Ulla Hermes, Klaus Selaczek, Markus Bollen und Uschi Bornhüter bei der Arbeit. Foto: Annette Voigt

Auch auf den Friedhöfen ist mehr Natur- und Artenschutz möglich. In einer Art Pilotprojekt haben der Bienenzuchtverein und der Naturgarten e.V. auf dem Friedhof in Bensberg die stark verwilderte Familiengrabstätte Wilhelm Darius in eine bienen- und insektenfreundliche Grünfläche verwandelt. Und hoffen auf möglichst viele Nachahmer.

Wer den städtische Friedhof an der evangelischen Kirche in Bensberg durch den Haupteingang betritt gelangt links über eine vierstufige Steintreppe hinab zur Grabstätte der Familie Darius. Auf Initiative von Markus Bollen haben der Bienenzuchtverein und der Naturgarten e. V. das stark verwilderte Grab in eine naturnahe Grünfläche verwandelt, die Bienen und vielen weiteren Insekten viel Nahrung bieten soll.

„Ich bot dem Leiter von StadtGrün, Christian Nollen an, mit Freiwilligen mehr für die Stadt zu tun, als nur Blühstreifen anzulegen. Er hatte die Idee, naturnah bepflanzte Mustergräber auf den Friedhöfen zu gestalten. In Bensberg haben wir das an die Stadt zurückgefallene Grab der Familie Darius gewählt, weil wir auch die Geschichte des ehemaligen Bürgermeisters von Bensberg spannend finden“, erzählt Initiator Bollen. 

Mit der Naturgestaltung der Familiengrabstätte Darius würdigen die Pflanzakteure Wilhelm Darius (1875 – 1969). Darius war Rechtsanwalt, Kommunalpolitiker und Bensbergs Bürgermeister von 1918 bis 1921, 1945 für kurze Zeit ehrenamtlicher Leiter der Gemeindeverwaltung und seit 1954 Ehrenbürger von Bensberg. (Quelle: Wikipedia)

Finanziert wurde dieses grüne Projekt, das sich über mehrere Monate erstreckte, durch den Verein blühendes GL (Teil des Bienenzuchtvereins Bergisch Gladbach). Uschi Bornhütter  vom Naturgarten e. V. empfahl klimaresistente, robuste, heimische und dem Standort angepasste Wildstauden. Aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrungen in der naturnahen Gestaltung öffentlicher Grünflächen wählte sie zielgerecht vielfältige Pflanzensorten für diesen schattigen Standort aus. 

Das 3 x 2 m große, begrünte und naturnah bepflanzte Doppelgrab der Familie Darius soll erst der Anfang sein. Die Pflanzakteure wünschen sich viele Nachahmer:innen auf möglichst vielen Friedhöfen in Bergisch Gladbach und stehen dazu gerne beratend zur Seite. Friedhöfe bieten ihrer Meinung nach ein großes Potenzial für das naturnahe Gärtnern.

Wertvolle Biotope für gefährdete Arten

Die meisten Gräber werden mit Rindenmulch abgedeckt und in der Mitte stehen Einwegpflanzen, die dreimal im Jahr ausgetauscht und weggeworfen werden, zwar schön blühen, aber Insekten keine Nahrung geben. Friedhöfe können wertvolle Biotope für gefährdete Arten sein. Das wollen wir mit einer nachhaltigen Bepflanzung mit heimischen Pflanzenarten erreichen, erklärt Bollen. „Wir wollen Biene, Hummeln und Co. Etwas Gutes tun, indem wir reichhaltige Blütenangebote schaffen“.

Ulla Hermes vom Imkerverein kommt über die Bienen zum naturnahen Garten und hofft beim Mitgärtnern auf viele Impulse. Klaus Sedlaczek, ebenfalls vom Imkerverein macht mit, weil er sich gerne sozial engagiert. Zusammen mit Markus Bollen setzte er eine Steinplatte an der hinteren Grabseite als Wurzelsperre ein. „Mir macht diese harte Arbeit Spaß“, sagt Sedlaczek.

