Die Sanierung des NCG hat gezeigt, wie schwierig Sanierungen alter Gebäude im laufenden Schulbetrieb sind. Foto: Thomas Merkenich

Nach der allgemeinen Priorisierung legt die Stadtverwaltung jetzt einen groben Zeitplan für die Sanierung von insgesamt 26 Schulen vor. Nach aktuellem Stand würde das 30 Jahre dauern. Der scheidende Bürgermeister Frank Stein zeichnet aber auch einen kostspieligen Weg vor, wie es deutlich schneller gehen könnte. Sofern der künftige Bürgermeister nach der Wahl im Herbst dafür eine Mehrheit im neuen Stadtrat findet.

16 der 20 Grundschulen der Stadt Bergisch Gladbach, beide Gesamtschulen, vier der fünf Gymnasien, alle drei Realschulen und die einzige Hauptschule müssen saniert, ausgebaut oder gar neu gebaut werden. Eine Mammutaufgabe, die auch mit Hilfe der Schulbau GmbH voraussichtlich 30 Jahre dauert. Das geht aus einem ersten schematischen Zeitplan hervor, den die Stadtverwaltung jetzt für die Sitzung des Ausschusses für Schule und Gebäudewirtschaft am 13. Februar vorgelegt hat.

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Eine Liste, in welcher Reihenfolge die Schulbauprojekte bearbeitet werden sollen, hatte der Stadtrat vor einem Jahr beschlossen, mit knapper Mehrheit und unter verhaltenem Protest der Schulleitungen.

Die neue Vorlage enthält jetzt eine „Grobschätzung des Durchführungszeitraums“ mit einem sehr langen Horizont, und einer Begründung, warum es unter den gegebenen Bedingungen so lange dauert.

Wie bekannt steht die größte Schule der Stadt, die Integrierte Gesamtschule Paffrath (IGP), ganz oben auf der Liste. Ob die Schule überhaupt saniert werden kann oder abgerissen und neu gebaut werden muss, soll zunächst eine Machbarkeitsstudie klären. Den (Planungs-)Start dieses Projektes datiert die Verwaltung im neuen Zeitplan auf den 1.1.2024 zurück – und geht von einem Abschluss einer Generalsanierung im Jahr 2035 aus.

Es folgen die KGS Bensberg (2025 bis 2032), das AMG (2025 bis 2036), die KGS Kippekausen und die GGS Steinbreche (2025 bos 2032).

Ganz am Ende der Liste stehen die Johannes-Gutenberg-Realschule sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (2040 bis 2052) und schließlich die Sporthalle und Mensa an der Nelson-Mandela-Gesamtschule (2024 bis Ende 2054).

Die Liste umfasst 24 Positionen, wobei in den Schulzentren Kleefeld und Herkenrath jeweils zwei Schulen betroffen sind.

Nicht in der Liste enthalten sind die bereits begonnenen (bzw. geplanten) Projekte wie das NCG, der Ausbau des Schulzentrums Kleefeld oder das neue Klassenhaus für das DBG. Und auch der erforderliche Neubau mindestens einer weiteren Grundschule ist nicht enthalten.

Die Hälfte der Projekte, so die Vorlage, sollen von der Schulbau GmbH (SBGL) umgesetzt werden (in der Grafik schwarz markiert), die andere Hälfte vom Fachbereich Hochbau in der Verwaltung (grün). So könnten jeweils vier Projekte parallel bearbeitet werden.

Warum das alles so lange dauert

Die Stadtverwaltung führt einige Prämissen auf, die erklären, warum die Sanierungen so lange dauern. Die wichtigste: der Schulbetrieb muss stets für alle Schüler:innen gewährleistet sein. Es sind also Auslagerungen in Containeranlagen oder sogenannten Interimsschulen erforderlich, die ebenfalls geplant und gebaut werden müssen.

Zudem müssten für einige Projekte Bebauungspläne neu erstellt oder angepasst werden. Für unvorhergesehene Ereignisse während der Planung und Umsetzung müsse ein Zeitpuffer berücksichtigt werden. Bei den weiterführenden Schulen handele es sich (anders als bei den Grundschulen) um komplexere Bauvorhaben, bei der Sanierung der alten Gebäude könnten immer wieder unerwartete Herausforderungen auftreten.

Daher kalkuliert die Verwaltung mit einer Projektdauer von acht Jahren bei den Grundschulen und zwölf Jahren bei den weiterführenden Schulen.

„Gesamtlaufzeit nicht zufriedenstellend“

Geht man nun vom aktuellen Personalbestand im Fachbereich Hochbau sowie in der Schulbau-Gesellschaft aus, ergibt sich der Umstand, dass die letzte Schule erst 2055 fertig wird und ganze Generationen von Schülerinnen und Schüler ihre komplette Schulzeit in Provisorien verbringen müssen.

