Das dritte Mahnrad im Kreis steht in Odenthal. Foto: Sabine Krämer-Kox

Drei sogenannte Mahnräder erinnern in Odenthal und Bergisch Gladbacher an Radfahrer, die bei Verkehrsunfällen getötet worden sind. Sie dienen aber nicht nur zum Gedenken an die Opfer, sondern auch als Aufruf zu mehr Vorsicht und Rücksichtnahme im Straßenverkehr, erläutert der ADFC.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des ADFC RheinBerg – Oberberg

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Mitglieder der Ortsgruppe Odenthal des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), des ADFC-Kreisverbandes RheinBerg-Oberberg und auch die Witwe des getöteten Radfahrers erschienen am 10. April 2024 zur Aufstellung des dritten Mahnrades im Rheinisch-Bergischen Kreis.

2023 verunglückten in Nordrhein-Westfalen 76 Menschen im Straßenverkehr mit ihrem Fahrrad oder Pedelec tödlich. An einen von ihnen erinnert jetzt das weiß lackierte Mahnrad im Ortsteil Glöbusch an der Einmündung Schlinghofener Straße / Bergstraße.

Der 69-jährige Odenthaler hatte am 14. November vorschriftsmäßig den seinerzeit noch benutzungspflichtigen 2-Richtungs-Rad-/Gehweg an der Kreisstraße in Richtung Blecher befahren, war jedoch von einer abbiegenden Autofahrerin auf der rot markierten Furt übersehen worden.

Die Witwe des Unfallopfers erzählt, dass ihr Mann ein besonders vorsichtiger Mensch gewesen sei, sowohl als Autofahrer als auch auf dem Fahrrad. „Er ist schon immer viel Rad gefahren“, sagt sie. Am Unfalltag war er gerade auf dem Rückweg vom Altglas-Container. 

Zwei weitere Mahnräder in Bergisch Gladbach

Mahnräder sind eine aus den USA stammende Initiative. Dabei werden weiß lackierte Fahrräder als Mahnmale an den Orten aufgestellt, an denen Radfahrende im Straßenverkehr tödlich verunglückt sind. Das Mahnrad in Odenthal ist das Dritte auf Kreisgebiet.

Das erste hatte der ADFC RheinBerg-Oberberg e. V. im April 2020 an der unteren Hauptstraße in Bergisch Gladbach aufgestellt. Im März 2020 folgte ein zweites an der Unfallhäufungsstelle Altenberger-Dom Straße/Leverkusener Straße in Schildgen. 

Achtsamkeit und Aufklärung notwendig

„Die Aufstellung eines Mahnrades an Unfallstellen dient nicht nur zum Gedenken an die verunglückten Radfahrer, sondern auch als Aufruf zu mehr Vorsicht und Rücksichtnahme im Straßenverkehr“, erläutert Bernhard Werheid, Vorsitzender des ADFC RheinBerg-Oberberg.

„Schon eine kleine Unaufmerksamkeit kann tragische Folgen haben“, sagt Vereinskollegin Sabine Krämer-Kox. „Die Radfahrenden ziehen dabei immer den Kürzeren“, ergänzt sie.

Sehr oft seien Autofahrer durch Telefonieren, Navigation, Nahrungsaufnahme oder die Beifahrer stark abgelenkt. „Sie stehen unter Zeitdruck oder haben wenig Geduld, sodass sie mit unangepasster Geschwindigkeit unterwegs sind oder an engen, unübersichtlichen Stellen überholen“, weiß die Radfahrerin.

Radverkehrsinfrastruktur, wie Haltelinien, rot markierte Furten, Schutzstreifen oder Radwege müssten von Autofahrenden strenger beachtet werden. Radfahrende sollten sich nicht auf ihre Vorfahrt verlassen, rät die Verkehrsexpertin, sondern durch Augenkontakt mit dem Autofahrer sicherstellen, dass sie gesehen worden sind.

„Verkehrsteilnehmer kennen die genaue Bedeutung von Verkehrszeichen und Markierungen oft nicht“, sagt die passionierte Radfahrerin. Hier sei zur Unfallprävention noch viel Information und Aufklärung notwendig, so Krämer-Kox.   

