Die Klimafunktionskarte zeigt u.a., wo Kaltluft (hellblau) entsteht oder sich Wärmeinseln (rot) bilden können. Quelle: Ratsinformationssystem GL

Die Klimafreunde Rhein-Berg warnen davor, Anpassung und Vorsorge gegeneinander auszudiskutieren. Das eine sei dringend notwendig, das andere unverzichtbar. Hitzeschutz durch Stadtbäume, grüne Architektur und Kühlorte – ebenso wie ein konsequenter Umbau zur regenerativen Energieversorgung. Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Serie „HitzeCheck GL“ fort.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Klimafreunde Rhein-Berg

Die Sommer in Bergisch Gladbach werden heißer – kein Geheimnis, keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern Alltag. Die Klimafunktionskarte der Stadt macht es sichtbar: Im Zentrum breitet sich eine ausgeprägte Hitzeinsel aus, wo dichte Bebauung, hohe Versiegelungsgrade und intensiver Kfz-Verkehr die Temperaturen steigen lassen.

Ohne ausreichende Kaltluftzufuhr aus dem Umland kochen Asphalt und Beton während Hitzewellen zu einer gefährlichen Bedrohung für Bewohnerinnen und Bewohner zusammen, insbesondere für ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen.

Dass dies so ist, verdanken wir auch einem einfachen Fakt: der große Teil des Strommixes und der Wärmeversorgung, auch in Bergisch Gladbach, basiert immer noch auf fossilen Energien. Jede verbrannte Tonne Öl, jede verstromte Stunde Kohle heizt nicht nur das globale Klima auf, sondern trifft Bergisch Gladbach direkt an den heißen Punkten der Innenstadt.

Doch hier beginnt auch ein gefährlicher Denkfehler: Wenn Kommunen ausschließlich in Anpassungsmaßnahmen investieren, erkennen sie stillschweigend an, dass steigende Temperaturen unser neues Normal sind. Und damit entgehen uns große Potenziale, die Ursachen wirklich zu bekämpfen.

Klimafunktionskarte als Spiegel der Notwendigkeit

Die Stadt hat bereits erste Schritte unternommen. Der 2024 vorgestellte Hitzeaktionsplan konkretisiert Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung versiegelter Flächen sowie die Neupflanzung von Bäumen.

Im März 2026 verteilt die Stadt beispielsweise 100 klimaangepasste Bäume an engagierte Bürger, Kitas, Schulen und Unternehmen. Parallel läuft ein Baumschutzprogramm, das den Erhalt bestehender Bäume und damit deren kühlende Wirkung durch Verdunstung und Schatten langfristig sicherstellt.

Allerdings zeigt die Klimafunktionskarte aus 2011, ergänzt durch Modellierungen von 2019 klar: Besonders östlich und nordöstlich der Innenstadtlagen liegen die wärmeintensivsten Bereiche. Ohne grundlegenden Wandel bleiben solche Maßnahmen Symptombekämpfung.

Begrünte Fassaden können lokal Temperaturunterschiede deutlich mindern, einzelne neue Bäume spenden notwendigen Schatten – doch die weitere Anreicherung der Atmosphäre mit Treibhausgasen stoppen sie nicht.

Ein Beispiel: eine Genossenschaft als Motor von Lösungen

Hier setzt ein Hoffnungsschimmer an: BürgerEnergie Bergisch Gladbach eG. Diese Genossenschaft treibt seit Jahren den Ausbau dezentraler Solarenergie voran und hat bis heute Solaranlagen auf sieben großflächigen öffentlichen Dächern installiert. Im Dezember 2024 gingen zwei Anlagen ans Netz, im Frühjahr 2025 unterschrieb sie Nutzungsverträge für zwei Feuerwachen in Odenthal. Für 2026 liegt bereits ein weiterer Vertrag für ein öffentliches Dach in Burscheid unterschrieben vor.

