Der Ascheplatz an der Paffrather Straße wird

Bergisch Gladbachs Bevölkerung wächst, der für den Sport zur Verfügung stehende Platz schrumpft massiv. Vor diesem Hintergrund argumentiert der Stadtsportverband gegen die Pläne der Stadt, den alten Ascheplatz an der Paffrather Straße dauerhaft mit einer Unterkunft für Flüchtlinge zu bebauen – und kritisiert den Umgang mit dem Sport ganz grundsätzlich.

Für die Sitzung des Sozialausschusses am Donnerstag hat die Stadtverwaltung zwei Vorlagen veröffentlicht, wie der mit Schadstoffen belastete alte Ascheplatz am Stadion an der Paffrather Straße zunächst aufwendig saniert und anschließend mit einer festen Unterkunft für 240 Flüchtlinge bebaut werden soll. Ein ohnehin umstrittenes Vorhaben, gegen sich jetzt auch der Stadtsportverband mit einem fünfseitigen Positionspapier wendet.

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Hintergrund: Der Stadtsportverband …

… ist ein gemeinnütziger verbandlicher Zusammenschluss von rund 70 Sportvereinen in Bergisch Gladbach. Er soll dafür sorgen, dass allen Einwohnern die Möglichkeit gegeben wird, unter zeitgemäßen Bedingungen Sport zu treiben. Zudem fördert er die Jugendarbeit. Mehr Infos auf der Website.

Die Sanierung des Fußballplatzes begrüßt der Stadtsportverband (SSV) in dem an Bürgermeister Frank Stein und die Fraktionen adressierten Schreiben ausdrücklich. Aber nur mit dem Ziel, dass dort in Zukunft wieder Sport getrieben werden kann. Eine Umwandlung von 8000 Quadratmeter Sportfläche – und das auch noch als zentrale Bestandteil des Stadionareals – lehne der SSV ausdrücklich ab, betonen der SSV- Vorsitzende Detleff Rockenberg und seine Stellvertreter Gerd Neu und Felix Bertenrath.

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FWG protestiert gegen Umleitung von Schulbau-Geld

Die Stadt hält am Bau einer großen Flüchtlingsunterkunft auf dem alten Ascheplatz an der Paffrather Straße fest. Nach einer Sanierung der Altlasten sollen 14 Millionen Euro investiert werden – aus Mitteln, die für den Schulbau vorgesehen sind, aber noch nicht abgerufen werden. Dagegen protestiert die FWG energisch. Sie fordert mehr Geld vom Land und mehr Spardisziplin bei „Leuchtturmprojekten“.

Bis 2038 fehlen 60.000 qm Sportfläche

In dem sachlich formulierten, aber unmissverständlichen Schreiben weist der SSV nach, dass Bergisch Gladbach bei einem prognostizierten Wachstum von gut sieben Prozent auf 125.000 Einwohner im Jahr 2038 einen Bedarf an 162.000 Quadratmeter Sportfläche in Außenanlagen habe.

Statt für den notwendigen Ausbau der Sport-Infrastruktur seien in den vergangenen zehn Jahren „reflexartig“ Sportflächen in Anspruch genommen worden, wenn es wieder einmal galt, Flächen für Kitas, Schulen und auch Flüchtlingsunterkünften zu finden. Als Beispiele nennt der SSV

  • den Sportplatz Katterbach (6.600 Quadratmeter),
  • die Grünplätze auf dem IGP-Gelände (8000 qm),
  • die Verkleinerung des Sportplatzes Jan Wellem (9000 qm) und Flächen auf dem Gelände der Otto-Hahn-Schulen (8000 qm).
  • Beim Carpark-Gelände in Lückerath werde eine eigentlich für den Sport vorgesehene Fläche um 11.400 Quadratmeter beschnitten.

Rechne man dann noch den Ascheplatz am Stadion mit minus 7.900 Quadratmeter hinzu komme man auf einen Verlust an Sport(potenzial)fläche von aktuell 46.500 auf unter 100.000 Quadratmetern. Der Verlust entspreche einem Drittel der (ohnehin geringen) Gesamtfläche für den Außensport in der Stadt – und das bei wachsender Bevölkerung.

Um den Bedarf der wachsenden Stadt annähernd gerecht zu werden müssten demnach in den kommenden 15 Jahren Sportflächen im Umfang von rund 60.000 Quadratmetern geschaffen werden.

Detlef Rockenberg war bis 2023 Fachbereichsleiter Bildung, Schule, Kultur und Sport – und ist nun Vorsitzender des Stadtsportverbands.

Mehrfach kritisiert der SSV unter Leitung von Ex-Fachbereichsleiter Rockenberg, dass die Verwaltung und auch der Bürgermeister Bergisch Gladbach als „Sportstadt“ anpreisen, die Sportvereine und ihren Verband aber weder in Kommunikation noch Entscheidungen einbinden würden. Eine angekündigte Versammlung zur Vorstellung (und womöglich Diskussion) der Pläne am Stadion habe bislang nicht stattgefunden.

Die Ziele des 2011 beschlossenen Sportentwicklungsplans und die Vereinbarungen des „Pakt für den Sport“ zwischen Stadt und Vereinen von 2014 würden nicht eingehalten. Die versprochene „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ zwischen Stadtrat, Stadtverwaltung und Stadtsportverband habe „nicht ansatzweise stattgefunden“.