Unaufmerksamkeit beim Abbiegen häufigste Unfallursache

Immer mehr Menschen fahren Rad, die Infrastruktur ist jedoch nicht für die steigende Zahl der Radfahrer ausgelegt. Viele Radfahrer verunfallen wegen unklarer Verkehrsführung. Im Straßenverkehr herrscht ein schnelleres Tempo, besonders auf den Landstraßen. 2023 war mangelnde Aufmerksamkeit von Autofahrenden beim Abbiegen häufigste Ursache für Unfälle mit Radfahrern.

Immer mehr Unfälle werden durch rechtsabbiegende LKW verursacht; hier könnten sogenannte „Abbiege-Assistenten“ Abhilfe schaffen. Noch am Vortag der Aufstellung des Mahnrades in Odenthal war es in Köln zu einem Unfall gekommen, bei dem eine 63-jährige Radfahrerin an der Unfallstelle verstarb, als sie vom Fahrer eines abbiegenden Kipplasters übersehen wurde. 

Schutzmaßnahmen für Radfahrer

Leider lasse die Straßenverkehrsordnung den örtlichen Behörden oft nur wenig Handlungsspielraum. Dies gelte insbesondere für Geschwindigkeitsbeschränkungen. Es muss erst eine Unfallhäufung mit schweren Personenschäden vorliegen, bevor ein Tempolimit für den Kraftverkehr überhaupt in Erwägung gezogen werden könne.

Die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Kraftverkehrs hätten immer noch Vorrang vor Maßnahmen zum Schutze der Radfahrenden erklären die Verkehrsexperten des ADFC RheinBerg-Oberberg. 

Der ADFC ist ein Verband von RadlerInnen, die das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten. Neben seinem Engagement für eine umweltbewusste und damit nachhaltige Mobilität berät der ADFC in allen Fragen rund ums Fahrrad. Eine Vielzahl von geführten Radtouren lässt...

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  1. Mehr Achtsamkeit im Straßenverkehr. Es wird immer auf die Radfaher geachtet und bei Unfällen meistens den Autofahrern die Schuld gegeben. Ich halte diese Aussage für eine pauschale Verurteilung der Autofahrer. Wie brutal manche Radfahrer sich im Straßenverkehr benehmen, möchte ich nur zwei Beispielen offenlegen.

    Ich bin in den letzten Monaten als Fußgänger schon zweimal von rasenden Radfahrern in der Fußgängerzone umgerissen worden. Jedesmal haben die Verursacher, die Radfahrer, das Weite gesucht. Sie machten nicht einmal Gedanken darüber, was sie da angerichtet haben. Sich einfach zu entfernen ist der Tatbestand einer Fahrerflucht. Ich glaube in der Fußgängerzone gibt es eine Regelung des Schritttempos. Daran hallten sich die E-Roller-Fahrer und auch viele Radfahrer nicht im Geringsten. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unfälle in der Fußgänger vermieden werden könnten, wenn das Radfahren in einer Fußgängerzone wie in Bergisch Gladbach unterbunden würde.

    Desgleichen finde ich, dass die Radfahrer bei auf Fußgängerwegen die Radfaher mehr Rücksicht auf den schwächeren Verkehrsteilnehmer, den Fußgänger nehmen sollten. Durch ein benutzen der Fahrradklingel um auf sich aufmerksam zu machen ist ja richtig, doch den Fußgänger beiseite zu drängen, um dann einfach auf dem Fußweg weiter und schneller vorwärts zu kommen, ist wohl nicht die rücksichtsvollste Art der gemeinsamen Nutzung für beide Verkehrsteilnehmer.

    Das möchte ich als auch Radfahrer und Fußgänger zu überlegen geben. Gegenseitige Rücksichtsnahme ist der Umgang im Straßenverkehr wohl die schönste Lösung.

    1. “Ich bin in den letzten Monaten als Fußgänger schon zweimal von rasenden Radfahrern in der Fußgängerzone umgerissen worden”
      Und ich bin als Kind (die Schwächere) von einem PKW halb Tod gefahren worden und deswegen bin ich dafür, dass das Parken an Straßenrändern verboten wird.

    2. Mir sind auf dem Radweg schon zigfach Fußgänger in die Quere gekommen. Ohne mein vorausschauendes und für die Fußgänger mitdenkendes Handeln wäre es schon einige Male zu Unfällen gekommen. Daher auch in der Fußgängerzone als Fußgänger bei Richtungswechsel und Querung aufpassen. Auch ein Jogger könnte kommen mit 25 KM Laufgeschwindigkeit (für trainierte Menschen durchaus machbar)
      (Wobei ich Ihnen Herr Kickuth Recht gebe: die Fußgängerzone könnte und sollte mehr kontrolliert und Fehlverhalten auch mit Geldbußen geahndet werden.)

