Der Haus & Grund Rhein-Berg e.V. hat seine Führungskrise rasch und geräuschlos bewältigt. Nach dem plötzlichen Rückzug des gerade erst gewählten „alten“ Vorsitzenden im Sommer wählte der Verein der Immobilien-Eigentümer jetzt einen neuen Vorstand. Ohne Debatte, Aussprache oder Gegenstimme.

Mit inzwischen 6741 Mitgliedern ist Haus & Grund der größte Verein im Rheinisch-Bergischen Kreis – und seine Mitgliederversammlung für Politik und Wirtschaft eine Pflichtveranstaltung. In der Regel gibt es bei den jährlichen Treffen im großen Saal des Bergischen Löwen Vorträge prominenter Redner, dieses Jahr stand neben einer hochkarätigen Podiumsdiskussion jedoch der eigene Vorstand im Vordergrund.

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Vor einem Jahr hatte sich Peter Müller nach vielen Jahren von der Spitze des Vereins zurückgezogen, daraufhin hatte sich Sebastian Feik als neuer, junger und innovativer Vorsitzender präsentiert und wählen lassen. Doch schon nach zehn Monaten legte er sein Amt nieder. Offiziell gibt es keine Begründung, aber offenbar scheiterte er an internen Differenzen über den künftigen Kurs des einflussreichen Vereins.

Zwischenzeitlich hatte Hubertus Prinz zu Sayn Wittgenstein als stellvertretender Vorsitzender das Ruder übernommen – und bei der Neuwahl an diesem Mittwoch stellte er sich nun auch als Vorsitzender zur Wahl. Eine Vorstellung war für das langjährige Vorstandsmitglied nicht notwendig – und nach knapp zwei Minuten hatte die Mitgliederversammlung den Prinzen einstimmig (bei zwei Enthaltungen) zum neuen Vorsitzenden gewählt. Sayn Wittgenstein lebt in Schloss Strauweiler in Odenthal und und führt den land- und Forstwirtschaftlichen Betrieb der Familie.

Eine Aussprache stand zwar auf der Tagesordnung, doch dazu meldete sich niemand zu Wort.

Ähnlich flott und einmütig gingen auch die Nachwahlen zum Vorstand über die Bühne:

  • Bettina Wisniewski, früher Centermanagerin der RheinBerg Galerie und jetzt für die Vermietung der 2000 Wohnungen der RBS verantwortlich, wurde einstimmig zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.
  • Rolf Buchholz rückt aus dem Beirat als Beisitzer nach; sein Vorgänger Friedel Burghoff wurde für sein jahrzehntelanges Engagement als Ehrenmitglied gewählt.
  • Im Beitrat wurde Axel Müller für eine weitere Amtszeit bestätigt, der Architekt Rolf Sam nimmt einen neuen sechsten Platz im Beirat ein.

Hubertus Prinz zu Sayn Wittgenstein nutzte seinen Jahresbericht (noch als stellvertretender Vorsitzender) zu einem kritischen Rückblick auf die vielen neuen Belastungen der Vermieter (und damit auch Mieter) durch die Politik in 2024 und verwies auf die anstehende Grundsteuerreform. Das auch in NRW geltende Bundesmodell für die Berechnung der neuen Grundsteuer halte er für verfassungswidrig. Nun sei er gespannt, wie die Kommunen mit der Festsetzung neuer Hebesätze auf die Reform reagierten.

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Ausdrücklich bedankte sich Prinz zu Sayn Wittgenstein für die „brillante Arbeit“ von Geschäftsführerin Sylvia Schönenbröcher. Versehentlich bezeichnete er sie zunächst als „stellvertretende Vorsitzende“. Das korrigierte er später zwar. Schob aber noch nach, dass der Versprecher die „wahren Verhältnisse“ im Verein widerspiegele.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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