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Ein Pakt für den Sport

Die Stadt Bergisch Gladbach und der Stadtsportverband haben sich auf einen Vertrag geeinigt, der Erhalt, Modernisierung und Ausbau der Sportstätten festschreibt. Davon profitieren neben den Vereinen auch die Schulen. Es gibt aber einen wichtigen Vorbehalt.

Auch eine Zusage der Verwaltung, mit dem SSV zunächst über eine Fortschreibung des Sportentwicklungsplans sei nicht eingehalten worden. Das Verhalten der Verwaltung stehe in einem „krassen Widerspruch“ zu den Vereinbarungen des Sport-Paktes.

Der SSV kritisiert, dass in den Vorlagen keinerlei Optionen abgewogen werden – weder für neue Sportflächen noch für alternative Standorte für Flüchtlingsunterkünfte. Dafür bringt der Verband der Sportvereine u.a. eine Brachfläche am Bockenberg, das Zanders-Areals, den Wohnmobilstellplatz am Kombibad und das städtische Grundstück entlang der S-Bahn-Gleise an der Jakobstraße ins Gespräch.

Die Fläche an der Paffrather Straße sei aufgrund ihrer Nähe zum Stadtzentrum sehr gut geeignet für freie Sportaktivitäten, für Menschen mit Behinderung und für Bogenschützen, hatten die Sportvereine bei einer Vorbesprechung vorgebracht.

Im Falle einer Umwidmung müssten alternative Sportflächen in gleicher Quantität und Qualität konkret geplant werden.

Grundsätzlich fordert der Stadtsportverein, dass die Belange des Sports bei sämtlichen Planungen im Detail dargestellt und berücksichtigt werden. Der SSV selbst wünsche sich, frühzeitig eingebunden zu werden, die Vereine hätten eine „ehrliche Kommunikation“ gefordert.

Dokumentation

Die aktuellen Vorlage zur Aschenplatz-Sanierung

Die Vorlage für einen Grundsatzbeschluss zur Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft an der Paffrather Straße

Das Schreiben des Stadtsportverbands im Wortlaut

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Der Platz an der Paffrather gammelt seit Jahren vor sich hin. Kaum will man Flüchtlinge unterbringen, ist er total wichtig. Genauso der Hinweis auf die Grünflächen an der IGP… Was war denn mit der Wiese bevor dort 2016 Container gebaut wurden? Da hat der Hund drauf geschi**en. Kein Schwein hat sich dafür interessiert. Und jetzt argumentiert man, dass sei doch eine Sportfläche, die in Anspruch genommen wurde. Aktuell grasen da Schafe. Das hat mit Sport auch wenig zu tun.
    Sorry, die Argumentation ist doch an den Haaren herbeigezogen.

    1. Beim Ascheplatz stimme ich zu, wenn man diesen schon als Parkplatz zweckentfremden konnte, dann kann man dort auch Container hinbauen.

  2. Ich bin 83 Jahre alt und auf einen Rollator angewiesen ich fühle mich alleine unterwegs in der Innenstadt nicht mehr sicher habe Angst bin schon bestohlen worden und auf der Rolltreppe bedrängt worden es sind jetzt schon viel zu viele Geflüchtete in unserer Stadt

    1. Rainer Dettmar, Sachkundiger Bürger im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport (Bündnis 90 / Die Grünen) sagt:

      Bitte rücken Sie die SSV-Stellungnahme nicht durch diskriminierende Kommentare in ein falsches Licht. Dem Stadtsportverband geht es doch in keiner Weise darum, Stimmung gegen Geflüchtete zu machen. Er setzt sich nur – vollkommen nachvollziehbar – dafür ein, dass nicht immer mehr Sportflächen verloren gehen. Der Platz an der Paffrather Straße ist nur eines von vielen Beispielen für eine Praxis, die seit langem in unserer Stadt herrscht. Dass die Stadtverwaltung nicht ohne Not einen solchen Vorschlag macht, ist eine andere Sache. Auch dafür sollten wir Verständnis haben und eine Lösung suchen, die möglichst vielen Betroffenen gerecht wird.

  3. Wenn wir noch mehr Wähler in die Arme der AfD treiben wollen, dann sind solche Projekte, wo Gelder, die eigentlich für die Sanierung von Schulen vorgesehen waren, in Flüchtlingsunterkünfte gesteckt und Sportplätze weiter reduziert werden, perfekt geeignet. Bis es irgendwann sovielen Bürgern reicht, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, als mehrheitlich eine undemokratische Partei zu wählen. Und dann gnade uns Gott, wenn wir das Steuer auch nur einmal abgegeben haben.
    Mittlerweile denken Mitbürger mit italienischem oder türkischem Migrationshintergrund sogar schon darüber nach, ihre Stimme der AfD zu geben (oder haben es sogar bereits getan). Wenn das kein Weckruf ist, dann weiß ich es auch nicht.

    1. Ob es allerdings einen einzigen Wähler davon abhält, die AfD zu wählen, wenn man im vorauseilenden Gehorsam gegenüber allerlei Wutbürgern gleich deren Argumente übernimmt und deren Politik macht, wage ich zu bezweifeln.