      Autofahrer, Motorradfahrer, Fahrradfahrer, Fußgänger, alle machen Fehler. Man kann nur daran appellieren, dass jeder in seinem Bereich mehr Wachsamkeit und Rücksicht walten läßt.

  2. Ich bin Fussgänger, Radfahrer und Autofahrer.
    Wenn ich mit dem Auto die Hauptstrasse fahre und da ist eine alte Omma vor mir, die kaum schneller als 15 km/h fahren kann dann muss ich halt dahinter bleiben, egal wie laut hinter mir gehupt wird.
    Da steht ja sogar ein Verkehrsschild: Radfahrer überholen verboten!

    Ich hatte es vor einigen Wochen (Radweg durch Zanders Gelände) schon geschrieben: da war eine Omma, die hat den Stress nicht ausgehalten, ist dann auf dem Gehweg, der früher auch Radweg war, weitergefahren, wurde am Driescher Kreisel von der Polizei angehalten und durfte ein Bussgeld von 55 EUR latzen.
    Ich hatte angehalten, mit den Beamten gesprochen, versucht, Gnade vor Recht ergehen zu lassen, leider nix zu machen, Gesetz ist Gesetz.

    Nun bin ich 62 Jahre alt, habe immer noch Rennräder im Keller, so schnell wie früher kann ich nicht mehr, total ätzend wenn Autofahrer mir von hinten gefährlich zu nahe kommen.

    Dirk Greinus

  3. Führerschein auf Lebenszeit? Mein Vater betrieb eine Fahrschule, ich bin auf dem Rücksitz eines Fahrschulwagens aufgewachsen.

    Sehschärfe, Diabetis, einmal Führeschein immer Führerschein.

    Der Führerschein darf nicht auf Lebenszeit ausgegeben werden!

    Es geht nicht um die Alten, die Gesetze ändern sich ständig, auch die Jungen kriegen das nicht mit.

    Also: Alle zwei Jahre kommt der Onkel vom Tüv und erzählt euch von den neuesten Gesetzänderungen.

    Abstempeln lassen, Führerschein verlängert.

    Vielleicht noch mal Sehtest?

  4. Auch ich verstehe die Aufregung in einigen Kommentare nicht. Ich lese einen sachlichen Artikel, der die derzeitige Situation beschreibt. Mit einer Mahnung zu mehr Achtsamkeit im Straßenverkehr, weil das Verkehrteilnehmern ohne Metallschutz um sich herum evt. das Leben kosten kann.

    1. Ganz so einfach ist es ja eben nicht.
      Da die Stadt, anstatt für vernünftige und sichere Radwege zu sorgen, einfach die Benutzungspflicht für Radwege aufgehoben hat, haben Radfahrerende die Wahl: Entweder auf viel zu schmalen und unsicheren Radwegen (soweit überhaupt vorhanden) in den Konflikt mit Fußgängerinnen und Fußgängern zu kommen oder auf der Straße von Autofahrenden, häufig als Verkehrshindernis gesehen, wenig rücksichtsvoll behandelt und somit gefährdet zu werden. Das ist der eigentliche Konflikt.
      In dem die Stadt sich einen schlanken Fuß macht, provoziert und fördert sie diesen Konflikt. Bestes Beispiel: In der Neugestaltung der Paffrather Strasse (u.a.) fundamentiert sie genau diesen Konflikt für die nächsten Jahrzehnte.
      Wir werden also wahrscheinlich noch viele Jahrzehnte die Aufrufe des ADFC nach Rücksichtnahme im Straßenverkehr ebenso lesen dürfen wie die Meldungen über verunfallte Radfahrende. Leider!
      Abhilfe schaffen kann nur die Stadt, in dem sie endlich ein vernünftiges Radwegekonzept für die gesamte Stadt auflegt und konsequent umsetzt. Leider ist davon, außer ein paar Alibis, weit und breit nichts zu sehen.

