaler Medien und Möglichkeiten erwerben.“

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Keine der gefragten Schulleitungen stellt sich offenbar die Frage warum in keinem anderen EU Land an Schulen noch Masken getragen werden geschweige denn Tests vorgenommen werden. Ich stelle mir die Frage warum eigentlich nicht?

    1. Aus eigener Anschauung weiß ich, dass Italien – anders als in Deutschland- vor den Sommerferien eine Maskenpflicht galt.