Die Theatergruppe „Junges Ensemble“ reist mit ihrem Stück Puls 354 in die Herzen von Jung, Alt, Tier und Mensch. Jeder schaut unterschiedlich auf die Liebe. Und was sagt eigentlich das Herz zu dem ganzen Bohei?  Das Stück feiert am Freitag im Q1 Premiere, wir haben eine Probe besucht – und gerieten mitten hinein in einen emotionalen Kreislauf.

Auf der abgedunkelten Bühne stehen zehn Jugendliche. Ich fühle mich wie in einer Spelunke. Rhythmisch beginnt ein leises Klopfen, tac, tac. Nach und nach stampfen immer mehr Schauspieler mit den Füßen im Takt: tac, tac – es wird immer lauter, aufdringlicher. Ich verstehe: Wir sind zu Besuch im Herzen. 

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Und hier ist gerade Krach in der Bude. Die linke Herzkammer brüstet sich: „Boom, boom – wir machen die Liebe. Wir sind die Zentrale von allem.“ Die rechte Seite kontert nüchtern: „Vielleicht sind wir doch nur ein Muskel? Wir pumpen Blut, nicht Gefühle.“ Aber wer rechts oder links steht, sei eh Ansichtssache. Das ist ein schöner Seitenhieb auf die Politik. 

Hormone, Humor, Herzklopfen

Szenenwechsel. Ein Showmaster gibt den Biologielehrer oder umgekehrt:  Wo entsteht die Liebe. Im Gehirn? In der Bauchspeicheldrüse? Im Herzen? Während ich noch grübele und mein verstaubtes Schulwissen hervorkrame, erklimmt der Showmaster gerade die Betonungsklaviatur: „Im Gehirn!“.

Die Hormone drehen hier ihr kompliziertes Wechselspiel. „Und heraus kommt die Liebe,“ weiß der Showmaster alias Jonathan Arentz. Liebe sei mehr als vermehrte Schweißbildung und Bluthochdruck, denn erweiterte Pupillen helfen, dass der Mensch größere Datenmengen aufnehme. Romantik für Nerds, quasi. 

Die Moral des Ensembles: Liebe macht Menschen offener. Sie stärke in gesellschaftlich unsicheren Zeiten, sagt die Regisseurin Kristin Trosits. Liebe macht emphatisch. Wusste schon der „Kleine Prinz“, von Antoine de Saint-Exupéry: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Foto: Lara Querbach

Liebe à la Bergisch Gladbach

Inspirieren ließen sich die zwischen 13 und 20 Jahre alten Schauspieler:innen von den Bergisch Gladbacher:innen. Über das Bürgerportal hatten sie Videobotschaften gesammelt:  Was ist Liebe? Antworten kamen in Form von Fussballbegeisterung, Tierliebe oder Mutterglück. Die Jugendlichen formten daraus Szenen, Figuren und Bilder für das Theater.  

So hängen auf der Bühne Hula-Hoop-Reifen, auf dem Boden liegen Autoreifen. Die Form erinnert an Freundschaftsbändchen und Eheringe. Sie zeigen eine nahe Bindung öffentlich. Ein Hula-Hoop-Reifen wird in einer Szene aber auch zum Gefängnis. Wenn Liebe zu eng wird, droht eine emotionale Reifenpanne. 

Foto: Lara Querbach

Babygefühle und Zombieküsse

Bei seinem bereits 17. Stück geht es dem Ensemble, alle in rot angezogen, um den Perspektivenwechsel. „Gar nicht so einfach, sich in die Rolle eines Babys zu versetzen“, sagt Tim Weinkauf,  „aber interessant.“

Die Inszenierung von Regisseurin Kristin Trosits bleibt dabei stets körperlich, performativ, offen. Jede Szene zeigt eine Facette der Liebe. Biographische Geschichten liegen dahinter, aber sie konkret zu erzählen, wäre zu intim für die Jugendlichen geworden. 

