Caroline Bosbach. Foto: Thomas Merkenich

Wir haben den lokalen Kandidat:innen zur Bundestagswahl neun Fragen zum Kern ihrer politischen Anliegen vorgelegt. Caroline Bosbach tritt zum ersten Mal für die CDU an und legt anhand der wichtigsten Sachthemen dar, wie Deutschland „wieder sicherer und stärker“ werden kann.

Welche Ideen haben Sie, den Klimaschutz voranzubringen ohne die Akzeptanz der Menschen zu verlieren?
Der Emissionshandel ist der europäische und auch deutsche Konsens im Kampf gegen den Klimawandel: Emissionsrechte für CO2 werden zunehmend verknappt, und der steigende Zertifikatepreis sorgt dafür, dass der Ersatz beispielsweise von fossil betriebenen Heizungen und Fahrzeugen durch klimaneutrale Lösungen dort beginnt, wo dies am günstigsten machbar ist. Grundsätzlich gilt: keine Verbote oder Zwang, sondern Anreize. Wir brauchen mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, vor allem für die Zukunft der Kernkraft. 

Was schlagen Sie vor, um mehr (bezahlbaren) Wohnraum zu schaffen?
Nur günstigeres und vermehrtes Bauen sorgt auch für günstigere Mieten. Dafür müssen wir das Bauordnungs- und Raumordnungsrecht reformieren und viele Vorschriften, die das Bauen teurer machen, abschaffen. In den vergangenen Jahren ist der ohnehin große Druck auf dem Wohnungsmarkt deutlich verschärft worden. Hinzukommt, dass immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung entlassen werden. Vor diesem Hintergrund muss die neue Bundesregierung hier einen erkennbaren Schwerpunkt setzen

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21 Fragen an Caroline Bosbach (CDU)

Sie stammt aus Bergisch Gladbach, arbeitet in der Energiewirtschaft und hat einen bekannten Vater: Caroline Bosbach ist die Tochter von Wolfgang Bosbach und will seine Nach-Nachfolgerin werden. Bei der Bundestagswahl tritt sie zum ersten Mal als CDU-Direktkandidatin für den Rheinisch-Bergischen Kreis an. In unserem Fragebogen stellt sie sich persönlich vor.

Durch welche Maßnahmen wollen Sie die Chancengleichheit in der Bildung verbessern, beginnend mit der Kita?
Sprache ist der Schlüssel für Teilhabe, deswegen müssen Sprachtests im Vorschulalter verpflichtend sein. Wir müssen in den Ausbau ganztägiger Bildungsangebote in Grundschulen investieren, um individuelle Förderung und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen​. Wir brauchen die Einführung bundesweit vergleichbarer Abiturstandards auf hohem Niveau, um gleiche Chancen unabhängig vom Wohnort zu schaffen.

Sie wollen die Antworten aller acht Kandidat:innen auf einen Blick vergleichen? Dann werfen Sie mal einen Blick in unseren analogen Wahl-O-Mat. Die lokale WahlAgenda mit den Themen und Fragen, die unseren Leser:innen wichtig sind, finden Sie hier.

Welche Vorschläge haben Sie, um die deutsche Wirtschaft wieder nach vorne zu bringen?
Ohne wirtschaftliche Stärke kein Ausbau des Sozialstaates. Unsere Unternehmen brauchen die richtigen Rahmenbedingungen. Wettbewerbsfähige Besteuerung, niedrige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren, und ein Ende der überflüssigen, teuren Bürokratie. 

Es muss gelten: entlasten statt belasten. Unternehmenssteuern, Stromsteuern und Netzentgelte müssen runter. Der Soli muss abgeschafft und Bürgergeld durch eine neue Grundsicherung ersetzt werden, die wieder Arbeitsanreize schafft. 

Wie wollen Sie Migration steuern und Zugewanderte besser in den Arbeitsmarkt integrieren?
Ein Asylantrag muss grundsätzlich dort gestellt werden, wo ein Mensch erstmals einen Staat der Europäischen Union betritt. Das ist (eigentlich) geltendes Recht! Wir brauchen dauerhafte Grenzkontrollen, um illegale Einreiseversuche zu unterbinden. Mehr Länder sollen als sichere Herkunftsländer eingestuft werden.  Asylverfahren müssen von der Arbeitsmarkteinwanderung getrennt werden, um beide effizienter zu gestalten​. So können auch ausländische Abschlüsse einfacher anerkannt werden. 

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Wie positionieren sich die Politiker:innen aus Rhein-Berg im heftigen Streit zwischen CDU und FDP sowie SPD und Grünen über die Begrenzung der Migration sowie zur AfD? Wir haben sie in Bund, Land und Stadt gefragt – und dokumentieren die zum Teil sehr deutlichen Antworten.