      1. Sie gehen also davon aus, dass die Kraftfahrer, welche regelkonforme Radfahrer auf Fahrbahnen bedrängen, die bei vorhandenen Radwegen notwendige höher Vorsicht walten lassen, anstatt diese dann als willkommene Parkfläche zu betrachten?

  5. Schon seltsam, das hier bei jeder Gelegenheit der Kleinkrieg zwischen Autofahrern/innen, Fußgänger/innen und Radfahrer/innen entsteht.
    Ich bin in allen 3 Formen unterwegs und verhalte mich in allen 3 Formen nicht immer 100 % korrekt. Wenn man mir hier erzählen möchte, das man sich immer, also wirklich immer, ganz korrekt verhält, sollte man an seiner persönlichen Wahrnehmung arbeiten.

  6. Der Artikel soll in erster Linie auf “achtsames” Verhalten im Straßenverkehr aufmerksam machen, d. h. die b e w u s s t e Wahrnehmung seiner Umwelt und ein an die Umstände angepasstes und rücksichtsvolles V e r h a l t e n . Will sagen, aktives geistiges Erfassen der anderen Verkehrsteilnehmer, deren möglichen Fehlverhaltens, der Verkehrszeichen und -regeln (inkl. Fahrbahnmarkierungen), Witterungs- und Lichtverhältnisse und eine entsprechende Reaktion darauf.
    Oft kommt bei Verkehrsteilnehmern – egal ob zu Fuß, auf dem Rad, im Kraftfahrzeug – leider die KONZENTRATION zu kurz auf das, was sie gerade tun oder das BEWUSSTSEIN der potenziellen Folgen ihres Handelns für sich selber und andere.
    Grundsatz der Fortbewegung sollte nicht sein, wie EINZELNE am SCHNELLSTEN und bequemsten vorankommen, sondern wie ALLE Verkehrsteilnehmer SICHER ans Ziel gelangen.

  7. Jeder Mensch, der durch einen unnötigen Unfall als Verkehrsteilnehmer zu Tode kommt, ist ein Mensch zu viel, keine Frage. Dass Fahrräder keine Chance gegen Automobile haben, weiß auch jeder. Gleichwohl geht mir das ausschließliche Einschlagen des “adfc” auf Autofahrer schon arg gegen den Strich. Einzig die Masse eines Autos lässt die Bilanz Auto gegen Fahrrad derart schlimm aussehen. Betrachtet man die Verkehrs-Vergehen von Autofahrern mit denen von Radfahrern, fürchte ich, dass die Radfahrer den Kürzeren ziehen. Und da versagt der “adfc”, ist es ihm doch genug, in immer gleiche Kerben zu schlagen, statt auch mal seine Jünger an die Kandarre zu nehmen. Die begehen auf einer Fahrt meinetwegen zum Arbeitsplatz gleich einige Verstöße gegen die Verkehrsgetze – selbst beobachtet – wobei Überfahren roter Ampeln und Fußgängerüberwege, wo sie zu Fuß zu gehen haben, und zu schnelles Fahren verbotenerweise in Fußgängerzonen zu den häufigsten und schlimmsten Vergehen gehören. Davon lässt der “adfc” nie etwas hören, es ist ja auch einfacher,auf die bösen Autofahrer einzuschlagen, die natürlich bei Unfällen mit Todesgfolge nach “adfc” immer Schuld tragen.

    1. Ich hatte es bereits geschrieben und wiederhole es für Sie noch einmal.

      Es steht außer Frage, dass die Regeln der StVO und die so oft geforderte gegenseitige Rücksichtnahme für alle Verkehrsteilnehmende gilt. Daher engagiert sich der ADFC genauso selbstverständlich in der Vermittlung dieser. In Artikeln und auch in den zahlreichen Rad- und Pedelec-Schulungen. Ich würde mir vor allem unter dem Hintergrund dieses Artikels – der von drei getöteten Radfahrenden berichtet – wünschen, dass man sich das reflexartige „aber die Radfahrer“ und die damit oft implizierte Schuldumkehr und Verschiebung von Verantwortung auch mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen sparen würde.

      Und dennoch. Erneut von Ihnen diese haltlosen Unterstellungen und Anwürfe in Richtung ADFC. Und natürlich – also unvermeidlich !? – ist nichts aber auch gar nichts an der hohen Schuldraten von 75% bei Unfällen zwischen Rad und Auto zu Lasten letzteren.

