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Halbzeit für das „Museumslabor“: Das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe hatte die Bürger:innen aufgerufen, gemeinsam ein neues Konzept für das Bensberger Museum zu entwickeln. In einer groß angelegten Umfrage und mit zahlreichen Events sammelt das Haus weiter Ideen. Museumsleiterin Sandra Brauer und Projektkoordinatorin Laura Oehms geben bereits einen ersten Zwischenstand.

Das Projekt „Museumslabor“ findet im Rahmen einer bereits 2017 vom Stadtrat beschlossenen Neuausrichtung des Bergischen Museums statt. Frischer Wind ist sicher nicht verkehrt: Die letzte Überarbeitung des Museums fand zu Beginn der 1980er Jahre statt.

„Wir wollen mit dem Projekt die Zukunft des Hauses auf sichere Füße stellen, einen professionellen und zugleich zeitgemäßen Museumsbetrieb realisieren“, erklärt Sandra Brauer.

Bürgerbeteiligung in der Kultur

Seit seiner Gründung 1928 bis in die 1950er Jahre sei das Museum von Bürgern für Bürger betrieben worden. Daher liege es nur nahe, sie bei der Konzeption zu beteiligen.

„Eine Bürgerbeteiligung gibt es ja bereits in der Politik, wir machen dies nun auch im Kulturbereich. Für ein Haus dieser Größenordnung ist dies sicher ein Novum“, ergänzt Laura Oehms.

Im September 22023 soll dann ein Grobkonzept aufzeigen, wie die Neuausrichtung des Museums vorgenommen werden könnte. Und bis dahin gibt es noch einiges zu tun.

Museumsleiterin Sandra Brauer und Projektkoordinatorin Laura Oehms, Foto: Thomas Merkenich

Vier Themen, fünf Kanäle

„Wir haben die Umfrage in vier Bereiche gegliedert“, macht Oehms klar: „Ausstellung und Sammlung, Besuchserlebnis und Museum, Bildung und Vermittlung sowie Barrierefreiheit.“ Barrierefrei – das ist auch die Projektwebseite, die Infos in leichter Sprache sowie Gebärdensprache bereithält und im Sommer online ging.

Dort informiert das Museum nicht nur über das Projekt, sondern fragt auch aktiv Einschätzungen der Bürger:innen ab. Per Votings, mit Fragen der Woche, oder über Eingabefenster für offene Antworten.

Im Museum haben die beiden Koordinatorinnen zudem vier Stelen platziert, die mit der Zeit durch die Ausstellungsbereiche wandern. Hier können Besucher eigens entwickelte Fragebögen und Themenkarten ausfüllen und vor Ort – zum Beispiel im Besucherstollen – ihre Ideen festhalten.

Im ersten Obergeschoss des Türmchenhauses ist zudem die Museumslabor-Ecke eingerichtet. Notizen an der Wand sowie Umfragen unter Kindern zu den Exponaten zeugen bereits von reger Teilnahme kleiner und großer Museumsgäste.

Umfrage per Internet
Das Museumslabor sammelt Ideen und Vorschläge der Bürger:innen u.a. auf einer eigens eingerichteten Webseite. Die Seite ist barrierefrei angelegt – Infos stehen auch in einfacher Sprache sowie Gebärdensprache bereit.
Das Desig des Projekts wurde eigens von einer jungen Grafikerin aus Odenthal entwickelt – inklusive der Piktogramme, die auf zentrale Elemente des Museums verweisen.

Interviews, Events, Arbeitskreise

„Wir führen zudem Live-Interviews mit Menschen durch, die uns anrufen und uns von ihren Ideen erzählen wollen“, schildert Laura Oehms. Mit einem speziellen Leitfaden erarbeite man so im direkten Gespräch deren Inhalte. Das biete noch mehr Möglichkeiten, die Vorschläge zu vertiefen, so Oehms.

Zudem veranstaltet das Team Events, wie zum Beispiel ein Kooperationsprojekt mit dem Albert-Magnus-Gymnasium oder mit Kindern des Wohnparks Bensberg. Arbeitskreise wie mit dem Förderverein des Museums runden die Aktivitäten des Labors ab.

„200 direkte Kontakte gab es bislang“ zieht Laura Oehms ein erstes Fazit. Bis zu 50 Events werde man bis zum Ende des Projekts veranstalten. Die vielfältigen Kontakte würden laut Brauer nicht zuletzt die Chance bergen, neue Zielgruppen für das Museum zu gewinnen.

Projektkoordinatorin Laura Oehms, Foto: Thomas Merkenich

Erste Trends

Anfang Februar soll es nun eine erste Ausstellung geben, bei der das Team ein Zwischenfazit des Museumslabors präsentieren will. Doch schon jetzt zeichnen sich erste Trends in den Umfragen ab. Darfünter befänden sich überraschend viele Übereinstimmungen bei den Wünschen, heißt es bei den beiden Projektkoordinatorinnen.

