Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Das Bewusstsein für Herzgesundheit beginnt nicht erst im Erwachsenenalter – auch bei Kindern und Jugendlichen kann ein erhöhter Cholesterinspiegel langfristige Gesundheitsrisiken bergen. Doch was genau ist Cholesterin, und warum ist eine frühzeitige Therapie wichtig? Das erklärt Kinderärztin Uta Römer in dieser Ausgabe der „Sprechstunde“.

Cholesterin (oft umgangssprachlich auch als Blutfett bezeichnet) ist eine fettähnliche Substanz, die für den Körper lebenswichtig ist. Zwei Drittel des Cholesterins werden vom Körper selbst produziert, ein Drittel über die Nahrung aufgenommen (fast ausschließlich über tierische Produkte).

Cholesterin ist entscheidend für den Aufbau von Zellmembranen, die Produktion von bestimmten Hormonen und die Herstellung von Vitamin D. Cholesterin ist nicht wasserlöslich, weshalb es in einer Art „Paket” im Blut transportiert wird. Es gibt zwei Haupttypen von „Paketen”:

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  • LDL (Low-Density Lipoprotein): LDL transportiert Cholesterin von der Leber in den Körper. Oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet, weil ein hoher LDL-Wert das Risiko für Arterienverkalkung und Herzkrankheiten erhöhen kann.
  • HDL (High-Density Lipoprotein): HDL transportiert Cholesterin vom Körper zurück in die Leber. Bekannt als „gutes” Cholesterin, da es dabei hilft, Cholesterin aus den Arterien abzutransportieren und somit vermutlich das Risiko für Herzkrankheiten reduzieren kann.

Cholesterin bei Kindern

Cholesterin kann bei Kindern aus verschiedenen Gründen erhöht sein. Die häufigsten Ursachen sind:

  1. Genetische Faktoren:
    1. Familiäre Hypercholesterinämie: Die familiär primär-genetischen Formen der schweren Hypercholesterinämie gehören zu den häufigsten angeborenen Stoffwechselstörungen. Kinder, die eine familiäre Hypercholesterinämie haben, erben die Tendenz zu hohen Cholesterinwerten von einem oder beiden Elternteilen. Dies betrifft etwa 50 Prozent der Kinder eines betroffenen Elternteils.
    2. Polygene Hypercholesterinämie: Dies ist eine weniger stark ausgeprägte Form der Hypercholesterinämie, die durch das Zusammenspiel mehrerer Gene verursacht wird, welche jeweils einen kleinen Beitrag zum erhöhten Cholesterinspiegel leisten. Polygene Hypercholesterinämie kann durch Lebensstilfaktoren wie Ernährung und Bewegungsmangel beeinflusst werden und ist oft mit Übergewicht verbunden. Diese Form der Hypercholesterinämie ist häufig und kann ebenfalls zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, wenn sie nicht angemessen behandelt wird.
  2. Ernährung: Eine Ernährung, die reich an gesättigten Fetten, Transfetten und Cholesterin ist, kann ebenfalls zu hohen Cholesterinwerten führen. Dazu gehört der häufige Verzehr von Lebensmitteln wie fettem Fleisch, Vollfett-Milchprodukten, frittierten Speisen und verarbeiteten Snacks.
  3. Bewegungsmangel: Geringe körperliche Aktivität kann ebenfalls zu erhöhten Cholesterinwerten beitragen, da Bewegung hilft, das „gute“ HDL-Cholesterin zu erhöhen und das „schlechte“ LDL-Cholesterin zu reduzieren.
  4. Übergewicht: Übergewicht kann den Stoffwechsel beeinflussen, und damit auch die Art und Weise, wie der Körper Lipide wie Cholesterin verarbeitet, was zu erhöhten Cholesterinwerten führen kann.
  5. Zugrunde liegende medizinische Bedingungen: Bestimmte medizinische Bedingungen wie Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder Nierenkrankheiten können auch zu erhöhten Cholesterinwerten beitragen.

Es ist daher wichtig, dass Kinder, besonders jene mit einem erhöhten Risiko aufgrund oben genannter Gründe, regelmäßig auf ihren Cholesterinspiegel getestet werden, um gegebenenfalls frühzeitig mit vorbeugenden Maßnahmen beginnen zu können und  langfristige gesundheitliche Komplikationen zu vermeiden.

Wann und warum sollten Kinder getestet werden?