    2. Der ACE hat vor nicht allzu langer Zeit mal eine Studie gemacht, in der er zum Schluss kam, dass sowohl Auto- als auch Radfahrende häufig Verkehrsverstöße begehen. Auf die Schnelle habe ich nur diese kurze Meldung dazu gefunden:

      https://www.welt.de/motor/news/article184549178/Mehr-als-ein-Drittel-missachtet-Verkehrsregeln-Studie-zu-Auto-und-Radfahrern.html

      Die Folgen für andere sind jedoch erheblich schlimmer, wenn man 2 Tonnen Stahl um sich hat mit 30 oder 50 km/h durch die Stadt fährt, als wenn man rund 100kg Gesamtgewicht mit 15 bis 25 km/h bewegt. Deshalb – wegen der häufigen Verstöße bei allen und den unterschiedlichen Gefährdungspotentialen – sollte Verkehrsinfrastruktur im besten Fall die Verkehrsarten trennen und wo das nicht möglich ist, die Schwächeren vor den Stärkeren schützen. Ja, auch Fußgängerinnen sollten besser vor Radfahrenden geschützt werden.

    3. Autofahrer-Verstöße gegen Fahrradfahrer-Verstöße aufzuwiegen ist doch unsinn.

      Ein Fahrradfahrer, der rote Ampeln missachtet zahlt im Zweifel für ein bisschen Blechschaden und mit seiner eigenen Gesundheit. Ein Autofahrer, der zu schnell durch die Straße fährt, riskiert sein Leben, dass der anderen Verkehrsteilnehmer zumal der wirtschaftliche Schaden ein vielfaches wäre.

      Das wäre so als würden wir einen Banküberfall mit dem mitgehenlassen eines Apfel im Supermarkt aufwiegen vonwegen Diebstahl ist Diebstahl.

    4. @Herr Havermann “zu schnelles Fahren verbotenerweise …. zu den häufigsten und schlimmsten Vergehen gehören”
      PKW-Fahrer sind auch IMMER und ÜBERALL gefährlich schnell unterwegs, mit sehr wenigen Ausnahmen.
      Nur wenn “Blitzer” angekündigt werden oder Radarfallen erwartet werden, wird (aber nur an der Stelle) einigermaßen anständig gefahren.
      Das Bedürfnis, “schnell fahren/rasen zu wollen” oder “gegen Verkehrsgesetze zu verstoßen” oder “immer Recht haben zu wollen”, scheint wohl in den Genen mancher Menschen zu liegen.
      Nur macht es schon einen Unterschied, ob mich ein tonnenschwerer Gegenstand touchiert oder überfahren hat (ggf. bin ich dann tot) oder ein Fahrrad.

    5. „Betrachtet man die Verkehrs-Vergehen von Autofahrern mit denen von Radfahrern, fürchte ich, dass die Radfahrer den Kürzeren ziehen.“ – Das wünschen Sie sich wohl eher, als dass Sie es fürchten. Die Statistiken sprechen eine andere Sprache.

      Und: Es ist unabhängig vom Verkehrsmittel immer die gleiche Mischung von Charakteren unterwegs, nur lenken sie mal ein Gefährt, das aus ein paar Stahlrohren zusammengeschweißt ist, keine 20 kg wiegt und kaum über 25 km/h hinauskommt, und mal eins, das ein bis mehrere Tonnen wiegt und für den Stadtverkehr irrsinnige Geschwindigkeiten erreichen kann.

      Welche Gefahren von welchem Gefährt ausgehen, können Sie unmittelbar an den Kontrollzielen und der Kontrolldichte der Polizei sowie an den bestehenden Versicherungspflichten ablesen.

  8. Die Aufstellung des dritten Mahnrades im Rheinisch-Bergischen Kreis ist nicht nur ein Akt des Gedenkens, sondern auch ein dringlicher Appell zu mehr Achtsamkeit und Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Die traurige Realität von 76 tödlichen Fahrradunfällen allein in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 verdeutlicht die Dringlichkeit dieses Themas.

    Die Geschichte des 69-jährigen Odenthalers, der sein Leben auf einem vermeintlich sicheren Radweg verlor, zeigt, dass selbst scheinbar vorbildliche Sicherheitsmaßnahmen keine Garantie bieten. Seine Witwe beschreibt ihn als vorsichtigen Menschen, was verdeutlicht, dass jeder, unabhängig von seiner Erfahrung und Vorsicht, gefährdet ist.

