Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Essen: ein Thema, das wohl fast alle Eltern bewegt. Nicht nur im Kontext von Übergewicht. Kinderärztin Uta Römer erklärt, welche Nährstoffe wirklich wichtig sind und wo sie drinstecken, was es bei vegetarischer oder veganer Ernährung zu beachten gilt, warum Essen vor allem Spaß machen soll – und was das alles mit dem Regenbogen zu tun hat.

Ein frohes neues Jahr 2024! Für viele von uns stellt sich damit die immer wiederkehrende Frage: Welche guten Vorsätze fassen wir für das neue Jahr – und welche können wir tatsächlich einhalten?

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Das Hauptziel der meisten Erwachsenen scheint, alle Jahre wieder, das Abnehmen zu sein. Leider ist das Thema Übergewicht aber längst auch in den Kinderzimmern angekommen.

Das liegt einerseits an ungesunden und zu großen Nahrungsmengen, zu wenig Bewegung und Gewohnheiten wie „Frustessen“, andererseits an der Genetik. So findet das Problem Eingang in immer mehr Familien.

Das hat auch die Kinder-und Jugendmedizin erkannt. Strukturierte Programme der Krankenkassen, Ernährungsberatungen und Reha-Einrichtungen sollen helfen, das Problem Übergewicht mit all seinen langfristigen Folgen in den Griff zu bekommen.

Essen: ein großes Thema für Eltern

Auch bei den Vorsorge-Untersuchungen in der Kinderarzt-Praxis ist die Ernährung immer wieder ein Thema: Er will nicht essen, sie isst zu viel oder falsch …

Generell gilt: Essen soll Spaß machen! Möglichst im Familienkreis, ohne Zwang, etwas essen zu müssen. Kinder kann man ruhig zehn- bis 15-mal Dinge kosten lassen – wenn es dann immer noch nicht schmeckt, schmeckt es nicht.

Bitte nie zwingen, den Teller leer zu essen. Schon bei Säuglingen sollte man auf das Sättigungsgefühl achten – nicht jedes Quengeln und Schreien bedeutet Hunger.

Gute Tipps zum Umgang mit den alltäglichen kleinen Krisen am Esstisch finden Eltern zum Beispiel auf der Seite Kinderärzte im Netz.

Was bedeutet gesunde Ernährung?

Sehr viel Beratungsbedarf gibt es auch zu der Frage: Was bedeutet gesunde Ernährung – gerade für Kinder und Jugendliche im Wachstum?

Die Eskimo-II-Studie des Robert-Koch-Instituts hat festgestellt, dass nur 16 Prozent der Mädchen und 7 Prozent der Jungen die empfohlenen 210 bis 410 Gramm Obst pro Tag essen. Ebenso verhält es sich mit dem Konsum von Gemüse.

Auch Lebensmittel mit komplexen Kohlenhydraten wie Vollkornbrot, Kartoffeln und Getreide werden zu wenig in den Speiseplan eingebaut.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Kritische Nährstoffe, auf die für eine ausgewogene Ernährung besonders geachtet werden sollte, sind unter anderem:

  • Eisen – die Zufuhr gelingt vor allem durch rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Samen, Nüsse, Vollkornprodukte und grünes Blattgemüse. Das Eisen aus Pflanzen wird allerdings schlechter vom Körper aufgenommen als das Eisen aus Fleisch.
    Deutlich steigern kann man die Eisen-Aufnahme aus Pflanzen durch die Vorbereitung der Lebensmittel (z.B. Mahlen, Kochen oder Einweichen) und die Einnahme von ausreichend Vitamin C zu den Mahlzeiten, zum Beispiel in Form von Obstsäften – aber bitte in Maßen, wegen des Zuckergehalts.
    Erwachsene sollten noch wissen, dass Kaffee und Tee zu den Mahlzeiten die Eisenresorption verhindern.
  • Vitamin B 12 – wird ausschließlich von Mikroorganismen produziert und ist deshalb nur über tierische Nahrungsmittel aufzunehmen. Ein Mangel führt z.B. zu Anämie, also vereinfacht gesagt Blutarmut, neurologischen Erkrankungen mit Aufmerksamkeitsstörung, Müdigkeit, Depression und Schädigung des Rückenmarks.
    Daher sollte dieses Vitamin vor allem bei veganer Ernährung unbedingt ausreichend supplementiert werden.
  • Vitamin D – wird durch Nahrung aufgenommen (fette Fische wie Lachs, Lebertran, Eigelb) oder durch Sonnenlicht in der Haut gebildet. In Gegenden (oder Jahreszeiten) mit wenig Sonnenlicht reicht die natürliche Vitamin-D-Bildung des Körpers nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die tägliche Einahme von Vitamin D hilft dann, das Immunsystem zu unterstützen und die Knochengesundheit zu erhalten (denn Vitamin D ist für Aufnahme von Calcium und den Einbau in den Knochen notwendig).
  • Proteine/Aminosäuren – es gibt sogenannte essenzielle Aminosäuren, also Eiweiße, die der Körper nicht selbst bilden kann, sondern unbedingt mit der Nahrung zu sich nehmen muss (Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fisch und manche Hülsenfrüchte). Fehlen diese Eiweiße, kommt es zu Störungen des Wachstums, des Immunsystems und Infektanfälligkeit.

Noch erwähnen sollte man die lebenswichtigen Spurenelemente (Calcium, Jod, Zink und Selen) – auch hier kann es bei Mangelzuständen zu Hautentzündungen, Osteoporose, Störungen der Schilddrüsenfunktion oder des Immunsystems kommen.

Vegetarische und vegane Ernährung

Im Rahmen einer vegetarischen oder veganen Ernährung müssen die oben genannten Nährstoffe in ausreichender Menge zugeführt oder auch supplementiert werden (besonders Vitamin B12), um Mangelerscheinungen gerade bei den wachsenden Organismen von Kindern, Jugendlichen und auch Schwangeren zu verhindern.

Die vegane Ernährung von Kindern, Jugendlichen und Schwangeren wird zur Zeit zumindest von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht empfohlen.

Wenn vegan lebende Mütter während Schwangerschaft und Stillzeit keine Vitamin-B12-Supplemente zu sich nehmen, gibt es Hinweise auf neurologische Störungen von Neugeborenen und gestillten Säuglingen. Weitere Studien dazu laufen noch.

Und jetzt: Guten Appetit!

Ich betone es gerne noch einmal: Essen soll vor allem Spaß machen. Da passt es doch, eine gesunde Ernährung einfach so zu erklären: „Esst den Regenbogen!“

Wer sich eine gesunde Mischkost mit Obst, Gemüse, Kartoffeln und Vollkorn, wenig Fleisch und anderen tierischen Produkten schmecken lässt, muss sich eigentlich nur noch um die angemessene Menge der Nahrungsmittel, ausreichend Bewegung, frische Luft und viel gute Laune kümmern. Dazu ein bisschen Vitamin D, und wir kommen gesund durch den Winter.

Guten Appetit!

Ihre Uta Römer

Mehr Informationen auf der Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath. Weiterführendes zum Thema Ernährung finden Sie auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie bei Kinderärzte im Netz.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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