Auftritt in Litauen: Michael Kibardin (Violine), Lev Gordin (Cello), Roman Salyutov (Klavier). Foto: Danguole Micutiene

In der Pandemie mussten das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach und das Yachad Chamber Orchestra alle öffentlichen Auftritte absagen – doch inzwischen konnten einige Konzerte und Reisen nachgeholt werden. Als erstes in die Partnerstädte in Polen, Litauen und Israel, berichtet Orchesterleiter Roman Salyutov.

Als ab dem März 2020 das ganze Kulturleben in Deutschland brach lag konnte man kaum absehen, wann es hierzulande wieder anläuft, geschweige denn von Auftritten im Ausland zu träumen. Tatsächlich hatten die Solisten des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach und der Deutsch-Israelischen Yachad Chamber Orchestra international einiges vor – erneute Besuche einiger Partnerstädte Bergisch Gladbachs und dazu noch größere Projekte in Los Angeles (USA) und Melbourne (Australien). 2020 fiel das alles leider komplett ins Wasser.

Zwar ließen sich unsere Musiker nicht entmutigen und setzten eine ganze Reihe der Musikprojekte sogar in den schwierigsten Phasen der Corona-Zeit unbeirrt um, aber Konzerte im Ausland erschienen immer noch kaum realisierbar. Und dennoch wurde ständig geübt und das Repertoire erweitert, um sich bei erster Möglichkeit sofort auf den Weg zu machen.

Nach mehreren Verschiebungen, unzähligen Telefonaten und mühsamer Koordinierungsarbeit konnten die Projekte endlich stufenweise nachgeholt werden – als erstes in unseren Partnerstädten in Polen, Litauen und Israel.

Benefizkonzert in Pszczyna

Im Oktober 2021 reiste unser Solistentrio nach Pszczyna, um ein Benefizkonzert zugunsten der Restaurierung eines alten jüdischen Friedhofs zu geben. Dies Projekt wurde von einem jungen, dort ansässigen polnischen Mann, dessen Vorfahren auf diesem Friedhof begraben sind, initiiert und vom Ganey Tikva Verein e. V. sofort unterstützt, dessen Vorsitzende Petra Hemming mich noch Ende 2019 auf eine Mitwirkung ansprach.

Damals, buchstäblich auf den letzten Metern von Corona, konnten wir noch ein Konzert im Rathaus Bensberg geben und spendeten unsere Honorare für diesen guten Zweck. Der zweite Teil – ein Auftritt in Polen – ließ auf sich aus bekannten Gründen lange warten und konnte nun im Rahmen der Tage der Jüdischen Kultur in Pszczyna stattfinden. Es wurden Werke von Johannes Brahms, Ernest Bloch und Erich Wolfgang Korngold gespielt.

Foto: Fritz Bolte

Beim offiziellen Empfang des Bürgermeisters von Pszczyna wurde den Musikern für die Unterstützung dieses tollen Projekts herzlich gedankt, und alle waren froh, dass trotz Corona bei der Umsetzung dieses Vorhabens ein weiterer Schritt gemacht werden konnte. 

Mit dem Auto nach Marijampole

Kaum einen Monat später gab es bereits ein weiteres Konzert im Ausland – in unserer litauischen Partnerstadt. Zwar bestand da die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, weswegen die Vertreter der Stadtverwaltung Bergisch Gladbachs nicht fahren konnten, aber da die litauische Seite das Konzert und dazu noch ein ergänzendes Kulturprogramm engagiert vorbereitete, wollten wir Musiker selbstverständlich fahren, denn jeder, auch ehrenamtlicher Auftritt in der Corona-Zeit war prinzipiell wichtig.

Übrigens: Aufgrund der coronabedingten Instabilität des internationalen Flugverkehrts reisten wir sowohl nach Polen als auch nach Litauen mit dem Auto – und konnten uns unterwegs noch mehrere Orte und Ecken des Osteuropas und Baltikums anschauen, wohin man sonst ohne Grund nicht so einfach verschlagen wird.

Der traditionell sehr warmherzige Empfang durch die Stadtverwaltung in Marijampole ließ sich bereits bei der Ankunft merken – als wir um 3 Uhr nachts, nach ca. 18 Stunden im Auto, in Hotel warmes Essen in drei Gängen bekamen. Am folgenden Tag wurden uns die neue städtische Bibliothek wie auch die alte Synagoge, in der sich momentan eine Kunstgalerie befindet, gezeigt.

Der Kammermusik-Abend mit Werken von Robert Schumann und Johannes Brahms im fast ausgebuchten, ungefähr 600 Personen fassenden städtischen Kulturzentrum war eine tolle Krönung der rein körperlich nicht unanstrengenden Reise.   

Konzert für Senior:innen in Ganey Tikva

Und das dritte städtepartnerschaftliche Projekt, das ich unbedingt nachholen wollte, war mit Israel. Aufgrund der lange anhaltenden und aufwendigen Einreiseregeln wurde es immer wieder verschoben, bis alle relevanten Einschränkungen fielen.

Noch seit dem ersten Besuch unserer israelischen Partnerstadt Ganey Tikva im Jahr 2018 konnten u. a. gute private Kontakte geknüpft werden, auf denen diesmal gebaut wurde. Noch in der Corona-Zeit wurde klar, wie kulturhungrig viele Menschen sind – und besonders Diejenigen, die sich aus gesundheitlichen und Altersgründen nicht so frei bewegen können.

Ori Wissner-Levy (Violine) und Roman Salyutov (Klavier). Foto: Dalia Mandil

So brachten wir in Kooperation mit der Seniorenresidenzen-Kette „Mediterranean Towers“, die in Ganey Tikva über eine Filiale verfügt, ein ehrenamtliches Konzert für die Bewohner im Juni 2022 auf Weg – mit Werken von Johannes Brahms, Erich Wolfgang Korngold und Ernest Bloch. Das Konzert, moderiert auf Hebräisch und mitgespielt vom Mitglied der Israelischen Philharmoniker Ori Wissner-Levi, bereitete dem Publikum viel Freude und war somit ein großer Erfolg.

Die Zusammenarbeit wird hier intensiviert, und außerdem kamen gerade während dieser Reise noch weitere wertvolle Kontakte in Jerusalem zustande, sodass ab dem nächsten Jahr  – passend zum 75. Jubiläum Israels – unsere Bergisch Gladbacher Solisten mit der Hauptstadt des Jüdischen Staates künstlerisch verbunden sein werden. 

Crash-Test erfolgreich bestanden

Rückblickend kann man sagen, dass die vergangene Zeit – voller Fragen, Ungewissheiten und Verschiebungen – planungstechnisch eine sehr nervenaufreibende Zeit war, und trotz der großen Fantasie und Energie, mit der alle unsere Musiker in dieser Zeit mit enormen Schwierigkeiten kämpften, im Endeffekt erfolgreich wurden und verdiente Anerkennung genossen, wünscht man sich natürlich keinen weiteren solchen Crash-Test für die Kulturszene.

Umso erfreulicher ist es, dass es den Musikern gelungen ist, gute spieltechnische Form erhalten zu haben und sobald es mit öffentlichen Konzerten losging, sofort energisch durchzustarten und sogar mehrere Sprünge ins nahe und ferne Ausland zu schaffen.  

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Roman Salyutov

ist Konzertpianist und Dirigent. Er leitet das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach und ist Vorsitzender des Festival GL e.V.

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