In einem Offenen Brief an Stadtrat und Verwaltung appelliert die Elternvertretung der Max-Bruch-Musikschule, höhere Personalkosten nicht auf Familien und die Musikschule abzuwälzen. Um eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der musikalischen Bildung und eine Beschädigung der Musikschule zu verhindern, sei eine stärkere Unterstützung durch die Stadt erforderlich.

Wir dokumentieren den Offenen Brief der Elternvertretung der Städtischen Max-Bruch-Musikschule Bergisch Gladbach weiter unten im Wortlaut.

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Zum Hintergrund

Geldnot: Erste Grausamkeiten treffen die Musikschule

Die Stadt hat sich ein striktes Finanzkorsett verordnet: Wenn neue Ausgaben unausweichlich sind muss an anderer Stelle gespart werden. Das trifft jetzt die Musikschule, die alle Honorarkräfte einstellen muss. Die zusätzlichen Ausgaben sollen durch höhere Gebühren und eine Einschränkung des Angebots finanziert werden. Auch das Bergische Museum kämpft um jeden Euro, die Sportflächen der Stadt schrumpfen. Zudem gibt es zwei Personalien.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Unsere Musikschule in Bergisch Gladbach leistet hervorragende Arbeit. Sowohl in der Spitzenförderung als auch in der Breite gibt es tolle Angebote, die viele Kinder und Erwachsene für die Musik begeistern, ihnen Gelegenheit zum gemeinsamen Musizieren geben, soziale und kulturelle Teilhabe ermöglichen und neue Freundschaften stiften.

    All den engagierten Lehrkräften gebührt dafür herzlicher Dank. Dass nun auch die bisher zu unfairen Arbeitsbedingungen beschäftigten Honorarkräfte angemessener honoriert werden, ist sehr zu begrüßen – obwohl es mit Mehrkosten einhergeht. Diese Mehrkosten müssen natürlich gestemmt werden.

    Auch ich halte es aber für völlig falsch, am Angebot der Musikschule zu sparen.

    Wenn Stellen wegfallen, werden lernwillige Schüler (länger) auf einen Platz warten müssen. Das wäre fatal, weil damit nicht selten auch die Begeisterung abebben und schließlich der gute Vorsatz aufgegeben werden dürfte – oder man findet in der Wartezeit alternative Hobbies, sodass – wenn dann ein Pkatz frei wird – die Zeit für das Musizieren als weiteres Hobby fehlt. Zudem müssen dann ganze Klassen (die Schüler einer Lehrkraft), die nicht selten durch Vorspiele und gemeinsames Musizieren über Jahre ein inneres Band verbindet, zerschlage und auf andere Lehrkräfte aufgeteilt werden – wenn diese denn überhaupt freie Kapazitäten haben. Ansonsten müsste die Ausbildung unterbrochen werden – was wiederum nicht selten zum Aufgeben der Musik führen wird.

    Den Unterricht standardmäßig auf 30 Minuten zu verkürzen, erscheint ebensowenig sinnvoll. Letztlich handelt es sich dabei um eine Reduktionum die Hälfte der eigentlichen Unterrichtszeit – denn man muss bedenken, dass auch das Ankommen und Auspacken Zeit brauchen, und Schüler und Lehrer auch auf menschlicher Ebene eine Beziehung unterhalten, die durch ein paar persönliche Worte gepflegt werden will. Mir erschließt sich insofern auch die Notwendigkeit nicht – jedenfalls sofern der Unterricht nicht durch die bereits erörterte Verkleinerung des Lehrkörpers zu einem per se knappen Gut wird. Eher wäre zu überlegen, ob es generell notwendig ist, den 45-minütigen Unterricht bei den Gebüren zu bevorzugen – aktuell liegen die Gebühren bis 70€/Mo für 30 Minuten und bei 90€/Mo für 45 Minute wöchentlichen Unterricht. Rechnerisch würde sich für 45 Minuetn eine Gebühr von 105€ ergeben.

