Auch der Schießsportverein befindet sich auf dem Areal - und fürchtet um den Verlust der Stellplätze auf dem Ascheplatz. Foto: Redaktion

Der Widerstand gegen die Pläne der Stadt für den ehemaligen Sportplatz an der Paffrather Straße wächst: Nach dem Stadtsportverband melden sich jetzt auch der Rheinische Turnerbund, der Kreissportbund und mehr oder weniger direkt betroffene Vereine zu Wort. Sie kritisieren, von der Stadt nicht eingebunden zu werden und tragen weitere Argumente gegen den Bau eines Flüchtlingsheims vor.

Der Ascheplatz an der Paffrather Straße wird seit Jahren nicht mehr als Sportplatz, sondern als Parkplatz genutzt. Auch von Sportvereinen und Verbänden mit großer Mitgliederzahl, die erhebliche Nachteile befürchten, sollte der Platz, wie von der Stadtverwaltung vorgeschlagen, als Standort einer Unterkunft für bis zu 240 Flüchtlinge genutzt werden.

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In einem Offenen Brief kritisieren der Kreissportbund Rhein-Berg, der Rheinische Turnerbund (RTB), die Turnerschaft 1879, der SV 09, der Luftsportvervein und der Schießsportclub das Vorgehen der Verwaltung in Form und Sache deutlich – und verstärken damit die Argumente, die zuvor bereits der Stadtsportbund angeführt hatte.

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Die Stadtverwaltung stellt sich auf die Zuweisung vieler weiterer Flüchtlinge ein und will die Unterkünfte an mehreren Stellen ausbauen. Das Projekt auf dem Ascheplatz ist dabei das mit Abstand größte – und heftig umstritten. Nach Abwägung der Alternativen hält die Stadt dennoch daran fest. Dafür will Bürgermeister Frank Stein jetzt Mittel in den Nachtragshaushalt einstellen, um einen bösen Eindruck zu vermeiden.

Sportverband lehnt Bebauung des Ascheplatzes ab

Bergisch Gladbachs Bevölkerung wächst, der für den Sport zur Verfügung stehende Platz schrumpft massiv. Vor diesem Hintergrund argumentiert der Stadtsportverband gegen die Pläne der Stadt, den alten Ascheplatz an der Paffrather Straße dauerhaft mit einer Unterkunft für Flüchtlinge zu bebauen – und kritisiert den Umgang mit dem Sport ganz grundsätzlich.

Als Nutzer und Eigentümer von größeren Teilen des umgebenden Geländes seien die Interessen der Vereine vielfältig betroffen, haben von dem Vorhaben aber erst aus der Ratsvorlage erfahren. Gespräche seien angekündigt, abgesagt und offenbar ersatzlos gestrichen worden, heißt es in dem Brief an Bürgermeister und Fraktionen. Ein Verhalten, das „unakzeptabel und kritikwürdig“ sei.

Der RTB unterhält in einer Reihe von Gebäude auf zwei Seiten des (städtischen) Ascheplatzes u.a. die Landesturnschule (zuständig für 1100 Vereine), das Leistungszentrum Kunstturnen /Trampolin und ein Hotel – wohin Sportler:innen aus ganz NRW anreisten. Eine Verengung des Parkplatzangebotes mache einen „ordentlichen und geordneten Seminar- und Trainingsbetrieb“ unmöglich.  

Foto: Redaktion

Ähnlich betroffen seien der Kreissportbund (214 Sportvereine, 60.000 Mitgliedern) mit seiner Geschäftsstelle und dem Sporthelferforum sowie der Luftsportverein mit seinem Vereinshaus.

Im direkten Umfeld der Paffrather Straße, am Langemarkweg, werde auch die TS 79 mit ihrem großen Sporthaus stark belastet, in ihren Aktivitäten und möglichen Entwicklungsperspektiven eingeschränkt. Beeinträchtigt, so das Schreiben, würden auch die Spiele von SV 09 und des Hockeyclubs Rot-Weiß Bergisch Gladbach im benachbarten Belkaw-Stadion.

Bei allen Vereinen geht es um die Parkplatznot. Der Parkdruck rund um das Stadion habe seit der Sanierung der Paffrather Straße, den durchgehenden Radwegen auf beiden Seiten und dem Wegfall von Parkplätzen bereits „enorm zugenommen“, argumentieren die Vereine.

Foto: Redaktion

Damit werde die Turnerschaft schon in ihren Aktivitäten stark eingeschränkt, weil eigene Parkplätze durch Fremdparker und Besucher der benachbarten Musikschule blockiert würden – und die eigenen Sportler:innen keine Parkplätze mehr finden würden.

Der hohe Nutzungsgrad des Stadions werde beim Bau einer Flüchtlingsunterkunft auf dem Ascheplatz „dauerhaft eingeschränkt und schlimmstenfalls unmöglich gemacht“.

Daher fordern die Vorsitzenden des Kreissportbundes, des RTB, der Turnerschaft, des SV 09, des Schießsportclubs und des Luftsportvereins die Verantwortlichen der „selbsternannten Sportstadt Bergisch Gladbach“ zu einer Kehrtwende auf: Die ausgewiesene Bewegungsfläche müsse inklusive des Parksaums wieder dem Sport zur Verfügung gestellt und für die Flüchtlinge alternative Standorte gesucht werden.

Dokumentation

Der Offene Brief der Sportvereine 

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Zur Wahrheit gehört auch dazu, dass der Stadtrat 2011 eine Sportentwicklungsplanung beschlossen hat, die zwar viel Geld gekostet hat, aber nie wirklich und ernsthaft umgesetzt wurde.

