Auch in der Tonhalle in Düsseldorf ist das Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach aufgetreten. Foto: Thomas Merkenich

Der Pianist und Dirigent Roman Salyutov hat aus einem kleinen Ensemble in einem guten Jahrzehnt das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach geformt und ein großes Repertoire bis hin zur Oper aufgebaut. Nun schlägt das Orchester einen neuen Weg ein – und widmet sich verstärkt der Musik des 20. Jahrhunderts. Dazu hat sich das Orchester auch bei der Ausstattung mit Instrumenten verstärkt.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Musik- und Kulturfestival GL e.V.

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Von 12 Jahren übernahm der Pianist und Dirigent Dr. Roman Salyutov das damalige Kammerorchester Bergisch Gladbach, das ca. 25 Personen in seinen Reihen zählte. Von großer Weltsinfonik war erstmal gar nicht Rede – primär war es wichtig, die Gruppe in irgendeiner Form überhaupt zu erhalten und eine künstlerische und vor allem organisatorische Krise zu überwinden.

Zwei Jahre nahm dieser Prozess in Anspruch – eine relativ kurze und zugleich sehr intensive Zeit. Neben der Gründung eines eigenen Fördervereins und der fruchtvollen Sponsorenfindung gelang es, die Stammbesetzung fast zu verdoppeln und erheblich zu verjüngen, was mit sich auch unausweichlich die grundsätzliche Erweiterung des Repertoires brachte – mit vom Dirigenten ersehnten und angestrebten sinfonischen Werken in großer Besetzung.

Roman Salyutov. Foto: Thomas Merkenich

So führte das Orchester 2015 bereits solche Kompositionen wie die Erste Sinfonie von Brahms und die Neunte Sinfonie von Beethoven auf – kurz davor noch überhaupt nicht denkbar. Und dennoch ging die 2013 eingeschlagene Entwicklungsstrategie des Dirigenten auf. Nicht umsonst bezeichnete der damalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach, der verschiedene Projekte des Orchesters als Schirmherr unterstütze, diese neue Entwicklung als Quantensprung. 

Der Sprung zum Sinfonieorchester

2015 erfolgte dann ein weiterer wichtiger und absolut logischer Schritt: Das Leben als Kammerorchester blieb für immer Vergangenheit, und die Gruppe bekam einen neuen Namen – Sinfonieorchester Bergisch Gladbach. Die erste intensive Überwindungs- und Aufbauphase war erfolgreich vollzogen.

In den kommenden Jahren erweiterte das Orchester sein Repertoire buchstäblich mit jedem Konzert – vor allem mit Akzent auf der spätromantischen Musik. Dazu kamen auch Opernproduktionen wie auch Projekte mit großen Chören, lokal und auf Gasttouren in mehreren Bundesländern – eigentlich wie kein anderes Nichtberufsorchester hierzulande.

Mit Don Giovanni setzte das Sinfonieorchester Maßstäbe. Fotos: Thomas Merkenich

Neuer musikalischer Kurs

Seit dem vergangenen Jahr schlägt das Sinfonieorchester einen  neuen Kurs, und zwar in Richtung der Musik des 20. Jahrhunderts, angefangen mit dem letzten großen europäischen Romantiker Gustav Mahler, dessen Sinfonien unter anderem für ihre außerordentlich große Orchesterbesetzung bekannt sind.

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Ein musikalischer Tausendsassa feiert Geburtstag: Seit zehn Jahren leitet der Pianist und Dirigent Roman Salyutov das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach. Umtriebig hat er es seither nicht nur vom Kammerorchester zu einem gestandenen, nachgefragten Klangkörper entwickelt. Sondern auch das Repertoire und die konzertante Geografie deutlich vorangetrieben.

So stehen für die kommenden Saisons Werke von Mahler, aber auch Erich Wolfgang Korngold, Sergej Prokofiev und Dmitri Schostakowitsch auf dem Plan, in denen eine viel größere Besetzung der Schagzeuggruppe als allgemein in der Musik des 19 Jahrhunderts erforderlich ist.