    Ob und in welchem Umfang der Musikschulunterricht generell durch die Stadt bezuschusst wird, konnte ich den Veröffentlichungen nicht entnehmen. Jedenfalls für gutsituierte Familien dürfte das bei angespannter Haushaltslage sicherlich zu überdenken sein. Eine Staffelung nach dem Familieneinkommen oder Entlastungen nur bei Unterschreiten bestimmter Einkommensgrenzen und für Geschwister erscheint mir auch sinnvoller, als generell Erwachsene von Vergünstigungen auszunehmen. Denn auch die Erwachsenenbildung ist ein wichtiger Baustein für die Zufriedenheit des Einzelnen und für eine gut funktionierende Gesellschaft. Warum sollen Erwachsene mit knappem Budget, die gern ein Instrument erlernen oder ihre in der Kindheit erlernten Fähigkeiten wieder auffrischen wollen, hier hinter Kindern aus wohlhabendem Elternhaus zurückstehen? Zumal mit der angespannten finanziellen Situation – sei es durch Verlust des Arbeitsplatzes, längere Elternteit, Renteneintritt – ja nicht selten ein Plus an Zeit einhergeht, die sinnvoll genutzt werden will.

    Generell erscheint mir zur Bewältigung der Kosten viel eher eine Anhebung der seit vielen Jahren unveränderten Gebühren tunlich. Diese sollte grundsätzlich moderat ausfallen, kann wohlhabenden Familien aber durchaus mehr abverlangen.

    Nur bitte: Schränken Sie nicht das tolle Angebot unserer Musikschule ein!

    1. Da es der Musikschule nicht möglich ist, die finanzielle Situation der Schüler zu bewerten, können die Preise nicht gestaffelt werden oder soll in Zukunft jeder Schüler mit der Steuererklärung der Eltern vorbeikommen?

      Zumal bei den meisten anderen Hobbymöglichkeiten auch nicht eine Preisstaffelung vorgesehen ist.
      Es ist nur sicherzustellen, dass Familien, die nicht über das notwendige Einkommen verfügen über z.B. Bildungs- und Teilhabepaket o. Fördervereine nicht komplett ausgeschlossen werden.

      1. Für die einkommensabhängige Staffelung sehe ich technisch kein Problem. So verfährt die Stadt ja auch bei den Kindergartenbeiträgen und den Beiträgen zur OGS – ebensfalls Bildungseinrichtungen, zu denen Einkommensstärkere mehr beitragen müssen als -schwächere. Wenn man zur Entlastung nur auf Sozialleisrungen wie Bildungs- und Teilhabepakete setzt oder Stipendien (aus sozialen Gründen oder zur Begabtenförderung?) über den Förderverein vergibt, bleiben Familien im niedrigen und mittleren Einkommenssegment auf der Strecke, weil eine signifikante Gebührenerhöhung sie ungleich stärker trifft als Gutbetuchte.
        Musikunterricht muss auch nicht in jeder Hinsicht anderen Hobbies gleichstehen, zumal die individuelle Förderung im Rahmen des Einzelunterrichts auch weit über die Leisung von Vereinen etc. bei anderen Freiteiaktivitäten hinausgeht.

  2. An der „Musikschule“ auf Kosten der Schülerinnen/|Schüler| Lehrerinnen/Lehrer| Qualität sparen zu wollen halte ich schon für „armselig“.
    Vielleicht wäre dem „Spargedanken“ mehr Rechnung getragen wenn man ein strengeres Kostenmanagement bei bspw. NCG-Schulsanierung angehen würde und nicht – so scheint es mir – den chaotischen Ablauf über Jahre immer weiter „hinplättschern“ lässt und bei jeder weiteren Fertigstellungsverschiebung lapidar verkündet „das das ein paar Milliönchen“ teurer wird…. Die „Musikschule“ hat es hier im Gegensatz „nicht raus“…..