Auch aus Sicht der Verwaltung, so steht es fett gedruckt in der Vorlage, wäre „eine deutlich über 15 Jahre hinausgehende Gesamtlaufzeit der Sanierung aller Schulen inklusive der notwendigen Neubauten nicht zufriedenstellend“.

41 zusätzliche Stellen?

Gleichzeitig weist die Verwaltung – unter der Federführung von Bürgermeister Frank Stein – einen Ausweg: „Aufgabe des neuen Rates wird es daher sein, im Rahmen von Haushaltsplan, Stellenplan und Finanzplanung 2026 auf der Grundlage der nunmehr vorliegenden Erkenntnisse die hierzu notwendigen Abwägungen zu treffen und über den zukünftigen Ressourceneinsatz zu entscheiden.“

Im Klartext: nach der Kommunalwahl im September diesen Jahres wird der neue Stadtrat gemeinsam mit dem neuen Bürgermeister (Stein tritt nicht erneut an) entscheiden müssen, ob sie für die Schulsanierung deutlich mehr Geld ausgeben wollen.

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Eine Möglichkeit der Beschleunigung sieht die Verwaltung (neben einer ganzen Reihe von Optimierungen in den Verfahren) vor allem durch die Schaffung von weiteren Stellen:

  • Sollten alle Projekte gleichzeitig angepackt werden, womit man die Gesamtdauer um 14 Jahre reduzieren könnte, müssten demnach 41 Stellen neu geschaffen, besetzt und finanziert werden.
  • Für eine Verkürzung der Gesamtdauer um fünf bis sechs Jahre würde immerhin noch 29 weitere Stellen benötigt.

Die Gesamtkosten der Sanierungen werden in der Vorlage noch nicht einmal geschätzt, das lässt sich erst später bei der konkreten Planung der einzelnen Projekte leisten. Aber auch für den zusätzlichen Personalaufwand nennt die neue Vorlage keinerlei Zahlen. .

Dokumentation

Beschlussvorlage

Rahmenterminplan

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Derweil fällt den Kindern in Refrath die Decke auf dem Kopf. Macht aber nichts, die dürfen ja zum Glück nicht wählen. Das Sanierungskonzept ist so schlicht nicht akzeptabel, wir reden hier von unseren Kindern, die Zukunft dieses Landes!

  2. Wenn ich sehe, wie lange z.B. die Überdachtung an der GGS Moitzfeld dauert, wundert mich die Zahl 2055 überhaupt nicht. Diese Baustelle stand über Wochen still und es passierte nix.

  3. stimmt, so hab ich es nicht gesehen. dann hat man ja eine Planungssicherheit als Eltern.

  4. 2055 !!! Ich bin fassungslos… Mir fehlen die Worte und diesem Land Politiker.. was macht ihr da ? Warum bekommt ihr eine Pension? Warum habt ihr Vorteile in allen Bereichen des Lebens? Warum Sitz ihr im Stadtrat?

    1. Seien Sie doch froh, dass in der Politik mal längerfristig als nur bis zur nächsten Wahl gedacht und geplant wird.

  5. „Starke Leistung“, das gewusst wird was bis 2040 mit Gladbacher Schulen passieren soll. Nur beim NCG scheint absoluter Stillstand – nach Beobachtungen – zu sein, könnte mit der Fertigstellung bis nach 2040 dauern, oder ? Jedenfalls sagt hörbar zu diesem leidigen Thema niemand was, auch Herr Stein in seiner „Jahres-Leistungs-Lobhudelei“ nicht. Ich finde diese Baustelle ein absolutes „Armutszeugnis“ für die verantwortlich handelnden Personen.

    1. Das NCG ist immer wieder Thema im zuständigen Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft, wie Sie im öffentlichen Ratsinformationssystem nachlesen können, z.B. in der nächsten Sitzung am 13. Februar: https://mandatsinfo.bergischgladbach.de/bi/si0057.asp?__ksinr=2450
      Auch ein Besuch der Sitzung steht Ihnen frei.

      Ferner führt der städtische Hochbau eine Übersicht der aktuellen Baumaßnahmen (die leider primär die Finanzen betrachtet): https://experience.arcgis.com/experience/e27c6f8e90ee489799dca06a47fabba5/page/Hochbau-(Dashboard)/?draft=true&org=bergischgladbach&org=bergischgladbach#widget_795=active_datasource_id:dataSource_5,center:793685.8275816104%2C6619899.333787703%2C102100,sca