Bürgermeister Frank Stein. Foto: Thomas Merkenich

Nach Informationen der Stadt Bergisch Gladbach zieht sich das Land NRW aus der Förderung des Neubaus von Kitas zurück. Da die Stadt gerade dabei ist, vier neue Kitas zu bauen, wären die Folgen dramatisch, warnt Bürgermeister Frank Stein die Landesregierung in einem offenen Brief: Bergisch Gladbach könnte in die Haushaltssicherung zurückfallen.

Bürgermeister Frank Stein hat einen Brief an die Ministerin für Kinder, Jugend und Familie Josefine Paul (Grüne) geschrieben und veröffentlicht, in der er das Land NRW vor einem Vertrauensbruch warnt. Die Stadt Bergisch Gladbach stehe unter hohem Druck, den Anspruch der Eltern auf Kita-Plätze zu gewährleisten und sei gerade dabei, vier bis fünf Kitas mit mehr als 300 Plätzen zu bauen. Doch nun drohe stehe die Mitfinanzierung des Landes in Frage.

Die Stadt habe erfahren, „dass die Landesjugendämter aktuell keine Bewiligung für die Investitionsförderung in der Kindertagesbetreuung auf der Grundlage der entsprechenden lnvestitionsförderrichtlinie mehr vornehmen“, heißt es in dem Brief, den die Stadt am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss öffentlich machte.

Ragnar Migenda, als Beigeordneter auch für die Kindertagesstätten verantwortlich, relativierte die Gefahr im Ausschuss ein Stück weit. Er nannte den Städte- und Gemeindebund als Quelle für die Information, dass sich das Land „offenbar mit dem Gedanken trägt“, die Investitionsförderung zu beenden. Er sei jedoch zuversichtlich, dass das Land „zur Einsicht kommt – alles andere wäre ein mittlerer GAU, eine Bankrotterklärung“.

Auch Stein betont, dass ein Ausfall der Fördermittel Bergisch Gladbach „besonders hart“ treffen würde. Sie habe sich gerade auf den Weg gemacht, den hohen Bedarf durch den Bau von vier neuen Kitas in Modulbauweise auf städtischen Grundstück zu decken. Ausdrücklich verweist Stein auf den Rechtsanspruch und der Eltern – und ihre Bereitschaft, diesen auch einzuklagen.

Die Kita-Ausbaupläne im Detail

Sofortkita Innenstadt

An der Jakobstraße hinter dem Bahnhof in der Innenstadt ist die alten Flüchtlingsunterkünfte abgerissen worden Auf dem 3800 qm großen Grundstück wird eine vierzügige Kita mit rund 70 Plätzen gebaut, später ist dort auch ein Spielplatz vorgesehen. Fertigstellung ist für Juni 2025 geplant.

Sofortkita Schildgen „Nittumer Weg“

Am Nittumer Weg in Schildgen liegt ein städtisches Grundstück mit 940 qm, das zur Zeit als Parkplatz genutzt wird. Hier entsteht eine dreizügige Kita mit rund 50 Plätzen; die Parkplätze fallen weg, ein Teil der Fläche wird entsiegelt. Fertigstellung: 1. Quartal 2026

Sofortkita Sand

An der Schulstraße in Sand, neben dem Friedhof und hinter dem Schotterparkplatz, wird eine Wiese bebaut, die als Reservefläche für den Friedhof vorgesehen war. Das Grundstück mit 1700 qm reicht ebenfalls für eine vierzügige Kita mit weiteren 70 Plätzen. Geplante Fertigstellung: März 2025

Sofortkita Lena-Wiese / Am Fürstenbrünnchen

Für den Bau einer Kita am Rand der Bienen- und Blumenwiese am Lückerather Anger an der Straße „Am Fürstenbrünnchen“ hatte es schon 2020 einen Beschluss gegeben, der nach der Kommunalwahl zurückgestellt worden war. Im September 2023 setzte die CDU durch, diesen Standort ebenfalls im Sofort-Kita-Programm voran zu treiben. Derzeit geplante Fertigstellung: Herbst 2025

Weitere Sofortkita (noch offen)

Der Standort einer möglichen weiteren Sofortkita ist noch offen, ein Grundstück im Bereich Moitzfeld / Bensberg / Lückerath werde geprüft, hatte die Stadt im Juni 2023 erklärt.

AWO-Kita Mondsröttchen / Am Reiser (Bensberg/ Kaule)

Die vierzügigen Kita Mondsröttchen mit 90 Plätzen befindet sich bereits in Bau und soll laut Planung ab dem 1.8.2024 schrittweise in Betrieb gehen. 

Kita auf dem Carpark-Gelände (Lückerath)

Auf dem ehemaligen Areal der belgischen Armee an der Bensberger Straße in Lückerath soll nun doch eine große Kita gebaut werden, auf der Grünfläche zwischen Flüchtlingsunterkunft und dem Seniorenwohnheim. Dazu müssen zunächst der Flächennutzungs- und der Bebauungsplan geändert werden.

Kita mit Kompetenzzentrum Autismusspektrum-Störungen (Hebborn)

Diese Kita, ebenfalls von der AWO betrieben, soll auf dem brachliegenden Grundstück gegenüber der Grundschule Hebborn an der Odenthaler Straße entstehen, die Ausschreibung steht bevor.

Kita Weig-Gelände (Zanders-Areal)

Pläne für eine Grundschule und Kita auf dem Gelände der ehemaligen Weig-Kartonagenfabrik am Rande des Zanders Areals an der Cederwaldstraße parallel zu einer Grundschule 21 haben sich inzwischen zerschlagen, weil das Gebiet hochwassergefährdet ist.

Diesen Punkt betonte auch Migenda: Bergisch Gladbach habe bereits nach der Klage einer Familie ein Zwangsgeld zahlen müssen, weil es zeitweise keinen Kita-Platz stellen konnte. Es gebe Städte, die nach solchen Klagen mehrere Millionen Euro zahlen müssten. Dieses Geld wolle die Stadt lieber in die Versorgung der Kinder stecken – zumal 2026 auch noch der Rechtsanspruch auf die OGS kommt.

„Auf Garantien des Landes verlassen“

Die Stadt habe sich auf Garantien des Landes von 2019 verlassen, „jeden notwendigen Platz beim Ausbau zu bewilligen und auf der Grundlage der gültigen Förderrichtlinie zu finanzieren“, schreibt Stein weiter an Paul. Die aktuelle schwarz-grüne Landesregierung habe das in der überarbeiteten Investitionsrichtlinie Kindertagesbetreuung vom 1.3.2024 bestätigt.

Ein Bruch dieser Zusage würde für Bergisch Gladbach bedeuten, dass für den Bau der vier Kitas und der Ausstattung einer fünften Fördermittel in Höhe von neun Millionen Euro ausfallen. Angesichts der ohnehin schwierigen Finanzlage könne das dazu führen, dass die Stadt in die Haushaltssicherung zurückfalle. Im Klartext: Sie verlöre ihre finanzielle Autonomie und müsste noch härter sparen, als sie es ohnehin versucht.

Dennoch werde die Stadt die Kitas bauen, bekräftigt Stein – und verweist ausführlich auf die gesetzlichen Pflichten der Kommunen. Fachkräftemangel, räumliche Probleme oder andere Schwierigkeiten stünden der Versorgungspflicht nicht entgegen. Daher, schreibt Stein, „bitte ich Sie, sehr geehrte Frau Ministerin, darum, Ihre Förderzusage zu erfüllen“.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.