    Die Initiative der Mahnräder ist daher nicht nur ein symbolischer Akt, sondern ein Aufruf zu konkreten Maßnahmen. Eine verbesserte Infrastruktur, klarere Verkehrsführung und vor allem das Bewusstsein aller Verkehrsteilnehmer für die Bedürfnisse und Gefahren der Radfahrer sind dringend erforderlich.

    Es ist alarmierend, dass Unfälle häufig durch Unaufmerksamkeit beim Abbiegen verursacht werden. Die Forderung nach “Abbiege-Assistenten” für Lastwagen ist daher ein wichtiger Schritt, um solche tragischen Ereignisse zu verhindern.

    Die Tatsache, dass die Straßenverkehrsordnung oft den lokalen Behörden wenig Spielraum lässt, um wirksame Schutzmaßnahmen zu ergreifen, ist bedauerlich. Die Priorisierung des Kraftverkehrs über die Sicherheit von Radfahrern ist inakzeptabel und muss sich ändern.

    Insgesamt ist es dringend erforderlich, dass Aufklärung, bessere Infrastruktur und konkrete Schutzmaßnahmen Hand in Hand gehen, um das Leben von Radfahrern zu schützen und die Straßen sicherer für alle zu machen.

    1. Abbiegeunfälle sind in der Tat meist auf das Augenblicksversagen von Autofahrern zurückzuführen, aber sie sind auch ein Resultat des in das Konzept „Radweg“ eingebauten Fehlers: Eine geradeaus führende (oder sogar in Gegenrichtung verlaufende) Spur wird rechts von einer potenziellen Rechtsabbiegerspur angelegt und nicht selten erst kurz vor der Einmündung in deren Sichtbereich verschwenkt. Stellen Sie sich so eine Verkehrsführung mal auf der Autobahn vor, dann wird Ihnen sofort klar, wie verrückt diese Konstruktion ist.

      In der Forschung und unter Verkehrsexperten ist das seit Jahrzehnten bekannt, u.a. von der BASt mehrfach publiziert, und doch sehen immer noch zahlreiche Stadtverwaltungen solche Verkehrsführungen als das Allheilmittel für den Radverkehr an und glauben allen Ernstes, damit mehr Sicherheit zu schaffen.

  9. An die Achtsamkeit von Autofahrenden zu appellieren ist das eine, das andere ist die untragbare Radverkehrsinfrastruktur in weiten Teilen Deutschlands und ganz besonders in Bergisch Gladbach.

    Der eine Radfahrer, der im Artikel genannt wurde, wurde auf einem Zwei-Richtungs-Radweg getötet. Wo ich mich auskenne, benutze ich diese gar nicht erst in Gegenrichtung, aber wenn ich an unbekannten Orten bin, befahre ich solche auch. Und fast jedes Mal kommt es zu gefährlichen Situationen, weil Autofahrende nicht damit rechnen, dass jemand aus der Gegenrichtung kommt.

    Noch schlimmer die Radverkehrsführung Außerorts – auch bei uns in der Gegend – wo Radfahrende dazu gezwungen werden, vielbefahrene Landstraßen mehrmals zu queren, weil der Radweg mal auf der einen, mal auf der anderen Seite lang führt. Oder schmale, gemeinsame Geh- und Radwege, die mit starken Gefälle genutzt werden sollen, häufig in der Gegend um Wuppertal und Solingen zu finden.

    Ich bin mir sicher, der ADFC setzt sich auf hier für Verbesserungen ein, aber da liegt ein weiter Weg vor uns.

  10. @Elena – Dass der Radverkehr und dessen Sicherheit für Sie anscheinend wenig Relevanz hat – zumindest nicht in der Alltagsmobiliät – kann man Ihren zahlreichen Kommentaren zum Thema in den diversen Beiträgen relativ gesichert unterstellen.

    Es gibt aber (zunehmend) viele Menschen allen Alters, die sich wünschen und zu Recht einfordern endlich gleichberechtigt und mit Rücksicht auf Ihre Bedürfnisse als Radfahrende, aber vor allem auf einer durchgängigen und Fehler verzeihenden Infrastruktur unterwegs sein zu können.

    Ihr Kommentar ist unter Berücksichtigung des eigentlichen Anlasses zu diesem Artikel, der an drei im Straßenverkehr durch Unfälle mit KFZ bzw. LKW Getötete erinnert, eine absolut unsensible und kaum nachvollziehbare Reaktion.

