Bürgermeister Frank Stein, Prof. Dr. med. Hans-Peter Herrmann (Chefarzt Kardiologie), PD Dr. med. Payman Majd (Chefarzt Gefäßchirurgie) und Dr. med. Andreas Hecker (Ärztlicher Direktor).

5000 Menschen will Payman Majd, Chefarzt für Gefäßchirurgie am Evangelischen Krankenhaus, in fünf Jahren untersuchen, um den Zusammenhang zwischen Arterienverkalkungen und Herzerkrankungen zu studieren. Davon profitieren die Teilnehmer der „Bergisch-Gladbach-Studie“ aus der Region direkt – aber auch die medizinische Forschung.

Auf dem Quirlsberg im Herzen von Bergisch Gladbach wird medizinisch geforscht: Im Rahmen der Bergisch Gladbach-Studie – kurz BG-Studie – sollen am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach (EVK) innerhalb der nächsten fünf Jahre insgesamt 5.000 Menschen auf ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit untersucht werden.

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Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Arterienverkalkungen (Atherosklerose) und Herzerkrankungen wie z.B. Herzinfarkten und Schlaganfall genauer zu analysieren. Die BG-Studie wird geleitet von PD Dr. med. Payman Majd, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des EVK. Bergisch Gladbachs Bürgermeister Frank Stein hat die Schirmherrschaft übernommen. 

Teilnehmer der Beobachtungsstudie können erwachsene Patienten jeden Alters mit einer Verengung der Herzgefäße (Herzkranzgefäßerkrankung) sein, die am EVK mit einer Herzkatheteruntersuchung von Prof. Dr. med. Hans-Peter Hermann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie, behandelt wurden.

Im Anschluss an die Behandlungen untersuchen Dr. Majd und sein Team die Patienten auf Anzeichen einer arteriellen Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) bedingt durch verkalkte Gefäße und das Schlaganfallrisiko durch verkalkte und verengte Halsschlaggefäße. 

Gemessen wird im Rahmen der BG-Studie der Pulsschlag in beiden Beinen sowie der Blutdruck in beiden Armen im Verhältnis zum linken und rechten Fuß (Knöchel-Arm-Index) und der Zustand der Halsschlagader. Bei Auffälligkeiten wird die Untersuchung nach einem bzw. drei und schließlich fünf Jahren wiederholt.

Am Ende der Datenerhebung und der anschließenden Auswertung möchte PD Dr. Majd einen neuen Zahlenwert entwickeln – genannt BG-Score. Mit diesem sollen sich lebensbedrohliche Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle besser vorhersagen und so im besten Fall verhindern lassen.  

PD Dr. med. Payman Majd sagt: „Die BG-Studie macht Bergisch Gladbach zu einem wichtigen Teil des medizinischen Fortschritts. Teilnehmern aus der Stadt und der Region bieten wir mit der Studie entscheidende Vorteile, denn möglicherweise entdecken wir gefährliche Verengungen der Gefäße rechtzeitig und können entsprechend reagieren. Langfristig möchten wir Medizinern weltweit mit dem BG-Score ein weiteres Hilfsmittel an die Hand geben, um Menschenleben zu retten.“

Aktuell seien bereits 700 Patienten im Rahmen der BG-Studie seit Herbst vergangenen Jahres untersucht worden.

Stein: „Standort mit Zukunft“

Bürgermeister und Schirmherr Frank Stein freut sich, dass der Name seiner Stadt künftig ein fester und wichtiger Begriff in der internationalen Medizin sein könnte: „Als ich das erste Mal von der Forschung gehört habe, war ich sofort begeistert. Deshalb bin ich jetzt schon auf die ersten Studienergebnisse gespannt. Bergisch Gladbach ist und bleibt eben ein Standort mit Zukunft“. 

Das Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach unterstützt die Bemühungen seines Chefarztes in der medizinischen Forschung.

Geschäftsführer Dr. Harald Januschewski sieht darin auch einen weiteren Beweis dafür, dass auch kleinere Krankenhäuser auf sehr hohem medizinischen Niveau arbeiten und für die Menschen vor Ort von größter Bedeutung sind: „Der Gesundheitssektor steht abermals vor großen Veränderungen. Viel zu häufig wird die Debatte dabei auf die Schließung von Kliniken verkürzt. Wir möchten deshalb zeigen, dass auch abseits der Unikliniken und Metropolen wichtige medizinische Fortschritte erzielt werden. Es ist unsere Aufgabe, auf allen Ebenen auf uns und unsere Anliegen aufmerksam zu machen.“  

Die Bergisch Gladbach-Studie wurde durch die Ethik-Kommission der Ärztekammer Nordrhein geprüft und bewilligt und ist auch bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) registriert.

Hintergrund: Arteriosklerose oder Artereinverkalkung ist eine systemische, chronische und degenerative Erkrankung arterieller Blutgefäße mit fetthaltigen Einlagerungen in der Gefäßwand. Sie kann alle Bereiche des Körpers betreffen und muss, einmal festgestellt, dauerhaft beobachtet werden. Arteriosklerose kann Folgeerkrankungen auslösen, die auch als Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems bekannt sind.

Durch Rauchen, Diabetes, hohen Blutdruck, erhöhte Blutfette (familiäre Belastung und teilweise vererbliche Fettstoffwechsel- oder Blutgerinnungsstörungen spielen ebenfalls eine Rolle) entstehen Ablagerungen, sogenannte Plaques, in den Blutgefäßen. Wird durch solche Ablagerungen ein Blutgefäß eingeengt oder sogar verschlossen, kann nicht mehr genug Sauerstoff an den Muskel und in das Gewebe gebracht werden.

Als Schaufensterkrankheit wird umgangssprachlich die periphere (teilweise) arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bezeichnet. Sie beschreibt die Auswirkungen einer verminderten Durchblutung der Gliedmaßen, welche durch eine Gefäßverkalkung und Gefäßverengung (Atherosklerose) verursacht wird. Krampfartige Schmerzen in den Waden, in den Oberschenkeln oder im Gesäß beim Gehen (meist nach einer bestimmten schmerzfreien Gehstrecke) sind typische Beschwerden der Schaufensterkrankheit.

Diese Schmerzen zwingen oft zu einer Pause (eine praktische Ausrede für das Stehenbleiben ist das interessierte Betrachten des Schaufensters – daher der Name). Weitere Symptome sind zum Beispiel Müdigkeit, Gefühllosigkeit oder Kältegefühle in den Beinen. Die Schaufensterkrankheit wird durch eine Verkalkung der Arterien verursacht.

Bei einer Karotisstenose sind eine oder beide Halsschlagadern durch Ablagerungen verengt.

Menschen mit geringen Verengungen der Halsschlagadern haben keine Symptome, selbst der komplette Verschluss einer Halsschlagader kann symptomlos bleiben, da sich das Gehirn an den geringen Blutfluss anpasst und die Halsschlagader der Gegenseite und die Schlagadern des Nackens ausgleichend mehr Blut zum Gehirn transportieren.

Versagen diese Anpassungsmechanismen oder lösen sich kleine Teile der Ablagerungen und verstopfen die Gefäße im Gehirn, kann es zu einem vorübergehenden Ausfall von Gehirnfunktionen oder sogar zum Schlaganfall mit bleibenden Schäden kommen.

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