Jede dieser Anlagen ist ein konkreter Schritt gegen den Status quo. Photovoltaik ersetzt fossile Elektrizität, schafft regionale Wertschöpfung und demonstriert: Erneuerbare Energie ist keine utopische Forderung, sondern praktikable Wirklichkeit. Bürgerbeteiligung funktioniert, wenn sie politisch gewollt ist. Ein Signal wäre: Mehr Solar auf allen öffentlichen Dächern ohne bürokratischen Ballast. 

Außerdem: ist die Stadt Bergisch Gladbach nicht Mit-Inhaberin der Belkaw, von der wir über 50 Prozent unseres Stromes beziehen? Wären hier von Seiten der Stadt nicht noch größere Möglichkeiten denkbar?

Noch einmal: es liegt in unserer Hand, unnötig erzeugte CO₂-Emissionen zu vermeiden.

Wälder als Klimainfrastruktur verstehen

Ein zweites Feld enormer Bedeutung liegt außerhalb der bebauten Zonen. In Bergisch Gladbach gehören große Waldflächen zum Stadtbild – Königforst, Gierather Wald und die Hardt stehen unter Naturschutz und erfüllen wesentliche ökologische Funktionen als Ruheraum, Schattenspender, Naherholungszone und Habitatvielfalt.

Seit Ende 2023 besitzt die Stadt außerdem den Lerbacher Wald, etwa 240 Hektar ehemaliger Besitz der Siemens-Familie.

Auch diesen Wald fordern Naturschützer ausdrücklich als eigenes Schutzgebiet einzustufen. Begründung: Öffentliche Grünräume müssen gleichbehandelt werden.

Doch das neue Leitbild zur nachhaltigen Bewirtschaftung des Stadtwaldes, einstimmig im Dezember 2023 vom Rat beschlossen, wird vom einem Bündnis von Klimafreunden, der Regionalgruppe des BUND und dem Rheinisch-Bergischen Naturschutzverein kritisiert als zu stark geprägt von eingriffsintensiver Holzwirtschaft.

Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass schützendere Bewirtschaftung nicht nur naturnähere Ergebnisse liefert, sondern langfristig auch wirtschaftlicher ist. Vorfahrt für den Wald als ein sich weitgehend selbst stärkendes Ökosystem lohnt sich doppelt: Als CO₂-Senke und als Kühlsystem für umliegende Siedlungen.

Jetzt etwas tun

Es geht nicht darum, Anpassung und Vorsorge gegeneinander auszudiskutieren. Das eine ist dringend notwendig, das andere unverzichtbar. Hitzeschutz durch Stadtbäume, grüne Architektur und Kühlorte – ebenso wie konsequenter Umbau zur regenerativen Energieversorgung.

Letztlich bleibt die entscheidende Frage: Wollen wir in Bergisch Gladbach einfach nur hitzegemäß leben oder tatsächlich jetzt klimaneutral handeln? 
Das Entscheidende dabei ist, dass wir die Frage von Klimaveränderungen seit den zunehmenden Hitzewellen nicht mehr nur auf kommende Generationen vertagen können. Sondern die Frage stellt sich uns heute und wir müssen jetzt darauf antworten.

Die Antwort wird bestimmen, ob die Klimafunktionskarte als Mahnmal dafür dient, dass wir es nie geschafft haben, genug zu tun oder ob sie irgendwann veraltet wirkt – weil wir ihr Problem gelöst haben.

Die „Klimafreunde Rhein-Berg“, 2019 als Bürgerinitiative ins Leben gerufen, sind seit 2021 ein gemeinnütziger Verein. Gemäß dem Grundsatz „Global denken – lokal handeln“ wollen die Mitglieder vor Ort möglichst viele Menschen für das drängende Thema Klimaschutz sensibilisieren und fürs...

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  1. Finde ich sehr vernünftig, was die Klimafreunde Rhein-Berg e.V. hier schreiben:
    Das eine tun, aber das andere nicht lassen. Auf das andere will ich noch zu sprechen kommen: Ein internationaler Umweltratschlag, der für den Herbst geplant ist.

