Die Tannenbergstraße ist bis Ende Februar nur stadtauswärts befahrbar. Foto: Redaktion

Die Stadtverwaltung schlägt vor, die Schließung des Bahnübergangs Tannenbergstraße nach dem Ausbau der S 11 durch eine neue Straße zu kompensieren, die mit einer großen geschwungenen Brücke über die Gleise geführt wird. Das geht aus einer umfangreichen Vorlage für die Sondersitzung des Verkehrsausschusses hervor. Ein paar Fragen sind allerdings noch offen.

Mit der Erweiterung der S-Bahn um ein zweites Gleis und ein 5-Minuten-Takt funktioniert die Nord-Südverbindung am Übergang Tannenbergstraße nicht mehr. Das war seit langem klar, doch erst auf Druck des Zweckverbands go.Rheinland bewegt sich die Stadt Bergisch Gladbach jetzt auf eine Lösung zu, die Grundlage für die Verhandlungen mit der Bahn sein soll.

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Am Dienstag tritt der Verkehrsausschuss zu einer seltenen Sondersitzung zusammen, zum Wochenende servierte die Verwaltung den Kommunalpolitiker:innen eine sehr umfangreiche Beschlussvorlage.

Wichtig sei nun, das hatte go.Rheinland-Chef Norbert Reinkober deutlich gemacht, ein klares und möglichst einhelliges Votum des Stadtrats, um weitere Verzögerungen oder gar eine Gefährdung des Megaprojektes zu vermeiden.

Ein Ingenieurbüro hatte mehrere Lösungswege geprüft; daraus hat die Verwaltung einen klaren Vorschlag abgeleitet:

Sie plädiert für eine neue Straße, die vom Wendehammer an einem Abzweig der Britanniahütte über eine neue Brücke über die Bahntrasse zum sogenannten Gleisdreieck („Am Kuhlerbusch“) führt, dann parallel zum Bahngleis zur Tannenbergstraße verläuft und dort an die Kalkstraße angebunden wird. Die Brücke soll vom LKW-, PKW-, Rad- und Fußverkehr genutzt werden.

Screenshot OpenStreetMap
Die Brücke quert die Bahntrasse in einer Kurve, die Rampe nach unten verläuft parallel zur Trasse. Nördlich der Gleise liegen die neuen Gebäude für die Feuerwehrschule, südlich das Gewerbegebiet Kuhlerbusch, das die Stadt ebenfalls angekauft hatte. Quelle: Stadt GL, Ratsinfosystem
Vor dem künftig geschlossenen Übergang Tannenbergstraße wird die neue Straße durch eine breite Schleppkurve zur Kalkstraße geführt.

Der Vorteil dieser Lösung: Sie würde keine der ohnehin stark beanspruchten Straßen im Umfeld „signifikant mehr belasten“, argumentieren die Planer der Stadt.

Wie bisher auch wird der Verkehr in dieser Varianten, von Nord nach Süd über die Kalkstraße abgeleitet, von wo er über die Dechant-Müller-Straße Richtung Gronau und Refrath oder über den Driescher Kreisel in die Innenstadt geführt wird.

Nach Einschätzung des Ingenieurbüros wäre es dann sogar möglich, die Buchholzstraße für den motorisierten Verkehr zu Schließen und dort nur noch den Rad- und Fußverkehr durch zu lassen.

Der alte Bahndamm bleibt ein Problem

Voraussetzung für die große Brückenlösung sei jedoch, dass die bereits beantragte Stilllegung der Schienentrasse auf dem alten Bahndamm vom Eisenbahnbundesamt akzeptiert und auch vorgenommen wird. Bei diesem Verfahren, merkt die Verwaltung ausdrücklich an, habe die die Stadt Bergisch Gladbach keine direkten Einflussmöglichkeiten. Unter Umstände reicht der Wunsch des Rheinische Industriebahn Museums e.V., das Gleis hin und wieder mit historischen Zügen zu befahren, um die Stilllegung zu versagen.

Im Frühjahr fuhrt eine Lok aus den 1950er Jahren mit ein paar Waggons bis zum ehemaligen Hauptbahnhof in Gronau. Foto: Jörg Seidel

Sollte diese Genehmigung tatsächlich nicht erteilt werden, so steht es in der Beschlussvorlage, bleibt es bei der Brücke und Streckenführung; allerdings müsste dann an der Querung der alten Bahndammtrasse ein neuer beschrankter Bahnübergang eingerichtet werden.

