Literatur in Gebärdensprache, Foto: Kai Fobbe

Schriftsprache ist nicht gleich Gebärdensprache – darauf weist die Stadtbücherei ab 23. September mit einem ungewöhnlichen Projekt hin: Per Bildschirminstallation wird Literatur in Gebärdensprache vorgetragen. Die Texte sind gleich daneben per Plakat in Schriftsprache nachzulesen. Ein cleveres Gebärdenspiel, das Hörenden und Gehörlosen die Sprache des jeweils anderen verständlich macht.

Von der Gebärdenpoesie über Literaturübersetzungen bis zur Darstellung eines Mohnkuchenrezepts: Vom 23. September 2023 bis zum 31. Januar 2024 zeigt die Stadtbücherei mit weiteren 30 Kulturinstitutionen in NRW als Bildschirminstallation Literaturfilme in Gebärdensprache.

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Ein Projekt des Filmemachers Kai Fobbe in Zusammenarbeit mit dem gehörlosen Poetry-Deaf-Slammer Rafael-Evitan Grombelka, einem Shooting-Star der Gehörlosen-Poetry-Slam Szene. 

Beispiel-Video zum Gebärdenspiel
Hinweis: Sämtliche Texte in Schriftsprache dokumentieren wir am Beitragsende

Wechselseitige Übersetzung

„Ein Gebärdenspiel“ ist ein Übersetzungsspiel, mit dem die Sprache der Hörenden und der Gehörlosen dem jeweiligen anderen verständlich und erfahrbar gemacht wird:

Zum einen werden literarische Texte in Gebärdensprache übersetzt und visuell dargestellt. Zum anderen werden poetische Performances und Literatur in Gebärdensprache (visual vernacular) des gehörlosen Poetry-Deaf-Slammers Rafael-Evitan Grombelka in Schriftsprache übersetzt.

So erlangen Hörende wie Nicht-Hörende Zugang zu der Sprache und der Ausdrucksweise der jeweils anderen Gruppe.

Literaturfilme in Gebärdensprache
23. September 2023 bis 31. Januar 2024
Stadtbücherei im Forum (Hauptstr. 250) und Stadtteilbücherei Bensberg (Schlossstraße 46-48)
Zu sehen während der Öffnungszeiten der Bibliotheken

Schriftsprache ist Fremdsprache

In Deutschland gibt es 80.000 Gehörlose. Was wenigen bekannt ist: Auch der Zugang zu Literatur und somit auch zu Bibliotheken ist für sie mit hohen Barrieren versehen. Denn Schriftsprache ist für sie – die ihren eigenen visuellen Wortschatz und ihre eigene Grammatik haben – wie eine Fremdsprache.

Der schulische Alltag einer Gehörlosenschule konzentriert sich auf die Wissensvermittlung in Gebärdensprache. Schriftsprache spielt dort, wenn überhaupt eine untergeordnete Rolle. Diese Barriere will das Projekt abbauen – will die Poesie in den Mittelpunkt stellen, die eine Gebärde ausmachen kann und will die Schrift in poetische Gebärden übersetzen. Um dem einen die Sprache des anderen verständlich zu machen und nahe zu bringen.

Die Texte reichen von Übersetzungen geschriebener Romanfragmente, über Gedichte bis hin zu einem Mohnkuchenrezept. Die Filme werden von einem Flyer komplettiert, auf dem die Texte abgedruckt sind. 

Die Inhalte der Videos in Schriftsprache

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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