Die neugestaltete Grabstätte passt zum grünen Ambiente des Friedhofes, der einem Stadtpark mit waldähnlichem Landschaftscharakter ähnelt. Der Friedhof ist mit diesem naturnahen Grab um eine grüne Oase reicher, fügt sich gut in die melancholische Atmosphäre ein und ergänzt bestehende lauschige Plätze. Ungestörte Momente der Stille und das mitten in Bensberg. Besonders im Sommer unter dem Schatten vieler Bäume lässt es sich hier gut aushalten.

Tatkräftige Einsatz vieler Freiwilliger

Das Grab erstrahlt jetzt in neuen gemischten Grüntönen. Dazu war über Monate hinweg der tatkräftige Einsatz vieler Freiwilliger erforderlich. Zunächst wurde das verwilderte Grab von Wildwuchs befreit, das komplette Erdreich abgetragen, ausgetauscht und gelockert. Die Pflanzakteure schwören auf Bergische Blumenerde, einem Pflanzsubstrat aus Naturprodukten ohne Torf mit Schotter 4-8 mm gemischt.

Zum Schluss wurde nach einem Plan gepflanzt. Eine Komposition verschiedenartiger Pflanzenfamilien u. a. Kriechender Günsel, Große Sterndolde, Hirschzungenfarn, Herbst-Alpenveilchen, Strauchefeu, Wald-Hainsimse, Palmnieswurz, Dorniger Schildfarn, Hohe Schlüsselblume, März-Veilchen und Schneeglöckchen. Diese Pflanzen beschatten die Oberfläche und schützen vor dem Austrocknen.

„In den Blüten des Palmnieswurz ist es 6 Grad wärmer, sodass sich Hummeln gerne in den Blüten aufwärmen. Der Efeu blüht im Herbst und hier tummeln sich gerne kleine Wildbienen, die Efeuseidenbiene“, erklärt Bornhütter. 

Das ganze Jahr über wird etwas blühen. „Viele dieser Pflanzen sind in der freien Natur kaum noch zu finden, wie beispielsweise die Sterndolde“, so Bornhüter. „Wollen wir in unseren Garten auch Tiere holen, dann ist die Auswahl der Pflanzen entscheidend. Viele Schmetterlingsraupen fressen beispielsweise nur an einer Pflanze und wenn diese Pflanze ausstirbt, verschwindet auch der Schmetterling. Thuja und Kirschlorbeer bieten vielleicht mal einer Amsel Unterschupf und Nistplatz, aber sonst auch nichts.“

In einem solchen Garten mit vielen Insekten, Wildbienen, Schmetterlingen finden auch Singvögel und sogar Fledermäuse wertvolle Rückzugsräume und ausreichende Nahrung.

Friedhöfe, Orte der Artenvielfalt

Friedhöfe sind für artenreiche grüne Inseln und natürliche Lebensräume mitten in der Stadt gut geeignet. Es könne nicht genug naturnahe Grabstätten auf Friedhöfen geben, sind sich die Bensberger Akteure einig. Jeder Quadratmeter zähle. Es ist ihrer Meinung nach die Zukunft der Friedhöfe, in nachhaltige, umweltfreundliche und biodiversitätsfördernde Stadtparks umgestaltet zu werden. Grüne Wohlfühloasen und kleine Naturparadiese, in denen die Bevölkerung gerne ihre Freizeit verbringt. Das naturgestaltete Darius-Grab leistet einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. 

Die Bestattungskultur verändert sich. Reihen- und -Familiengräber nehmen ab, Urnengräber und Gemeinschaftsgräber nehmen zu. Somit entstehen verstärkt freie Grünflächen, die wie das Darius-Grab naturnah bepflanzt werden können, zumal Trockenheit und Hitze ohnehin die übliche Grabpflege zunehmend erschweren. Bepflanzte Schalen mit saisonalem Wechselflor müssen fast täglich gegossen werden und sind alles andere als pflegeleicht. 

Laut Naturgarten e. V. werden Friedhöfe zu wichtigen „Trittsteinbiotopen“ und Klimainseln im Siedlungsraum, wenn sowohl freie Grünflächen als auch Grabstätten mit heimischen Pflanzenarten und kleinen „Habitat-Strukturen“ (z. B. Totholz, Spalten für Tiere) naturnah angelegt würden. 

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