Autorin Eva Birkemeier mit dem Jungen Ensemble bei einer szenischen Probe auf der Bühne. Fotos: Junges Ensemble

Bevor ein Theaterstück auf die Bühne kommt, passieren viele Dinge – auch beim aktuellen Projekt des Jungen Ensembles am Theas. Eva Birkemeier nimmt Sie mit hinter die Kulissen: Im zweiten Teil ihres Proben-Tagebuchs beschreibt die junge Autorin ebenso liebevoll wie witzig, wie die Jugendtheatergruppe ihr neues Stück einübt – und mit welchen Widrigkeiten sie dabei zu kämpfen hat.

Letztes Mal habe ich davon erzählt, wie wir vom Jungen Ensemble (JE) Schritt für Schritt das Stück entwickelt haben. Inzwischen stehen immer mehr Texte und somit immer mehr Szenen. Auch die Besetzung steht fest, wir wissen genau, welche Bühnenbild-Elemente wir verwenden, und so langsam formt sich eine vage Vorstellung davon, wie das Endergebnis aussehen könnte.

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Wenn die erste Erarbeitungsphase abgeschlossen ist und sich (für die jüngeren Mitspieler:innen) das Schuljahr dem Ende zuneigt, beginnt bei uns die Probenwoche: Dieses Jahr stehen zu Beginn der Sommerferien neun Tage Theater auf dem Plan, und die Freude darauf, täglich sechs Stunden im Bühnenraum zu verbringen, wächst.

Hintergrund: Seit 2009 bringt das Junge Ensemble unter Leitung von Kristin Trosits Theaterstücke zu aktuellen Jugendthemen auf die Bühne des Theas Theaters. Die Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren erarbeiten die Stücke selbst. Alle Beiträge zum Jungen Ensemble finden Sie hier.

Eva Birkemeier schildert in einer Mini-Serie exklusiv für das Bürgerportal die drei Phasen der aktuellen Produktion: Stück-Entwicklung, Proben und Aufführungen.

Für mich ist die Probenwoche tatsächlich eine der schönsten, wenn auch anstrengenderen Zeiten der Produktion. Es wird intensiv geprobt, man findet sich so richtig in seine Rolle ein. Und dadurch, dass täglich neue Szenen auf dem Plan stehen, setzt sich das ganze Stück zusammen.

In meinen bisherigen Produktionen beim JE habe ich mich am Ende der Woche immer so fühlt, als wäre ich bereit für die Premiere – nur um dann in den weiteren Proben zu merken, dass doch noch einige Dinge geändert oder wesentlich intensiver geübt werden müssen. Dieses Jahr sollte es aber ganz anders kommen.

Probenwoche: Erst zehn, dann neun, dann drei …

Die ersten zwei Tage laufen ziemlich genau wie erwartet: Wir lernen schon den Text und die Inszenierung der ersten Szene; gleichzeitig schreiben und überarbeiten wir noch andere Texte und besprechen wichtige Aspekte fürs Thema. Ich falle abends erschöpft ins Bett, habe allerdings das Gefühl, deutlich weiter zu sein als sechs Stunden zuvor.

LICHTERFANGEN – Das neue Stück des Jungen Ensembles

PREMIERE: Freitag, 2. September 2022, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen (mit Gästen und Publikumsgespräch im Anschluss):
Samstag, 3. September 2022, 20 Uhr
Freitag, 9. September 2022, 20 Uhr
Freitag, 16. September 2022, 20 Uhr
Samstag, 17. September 2022, 20 Uhr
Freitag, 23. September 2022, 20 Uhr
Samstag, 24. September 2022, 20 Uhr

Das Stück ist geeignet für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren.

Eintritt: 15 Euro/erm. 10 Euro

Weitere Informationen auf der Theas-Webseite.

Bei dem Start gehen wir alle davon aus, am Ende der neun Tage den Großteil des Stücks fertig zu haben.