Mit welchen Mitteln lässt sich der öffentliche Nahverkehr verbessern?
Wir sind ein Pendler-Kreis der Metropolregion Rheinland. Schnellere Genehmigungsverfahren für den Ausbau des ÖPNV (lokales Beispiel ist das zweite S-Bahn-Gleis) sind unabdingbar. Der Ausbau des Bahnnetzes hat Priorität, der Deutschlandtakt muss endlich seinen Namen verdienen. Die Stärkung des Individualverkehrs durch Modernisierung der Infrastruktur und ein besseres Baustellenmanagement sind wir den Pendlern schuldig. Verkehrswende ist keine Einbahnstraße – wir müssen alle Verkehrsteilnehmer mitnehmen.

Wie wollen Sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und die Demokratie schützen?
Wir brauchen ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr. Alle jungen Menschen sollen Dienst für das Gemeinwohl leisten, um Brücken zwischen verschiedenen Milieus und Generationen zu bauen​. Auch das Ehrenamt ist Kit und Rückgrat unserer Gesellschaft. Deswegen soll die steuerliche Entlastung von Ehrenamtlichen spürbar ausgeweitet werden. Dann muss von jedem, der hier leben möchte, ein klares Bekenntnis zu Freiheit und Rechtsstaatlichkeit als gemeinsame Basis eingefordert werden.

Caroline Bosbach in der WahlArena des Bürgerportals (mit Moderator Michael Schubek und Grünen-Kandidat Maik Außendorf). Foto: Thomas Merkenich

Wie lässt sich der Frieden in Deutschland sicherstellen?
Neben einem verpflichtenden Gesellschaftsjahr braucht es eine auf-
wachsende Wehrpflicht, und die Bundeswehr eine Vollausstattung ihrer Truppen. NATO-Verpflichtungen müssen verlässlich eingehalten werden, einschließlich der nuklearen Teilhabe. Gleichzeitig muss der Aufbau einer europäischen Verteidigungsunion sowie eines Raketenabwehrschirms vorangetrieben werden. Zuletzt brauchen wir massive Investitionen in Drohnenabwehr und Cybersicherheit​​.

Was wollen Sie für den Rheinisch-Bergischen Kreis im Bundestag erreichen? 
Deutschland muss wieder sicherer und stärker werden. Nur mit Wirtschaftskraft und einer optimaler Verkehrsinfrastruktur können wir auch kommunale Angebote im Sozialen oder Kulturellen, im Sport oder der Bildung immer weiter ausbauen. 

Ich werde mich durch harte Arbeit im Wahlkreis und Parlament dafür einsetzen, dass verlorenes Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewonnen wird. Mit Herz für unsere Heimat und Klartext für Berlin!


Hintergrund: Die Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“ haben wir gemeinsam mit dem Recherchezentrum Correctiv und fünf weiteren lokalen Medien durchgeführt. Auf der Basis des Konzepts der „CitizenAgenda“ haben wir zunächst die Leser:innen befragt. 2193 Personen haben sich an dieser von Correctiv koordinierten Aktion beteiligt, alleine in Bergisch Gladbach waren es 433 Bürgerinnen und Bürger.

Die Antworten haben wir zu einer WahlAgenda zusammengeführt, zur Basis unserer weiteren Berichterstattung sowie der Gespräche mit den Politiker:innen im BürgerClub und bei der WahlArena gemacht. Die Antworten der Kandidatin und der sieben Kandidaten listen wir in dieser Serie auf – und haben sie im analogen Wahl-O-Mat in einer großen Synopse zusammengeführt.

Die erhalten den Wahl-O-Mat in gedruckter Form bei uns in der Redaktion oder können ihn hier runterladen:

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Zum Thema Entwicklung der Kernkraft empfehle ich der Dame ein Praktikum in Fukushima oder Tschernobyl, gerne mittendrin. Notfalls ginge auch eines der missglückten deutschen unterirdischen temporären Endlager. Eine Abtretung ihres persönlichen Erbes und Eigentums zur Finanzierung von Endlagern über die nächsten Tausende von Jahren wäre zudem angemessen.

  2. “Im Schnitt wurde 2022 alle 20 Minuten ein Kind bei einem Verkehrsunfall verletzt oder getötet” Es reicht!
    Oder wollen die CDUler etwa behaupten, die Eltern seien es selbst Schuld, wenn Ihre Kinder auf die Art und Weise verunglücken?
    Warum sonst zeigen Sie hier keine “Betroffenheit”

    1. Rita, ich persönlich würde ein Tempolimit ebenfalls begrüßen. Aber nochmal: Die Chance, dieses unter einer SPD und Grünen- Regierung einzuführen, wurde vertan.

      1. Klar, die FDP ist und war bei dieser Frage das Problem und SPD und Grüne meinen es immer noch nicht wirklich ernst damit. Die Union ist noch längst nicht so weit und in ihrem Wahlprogramm regelrecht rückschrittlich. Vorschläge von Jens Spahn mit Deals wie “Laufzeitverlängerung KKW gegen Tempolimit” erschienen mir noch nicht wirklich ernst gemeint.

  3. Insgesamt sind da Aussagen, die mal wenigstens nicht so populistisch sind. Liegt auch an der guten Fragestellung.

    Eine Sache ist aber leider objektiv falsch, gefährlich und unfassbar populistisch.