    Zu dem Ersteren:
    Bin jetzt mitten in der Nacht wach geworden, und habe erst mal die Fenster aufgerissen. Außen sind es gerade 16 Grad, – da lohnt es sich noch. Bei der letzten Hitzewelle war es ja aber auch nachts mal über 25 Grad. Und es wird wieder so kommen. Auch bei guter Wärmedämmung kommt dann auf Dauer die Wärme ins Haus gekrochen. Dann würde nur noch eine Klimaanlage, die umgekehrte Wärmepumpe helfen. Die aber dann aber auch zur Klimaerwärmung beitragen würde. …

    1. Jetzt zum Anderen, der Vorsorge gegen die Umweltkatastrophe, beziehungsweise der Abmilderung dessen was schon auf dem Weg ist.

      Bisher gab es Jahr für Jahr 30 UN-Weltklimakonferenzen.
      Zuletzt im vergangenem Jahr vom 10. bis 21. November 2025 im brasilianischen Belém. (COP30).

      Dieses Jahr ist die 31. UN-Weltklimakonferenz (COP31) vom 9. bis 20. November 2026 im türkischen Antalya geplant.

      Aber vom 23. bis zum 25. Oktober 2026 findet in Stuttgart schon das “International Environmental Council”, der Internationale Umweltratschlag oder die Umweltstrategiekonferenz statt:
      https://umweltstrategiekonferenz.org/
      Es ist ganz bewusst von Umwelt, und nicht nur von Klimakatatastrophe die Rede, denn mit der Erwärmung einher geht auch das Artensterben, und andere natürliche Lebensgrundlagen, wie Ernährung, Gesundheit, usw… geraten in Gefahr. Ich erwarte mir sehr viel von diesem Treffen. Später will ich noch berichten, aus welchen Ländern schon Teilnehmer angemeldet sind, denn es ist ja ein internationales Treffen. Gruß von Olaf 67

  2. Ich schätze die Arbeit in der präfigurativen Politik, also konkret Genossenschaften und Vereine, die sich für das Klima einsetzen, sehr. Weil ich aber auch weiß, dass hier Politiker der CDU und anderer Parteien mitlesen werde ich mal diesen Artikel nutzen, um ein wenig Schärfe reinzubringen.

    Ich finde es unfassbar und beschämend, wie eure Partei seit Jahren verhindert, dass Klimaschutz passiert. Ich weiß nicht, ob das Ihnen klar ist, aber der Klimawandel ist schon da.
    “Die alten Leute werden es nicht mehr erleben”. Das sagt man gerne, um 20 Jährige wie mich zu trösten. Ich deneke es ist schon jetzt eher ein “die Leute, die jetzt leben, haben schon jetzt Probleme zu überleben”. Übrigens gibt es schon jetzt irreversible Schäden. Weshalb sonst gäbe es diesen Artikel? Und was ist da für mich tröstlich daran, wenn schon jetzt Leute sterben? Was ist daran tröstlich, wenn aktuell mehr überleben, als das in Zukunft Sache sein wird?

    Und gleichzeitig wird der Zivilgesellschaft angelastet, den Scherbenhaufen zusammenzukehren und aus dem wenigsten das meiste zu machen. Wir wissen seit Jahrzehnten vom Klimawandel. Wir haben die 1,5 Grad schon jetzt überschritten. Das, was die CDU als Wahnsinn abstempelt, nämlich Enteignungen im großen Stil und eine krasse Umgestaltung der Industrie ist mittlerweile weniger Wahnsinnig, als die Klimapolitik der CDU. Für Klimaschutz im Kapitalismus hatten wir jahrzehntelang Zeit. Es hat nie funktioniert. Es wird nicht funktionieren.

    Props an die Leute, die schon jetzt unter diesen miserablen Umständen mehr Rückgrat haben und versuchen, genossenschaftlich grüne Infrastruktur aufzubauen. Das ist mehr, als die CDU (aber auch die SPD und FDP, die Jahrelang Komplizenschaft begangen haben) je getan hatte. Da hieß es “was? Wir können Solarstrom nicht verwenden? Lass mal desinvestieren” und “lass mal erst 2045 klimaneutral werden”.