Doch dann kommt die Nachricht, dass ein JE-Mitglied einen positiven Corona-Test hat. Das ist blöd. Aber damit müssen wir umgehen können. Der Plan ist also, dass alle anderen sich testen, bevor sie am nächsten Tag ins Theater gehen, und dass wir die kranke Person auf dem Laufenden halten, damit sie zu Hause irgendwie mitlernen kann.

Die Mitspieler:innen des Jungen Ensembles recyceln alte Leinwände als Requisiten fürs Bühnenbild.

Dieser Plan geht auch erstmal auf … bis die zweite Person Corona hat. Da allerdings beide ziemlich sicher sind, es von außerhalb des Theaters zu haben, und wir übrigen JE-lerinnen weiterhin symptomfrei und negativ getestet sind, geht es erstmal normal weiter.

Nur dass wir jetzt zwei Leute per WhatsApp mit Infos versorgen müssen: Wir fotografieren unsere erarbeiteten Bühnenbilder oder nehmen die gespielten Szenen auf und schicken sie ihnen.

So hätten wir wahrscheinlich ganz gut weiterarbeiten können. Aber unsere Woche ist wohl einfach verflucht: Am fünften Tag haben wir einen dritten Corona-Fall!

Eva mit dem Ensemble bei einer szenischen Probe auf der Bühne.

Da Sommerferien sind und manche Familien nach der Probenwoche noch andere Pläne haben, ist es verständlich, dass nicht alle Eltern das Risiko eingehen wollen, dass ihr Kind das nächste mit Corona sein könnte …

Am Ende der Probenwoche sind wir im Theater noch drei JE-lerinnen (von insgesamt zehn), unsere Regisseurin und unsere Künstlerin, die uns mit dem Bühnenbild unterstützt. Wir alle haben keine Symptome, negative Tests und positive Energie, um gemeinsam noch möglichst viel aus der Zeit rauszuholen!

Mia (links), Eva (mittig) und Emilie (rechts) üben ihre  gemeinsamen Texte.

Die Leute, die zu Hause sind, bekommen noch letzte Schreibaufgaben. Unsere Künstlerin stellt unsere Bühnenbild-Elemente fertig, und wir probieren Verschiedenes aus, um zumindest alle Bühnenbilder fertig zu kriegen, wenn wir schon nicht gemeinsam die Szenen proben können. Es klappt: Am letzten Tag haben wir für jede Szene ein passendes Bühnenbild.

Was Kostüme können müssen

Nach dieser mehr als merkwürdigen Woche haben wir Darstellerinnen vier Wochen Pause. Erst die letzten Ferientage sind wieder zum Proben eingeplant. Und zum Glück geht es nicht so desaströs weiter wie zuvor. Wir sind alle gesund und anwesend!

Line bei der Anprobe mit Kostümbildnerin Nadine.

Zu zehnt können wir also endlich ans Proben gehen. Selbstverständlich sind wir nicht alle ganz auf demselben Stand. Doch die erste Szene, die wir noch gemeinsam erarbeitet hatten, funktioniert gut, sodass wir da immerhin präzise weiterarbeiten können.

Am nächsten Tag kommt unsere Kostümbildnerin vorbei, um die erste Anprobe mit uns vorzunehmen. Den Vormittag verbringen wir damit, verschiedene Sachen anzuprobieren, untereinander zu tauschen, uns testweise darin zu bewegen oder sie einfach nur anzugucken.

Denn auch das ist ein wichtiger Aspekt des Theaters: Die Kostüme müssen zum Stück passen, den Darsteller:innen passen, für die Bühne funktional sein und möglichst alle Vorstellungen aushalten können, ohne zwischendurch repariert werden zu müssen.

Übernachtung im Theater

Um noch intensiver proben zu können – und zu einem großen Teil auch, weil es den meisten von uns Spaß macht –, übernachten wir in den letzten Ferientagen einmal im Theater.

Erst einmal kommt es einem eher anstrengend vor, zwischen zwei Proben die Nacht mit all den anderen im Theater zu verbringen, jedoch ist es im Endeffekt selbst für einen überzeugten Übernachtungshasser wie mich ein schönes Erlebnis.

