Die einst so mächtige Blutbuche im Park der Villa Zanders wurde am Dienstag zerlegt.

Die Stadt hat wie angekündigt die rund 140 Jahre alte Rotbuche im Park der Villa Zanders fällen lassen. Der einst so mächtige Baum war bereits seit Jahren schwer geschädigt und trotz intensiver Behandlung nicht mehr zu retten, berichtet Christian Nollen, Leiter von Stadtgrün. Auch viele andere Stadtbäume werden nicht überleben.

Am Dienstag heulten am Konrad-Adenauer-Platz die Motorsägen und Stück für Stück wurde die Blutbuche, die noch von Maria Zanders im Park der Villa Zanders gepflanzt worden war, abgetragen. Schon zuvor war sie nur noch ein Schatten ihrer Selbst gewesen, die Krone immer dünner geworden, wie Luftaufnahmen zeigten.

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Der Park der Villa Zanders aus der Vogelperspektive. Unsere Panoramatour aus dem vergangenen Jahr zeigt deutlich, wie stark die Blutbuche geschädigt war. Foto: Stefan Krill, Panomedia360

Damit habe dem Stamm der Schattenschutz gefehlt, der Baum habe Verbrennungen durch die Sonne erlitten, Rinde sei abgeplatzt, tote Äste herunter gestützt, berichtet Christian Nollen, der Leiter der städtischen Abteilung StadtGrün. Da die Stadt für die Verkehrssicherheit verantwortlich sei habe es keine Alternative mehr zur Fällung gegeben.

Dass die Blutbuche, wie viele andere alte Buchen, nicht mehr zu retten war, sei für Fachleute schon seit Jahren ersichtlich gewesen. „Das ist sehr traurig, aber irgendwann muss man sich verabschieden“, sagt Nollen. Zwar können Buchen grundsätzlich bis zu 300 Jahre alt werden, aber nicht unter den veränderten Rahmenbedingungen: „Diese Bäume stehen seit Jahren unter maximalem Stress.“

Auch diese Buchen iin der Gartensiedlung sind angeschlagen. Foto: Thomas Merkenich

Auch an der Alten Wipperfürther Straße und in der Gartensiedlung Gronauer Wald sind einige sehr große Buchen akut bedroht. Hintergrund ist die sogenannte Buchenkomplexkrankheit, die aber nur ein Sammelbegriff sei, sagt Oliver Fink von der Gartenbaumschule Becker in Refrath. Es gebe viele Faktoren für das Buchensterben, aber am Ende sei klar, dass diese Bäume seit Jahren nicht mehr genug Wasser bekommen.

Der Zustand der anderen stadtbildprägenden Bäume wie die Platane und die Kastanien im Forumpark ist laut StadtGrün-Chef Nollen deutlich besser, sie seien aktuell nicht in Gefahr.

Die Platane am Eingang zum Forum-Park ist stabil. Foto: Thomas Merkenich

Diese Bäume erhalten ebenso wie einige Exemplare auf dem Dach des Stadttunnels unterirdische Revitalisierungsbehandlungen mit Druckluft. Gegossen werden in der aktuellen Dürre von StadtGrün nur die Jungbäume, um ihnen gute Möglichkeiten zum Anwachsen zu geben.

Sehr schlecht gehe es dagegen den Ahorn-Bäumen, die im Zuge der Regionale 2010 in der Fußgängerzone gepflanzt worden waren und nur auf den ersten Blick noch in Ordnung aussehen. Genauso wie die Bäume vor dem S-Bahnhof, dem Platz der Städtefreundschaft, seien sie mittelfristig nicht zu retten. Diese Einschätzung Finks teilt auch Nollen grundsätzlich.

Pflaster und Bäume in der Fußgängerzone sind in einem sehr schlechten Zustand. Foto: Thomas Merkenich

Dennoch versuche StadtGrün, mit Revitalisierungsmaßnahmen einige der Bäume am Bahnhof zu retten und hoffe, „dass sich die in der Hauptstraße gepflanzten Bäume entgegen der Bedenken doch noch gut entwickeln,“ sagt Nollen.

Auch die Bäume auf dem „Platz der Partnerstädte“ haben kaum eine Überlebenschance. Foto: Thomas Merkenich

Bei Auswahl und Einbau der Bäume im Rahmen der Regionale 2010 seien Entscheidungen getroffen worden, die nicht nachhaltig waren, sagt Nollen. Die Fachabteilungen hätten zwar schon damals gewusst, welche Folgen der Klimawandel haben werde – konnten sich aber nicht durchsetzen.

Das sehe bei der Planung der neuen Schlossstraße in Bensberg jetzt anders aus, sagt der StadtGrün-Chef. Die dort ausgewählte Baumart Gleditschie sei für das neue Klima besser geeignet, beim Pflanzen der Bäume nach der Umgestaltung der Straße würden alle neuen Erkenntnisse berücksichtigt werden.

Im Park der Villa Zanders bleibt vorerst eine große Lücke zurück. Dort soll wenigstens ein großer Baum neu gepflanzt und weitere junge Exemplare hinzukommen – aber sie müssen relativ klein anfangen.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Mich interessiert mal, was mit dem Holz der gefällten Buche passiert. Da kommt ja so mancher Raummeter Brennholz zusammen. Wird das Holz verkauft? Und wenn ja, wie und wo?

  2. „Der Zustand der anderen stadtbildprägenden Bäume wie die Platane und die Kastanien im Forumpark ist laut StadtGrün-Chef Nollen deutlich besser, sie seien aktuell nicht in Gefahr.“
    Wenn man doch zumindest erkannt hat, welchen Stellenwert Bestandsbäume haben, warum ist man dann nicht vorausschauend in der Lage, die sehr beengten Bodenverhältnisse in dem stark verdichteten Bereich zu optimieren? Sollte man nicht präventiv die Bereiche um die Bäume umgestalten, da die Baumscheiben aus heutiger Sicht zu klein dimensioniert sind, so dass eine bessere Versorgung der Baumwurzeln gewährleistet werden kann? Es ist naiv zu glauben, dass in der derzeitigen Betonwüste der Fußgängerzone bzw. des Forumparks in Zeiten des Klimawandels Stadtbäume eine längerfristige Überlebenschance haben.

  3. Wie Recht du hast, liebe Gabriele! Schon lange mache ich mir Sorgen wegen der zu kleinen Baumscheiben im Forumpark, vor allem, was die riesige Platane angeht. Wie begründet denn Stadtgrün diese kleine Baumscheibe? Oder ist Stadtgrün nie danach gefragt worden, Herr Noellen?

  4. Sehr traurig – aber ein Grund mehr weitere Bäume besser zu behandeln. Die mickrigen Bäume am Busbahnhof und in der Fußgängerzone stehen sicher unter Stress. Sie haben keinen vitalen Untergrund, stehen auf verdichtetem Boden und/oder in kleinen Containern. Wenn die Probleme seit Jahren bei Stadtgrün bekannt sind, dann ist doch jetzt Handeln angesagt. Auch ein Forumpark mit zu kleinen Baumscheiben für alte Bäume ist sicher auch nicht hilfreich. Park heißt für mich mehr Grünflächen, mehr Bäume und mehr Sitzmöglichkeiten.