Hohe Cholesterin-Werte, insbesondere hohe LDL-Werte, führen zu Entzündungen in den Gefäßen und  sind damit ein Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen wie Arteriosklerose („Kalkablagerungen” in den Arterien), Schlaganfall und Herzinfarkte.

Weitere Risikofaktoren, die Herz-Kreislauf Erkrankungen beeinflussen, sind bspw. Diabetes, Übergewicht, Rauchen und ein ungesunder Lebensstil (Stichwort Ernährung und Bewegung).

Die Überprüfung des Cholesterinspiegels wird insbesondere dann empfohlen, wenn in der Familie bereits Fälle von hohen Cholesterinwerten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sind, oder wenn bei dem Kind bzw. Jugendlichen noch weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen vorliegen.

Die frühzeitige Behandlung dieser Risikofaktoren bereits im Kindesalter ist entscheidend für die spätere Gesundheit Ihres Kindes. Die American Academy of Pediatrics (AAP) empfiehlt bei Kindern ein Screening ab zwei Jahren, während die deutsche Arbeitsgemeinschaft für pädiatrische Stoffwechselstörungen ein Screening im Vorschulalter empfiehlt.

Symptome und Diagnose

Erhöhtes Cholesterin verursacht in der Regel keine direkten Symptome, was die regelmäßige Überprüfung umso wichtiger macht. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Blutuntersuchung, die Aufschluss über die Cholesterinwerte gibt.

Ein Cholesterinspiegel wird als zu hoch angesehen, wenn das Gesamtcholesterin bei wiederholten Messungen über 170 mg/dL liegt oder das LDL über 100 mg/dL (laut Definition der Charité Berlin). Es sollten mehrere Kontrollmessungen durchgeführt werden. Bei wiederholt erhöhten Werten sollte eine Abklärung zum Beispiel in einer Spezialambulanz erfolgen.


Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Therapiemöglichkeiten

Ernährung und Lebensstil

Der erste Schritt in der Behandlung von hohem Cholesterin bei Kindern ist oft eine Umstellung der Ernährung und eine Förderung von mehr körperlicher Aktivität. Eine cholesterinarme Diät, die reich an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist und gesättigte Fette sowie Transfette minimiert, kann helfen, die Cholesterinwerte zu verbessern.

Zu den Nahrungsmitteln, deutlich reduziert werden sollten, gehören insbesondere:

  • Frittierte Speisen
  • Fast Food
  • Fertiggerichte mit hohem Fettgehalt
  • Butter und Schmalz
  • Vollfettmilchprodukte wie Sahne und Käse
  • Eier (ein vollständiger Verzicht wird aufgrund wichtiger Nährstoffe nicht empfohlen)

Medikamentöse Therapie

In einigen Fällen, insbesondere wenn diätetische und lebensstilbedingte Anpassungen nicht ausreichen oder wenn eine genetische Veranlagung vorliegt, kann eine medikamentöse Therapie erforderlich sein. Für Kinder geeignete Medikamente sind, je nach Alter, Statine, Ezetimib, PCSK9-Inhibitoren, Austauscherharze und Fibrate.

Eine medikamentöse Therapie sollte erst nach einer genauen Diagnose und unter Betreuung eines spezialisierten Arztes begonnen werden. Der Einsatz von Statinen vor dem Ende der Pubertät sollte wenn möglich vermieden werden, da es an ausreichenden Informationen zu Wechselwirkungen mit dem Steroidhormonstoffwechsel und zu Langzeiteffekten mangelt.

Wichtigkeit der Elternrolle

Als Eltern spielen Sie eine entscheidende Rolle in der Gesundheitsvorsorge Ihrer Kinder. Indem Sie eine gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität fördern, helfen Sie, die Basis für ein herzgesundes Leben zu legen.

Auch das Bewusstsein für die Familienanamnese und die regelmäßige Überwachung der Gesundheit Ihres Kindes sind wichtige Schritte. Als lesenswerte und kindgerechte Lektüre empfehlen wir gerne das Buch: „Hast Du auch hohes Cholesterin? Ein Ernährungsratgeber für Kinder und Eltern”.

Für weitere Informationen und individuelle Beratung steht Ihnen Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin gerne zur Verfügung.

Ihre Dr. med. Uta Römer und das ganze Praxisteam

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie u.a. auf Kinderärzte-im-Netz, der Deutschen Herzstiftung und bei der Lipidambulanz der Charité. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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