Viele wollten Workshops im Angebot sehen, um altes Handwerk selbst zu erfahren und das immaterielle Erbe der Region zu erhalten. Hoch im Kurs stünden auch Modelle, die alte Industrietechnik im kleinen Maßstab nachvollziehbar machten – wie die Erzmühle im Besucherstollen.

Der Einsatz von virtueller Realität zur Darstellung oder von QR-Codes zum Abruf weiterer Inhalte würde ebenfalls angeregt, so Oehms. „Das wird jedoch eher als Hilfsmittel verstanden“, macht Brauer klar. Der Schwenk hin zu rein digitaler Präsentation werde nicht kommen. „Die Menschen wollen kein Museum der Bildschirme.“

Das Außengelände – auch ein Trend – werde ebenfalls sehr geschätzt.

Das Bergische Museum in Bensberg. Foto: Thomas Merkenich

Stationen des Projekts
Seit August 2022: Mitmach-Aktionen
Februar 2023: Sonderausstellung mti Zwischenfazit
Juni 2023: Abschluss der Umfrage mit Museumsfest
Juli bis September 2023: Auswertung der Daten, Erstellung des Konzepts

Deutlich werde auch, dass das Projekt bei den Teilnehmer:innen zu einer Auseinandersetzung mit der Heimat geführt habe. Viele seien sich nochmals darüber klar geworden, dass neben Papier auch der Bergbau die Region wesentlich geprägt habe und identitätsstiftend sei.

„Die Trends ziehen sich übrigens durch alle Altersgruppen“, berichtet Brauer, es sei nicht unbedingt so dass nur die Jugend das Digitales schätze oder ältere Besucher:innen alte Exponate und das goldene Handwerk suchten. Auch Schüler:innen würden gerne werkeln, so sie denn einmal den Weg ins Bergbaumuseum gefunden haben. „Das Erlebnis vor Ort wird sehr gewertschätzt!“

Museumsleiterin Sandra Brauer, Foto: Thomas Merkenich

Dazu passt, dass das Haus als Ort des Austausches wahrgenommen werde. Denkbar sei künftig, das Museum als Forum zu nutzen, als Marktplatz für aktuelle Themen. Hier klingt eine erweiterte Rolle in der Stadtgesellschaft an.

Nächste Schritte

Nach der Präsentation Anfang Feburar würden noch eine Reihe von Events stattfinden. So sei an Pfingsten eine große Bensberger Kaffeetafel geplant – ein Wunsch, den viele Teilnehmer:innen immer wieder äußern, auch abseits des Laborprojekts.

Für Juni ist ein Abschluss-Event geplant – „ein Dankeschön an alle Teilnehmer:innen“, freut sich Brauer. Und die letzte Gelegenheit, noch Ideen für das Bergbaumuseum der Zukunft beizusteuern.

Danach geht es an die Aufbereitung, das Grobkonzep soll im September 2023 stehen. Liegt es da nicht nahe, als Museumsmanager seine eigenen Ideen mit einzubringen?

„Wir machen das nicht, um unsere Ideen zu verwirklichen“, stellt Sandra Brauer klar. Sie würden sich im Prozess zurückhalten, um die Ideenfindung nicht zu beeinflussen. Aber natürlich freue man sich, wenn eigene Ideen in den Vorschlägen auftauchen würden, so Oehms.

Foto: Thomas Merkenich

Keine Denkverbote

Eine Herausforderung wird sicherlich die Umsetzung der Ideen in ein Konzept darstellen. Nicht alles was gut klingt ist auch realisierbar. Und wenn umgekehrt zu viel unter den Tisch fällt könnte die Akzeptanz des Beteiligungsprojektes leiden.

„Wir sammeln die Ideen und überlegen dann, wie diese clever, nachhaltig und effizient umgesetzt werden können“, wirft Brauer einen Blick voraus. Es müsse natürlich ein stimmiges Ganzes ergeben, aber Grenzen denke man derzeit nicht mit. „Es gibt zunächst mal keine Denkverbote, die Leute sollen von außerhalb der Museumsblase auf das Projekt schauen. Wir sind da manchmal schon etwas betriebsblind.“

Zur Umsetzung der Ideen hat man zudem einen Expertenrat an Bord, der Kompetenzen aus vielen verschiedenen Bereichen mit einbringt. So ist Peter Joerißen vom Schulmuseum Katterbach dabei, der durch eine Neugestaltung seines Hauses konzeptionelle Expertise einbringt. Hinzu kommt Josef Mangold, ehemaliger Leiter des LVR-Museums in Kommern, sowie Nicole Scheda vom Industriemuseum Solingen. Sabine Thomas-Ziegler vom LVR und der ehemalige Stadtarchivar Albert Eßer ergänzen die Runde.

„Sie alle werden neben den Arbeitskreis des Fördervereins dabei helfen, die vielen Ideen und Vorstellungen in ein realistisches Konzept für unser Museum in Bensberg umzumünzen“, freut sich die Leiterin Sandra Brauer.

Verwurzelt in der Geschichte, den Blick nach vorne gerichtet – ein Besuch in Bensberg wird sich auch künftig lohnen.

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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