  3. Ich kann diese Forderungen nur unterstützen. Wenn ein großer Arbeitgeber (hier die Stadt) gesetzlich dazu gezwungen wird, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Abteilung (Musikschule) ordentlich einzustellen und zu bezahlen, halte ich es für mehr als problematisch, wenn die Mehrkosten mittelfristig komplett nur auf die Kunden (Musikschülerinnen und -schüler) dieser Abteilung umgelegt werden – insbesondere, wenn es sich bei den Kunden überwiegend um Kinder und Jugendliche handelt, die ohnehin in den letzten Jahren viel durchmachen mussten.

    Die Mehrkosten müssen von allen Abteilungen des Arbeitgebers (der Stadt) getragen werden. Möglicherweise hätten die Mehrkosten auch schon früher eingeplant werden können, dann wären sie im Haushaltsplan enthalten.

    Nach meiner Wahrnehmung ist man sich in allen Ausschüssen bisher einig, dass an Bildung, Kultur, Schule und Sport für Kinder und Jugendliche nicht weiter gespart werden darf. Eine vorsichtige Erhöhung der Beiträge nach jahrelang gleichbleibenden Preisen halte ich für vertretbar – für die erwachsenen Musikschüler auch durchaus für richtig, aber die Ankündigung, das Angebot der Musikschule in den nächsten Jahren zu reduzieren, indem man Stellen ausscheidender Lehrkräfte nicht wieder besetzt, ist in meinen Augen völlig falsch.

    Es gibt jetzt schon Wartelisten für viele Angebote der Musikschule. Wir sollten froh sein, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die ihre Freizeit sinnvoll gestalten. Wir dürfen sie nicht auf Wartelisten setzen und ihnen das Angebot standartmäßig von 45 auf 30 Minuten reduzieren, da dies kostengünstiger ist. Wir brauchen ein umfangreiches, vielseitiges Bildungs- und Freizeitangebot im sportlichen und kulturellen Bereich für Kinder und Jugendliche in Bergisch Gladbach, möglichst ohne Hürden und Barrieren.

    Liebe Mitglieder des Stadtrates, korrigieren Sie diese Entscheidungen der Ausschüsse in der Ratssitzung!

    1. Ganz so frei ist die Stadt bei der Kalkulation und Quersubventionierung allerdings nicht. Gebühren für städtische Dienstleistungen müssen auf Basis der dafür anfallenden Kosten kalkuliert werden. Das gilt für die Musikschule nicht anders als für die Müllabfuhr.

      Das würde natürlich die Stadt nicht daran hindern, eine sozialverträgliche Staffelung vorzunehmen, solange die Summe der Gebühren die Summe der Kosten deckt.

      1. Genau da liegt der Hase im Pfeffer: Die Summe der Musikschulgebühren deckt die Summe der Kosten nur zu 40 bis 45 %; der Fehlbetrag wird bereits jetzt aus dem allgemeinen städtischen Haushalt finanziert. Sollte ein höherer Zuschuss für die Musikschule beschlossen werden, steht das Geld an anderer Stelle nicht zur Verfügung. Wo also soll eingespart werden?

      2. Ja, Bildung, Kultur, Sport, Jugendarbeit, Schwimmbadbesuche, Musikschule … kosten Geld, was erst einmal nicht wieder “erwirtschaftet” wird. Hier müssen wir entscheiden, wie wichtig uns diese Dinge sind. Ich halte sie für lebenswichtig – für jeden einzelnen und für unsere Gesellschaft. Mittel- bis langfristig werden sich diese Investitionen in verschiedensten Bereichen auszahlen. Wir müssen in unsere Kinder und Jugend investieren. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass sehr viel ehrenamtliche Arbeit in diesen Bereich fließt. Diese “Investitionen” sollte man bei all den Finanzdebatten auch nicht vergessen.

      3. Da steht aber immer noch das Problem im Raum, dass die Stadt viele Pflichtausgaben hat, die ebenfalls bezahlt werden wollen, und dass die Summe der verfügbaren Mittel begrenzt ist. Wo nimmt man das Geld also her, da man es sich schließlich nicht aus den Rippen schneiden kann?