Nach dem Abendessen, bei dem wir ausführlich über die Schule gelästert, von anderen Theaterprojekten oder einfach aus unseren Privatleben erzählt haben, werden wir nach draußen auf den Hof vor dem Theater gerufen. Drinnen wäre es sowieso zu heiß geworden, und wenn man dann noch die Möglichkeit bekommt, einen Film an die Hauswand zu projizieren und ein paar Reihen Stühle davor zu stellen, dann tut man das auch!

So sitzen wir da also zu zwölft in der prächtigen Sommernacht und schauen einen Film („4 Könige“, googelt selbst, wenn ihr mehr wissen wollt), der gut zu unserem Thema passt uns alle so sehr begeistert, dass vorbeikommende Fußgänger uns aktiv mitfiebern hören können.

Darum geht es in LICHTERFANGEN 

Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Doch leider wird darüber nur sehr selten gesprochen. Anders bei uns. In unserem aktuellen Stück erfährst du, woher Depressionen kommen und wie sie sich anfühlen. Wir haben für dich mit Expert*innen gesprochen und zeigen dir auf einfühlsame Weise, wie sich die Krankheit behandeln, ins Leben integrieren und überstehen lässt.

Es ist jedoch egal, wie gleichgesinnt man ist: Wenn man zu zehnt auf der Bühne übernachtet, wird es ab einer gewissen Uhrzeit anstrengend. Am Anfang ist man immer sehr begeistert von der Idee, auf der geliebten Bühne zu schlafen. Doch diejenigen von uns, die das schon öfter getan haben, freuen sich etwas weniger, da wir schon wissen, dass der Holzboden, auf dem wir so gerne stehen, laufen, tanzen und sonst was tun, nicht der bequemste Schlafplatz ist.

Wobei man nun darüber streiten könnte, ob wir wirklich alle dort geschlafen haben. Einige Darstellerinnen legten sich „schon“ um halb zwei in ihre Betten, während wir anderen noch gewöhnlichen nächtlichen Aktivitäten wie dem Spiel Twister oder dem Erzählen schlechter Horrorgeschichten nachgingen. Um circa drei Uhr morgens herrscht dann allerdings Ruhe – mal abgesehen von ein bisschen Geschnarche.

Am Morgen nach der Übernachtung findet das gemeinsame Warm-up auf dem Hof statt. 

Wie man es von einer Gruppe Jugendlicher erwartet, stehen wir am nächsten Morgen alle früh, selbstständig, ausgeschlafen und voller Energie auf, um die nächste Probe zu starten. Oder so ähnlich …

Die Beteiligten

Darsteller:innen: Eva Birkemeier, Enni Cramer, Emily Defeu, Line Houtrouw, Mia Kombüchen, Nike Maslic, Viktoria Mudry, Ramiza Murtezi, Juli Oessenich, Celina Richartz
Produktionsassistenz: Ruben Loers
Bühne: Ute Diez
Kostüme: Nadine Gottwald
Regie: Kristin Trosits

Na ja, nach einigen Startschwierigkeiten proben wir jedenfalls eine weitere Szene und werden langsam alle auf einen ähnlichen Stand gebracht, was die Bühnenbilder angeht. Und plötzlich kommt es mir doch so vor, als machten wir wieder größere Schritte in Richtung Zielgerade.

Jetzt ist in unserer Produktion wirklich der Punkt erreicht, an dem es nur noch heißt: Üben, üben, üben!

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Eva Birkemeier

Ich bin Eva Birkemeier, 18 Jahre alt und seit 2018 leidenschaftlicher Theaterer im Jungen Ensemble des THEAS Theaters. Meine Freizeit habe ich schon immer mit kreativen Dingen - primär dem Schreiben - verbracht und im Jungen Ensemble habe ich einen Ort gefunden, an dem ich dieses Hobby mit anderen teilen...

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