In der südwestlichen Ecke des Grundstücks soll die Sofortschule in Modulbauweise entstehen, mit einer Grundfläche von 620 Quadratmetern. Quelle: Ratsinformationssystem

Im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden hatten Anwohner:innen der KGS in der Auen in Refrath noch einmal Gelegenheit, ihre Bedenken zum Bau einer Sofortschule auf dem Schulgelände an der Schwerfelstraße vorzubringen. In Sachen Spielplatz, Bäume und Verkehr fanden sie bei der Verwaltung offene Ohren, am Standort selbst sei jedoch nicht zu rütteln. Der Ausschuss entschied einstimmig, aber nicht zur Zufriedenheit der Antragsteller.

Der Ausschuss für Anregungen und Beschwerden ist das einzige Gremium in der Kommunalpolitik, in dem Bürger:innen und Bürger ihre Anliegen direkt in die Ratsarbeit einbringen können – in der Hoffnung, dass sich die Fachausschüsse damit befassen.

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Nach einer Informationsveranstaltung der Stadt nutzten jetzt die Anwohner:innen der Schwerfelstraße in Refrath diese Möglichkeit. Ihre Sorge, knapp zusammengefasst: Mit dem bevorstehenden Bau einer Sofortschule für bis zu 180 Schüler:innen auf dem Gelände der KGS In der Auen werde ihr Wohnumfeld erheblich beeinträchtigt. Den Bedarf an Schulplätzen sehen auch die Anwohner:innen, nur mit den Details der Umsetzung seien sie nicht einverstanden.

Die alten Bäume

Da wäre zunächst der alte Baumbestand, der bei früheren Baumaßnahmen schon dezimiert worden sei. Nun bestehe die Gefahr, das weitere Bäume gefällt werden oder ihr Wurzelwerk beschädigt wird. Daher der Vorschlag, die Lage der Modulbauten auf dem Gelände zu verlegen, oder womöglich ganz auf das Grundstück der benachbarten Kirche St. Elisabeth zu verlegen, die ohnehin entwidmet werden soll.

Quelle: Open Street Map

Diesem Anliegen erteile der Kämmerer Thore Eggert, der die Verwaltungsspitze im Ausschuss vertrat, eine klare Absage. Aller anderen Optionen seien geprüft worden, zu diesem Standort gebe es keine Alternative. Mit der Kirche werde geredet, was dabei herauskommt sei aber offen. Zeit habe die Stadt nicht zu verlieren – die Schule müsse im August 2023 in Betrieb gehen, die ersten Aufträge seien von der neuen Schulbaugesellschaft schon vergeben werden.

Daten und Fakten: Die Schule wird aus vorgefertigten Modulen errichtet, die aber einen hohen Standard haben und unter Umständen mehrere Jahrzehnte genutzt werden können. Die Bruttogeschossfläche liegt nach Angaben der Schulbau GmbH bei 1240 m2, verteilt auf zwei Geschosse. Die überbaute Grundfläche beträgt also 620 m2 – plus Zuwegungen. Die Kosten waren zuletzt auf rund vier Millionen Euro geschätzt worden.

Es sei aber das große Interesse auch der Stadt, möglichst viele Bäume zu erhalten, betonte Eggert. Sie würden zunächst auf ihre Überlebensfähigkeit geprüft und dann – wenn nötig – zuerst diejenigen gefällt, die ohnehin angeschlagen sind. Eine Garantie für den Erhalt aller Bäume könne er nicht abgeben. Die Stadt sei aber an die Baumschutzsatzung gebunden und werde für Ersatz sorgen.

Der Spielplatz

Punkt zwei ist der Spielplatz, der durch die Sofortschule überbaut werden soll. Damit falle auch die letzte Spiel-Möglichkeit für Kinder im weiteren Umfeld weg – obwohl es gerade dort wieder deutlich mehr Kinder geben. Daher sei die Stadt in der Pflicht, Ersatz zuschauen.