    @Stephan – Es steht außer Frage, dass die Regeln der StVO und die so oft geforderte gegenseitige Rücksichtnahme für alle Verkehrsteilnehmende gilt. Daher engagiert sich der ADFC genauso selbstverständlich in der Vermittlung dieser. In Artikeln und auch in den zahlreichen Rad- und Pedelec-Schulungen. Ich würde mir vor allem unter dem Hintergrund dieses Artikels – der von drei getöteten Radfahrenden berichtet – wünschen, dass man sich das reflexartige „aber die Radfahrer“ und die damit oft implizierte Schuldumkehr und Verschiebung von Verantwortung auch mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen sparen würde.

  11. Die Rücksichtslosigkeit der PKW-Fahrer gegenüber Radfahrern erlebt man selbst täglich. Man hat auch den Eindruck, dass es in den letzten Jahren schlimmer geworden ist, insbesondere in Wohngebieten (Vorfahrt nehmen in Rechts-vor-Links-Situationen und bei Verengungen mit Hindernis auf Seite des PKW, aggresives Überholen linksabiegender Radfahrer, stark überhöhte Geschwindigkeit, fahrlässig unvorsichtiges Aussteigen aus dem PKW).

    Freilich hatte man als Radfahrer oder Fußgänger auch genug schlechte Erfahrungen mit Radfahrern (z.B. Rotlichtverstöße auf der Dolmanstr.). Immerhin ist hier das Risko tödlicher Verletzungen geringer.

  12. …lieber ADFC RheinBerg-Oberberg e. V. ,…sicherlich ist es wichtig auf die Sicherheit der Radfahrer hinzuweisen.
    Jedoch vermisse ich mahnende Worte an die Radfahrer!!!
    Ich bin Fußgänger und jeden Tag!!! Der Rücksichtslosigkeit der Radfahrer ausgesetzt. Verkehrswege kennen einige nicht! Kein Wunder, jeder kann sich ein Fahrrad kaufen und aktiv am Straßenverkehr teilnehmen…ohne die Regeln der StVO zu kennen. Stichworte: Zebrastreifen … Fußgängerwege… rote Ampeln…. Es ist EGAL …jedoch werden immer die Autofahrer defamiert… wir Fußgänger müssen es ertragen…. wie wäre es mal mit den Radfahrern,…. Regeln gelten auch für sie….

    1. “jeder kann sich ein Fahrrad kaufen und aktiv am Straßenverkehr teilnehmen…ohne die Regeln der StVO zu kennen”
      Erwachsene Radfahrende und Fußgänger haben in der Regel durch den Erwerb eines KFZ-Führerscheins Kenntnis der Straßenverkehrsordnung beigebracht bekommen. Oder ärgern Sie sich hier über Kinder, die über den Gehweg fahren?
      Ich finde, ALLE Verkehrsteilnehmer sollten sich endlich bemühen, etwas wohlwollender miteinander umzugehen und nicht beim geringsten (vermutlich ohne Absicht) Fußgänger- oder Fahr-Fehlverhalten einander verbal an die Gurgel gehen.

      1. Liebe Ulla, Kinder bekommen in der Grundschule Verkehrsregeln mit und unter Aufsicht der Polizei beigebracht. Die Kinder halten sich dran…. und über Kinder mit Fahrrad ärgere ich mich nicht!…

      2. Lieber Stephan, dann verstehe ich nicht, wen genau Sie meinen mit “Jeder kann … ohne die Regeln der StVO zu kennen”
        Es gibt viele ältere Damen, die nie einen Führerschein gemacht haben und mit dem Rad fahren. Meinen Sie die? Wollen Sie denen vielleicht das Radfahren verbieten weil sie keine/mangelhafte StVO-Kenntnisse haben?
        Oder hat sich jemand, wie so häufig, dusselig auf den Radweg gestellt und die Radfahrerin ist vor Schreck zu Ihnen auf den Fußgängerweg ausgewichen?
        Übrigens, soviel ich weis, dürfen Radfahrende über den Zebrastreifen fahren, sie müssen dann allerdings den querenden KFZ die Vorfahrt gewähren.