    Der Plan der “Schein-Mehrheit” war es, die Sportflächen verstärkt öffentlichen zugänglich zu machen, um damit den Breitensport zu fördern. Tatsächlich mussten wir in den letzten 10 Jahren aber das Gegenteil beobachten. Immer mehr Sportflächen wurden der öffentlichen Nutzung entzogen. So wurden mehrere Aschenplätze auf Antrag der Sportvereine im Stadtsportbund in eingezäunte Kunstrasenplätze umgestaltet und damit der öffentlichen und freien Nutzung durch Sportler*innen ohne Vereinezugehörigkeit faktisch entzogen.

    Dies geschah immer auch auf Antrag, mit Zustimmung und Wohlwollen der Vereine. Dabei gab es auch eine Menge CDU-Vetternwirtschaft, wie gerade das Beispiel in der Belkaw-Arena um den SV09 zeigte. Siehe hier:
    https://www.santillan.de/2013/11/19/stadion-mit-luxus-kunstrasen-auf-kredit-des-steuerzahlers/

    Jetzt geht es der CDU darum gegen den SPD-Bürgermeister und seiner Koalition mit den Grünen Front zu machen. Die gefunden Argumente und Kritik, die früher eiskalt von Bürgermeister Lutz Urbach und der FDP vom Tisch gewischt wurden, werden plötzlich aus politischen Kalkül hervorgeholt.

    Es hängt eben immer von Interessen, den Amigos und dem Wahlkampf ab, was gerade wichtig erscheint.

    Stattdessen brauchen wir eine sachliche, solide und faire Debatte, statt polemischer Attacken, die die Herausforderungen nicht ernst nehmen, vor denen die Stadt steht. Kompromisse sind hier angesagt!

  2. Umnutzung Sportplatz paffrather straße ist keine gute Sache. Auch wenn er nur selten als Parkplatz genutzt wird.
    Wie war das mit dem Sportplatz in Katterbach.?
    Der wurde im Spielbetrieb “enteignet”.
    Ist heute nach Abzug der Container immer noch nicht wieder für Vereine oder Schule hergerichtet.

    1. In Katterbach gab es nach einer bereits erfolgten Zwischennutzung eine Verzögerung bei der abschließenden Bebauung aufgrund der Bodenbelastung.

      “Nach der Sanierung soll auf dem Gelände eine große Freizeitsportanlage entstehen. Beachvolleyballfelder, Calisthenics-Geräte oder auch Streetballplätze sind vorgesehen. Möglich ist dies durch Fördergelder des Landes NRW im Rahmen des Programmaufrufs II des Förderprogramms Moderne Sportstätten 2022. Dazu hat die Stadt einen Förderbescheid in Höhe von 150.000 Euro erhalten.

      Durch die Schadstoffbelastung und die damit verbundenen tiefergehenden Untersuchungen, verschiebt sich der geplante Baustart der oben beschrieben Baumaßnahme. Die Arbeiten sollen nun nach der Sanierung beginnen.”

      https://in-gl.de/2024/09/18/ascheplatz-in-katterbach-gesperrt-sportbox-zieht-um/

  3. Dass sich auch nun der TS 79 über mangende Parkplätze beklagt und damit die Parkplätze an der Paffrather Strasse meint, ist schon recht weit hergeholt. Sind wir alle denn verpflichtet, für alle und jeden PKW-Stellplätze zur Verfügung zu stehen? Das kann doch nicht sein.

    1. Wäre schon sinnvoll wenn man an einer großen Sportanlage, mit Landessporteinrichtungen und Stadion, Parkplätze anbieten würde, gelle Frau Apicella. Oder sollen die Zuschauer mitm Bus kommen??

      1. Anreise mit Bus wie zu einem Fußballspiel in Leverkusen würde mir schon sehr gefallen. Aber ernsthaft, mir ging es nicht um die gesamte Anlage, sondern nur lediglich um den Verein und seine Besucher, der nicht in der Anlage “stationiert” ist.

    2. Sind wir denn verpflichtet für Flüchtlinge aller Herren Länder Unterkünfte zur Verfügung zu stellen? (Stichwort Dublin)

      1. Der Bund nicht, der könnte sich theoretisch auf Dublin berufen. Die Stadt schon, der wird das Kontingent zugeteilt.

    3. Das Problem ist, dass durch den Wegfall solcher Parkplätze alle Parkplätze im Umfeld unnötig strapaziert werden. Wenn Parkplätze für z.B. Zuschauer bei Spielen im Stadion fehlen, parken diese logischerweise im Umfeld und 2 größere Parkplätze, die fußläufig gut erreichbar sind gehören eben der TS 79. Wenn dadurch die eigenen Mitglieder für ihre Sportangebote keinen Platz finden, ist das schon ein gerechtfertigtes Argument.

  4. Unsere Verwaltung sucht das Gespräch doch nur, wenn es zur Entlastung oder Kostenreduzierung bei den ihr obliegenden Aufgaben führt. Bürgergespräche oder Info-Veranstaltungen dienen nur noch dem Verkünden von längst beschlossenen Tatsachen. Als in Paffrath die erste Flüchtlingsunterkunft gebaut wurde, hatte es ja noch den Anschein, man wolle den Bürger mitsprechen lassen. Doch das hat man sich diesmal komplett gespart und nun entsteht, ohne vorherige Information an die Nachbarschaft, auf dem Kombibadparkplatz ein neues Flüchtlingsheim mit 20 Wohneinheiten für 120 Personen.