Dem stimmte Eggert zu. Die Stadt diskutiere gerade mit der Kirchengemeinde, ob eine Parkplatzfläche zum Spielplatz umgestaltet werden könne. Sollte das nicht klappen habe die Stadt ein weiteres Grundstück in der Nähe im Auge; das für Abwassermaßnahmen frei gehalten worden sei aber für zwei Jahre zur Verfügung stehe.

Der Ausschussvorsitzende in der BürgerAkademie. Foto: Thomas Merkenich

In der BürgerAkademie zur Kommunalpolitik haben sich Mitglieder des Bürgerportal-Freundeskreises mit dem Ausschuss für Anregungen und Beschwerden auseinander gesetzt. Gemeinsam haben wir die Sitzung besucht und die Ergebnisse danach mit Ausschussmitgliedern diskutiert.

Die nächste BürgerAkademie befasst sich mit dem kommunalen Haushalt, am 2.12., zu Gast ist Kämmerer Thore Eggert. Diese Veranstaltungen sind zunächst dem Freundeskreis vorbehalten – Sie können aber gerne beitreten oder sich auf die Warteliste setzen lassen.

Der Verkehr

Das dritte große Problem ist der Verkehr, so die Anlieger:innen. Die etwas weiter entfernt liegenden Elterntaxi-Haltestellen würden nicht angenommen, viele Eltern würden ihre Kinder bis ans Schultor fahren und in der engen Straße regelmäßig für ein gefährliches Chaos sorgen.

Hier verwies der Ausschussvorsitzende Dirk Steinbüchel auf die Sitzung des Verkehrsausschusses am Vortag. Der hatte die Verwaltung beauftragt, rasch ein Verkehrskonzept für die Schwerfelstraße zu entwickeln.

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Ein Konzept für die Schwerfelstraße

Die KGS In der Auen in Refrath soll durch Container zum nächsten Schuljahr deutlich vergrößert werden – was bei den Anwohner:innen unter anderem mit Blick auf die Verkehrsbelastung Sorgen hervorruft. Auf Antrag der (ehemaligen) Ampel soll die Stadtverwaltung dafür kreative Lösungen suchen.

Das bestätigte auch Eggert – und sagte zu, dass die Stadt das Verkehrsproblem in diesem Bereich lösen werde.

Die Entscheidung

Im Ausschuss zeigten Vertreter:innen von SPD und CDU Verständnis für die Sorgen, eine Verweisung der Anliegen in die Ausschüsse sei aber nur zum Teil sinnvoll.

Eggert plädierte gegen jede Verweisung, weil das den Bau der Sofortschule bremse – und bat um einen Vertrauensvorschuss, das die Anliegen berücksichtigt werden. „Jede Prüfung und jede Ausschussvorbereitung kostet und Zeit, die dann für die Umsetzung fehlt.“

Als Ausschussvorsitzender bündelte Steinbüchel die Aspekte zu einem Beschlussvorschlag:

  • Das Anliegen, den Standort neu zu prüfen, wird abgewiesen.
  • Der Erhalt der Bäume wird nicht in den Fachausschuss verwiesen, verbunden mit einem Appell an die Verwaltung, alles zu tun, um möglichst viele Bäume zu retten.
  • Die Verkehrsproblematik wird aufgenommen und vom Verkehrsausschuss weiter bearbeitet, ohne eine formelle Verweisung.
  • Das Thema Spielplätze wird in den Schulausschuss verwiesen, der sich um eine angemessen Lösung kümmern soll.

Diesem Vorschlag stimmte der Ausschuss einstimmig zu.

Der Antragsteller und die Antragstellerin nahmen die Entscheidung zur Kenntnis und erneuerten ihre Sorge um die Bäume. Ihr Fazit: „Wir werden am Ende unser Viertel nicht mehr Wiedererkennen.“


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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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10 Kommentare

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  1. Den möglichen Wegfall alter Bäume kann ich nur bedauern. Auch die Nachpflanzung von jungen Bäumen kann das nicht ausgleichen.
    Wer sich die winzigen Bäume, vor vielen Jahren bereits gepflanzt, auf dem Platz der Städtepartnerschaften ansieht, wird sich fragen, wie so ein „Mini-Baum“ die Fällung in Bezug auf Kohlendioxid, Sauerstoffproduzent und Schattenspender ausgleichen kann.