Über die Kosten und deren Aufteilung auf Stadt bzw. Bahn könne zunächst nichts gesagt werden. Die Stadt geht jedoch davon aus, dass der weitaus größte Teil von Bund, Land und/oder Bahn getragen wird.

Hinzu kommt, das laut Ingenieurbüro noch geprüft werden müsse, ob die Brückenlösung innerhalb des sehr engen Umfeld baulich umsetzbar ist.

Ausbau der Buchholzstraße für Stadt keine Option

Die Alternativen beziehen sich auf die Buchholzstraße. Zwischenzeitlich hatte die Bahn vorgeschlagen, die Unterführung dort deutlich auszubauen, damit sie den Verkehr aus der Tannenbergstraße aufnehmen könnte. Dafür hätte man jedoch auf private Grundstücke zugreifen, alle Bäume fällen und Parkplätze entfernen müssen. Zudem wäre der Verkehr dann in die Stationsstraße geführt worden. Das hatte die Stadt als unpraktikabel und kontraproduktiv abgelehnt.

Nach Einschätzung des Ingenieurbüros gibt es zwar weitere Alternative, die technisch und praktisch möglich wären, aber unweigerlich zu Mehrbelastungen der anderen Straßen im Umfeld des führen würden. Das hätte wahrscheinlich noch mehr Staus in der Innenstadt zur Folge, warnt die Verwaltung. Etwa an der Stationsstraße oder an der Buchholzstraße.

„Wir haben es uns mit diesem Vorschlag einer Eisenbahnüberführung nicht leicht gemacht,“ erläutert Ragnar Migenda, der als Erster Beigeordneter für das Projekt zuständig ist. Der Ausbau der S 11 sei nach der Umnutzung des Zanders-Geländes „das wichtige Zukunftsprojekt für diese Stadt“, so Migenda. Es dürfe aber dennoch nicht zu größeren Schwierigkeiten für den Pkw- und Lkw-Verkehr führen.

Die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehrsflächen findet am Dienstag ab 14 Uhr im Ratssaal Bensberg statt.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. da haben wir den flaschenhals:
    “Hinzu kommt, das laut Ingenieurbüro noch geprüft werden müsse, ob die Brückenlösung innerhalb des sehr engen Umfeld baulich umsetzbar ist. ”

    schwerlastverkehr in 9m höhe in dieser kuscheligen Stadt… mit rampen direkt neben der Bahntrasse. da sollte man die Fundamente für die Rampe wohl vor der bahntrasse legen…
    wenn diese Lösung eine richtige sein soll mit entsprechenden kosten, freuen sich die Bewohner des neu erstellten Wohnkomplexes daneben ohne ende.

    Es gibt hier keine sinnvolle relation zwischen aufwand und nutzen.

  2. Es soll eine 9-Meter hohe Brücke durch den Ortsteil Gronau gebaut werden, die den Verkehrslärm Tag und Nacht in alle Wohngebiete trägt? Der Lärm wird je nach Windrichtung auch die Ortsteile Hand und Stadtmitte heftig beeinträchtigen. Bürgerinnen und Bürger, die bis jetzt bei offenem Fenster schlafen konnten, dürfen schon mal über eine Klimaanlage und dreifach Isolierung der Fenster nachdenken. Vom betroffenen Marienkrankenhaus ganz zu schweigen. Dann sind die Anschlüsse (sprich Auf- und Abfahrten) noch gar nicht geklärt. Auch hier weiterer Verkehrslärm. Was für ein Horrorszenario für den Ortsteil Gronau.

    1. Um kein copy-and-paste zu machen, verweise ich auf meine Antwort unter dem Artikel “Eine Brücke wird kommen”.

  3. Das Drama, Possenspiel oder Dilemma des alten Bahndamms wegen langweilt inzwischen doch arg. Da wird niemals eine Straße gebaut werden, weder zwei- noch vierspurig, wie Herr Flügge das mal wollte. Bürgerliche Widerstände, Kosten, negative Machbarkeitsstudien, aber vor allem der gesunde Menschenverstand sprechen derart eindeutig dagegen, dass man sich fragt, was in den Gehirnen der Befürworter vorgeht.

  4. Wäre es nicht kostengünstiger, wenn wir einfach die Bahn hochlegen und über eine Brücke fahren lassen?