Manuela Jünger mit der Bergisch Gladbacher Band „Melschewski“. Foto: Weyers

Sie hat das Refrather Nachtleben geprägt, Fußballfans vereint und jungen Live-Bands eine Bühne geboten: Nach fast 50 Jahren in der Gastronomie – davon über vier Jahrzehnte als selbständige Wirtin – verabschiedet sich Gastwirtin Manuela Jünger in den wohlverdienten Ruhestand. Mit ihr geht im Refrather Ortskern eine echte Gastro-Ära zu Ende.

Wir veröffentlichen einen Beitrag von Norbert Vorwerg

Der Grundstein für ihre jahrzehntelange Karriere wurde bereits 1979 mit einer klassischen Kellnerlehre in Halle-Neustadt gelegt. Nach einer zweijährigen Meisterschule in Weimar legte Manuela Jünger 1987 erfolgreich ihre Meisterprüfung ab und arbeitete anschließend als hochqualifizierte Chef de Rang im geschichtsträchtigen Hotel Elephant.

Doch das Schicksal hatte andere Pläne: Nach der Grenzöffnung Ende 1989 zog sie der Liebe wegen ins rheinische Refrath. Ihr damaliger Lebensgefährte war bereits vor dem Mauerfall aus der DDR ausgereist und hatte im Ort die Gaststätte „Zum Burgplatz“ eröffnet. Eine Zeit lang bewirtschafteten beide das Lokal gemeinsam, bis es Manuela Jünger schließlich komplett in Eigenregie übernahm.

20 Jahre „Zum Burgplatz“: Legendäres Sommermärchen und Weihnachtstradition

Zwei Jahrzehnte lang führte sie den „Burgplatz“ mit großem Erfolg. Unvergessen bleibt dabei das Fußball-Sommermärchen 2006: Als eine der ersten Gastronominnen in der gesamten Region organisierte sie ein perfekt durchdachtes Public Viewing. Mit einer eigens errichteten „Südkurve“ im Gastraum und großen Outdoor-TVs im Biergarten wurde der Burgplatz zum bunten, multikulturellen Treffpunkt für Fußballbegeisterte aller Nationen.

Auch eine ganz besondere Refrather Tradition nahm hier vor 38 Jahren ihren Anfang: Das Öffnen der Gastwirtschaft am späten Heiligabend. Was als Angebot für einsame Herzen begann, entwickelte sich schnell zum Kult-Treffpunkt. Bis heute kommen am späten Weihnachtsabend all jene zusammen, die über die Feiertage ihre Eltern im Bergischen besuchen, um alte Freunde wiederzutreffen.

„Bistro Weyers“: Ein gemütlicher Heimathafen für Jung und Alt

Nach 20 Jahren Burgplatz suchte Manuela Jünger eine neue Herausforderung und fand diese im heutigen „Bistro Weyers“, direkt im Herzen von Refrath am Peter-Bürling-Platz. Mit einer umfangreichen Renovierung, einem völlig neuen Schank-System und dem Bau eines einladenden, gemütlichen Biergartens hauchte sie dem Objekt neues Leben ein.

Unter ihrer Führung wandelte sich das Weyers von einer reinen Jugendkneipe zu einem beliebten Generationen-Treffpunkt, an dem sich junge Leute ebenso wohlfühlen wie das ältere Publikum.

Überregional bekannt wurde das Bistro vor allem durch die packenden Live-Übertragungen der Spiele des 1. FC Köln und als absolute Pilgerstätte für Musikfans. Fast 15 Jahre lang holte Manuela Jünger von September bis Mai jeden Samstag Live-Bands auf die Bühne. Ob junge Nachwuchstalente oder etablierte Acts – im Weyers wurde bis tief in die Nacht „die Hütte gerockt“, was regelmäßig Gäste aus Köln, der Eifel und dem Siegerland nach Refrath lockte.

Zeit für frischen Wind

Nach vier Jahrzehnten unermüdlichem Einsatz hinter der Theke und im Service ist für die sympathische Wirtin Ende Juli Schluss. Die Schürze wird an den Nagel gehängt, um Platz für Ihre Nachfolgerin zu machen und ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Hinweis der Redaktion: Das Weyer’s bleibt auch nach Jüngers Abschied Ende Juli nahtlos weiterhin geöffnet und wird von ihrer langjährigen Mitarbeiterin, Natalie Rohr, als neue Wirtin weitergeführt.

Ganz von der Bildfläche verschwinden wird Manuela Jünger jedoch nicht – ab August möchte sie sich jedoch erst einmal zusammen mit ihrem Lebenspartner auf Reisen „den Wind um die Nase wehen lassen“. Was bleibt, sind tiefe Spuren in der Refrather Ortsgeschichte und unzählige unvergessliche Nächte im Herzen der lokalen Gastronomie.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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