  2. Beim Spieplatz hätte ich Verständnisfragen. Soll der nicht öffentliche Spielplatz auf dem Schulgelände (eher Süd-Westen) oder der öffentliche Spielplatz (eher Osten) überbaut werden? Fallen beide weg? Soll der öffentliche Spielplatz dem Schulgelände einverleibt werden und damit nicht-öffentlich werden?

    Die Errichtung eines Spielplatzes auf dem Parkplatz der Kirche St. Elisabeth würde die Gefahrenlage durch Elterntaxis in diesem Fall elegant lösen.

    1. Der Modulbau entsteht im Süd-Westen, aber beide Spielplätze sollen wegfallen – und an anderer Stelle ersetzt werden.

    2. Der Parkplatz müsste der Stadt erst einmal gehören, ehe sie dort einen Spielplatz einrichten könnte. Das ist bisher nicht der Fall, da die Stadt noch mit der Gemeinde verhandelt und auch das Erzbistum ein Wort mitzureden hat.

      1. Danke für die Erklärung.
        Ein neuer Spielplatz ist dann tatsächlich eine längerfristige Perspektive. Angenommen, es geht mit der Überlassung des Grundstückes schnell.
        Dann wissen wir von der Berichterstattung über den Spielplatz am Peter-Bürling Platz, dass noch einige Jahre für Planung oben drauf kommen können.

  3. Wo bleiben bei der ganzen Diskussion eigentlich die KINDER, die die Schule besuchen bzw. künftig besuchen sollen?
    Zunehmend beengte Verhältnisse (gerade „nach“ Corona.. hat auf das Konzept mal ein Kinderpsychologe geschaut?), kein Spielplatz mehr für Pausen-/OGS-Zeiten (gerade im Sommer ist unter den Bäumen ein beliebter Spielort), Betreuungspersonal, etc.
    Entscheidungen auf dem Rücken derjenigen, die in der Politik keine Lobby haben: unsere Kinder.

    1. Vor langer, langer Zeit habe ich diese Schule selbst besucht, da war im Altbau noch das 5. und 6. Schuljahr untergebracht. Damals hatten wir den Schulhof zwischen Altbau und Toiletten und den Schulhof zwischen Neubau und Turnhalle, außerdem die Rasenflächen um die Gebäude herum. Einen Spielplatz hat da niemand vermisst oder gebraucht.

      Ich gehe mal davon aus, dass die Kinder heute ebenfalls über die Kreativität und den Erfindungsgeist verfügeen, auch ohne die üblichen Spielplatzgeräte eine Menge Spaß zu haben – und das ganz ohne kinderpsychologische Beratung.

      1. Schon klar mit dem Spielplatz. Trotzdem ist doch die Enge eine andere, wenn ich etwa die doppelte Schülerzahl auf einer kleineren Fläche unterbringe. Das macht auch etwas mit Kreativität und Erfindungsgeist.

      2. Seit „damals“ hat sich die Welt überraschenderweise weitergedreht. Verschaffen Sie sich bitte mal ein Bild vor Ort, dann wissen Sie, welchen Bewegungsdrang und Spass die Kinder offensichtlich haben, denn bei passendem Wetter sieht man, was den Kindern diverse Spielgeräte bedeuten. Zu Ihrer Zeit war vermutlich eine OGS auch noch nicht „erfunden“, die Kinder also pünktlich zum Mittagessen wieder zuhause. Das hat sich grundlegend geändert.

    2. Die Eltern haben die Wahl, ob sie ihre Kinder in dieser Grundschule anmelden bzw. überhaupt Refrath als Wohnort wählen.