Foto: Kompetenzcenter Marketing NRW
Foto: Kompetenzcenter Marketing NRW

Nach der Ankündigung der DB-Regio, den Takt der S11 auf 20/40 Minuten zu reduzieren, fordert die grüne Fraktion zügiges Handeln von den Verantwortlichen. Als Großstadt ohne ICE-Anschluss dürfe Bergisch Gladbach nicht auch noch vom Regionalverkehr halb abgeschnitten werden.

Wir veröffentlichen eine Mitteilung der Rats-Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Bergisch Gladbach.

Die Kürzung des Taktverkehrs der S11 von und nach Bergisch Gladbach auf 20/40 Minuten bis zum Fahrplanwechsel – und vermutlich auch darüber hinaus – ist nicht hinzunehmen. Die DB Regio AG setzt damit ihr wichtigstes Kapital aufs Spiel: Zuverlässigkeit.

+ Anzeige +

„Wenn wir uns in Bergisch Gladbach nicht darauf verlassen können, dass die Bahn immer fährt – trotz Schnee und Eis, wie einst ihr Werbeslogan war – kehren viele zum Autofahren zurück“, sagt Dr. Friedrich Bacmeister, Co-Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Bergisch Gladbacher Rat. Leider könne die Stadt selbst wenig ausrichten, da der Nahverkehr auf der Schiene Aufgabe von go.Rheinland sei, das den Vertrag mit der DB Regio geschlossen hat. 

Mehr zum thema

Bahn streicht vorerst jede dritte S 11-Verbindung

Die DB Regio NRW hat die Zahl der S-Bahnen auf der Strecke von Bergisch Gladbach nach Köln (und weiter nach Düsseldorf) um ein Drittel reduziert, die Bahnen um x:33 Uhr fallen (mindestens) bis zum 9. Dezember ersatzlos aus. Als Begründung führt die Bahn die „angespannte Personallage“ an.

Bacmeister appelliert dennoch an die Vertragspartner: „Sorgen Sie für einen vernünftigen Ersatz: Ein Direkt-Bus nach Thielenbruch wäre eine gute Lösung, jedenfalls für die Pendler nach Köln-Neumarkt und Düsseldorf, mit Umstieg in Mülheim.

Der Verweis auf den Bus 436 ist ungenügend: Der braucht vom Bahnhof Gladbach nach Dellbrück mindestens 26 Minuten! Und seit 2021 verhandeln Gladbach und Köln schon über diese schnelle Pendelverbindung – man darf nicht bis Februar 24 auf die Antwort warten, wie im Kölner Rat vor kurzem angekündigt – gehandelt werden muss jetzt“ 

Hinweis der Redaktion: Die Einrichtung eines Schnellbusses nach Thielenbruch hatten CDU und Grüne im Kreistag schon nach dem S-Bahn-Ausfall im Sommer 2022 erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Wir haben am 25.10.2023 nachgefragt: Darüber verhandele die Kreisverwaltung mit der Stadt Köln (die bisher abgelehnt hatte) und der Wupsi. Konkrete Ergebnisse gebe es aber noch nicht.

Jonathan Ufer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in der Stadt, weist auf die Ursachen für die Kürzungen und Verspätungen hin: „Das ist die Folge jahrzehntelanger (bundes-)politischer Fehlent­scheidungen und mangelhafter Finanzierung.“ Dennoch darf es nicht so weit kommen, dass Bergisch Gladbach als Großstadt ohne ICE-Anschluss jetzt auch noch halb vom Regio-Netz abgeschnitten wird. 

Bacmeister schließt mit einem Appell: „Wir fordern eine sofortige und rasch umsetzbare Lösung. Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch; jetzt gilt es zu handeln. Den 114.000 Einwohnern Bergisch Gladbachs muss ein verlässlicher Anschluss ans Rheinland erhalten bleiben.“ 

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

13

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. RM Kraus, Sie dürfen gerne den Bahn-Versteher spielen. Dann berücksichtigen Sie aber auch die Fakten.