Foto: Lara Querbach

Diese Theaterform hat hohen Unterhaltungswert für Zuschauer:innen. So wenn sich Tim Weinberg vor dem ersten Date fragt: „Ist das der richtige Zeitpunkt? … Ich habe Mundgeruch … .Welche  Regeln gibt es? Wann endet der Wangenkuss?“ Derweil werden seine Ängste zu personifizierten Zombies und drohen ihn gleich zu erdrücken. Komisch und tragisch zugleich. Pubertät als Horrorfilm, romantisch überdreht.

Ein Abend, an dem man den Saal verlässt – und das eigene Herz ein klein wenig lauter schlagen hört.

Viel junges Theater in Bergisch Gladbach

„Puls 354“ ist das erste Stück des Jungen Ensembles seit der Trennung von der Theas Theater-Schule.

Das Theas hat mittlerweile ein eigenes Jugendensemble gegründet, das am 21. September Premiere feiert. Auch die Theatergruppe RIF im Jugendzentrum Cross zeigt regelmäßig Eigenproduktionen. Drei junge Theaterkollektive für eine Stadt – Bergisch Gladbach kann sich sehen lassen. 

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Vorhang auf: Das Junge Ensemble wagt den Neubeginn

Das Junge Ensemble startet nach dem Abschied vom Theas Theater in die Probenzeit seiner inzwischen 17. Produktion. Die Darsteller:innen behandeln das vielseitige und generationenübergreifende Thema Liebe. Sie werden in den kommenden Monaten das Stück entwickeln und proben, um es im September in Bergisch Gladbach auf die Bühne zu bringen.

Das Theas gründet ein neues Jugendtheater

Das „Junge Ensemble“ hat sich vom Theas Theater gelöst und will künftig unabhängig arbeiten. Daher gründet das Theas jetzt unter dem Namen „Junges Theater Ensemble“ ein neues Jugendtheater. Für die Leitung wurde eine erfahrene Schauspielerin gewonnen, im April findet ein Casting statt, um weitere junge Darsteller:innen mit Lust auf Theater zu finden.

Vorstellungstermine „Puls 354“

Das Stück wird im Jugendkulturzentrum Q1 aufgeführt. Quirlsberg 1 / Hauptstraße (neben der Gnadenkirche)

  • Freitag, 12.09.25, 20 Uhr (Premiere)
  • Freitag, 19.09.25, 10 Uhr (Schulvorstellung mit anschließendem Publikumsgespräch) 
  • Samstag, 20.09.25, 20 Uhr (Abendvorstellung mit anschließendem Publikumsgespräch)
  • Sonntag, 21.09.25, 18 Uhr (Abendvorstellung)
  • Mittwoch, 24.09.25, 10 Uhr (Schulvorstellung mit anschließendem Publikumsgespräch)
  • Sonntag, 28.09.25, 18 Uhr (Abendvorstellung)
  • Montag, 29.09.25, 10 Uhr (Schulvorstellung mit anschließendem Publikumsgespräch)
  • Donnerstag, 02.10.25, 10 Uhr (Schulvorstellung mit anschließendem Publikumsgespräch)
  • Freitag, 03.10.25, 20 Uhr (Abendvorstellung mit anschließendem Publikumsgespräch)

Karten kosten 15 Euro, ermäßigt 7 Euro. Reservierung per Mail mail@jungesensemble.com, oder unter 0156/79637425. 

Das Stück ist für Besucher:innen ab ca. 12 Jahren geeignet.

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Beteiligte „Puls 354

Spiel: Jonathan Arenz, Enni Cramer, Noah Hellenbach, Nike Maslic, Ida Nellen, Celina Richartz, Leah Talmon, Tim Weinkauf, Pixie Zydra

Regie: Kristin Trosits
Licht: Jakob Franssen
Produktionsmitarbeit: Eva Birkemeier
Vorverkauf und Schulkoordination: Alina Mörsberger
Presse: Lara Querbach

die Diplom-Betriebswirtin ist Journalistin und Theaterpädagogin.

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