Bis vor kurzem musste das Orchester Schagzeuginstrumente immer wieder leihen – meistenteils zwei oder drei Pauken, die so gut wie immer mitbesetzt sind. Aber bei größeren Produktionen waren es auch andere Instrumente, die extern besorgt werden mussten. Auf diesem Wege bestand eine gute Zusammenarbeit mit der Max Bruch Musikschule und der Musikhochschule Köln, denen das Sinfonieorchester dafür sehr dankbar ist.

Foto: Thomas Merkenich

Eigene Pauken

Zugleich wurde man zunehmend unzufriedener, Instrumente immer wieder anfragen und sich nach den Kapazitäten der Ausleiher richten zu müssen. Der Bedarf daran stieg rasant – und folglich die Abhängigkeit. So beschloss der Vorstand, das Orchester mit einem eigenen Equipment gründlich auszustatten. Gesagt – getan.

Drei Tage lang war Orchesterleiter Roman Salyutov durch Deutschland, Österreich und die Niederlande mit dem Auto unterwegs und erwarb gutes gebrauchtes Schlagzeug, das er auf dem Sekundärmarkt fand. Es waren drei Tage, die die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein des Orchesters mitveränderten – nach über 50 Jahren seit der Vereinsgründung verfügen die Musiker endlich über eine vollwertige Ausstattung, die ihnen eine beinahe grenzlose Repertoire-Erweiterung aus eigenen Kapazitäten ermöglicht.

Einen Vorgeschmack darauf konnte das Publikum im vergangenen Lions-Konzert im Bergischen Löwen bekommen, als die Bergisch Gladbacher Sinfoniker das Erste Klavierquartett von Brahms in Arnold Schönbergs Bearbeitung für großes Orchester aufführten:

Ein äußerst dichtes, prachtvolles und farbenreiches Klangbild, bei dem es auf die Vielfalt des Schlagzeugs erheblich ankommt (damals aber noch mit geliehenen Instrumenten). Nun ist das Sinfonieorchester stolzer Besitzer von einem Set aus vier großen Pedalpauken, großer Trommel, kleiner Trommel, Tam-Tam (Gong), Tambourin, Becken, Xylophon, Glockenspiel und Triangel. 

Hilfe der Sponsoren

Selbstverständlich ist, dass ohne großzügige Unterstützung ein solcher Einkauf, der in dem Umfang erstmal nicht vorgesehen war, nicht möglich geworden wäre. Hier kamen dem Sinfonieorchester mehrere Unterstützer zur Hilfe: BELKAW GmbH und Kreissparkasse Köln spendeten insgesamt für Hälfte des ganzen Equipments, der Förderverein des Orchesters sicherte dabei die zweite Hälfte der Kosten zu.

Das Autohaus Gieraths half bei der Beförderung der Instrumente mit einem Transporter, und das Bürgerhaus Bergischer Löwe ermöglichte eine vorübergehende Lagerung in seinen Räumlichkeiten, bis ein eigener Abstellraum am regelmäßigen Probeort der Sinfoniker in der Otto Hahn Realschule gebaut war. 

Konzert zum Kultursommer

Zehn Jahre nach der Umbenennung ins Sinfonieorchester kann man nun dem neuen Namen nicht nur inhaltlich, sondern auch ausstattungstechnisch Rechnung tragen. So starten die Musiker voller Motivation in die neue Konzertsaison – zuerst mit einem kammerorchestralen Konzert im Rahmen des Bergisch Gladbacher Kultursommers, das im Rahmen einer neuen Partnerschaft des Orchesters mit der BELKAW GmbH stattfindet (Widmung an Bach, am 7. September um 18 Uhr im Spiegelsaal des Bergischen Löwen).

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Bereits zum fünften Mal findet der „Kultursommer“ in Bergisch Gladbach statt. Vom 10. August bis zum 30. September stehen insgesamt 31 Veranstaltungen auf dem Programm, welche kostenfrei und Drinnen und Draußen veranstaltet werden. Bei schlechtem Wetter sind Ausweich-Option vorhanden.

Danach kann das Publikum die neue Ausstattung in aller Kraft beim nächsten Lions-Konzert erleben – in der Fünften Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch am 23. November 2025 im Bergischen Löwen. Eine Woche später, am 30. November, verladen die Musiker ihr ganzes neues Schlagzeug in einen Transporter und fahren zu einem Gastkonzert nach Mainz. Es beginnt ein neues Kapitel im Leben des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach.  

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