Foto: Thomas Merkenich

Sie versorgen Patienten, retten Leben und arbeiten dabei bis zur eigenen Belastungsgrenze oder darüber hinaus. Wir haben mit Menschen aus dem Gesundheitswesen über ihren Einsatz während der extremen Hitze gesprochen. Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Serie fort zur Frage, wie gut Bergisch Gladbach auf Hitzeperioden vorbereitet ist. 

„Katastrophe“, „unzumutbar“, „schlimmer als zu Corona“: Wer mit Menschen spricht, die beruflich im Einsatz waren, als die Hitzewelle am vergangenen Wochenende ihren Höhepunkt erreicht hat, hört solche Aussagen. 

Zu erfahren ist von Notfallsanitäter:innen im Ausnahmezustand, einer unterbesetzten Leitstelle, Pflegekräften, die während der Arbeit kollabieren, Senior:innen, die aus Pflegeheimen evakuiert werden und Krankenhäusern, die nicht genügend Kühlräume für die Verstorbenen haben.

Überhitzte Patienten werden von überhitzten Sanitätern in überhitzte Krankenhäuser zu überhitztem Pflegepersonal gebracht – so lässt sich die Situation zusammenfassen. 

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Fehlender Hitzeschutz im Krankenhaus

„Gemüse im Supermarkt wird gekühlt und in den Altenheimen und Krankenhäusern sterben überhitzte Menschen, das ist unfassbar“, kritisiert eine Person aus dem Rettungsdienst. „So etwas habe ich in meiner langjährigen Berufspraxis noch nicht erlebt“, sagt eine weitere.

Hinweis: Wir haben mit verschiedenen Menschen unterschiedlicher Berufsgruppen gesprochen, die im Rettungsdienst und in Krankenhäusern in Bergisch Gladbach arbeiten. Aus Sorge vor möglichen beruflichen Konsequenzen zitieren wir sie anonym. Ihre Namen sind der Redaktion bekannt.

„Es war für alle die Hölle“, sagt eine Pflegefachkraft, die im Marien-Krankenhaus (MKH) arbeitet. Für sie sei nicht nachvollziehbar, wieso Klimaanlagen „überall“ selbstverständlich seien, in Geschäften und Arztpraxen etwa. „Nur ausgerechnet in Krankenhäusern, wo kranke Menschen versorgt werden und Pflegekräfte und Ärzte unter hoher Belastung arbeiten, scheint Hitzeschutz keine Priorität zu haben.“

Vor allem in den oberen Stockwerken des MKH heize sich das zwölfstöckige Gebäude extrem auf. 33 Grad habe das Thermometer schon morgens um 6 Uhr auf einer Station angezeigt. Aus Sicherheitsgründen lassen sich die Fenster nicht komplett öffnen. „Letztendlich müssen wir die Hitze einfach aushalten“, sagt die Pflegefachkraft. 

Reanimationen und Todesfälle

So ergeht es auch den Rettungskräften, die vor allem am Wochenende im Dauereinsatz waren. „Das war ein katastrophaler Dienst, der zweitschlimmste in meinem Leben. Nur während der Flutkatastrophe 2021 war es noch heftiger“, so schildert es eine Person aus dem Rettungswesen. 

Sie berichtet von der doppelten Anzahl von Einsätzen, von vielen Reanimationen und hitzebedingten Todesfällen auch von „jüngeren Menschen unter 50“. „Rettungswagen mussten aus dem Dienst genommen werden, weil die Besatzung am Ende war“, mehrere Krankenhäuser in der Region hätten sich abgemeldet, weil sie überlastet waren und keine Patient:innen mehr aufnehmen konnten. 

Der Rettungsdienst aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis musste zwischenzeitlich in Köln aushelfen. Zusätzlich wurden alle Menschen aus der Kölner Umgebung alarmiert, die in Hilfseinrichtungen oder der Feuerwehr aktiv sind und im Ansatz eine medizinische Ausbildung haben.  

Personal und Patienten leiden

In den Krankenhäusern beschreiben Pflegekräfte die Belastung als „kaum zumutbar“: Die Konzentration lasse bei den Beschäftigten nach, insbesondere, wenn sie bei isolierten Patient:innen zusätzlich Schutzkleidung tragen müssen. Mit Ventilatoren, Kühlpacks und nassen Handtüchern versuchten die Beschäftigten, „irgendwie durch den Tag zu kommen“. 

Auch die Patient:innen leiden sehr unter der Hitze, viele beschweren sich beim Personal über die Zustände. Sie dürften keine eigenen Ventilatoren nutzen, weil elektrische Geräte erst aus Sicherheitsgründen geprüft werden müssten.

Mitleid hat die Pflegekraft besonders mit den bettlägerigen Patient:innen: „Wir gehen nach unserer Schicht nach Hause. Sie liegen dort Tag und Nacht und können der Hitze überhaupt nicht entkommen.“ 

Ähnliches berichten Beschäftigte aus dem Evangelischen Krankenhaus (EVK), die die Hitzetage als „sehr belastend“ und „ganz schlimm“ beschreiben. Besonders viel hatte das Personal in der Notaufnahme und auf der Intensivstation zu tun. Immerhin: Überwachungs- und Intensivstationen sind neben Operationssälen in den meisten Kliniken die einzigen Bereiche mit Klimaanlagen.

