Christa George und Annette Kruff von der Freiwilligenbörse auf der Plauderbank in der RheinBerg Galerie. Foto: Sophia Gorski

Neben der Plauderbank der Freiwilligenbörse im Park der Villa Zanders für die warme Jahreszeit gibt es jetzt in der RheinBerg Galerie eine Gelegenheit, auch im Winter zu plaudern. Beide Bänke regen dazu an, den Austausch und die Gemeinschaft zu pflegen. Die Initiatoren hoffen, in der Galerie ein größeres Publikum anzusprechen und der Einsamkeit von vor allem älteren Menschen besser begegnen zu können.

Neben einer Säule im Erdgeschoss der RheinBerg Galerie steht sie, eine gepolsterte, grüne Bank und drum herum eine Traube lachender Menschen. Jedoch wagt es niemand, sich auf den einladenden Ruheplatz zu setzen, bis einer fragt, „plauderst du mit mir?“

+ Anzeige +

Das Schild neben der Bank löst alle Fragen auf. Dort erschließt sich, dass es sich um die „Plauderbank der Freiwilligenbörse, mit Unterstützung der RheinBerg Galerie” handelt. „Von Oktober bis April und bei schlechtem Wetter. Jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr sind Ansprechpartner anzutreffen.“

Hajo Tiefenstädter nickt lachend und setzt sich neben Bürgermeister Frank Stein zum plaudern.

Bürgermeister Frank Stein und Hajo Tiefenstädter. Foto: Sophia Gorski

Eine Alternative im Warmen

Tiefenstädter schwärmt vom Projekt der „Plauderbank“, ein Angebot, das in Bergisch Gladbach seit August diesen Jahres von zahlreichen Bürger:innen genutzt wird. Seither gibt es nur diese eine Plauderbank in Bergisch Gladbach, im Park der Villa Zanders. „Doch gegen die Wintermonate wird es dort eher ungemütlich” berichtet Tiefenstädter mit einem Augenzwinkern. Er ist Beisitzer im Vorstand der Freiwilligen-Börse RheinBerg e.V..

So kam es also, dass Tiefenstädter sich nach alternativen Orten für die Plauderecke umsah und den Kontakt zu Angelika Assenmacher fand, der Managerin der RheinBerg Galerie. „Es war eine total schöne, einfache und enge Zusammenarbeit” bestätigt er. Assenmacher ist bei der Einweihung in der RheinBerg Galerie verhindert.

Dafür sind Bürgermeister Stein und einige Mitglieder der Freiwilligenbörse gekommen. Annette Kruff lobt Tiefenstädter und Assenmacher: „die beiden haben die Bank hier fabelhaft organisiert“. Kruff war bei der Organisation der ersten Bank stark beteiligt.

Ursprünge der „Chat Bench“

Die Idee der Plauderbank wurde im Jahre 2018 in England geboren. Es dauerte nicht lange bis die „Chat Bench“ den Rest der Welt eroberte und sechs Jahre später in der Innenstadt Bergisch Gladbachs ankam.

Sowohl in England als auch in Bergisch Gladbach dient die Bank als Mittel zur Bekämpfung der Einsamkeit. Sie bietet einen lockeren Austausch zwischen allen Interessierten an. Alle sind willkommen, ob jung oder alt. Bisher haben überwiegend Erwachsene das Angebot wahrgenommen.

Kruff erzählt, dass sie bei den Mittwochsterminen meist mit Gruppen von zwei bis sechs Personen geplaudert hat. Die Mitglieder des Vereins erhoffen sich, mit dem neuen und kaum übersehbaren Standort der Bank, ein größeres und diverseres Publikum zu erreichen.

Die Bank sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl, sie verbindet Leute mit verschiedenen Lebensrealitäten. Sie ist vor allem ein Angebot für ältere Menschen, denen die Gemeinschaft fehlt, beispielsweise weil sie verwitwet sind.

Mittwochs trifft man professionelle „Plauderer“

Jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr sitzen auf der Bank Ehrenamtliche der Freiwilligenbörse, beziehungsweise „Plauderer“, wie Kruff sie nennt. Bei diesen Gesprächen geht es nicht darum, professionelle Hilfe zu bieten, sondern darum, lockere Gespräche zu führen. Dennoch werden den Freiwilligen des Vereins Kurse vom paritätischen Wohlfahrtsverband angeboten, in denen ihnen beigebracht wird, wie man mit schweren Themen umgehen kann.

Für professionelle Hilfe beziehungsweise schwere Themen hängen neben der Bank Flyer aus, die auf Hotlines und andere Hilfsangebote hinweisen. Die Flyer werden vom paritätischen Wohlfahrtsverband und der Freiwilligen-Börse angeboten.

Die Plauderbank ist ein weltweites Phänomen, in anderen Städten ist sie so etabliert, dass die Idee dahinter noch ausgebaut wird. Zum Beispiel werden Personen des öffentlichen Lebens auf die Bank eingeladen, um mit ihnen eine „Plauderrunde“ zu führen.

Die Plauderbank sucht helfende Ohren

In Bergisch Gladbach soll die Bank jedoch „erstmal Fuß fassen“, erklärt Kruff, „wir machen jetzt eins nach dem anderen, man muss eine Routine finden”.

Damit sich die Bank noch besser etabliert braucht es weitere Zuhörer:innen und „Plauderer“. Tiefenstädter erzählt, dass ehrenamtliche Helfer:innen immer gesucht werden, sie können sich über die Webseite der Freiwilligenbörse oder in der Geschäftsstelle im Gemeindebüro der Gnadenkirche anmelden.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Die Idee wurde nicht 2018 in England geboren, sondern von mir schon 2014 dem damaligen Bürgermeister Urbach vorgetragen und positiv aufgenommen. Anschließend versackte sie wie so Vieles in den Tiefen der Verwaltung. Hier zur Erinnerung meine damalige Erinnerung an Herrn Urbach:
    “Lieber Herr Urbach,
    Sie haben mir vor einiger Zeit die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Ihnen gegeben. Damals trug ich Ihnen die Idee, in jedem Abschnitt der Fußgängerzone wenigsten eine “kommunikative Bank” (in Kreis-, Halbkreis-, Rechteck-, Winkel- oder Hufeisenform) aufzustellen, auf der die Menschen die Möglichkeit hätten, unter Augenkontakt miteinander ins Gespräch zu kommen. Sie fanden die Idee gut und wollten sich für ihre Realisierung einsetzen. Könnten Sie mir mitteilen, was mittlerweile aus einem entsprechenden Vorhaben geworden ist? Ich wurde zum Nachhaken animiert durch den Bericht im Bürgerportal über den Spielplatz in Gronau, der mir eine vorbildliche Möglichkeit auch zur zwanglosen Kommunikation unter Erwachsenen darzustellen scheint, wie die Fotos zeigen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Engelbert Manfred Müller ”

    Auf diese Nachricht sprach ich vor kurzem auch Herrn Stein an. Der zog es vor, auf seine Mittagspause zu pochen. Meine Idee unterschied sich von der englischen und der jetzigen von Herr Stein gefeierten “Realisieung” dadurch, dass sie nicht 2 magere Stunden in der Woche bedeuten sollte, sondern permament. Was auch Herr Urbach nie bezweifelte.