    “Deutschland sicherer machen”. Wenn ich mir die Statistik der Tötungsdelikte anschaue, seit 2000. Damals waren es 3600 pro Jahr. Wir stehen im absenkenden Trend nun bei 2800. Und das gleichzeitig bei einem Bevölkerungszuwachs von ca. drei Millionen Menschen. Objektiv gesehen ist unser Land so sicher wie noch nie.

    1. Das stimmt. Man könnte die ohnehin schon hohe Sicherheit noch weiter erhöhen, indem man ein Tempolimit auf Autobahnen einführt. Das wird aber von der CDU leider abgelehnt.

      1. Herr Christian-Andreas, in den letzten 3 Jahren hätte unsere Ampel-Regierung ein Tempolimit beschliessen können. Letztendlich konnten sich die Koalitionspartner nicht auf eine gemeinsame Linie einigen, was zu dem Ergebnis führte, dass kein Tempolimit eingeführt wurde. Zur Erinnerung: die Koalition bestand aus SPD, Grünen und FDP.

      2. Warum gerade auf der Autobahn, der Form mit der geringsten Todesrate?
        Das Argument zieht da nicht und die andern Länder mit Tempolimit zeigen, dass die Anzahl nicht geringer ist.

      3. Konnichiwa Sam Urai, Autobahn gerade deswegen weil 1. So einfach und so billig (im Vergleich z.B. zu Gesichtserkennungsüberwachung in Bahnhöfen usw.) und 2. weil die Union konkret das ablehnt. Mein Argument zieht sehr wohl, weil Sie ihre falsche Aussage zum Nutzen des Tempolimits auf Autobahnen nicht erhärten können. Aber ich bin schon froh, dass hier noch niemand behauptet hat, ein Tempolimit auf Autobahnen würde zu mehr Toten führen.

    2. …dass Deutschland gute Konzepte in Bezug auf innere und äußere Sicherheit braucht, wollen Sie aber hoffentlich nicht bestreiten… !?

      1. Wir brauchen und haben gute Konzepte, oder? Kommen wir mal zur äußeren Sicherheit. Wie ist eigentlich die Aussage zu NATO-Pflichten und insbesondere der nuklearen Teilhabe gemeint? Es deutet sich doch in keiner Weise an, dass irgendeine etablierte Partei hier etwas infrage stellt. Insofern könnten das alle Kandidaten sagen.

      2. Befremdlich ist für mich persönlich, wie aus sehr globalen Aussagen der Kandidatin sowohl eine “objektiv falsche, gefährliche und populistische” Ansicht abgeleitet werden kann und das offensichtlich Gemeinte wieder auf ganz andere Nebenschauplätze verlagert wird. Meinem Eindruck nach geschieht dieses nur, um die Partei, für die die Kandidatin aufgestellt ist, in ihren Zielen negativ zu stigmatisieren. Es ist von Sicherheit, der Mitnahme sämtlicher Verkehrsteilnehmer und Wirtschaftskraft die Rede. Dieses sind unbestreitbar einige der Themen, die für uns alle von enormer Bedeutung sind. Wer hier die Ansicht vertritt, dass alles so bleiben kann, wie es ist, maximal ein Tempolimit eine Verbesserung darstellen würde und gute Konzepte vorhanden sind, der verkennt die augenblickliche Lage, mit der sich die nächste Bundesregierung aktiv auseinandersetzen muss. Nicht umsonst beschäftigen sich die Ministerien intensiv mit den Gefahren, vor denen unsere Gesellschaft steht
        und vor denen sie vor allem in den nächsten Jahren stehen wird. Hier geht es darum, nicht nur Missstände zu beseitigen und die sich rasch verändernden Bedingungen einzubeziehen, sondern im Idealfall vor die Lage zu kommen, damit Nörglern, Populisten und Staatsfeinden der Nährboden entzogen wird. Ich halte die Unzufriedenheit der breiten Masse in der Bevölkerung für ein großes Problem, das am Ende unsere Demokratie schädigt. Deshalb wäre es doch angebracht, einmal in diesem Sinne “solidarisch” nachzudenken und Positionen zu stärken, die unter dem Strich zu einer zufriedeneren Gesellschaft führen können. Natürlich müsste man dabei seine eigenen einzelnen persönlichen Lieblingsthemen einmal zurückstellen, aber letztendlich würden wir davon alle profitieren.

  4. Es ist meiner Meinung nach entlarvend, wenn man auf die Frage zur ÖPNV-Stärkung mit der Verantwortung für Autopendler antwortet.

    Die größte Gefahr für die Demokratie geht meiner Meinung nach von Desinformationskampagnen über das Internet aus, z.B. der Verbreitung von Falschaussagen zum menschengemachten Klimawandel. Bekenntnisse zur Freiheit und Rechtsstaatlichkeit von Leuten, die hier leben wollen (wer ist damit eigentlich gemeint?) sind sicher ganz nett, aber die tatsächliche Gefährdung für die Demokratie erscheint mir nicht richtig erfasst.