Das Ferienangebot am Jugendzentrum Q1 verspricht nicht nur zwei Wochen professionelle, kostenlose Betreuung, sondern auch wertvolle Erfahrungen für Acht- bis Zwölfjährige. Die Kinder dürfen das Programm mitbestimmen, begegnen anderen Kindern aus unterschiedlichen Kontexten und entwickeln so nicht nur soziale Kompetenzen, sondern sogar ein frühes Demokratieverständnis. Spaß haben sie natürlich auch!

„Bodenständig“, so nennt Christian Kulka das Sommerferienprogramm des Jugendzentrums Q1. Das klingt erst einmal nicht besonders spektakulär – ist es aber gerade deshalb umso mehr.

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Zunächst einmal das Angebot an sich: Zwei Wochen in den Sommerferien, von 15. bis 19. und von 22. bis 26.7., jeweils von 10 bis 15 Uhr, werden Kinder zwischen acht und zwölf Jahren am Quirlsberg professionell betreut. Kostenlos. Ein Segen für alle arbeitenden Eltern, die es nicht schaffen, sechseinhalb Wochen frei zu nehmen oder die Kinder anders zu versorgen. (Anmeldehinweise finden Sie ganz unten.)

Was den Kindern in diesen zwei Wochen geboten wird, ist, so könnte man es wohl nennen, ein sanftes Kontrastprogramm zum häufig überladenen Alltag und auch zu vielen anderen Ferienangeboten mit Action, besonderen Erlebnissen und Ausflügen.

„Die Kinder und die Betreuer gehen spontan gemeinsam in den Tag“Christian Kulka, Leiter des Q1

Die „Sommerferien am Quirlsberg“ sind geprägt vom nahen Wald, der großen Wiese der Kirchengemeinde, der Strunde, dem Jugendzentrum. Es gibt kein festes Programm, sondern: „Die Kinder und die Betreuer gehen spontan gemeinsam in den Tag“, sagt Kulka, Leiter des Q1 – „das ist uns in der heutigen Zeit ziemlich abhandengekommen.“

Die Betreuer sind zwei pädagogische Honorarkräfte, die das Angebot schon seit mehreren Jahren für das Q1 durchführen. Christian Kulka und sein Stellvertreter Alexander Schwochow stehen als „Backup“ im Hintergrund, sorgen dafür, dass Spielmaterialien da sind, helfen aber auch bei der Essensausgabe – ein frisch gekochtes, kinderfreundliches Mittagessen ist ebenfalls im Angebot enthalten – und bei Problemen.

Alexander Schwochow und Christian Kulka vom Q1. Foto: Laura Geyer

Keine teuren Highlights

Je nachdem, welche Bedürfnisse die Kinder mitbringen, werden zum Beispiel aus Naturmaterialien kleine Bötchen gebaut und auf der Strunde schwimmen gelassen. Nach dem Mittagessen ist Vorlesezeit, oder es werden Klapptische auf der Wiese aufgebaut und gemalt, Federball gespielt, Eis verteilt.

Schminken, Fangen, Tanzen, Singen, Spaziergänge, kleine Wanderungen in der näheren Umgebung, vielleicht ein Ausflug ins Naturfreundehaus Hardt: All das ist es, was Christian Kulka mit „bodenständig“ meint. Keine „teuren Highlights“. Ein niedrigschwelliges Angebot, das sich wirklich jede Familie leisten kann.

Die Wiese zwischen Q1 und Gnadenkirche. Foto: Thomas Merkenich

Die Teilnehmenden kommen aus ganz Bergisch Gladbach – und aus ganz unterschiedlichen Kontexten. Da sind sowohl Kinder aus geborgenen Mittelschichtverhältnissen als auch Kinder aus Familien mit nur einem Elternteil, Familien, in denen das Geld knapp ist.

„Im Spiel verschwinden die Unterschiede“Christian Kulka

„Das ist auch Ziel der Sache“, sagt Alexander Schwochow. Die Gruppe soll heterogen sein, sodass die Kinder neue Menschen kennenlernen, neue Freunde finden, außerhalb ihrer regulären Kreise an der Schule, im Sportverein. Denn beides ist nicht zuletzt durch die (soziale) Herkunft vorgegeben.

Soziale Kompetenz und Demokratieverständnis

Die Heterogenität funktioniert mal besser und mal schlechter, sagt Kulka: „Im Spiel verschwinden die Unterschiede. Wenn es darum geht, sich gemeinsam zu konzentrieren, zuzuhören oder von seinen Erfahrungen zu berichten, merkt man die Differenzen.“

Manche Kinder haben weniger Erfahrungen sammeln können als andere. Waren noch nie am Meer, noch nie im Restaurant.

Auch bei Konflikten spüre man Unterschiede, unterschiedlichen Umgang mit Problemen, unterschiedliche Frustrationstoleranz.

Und noch ein kleiner Indikator, der oft viel über den Hintergrund der Kinder verrät: das Mittagessen. Schwochow erzählt: „Manche sagen bei dem ein oder anderen Gericht ‘Ih, das mag ich nicht’. Andere fragen regelmäßig nach einem zweiten oder dritten Teller, weil bei ihnen zu Hause mittags nicht immer was auf dem Tisch steht.“

Im Umgang miteinander, sagt Schwochow, entwickeln die Kinder nicht nur soziale Kompetenzen und lernen die Kommunikation untereinander: „Durch den freien Rahmen und die Gestaltung nach den Bedürfnissen der Kinder nehmen sie sogar ein frühes Stadium von Demokratieverständnis mit.“

Wenn die Mehrzahl der Teilnehmenden morgens noch eine Runde Fangen spielen will, dann wird das gemacht. Wenn die meisten noch ein Lied singen wollen, müssen das auch die Kinder akzeptieren, die dazu keine Lust haben.

Offen für Kinder mit Förderbedarf

Zur Heterogenität zählt auch, dass das Ferienprogramm offen für Kinder mit Förderbedarf ist. Das ist Christian Kulka wichtig: „Wir haben den Anspruch, dass wir kein Kind ausschließen müssen.“

Denn ausgeschlossen zu werden ziehe sich durch das Leben von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Von der Kita über die Schule, den Verein, die Hausgemeinschaft, die anderen Kinder auf der Straße und so weiter.

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In dem Rahmen, in dem die „Sommerferien am Quirlsberg“ gestaltet sind – naturnah, frei, ohne aufregende Ausflüge ins Phantasialand oder ähnliches – sei es möglich, auch diese Kinder zu integrieren, sagt Kulka. Eventuell mit Unterstützung des „Bufdis“, der zurzeit seinen Bundesfreiwilligendienst im Q1 leistet, oder auch mit mehr Hilfe von Kulka und Schwochow selbst.

Das alles ist übrigens nur möglich, weil die Bürgerstiftung Bergisch Gladbach das Ferienprogramm mit einer großzügigen Spende von 3000 Euro unterstützt.

Anmeldung: Aktuell sind noch einige wenige Restplätze für die zwei Wochen frei. Anmeldung unter info@q1-gl.de oder 02202 – 328 20.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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  1. Vielen lieben Dank für die Erwähnung, wer das ganze finanziell unterstützt hat. Das vereinfacht die Suche.