      3. ..eben genau… Unwissenheit…Zebrastreifen..!!! heißt für Radfahrende ABSTEIGEN und schieben…

      4. @Stephan: Nein, RadfahrerInnen sind nicht verpflichtet einen Zebrastreifen schiebend zu nutzen. Da hat Ulla völlig Recht. Es ist aber auch so, wie sie geschrieben hat: fahrend hat man kein Vorrecht.
        Soviel zum Thema „ jeder kann sich ein Fahrrad kaufen und aktiv am Straßenverkehr teilnehmen…ohne die Regeln der StVO zu kennen“

  13. So traurig wie es in Wirklichkleit ist, solche Texte kennen wir doch seit Jahrzehnten.
    “Liebe Autofahrende. Bitte bitte seid schön vorsichtig, denn die Stadtverwaltung kann ja nichts zu unserem Schutz beitragen”.
    Naja, da habe ich ein ganz ganz andere Meinung!
    Wenn eine Stadt will, dann sieht das so aus wie z.B. in Nordhorn – wenn eine Stadt NICHT will, dann sieht das so aus wie in Bergisch Gladbach!
    Lieber ADFC, liebe Stadtplaner (männlich) bitte einfach mal lesen und geniessen, vielleicht ein schöner Ort um dort Urlaub von der Autostadt GL zu machen:
    https://www.zeit.de/mobilitaet/2021-09/nordhorn-fahrradstadt-infrastruktur-foerderung-radverkehr-klimaschutz-gesundheit

    1. Lieber Herr Wegmann, vielleicht werden Sie in Nordhorn glücklicher als in Bergisch Gladbach. Schon mal drüber nachgedacht?

      1. Na, das ist ja ein Argument der Sorte „Geh doch nach drüben!“ (Wer die Zeit vor 1989 schon bewusst miterlebt hat, dem dürfte das bekannt vorkommen.)

        Meinen Sie nicht, dass man von erfolgreichen Konzepten auch in anderen Städten etwas lernen kann?

      2. Liebe Elena, sind Sie öfter auch mal mit dem Fahrrad in GL unterwegs? Haben Sie einmal versucht, hier Verkehr aus der Sicht einer Radfahrerin zu erleben? Versuchen Sie es einfach mal!

      3. Lieber Elena. Danke für diese Frage. Nein, nicht über Nordhorn, aber über andere Städte. Von denen, die die Notwendigkeiten der Veränderungen erkannt haben und nicht auf ihre Verkehrskonzepte der 1970er Jahre beharren, gibt es ja glücklicherweise inzwischen einige.
        Ich also nicht, aber meine Firma ist mit Berechnung der Kosten für einen Standortwechsel beschäftigt. Innovativ denkende Fachkräfte, die wir dringend suchen, haben eben andere Ansprüche an ihr Umfeld als das was Bergisch Gladbach verkehrspolitisch zu bieten hat. Der letzte Bewerber (dringend gesuchter SAPler) hat mit Verweis abgesagt, er und seine Kinder wollen auch weiterhin mit dem Rad ins Büro bzw. zur Schule fahren. Das könne er sich hier überhaupt nicht vorstellen. Tja, so sind sie eben, die jungen Menschen. Haben eine ganz eigene Vorstellung von Lebensqualität, in der das Auto nur eine untergeordnete Rolle spielt. In der Folge wird GL möglicherweise Arbeitsplätze und nicht wenige Einnahme aus der Gewerbesteuer verlieren.
        Im Umkehrschluss könnte man natürlich auch meinen, die Förderung des sicheren Radverkehrs bzw. eine konsequente Umsetzung der Mobilitätswende wäre eine Form der Wirtschaftsförderung, aber darauf kommen wohl die alten Herren der Gladbacher Politik nicht – oder sie wollen es nicht wahrhaben.

      4. Funktioniert auch in die andere Richtung: wer den Autoverkehr ganz besonders intensiv genießen will kann ja über einen Umzug nach Los Angeles oder Dubai nachdenken.

    2. Vielen DANK für den Link zu dem Artikel über Nordhorn! Ein Planungsbüro aus Köln hat geholfen! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Den Willen vermisse ich hier in der Stadtgesellschaft. Das Auto hat in GL immer noch erste Priorität. Jeder Versuch, das zu ändern, braucht viel Kraft für einen langen Kampf – siehe die Diskussionen um die Veränderung der Laurentiusstrasse oder der Situation in Schildgen.