Die Lage in der Notaufnahme

Von einem „deutlich erhöhten Patientenaufkommen“ am vergangenen Wochenende in der Notaufnahme des EVK berichtet Sebastian Haeger, Geschäftsführer des Gesundheitscampus Quirlsberg auf Nachfrage.

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Eine „dreistellige Zahl“ an Patient:innen musste demnach mit gesundheitlichen Problemen wegen der Hitze behandelt werden – etwa Dehydrierung oder Hitzeschläge. Darunter auch schwere Fälle, die stationär aufgenommen werden mussten. Betroffen seien vor allem ältere Menschen gewesen, einige auch aus Senioreneinrichtungen. 

„Unsere Intensivabteilungen sind klimatisiert, die Anlage kommt aber auch an ihre Grenzen“, sagt Thorsten Löhr, der ärztliche Direktor der GFO Kliniken Rhein-Berg, zu denen das MKH in Gladbach und VPH in Bensberg gehören. „Das Personal arbeitet derzeit an der Belastungsgrenze.“ Man behelfe sich damit, die Räume zu verschatten (etwa mit Jalousien), mobile Kühlgeräte einzusetzen und achte darauf, dass Beschäftigte und Patient:innen genug trinken. 

Einsätze in Zahlen

Das gilt auch für das Rettungsdienstpersonal, wie der Rheinisch-Bergische Kreis als Träger des Rettungsdienstes für Bergisch Gladbach und die Kommunen im Kreisgebiet mitteilt. Die Belastung für die Einsatzkräfte sei bei der Hitze „enorm“. Diese arbeiten demnach oft unter zeitlichem Druck und in persönlicher Schutzkleidung und nehmen schwere Ausrüstung wie Notfallrucksack, Defibrillator und Sauerstoff standardmäßig zu jedem Patienten mit. 

Weiter teilt der Kreis mit, dass „lageangepasst“ am Samstag zwei zusätzliche Rettungswagen (RTW) und drei Krankentransportwagen (KTW) in den Dienst genommen worden seien, „um die rettungsdienstliche Versorgung im Kreisgebiet weiter sicherzustellen“. Die Einsatzzahlen von RTW, KTW und Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF) liegen sehr deutlich über denen des Vorjahres.

Die Tabelle zeigt die Einsatzzahlen des Rettungsdienstes im Kreis in der Kalenderwoche 26 im Vergleich zum Vorjahr. (RTW = Rettungswagen, NEF = Notarzteinsatzfahrzeug, KTW = Krankentransportwagen).

Neben älteren Menschen und Bewohner:innen von Pflegeheimen waren laut Kreis „genauso Menschen mittleren Alters und jüngere Menschen“ betroffen. Ursache sei in diesem Fällen oft eine hohe körperliche Belastung gewesen. Vereinzelt hätte es auch Einsätze mit Säuglingen und Kleinkindern gegeben.  

Zur Zahl der hitzebedingten Todesfällen liegen der Kreisverwaltung nach eigener Aussage keine Daten vor. Einsatzkräfte berichten, dass die Kühlkammern der Kliniken zeitweise überlastet gewesen seien, ebenso die Kühlmöglichkeiten von einzelnen Bestattern.

„Wir hatten am vergangenen Wochenende deutlich, deutlich mehr zu tun als sonst“, sagt David Roth vom Bestattungshaus Pütz-Roth. „Aber wir waren nicht überfordert und hatten noch Kapazitäten. Wir konnten andere Bestattungsunternehmen unterstützen.“ 

Wünsche für die Zukunft

Viele der Menschen, mit denen wir gesprochen haben, äußern einen ähnlichen Wunsch: Dass sich eine solche Situation nicht wiederholt. „Aber wir gehen wieder genauso in die nächste Hitzewelle“, befürchtet eine Person aus dem Rettungsdienst.

Es sei ein strukturelles Umdenken nötig. „Wir müssen die vulnerabelsten Menschen vor der Hitze schützen. Dafür müssen Kliniken und Heime klimatisiert werden.“

Das EVK würde seine Gebäude „gerne stärker mit Klimatechnik ausstatten“, teilt Sebastian Haeger mit. Solche Maßnahmen seien jedoch „mit erheblichen Investitionskosten verbunden“, die Krankenhäuser aus eigener Kraft kaum stemmen könnten.

„Dafür braucht es verlässliche Investitionsförderungen durch die öffentliche Hand“, so Hager weiter. „Stattdessen wird derzeit auf politischer Ebene über weitere Einsparungen im Gesundheitswesen diskutiert. Hier ist aus unserer Sicht ein Umdenken dringend erforderlich.“ Denn die zunehmenden Hitzewellen werden aus seiner Sicht das Gesundheitswesen künftig noch stärker belasten.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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