    Seit den neunziger Jahren plante die Bundesregierung, die Bahn an die Börse zu bringen – und ließ diese auf Gewinn trimmen. Das bedeutete auch ein Abschmelzen des Personals auf das gerade noch Erlaubte. Als sich der Börsengang immer wieder verzögerte, wurden die Strecken der Bahn über Jahre (Jahrzehnte) nicht ordentlich gepflegt und ertüchtigt.
    Der schlechte Zustand des Bahnnetzes führt häufig zu Verzögerungen; diese wiederum wurden auf die Rücken der Mitarbeitenden abgewälzt: Überstunden und harte Dienstpläne. Damit wurde die Motivation dieser stark verringert, es gab Kündigungen.

    Ein Teufelskreis – ausgelöst durch jahrzehntelange Fehlentscheidungen und Unterfinanzierung.

    Wenn die Bahn jetzt „alles“ auf die angespannte Personallage schiebt, ist das in Teilen unredlich: Auf Nachfrage des unermüdlichen „Maschinisten“ des Bürgerportals erhielt dieser die Auskunft (https://in-gl.de/2023/10/23/bahn-streicht-jede-dritte-s-11-verbindung-bergisch-gladbach-koeln-duesseldorf/), die Bahn musste nach der Insolvenz von Abelio deren Strecken übernehmen und dort Personal „hinschieben“.

    Dies ist sehr zweifelhaft: wenn die Bahn die Strecken übernimmt, kommt das Abelio-Personal hinterher – so steht es in § 613a BGB: Betriebsübergang!

  2. Guten Tag, nur ein Hinweis in der Sache. Herr Jonathan Ufer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in der Stadt behauptet die Ursachen für die aktuellen Taktkürzungen und Verspätungen wären mangelhafte bundespolitische Entscheidungen und mangelhafte Finanzierung. Dies ist eine krasse Falschaussage in diesem Zusammenhang! Die Ursache liegt schlichtweg im hohen Personalausfall.
    „Angespannte Personallage bei DB Regio NRW
    18.08.2023, 00:00 10.12.2023, 08:00“ und S 11: 20/40 Minutentakt bis Fahrplanwechsel
    23.10.2023, 00:00 08.12.2023, 23:30
    Aufgrund der angespannten Personallage bei DB Regio NRW verkehrt die S 11 vom 23.10. bis 08.12.2023 montags-freitags zwischen 05:00 -21:00 Uhr im 20/40 Minutentakt. Quelle DB Regio und https://www.zuginfo.nrw/
    Man sollte hier schon bei der Wahrheit bleiben und als Verkehrspolitiker sich vorab informieren bevor man Fake News verbreitet. Viele Grüße
    R.M.Kraus CDU Fraktion Bergisch Gladbach

    1. Das Zitat bezieht sich auf den schlechten Zustand der Bahn im Allgemeinen. Verspätungen, Zugausfälle etc. sind die Folge eines maroden Schienennetzes, in das jahrzehntelang zu wenig investiert und das teilweise sogar zurückgebaut wurde. Die aktuellen Streichungen der S11 sind tatsächlich mit Personalmangel begründet, wobei auch dieser sicherlich im Zusammenhang mit der schlechten Finanzierung und dem allgemein schlechten Zustand der Bahn steht.

    2. Zerschlagung der Bahn in Teilgesellschaften (u.a. die innerhalb des DB-Konzern systematisch benachteiligte DB Regio) und der systematische Rückbau von Regionalbahnverkehswegen seit der Wende sind sehr wohl bundespolitische Fehlenwicklungen. Das hat viel mit der Bevorzugung des Autos und des Hochgeschwindigkeitsfernverkehrs bei der Bahn zu tun.

      Selbstverständlich wirkt sich die schlechte Verkehrspoltik der Bundesregierungen der letzten drei Jahrzehnte negativ auf die Personalausstattung der DB Regio aus.

      Den Vorwurf der Verbreitung von “Fake News” von Herrn Kraus sollte man eher auf andere Sachverhalte anwenden. Wie wäre es z.B. mit der Behauptung, der Bund würde die “SMART-Regel” für kommunale Klimaschutzkonzepte vorschreiben?

    3. Also, lieber Herr Kraus, ist der Personalmangel bei der DB Regio wohl auf die frühere Überfinanzierung zurückzuführen, oder wie meinen Sie das?

  3. Ein ganz falscher Ansatz ist das ständige Löcher Stopfen, wenn die Probleme schon da sind. Alle würden von funktionierenden, kombinierten Lösungen profitieren: Köln, GL und die Bahn. Könnte man nicht einmal zusammen die bestmöglichen Lösungen finden und erst dann über die Kostenverteilung sprechen?
    Beispiel: eine Fahrradtrasse über der S-11 nach Köln, wie z. B. in Stuttgart angedacht, würde den Zugverkehr enorm entlasten. Die Leute wollen ja auf das Rad umsteigen, es gibt nur aktuell keine guten Wege.
    https://efahrer.chip.de/e-bikes/radwege-auf-stelzen-erster-bike-highway-in-deutschland-geplant_106282

    1. Eine Fahrradtrasse parallel zur S11?!
      Das ist eine zu gute Idee als das in GL auch nur angedacht werden könnte, sie umgesetzten.
      Wenn selbst Die Grünen in GL neue „Radwege“ nur noch als radverkehrverhindernde Schutzstreifen bejubeln (siehe neue Paffrather Straße) sehe ich furchtbar schwarz, was die Zukunft des Radverkehrs und auch des ÖPNV (S11 inkludiert) in GL betrifft.

    2. Ein Fahrradweg entlang der S 11 ist bereits 2019 vom ADFC per Bürgerantrag in den Stadtrat eingebracht worden und hat dort auch eine Mehrheit gefunden. Nun liegt das Projekt bei der Bahn, die es beim geplanten Ausbau der Trasse berücksichtigen soll. Da der Zeitplan für diesen Ausbau noch offen ist ist mit einer zügigen Umsetzung allerdings nicht zu rechnen.

      https://in-gl.de/2019/06/26/der-aukiv-tagt-ein-ergebnisprotokoll/

      https://in-gl.de/2019/02/19/adfc-fordert-einen-radweg-neben-der-s11/

  4. Die S11 Taktung auszudünnen ist schon frustrierend, aber dann auch noch die übrig gebliebenen Verbindungen ständig ausfallen zu lassen und noch anzugeben in den Apps und an den Bahnsteigen sie kämen verspätet führt dazu, dass es eher ein Glücksspiel ist eine Bahnverbindung ab Bergisch Gladbach zu bekommen.

    Damit ist Bergisch Gladbach de facto vom Nahverkehr und Fernverkehr angeschnitten. Das macht die Stadt als Wohnort sehr unattraktiv. Es führt nur noch zu Frust den ÖPNV hier zu nutzen. Der VRS sollte vielleicht mal Ideen einholen bei Verkehrsverbunden wo es sehr gut läuft, zB VVO, DVB, LVB.

  5. Was hilft die Direktverbindung nach Thielenbruch, wenn der frühere Takt der U18 nicht mehr gilt und nur noch die Linie 13 ab Thielenbruch fährt, Umstiegschaos dann an der Vischeringstr. in Köln.? 436 ist auch keine Lösung. Werde also auf das zuverlässigere Auto umsteigen müssen. Einen nicht lebensgefährlichen Radweg nach Köln gibt’s ja auch nicht …

  6. Ein direkter Bus nach Thielenbruch würde die Lage tatsächlich sehr entschärfen. Der müsste dann aber auch alle 20 Minuten zuverlässig fahren.

  7. Vielleicht noch ergänzend: die ausgedünnten Bahnen kommen morgens in der Rush Hour im Schnitt 10-15 Minuten zu spät und gelegentlich gibts dann als Sahnehäubchen noch einen Kurzzug. Der Kuschelfaktor ist enorm!