Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Seit Wochen sind die Temperaturen hoch, teilweise über 30 Grad. Viele Eltern fragen sich: Sollte mein Kind bei dieser Hitze draußen Sport machen, oder ist das gefährlich? Die gute Nachricht vorweg: Bewegung im Sommer ist möglich und gesund, wenn ein paar einfache Regeln beachtet werden. Welche das sind, erklärt Kinder- und Jugendärztin Dr. med Uta Römer in dieser Sprechstunde.

Lange galt, Kinder vertrügen Anstrengung in der Hitze schlechter als Erwachsene. Das stimmt so nicht: Kinderärztliche Fachgesellschaften haben diese Sicht revidiert. Ein gesundes, gut mit Flüssigkeit versorgtes Kind reguliert seine Körperwärme beim Sport etwa genauso wirksam wie ein Erwachsener.

Ein generelles Sportverbot bei warmem Wetter ist also nicht nötig. Riskant wird es vor allem, wenn mehrere ungünstige Dinge zusammenkommen: pralle Mittagssonne, stundenlanges Durchspielen ohne Pause und zu wenig Trinken.

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Warum ist Bewegung bei Hitze für Kinder trotzdem heikel?

Zwei Dinge machen die Hitze beim Sport heikel. Zum einen produzieren Kinder im Verhältnis zu ihrer Körpergröße mehr Wärme und schwitzen, je jünger sie sind, weniger effizient. Fehlt Flüssigkeit, gerät die Kühlung ins Stocken. Zum anderen gehen Kinder im Spiel völlig auf, hören selten von selbst auf und denken kaum ans Trinken.

Die gute Nachricht: Die wichtigsten Risikofaktoren sind veränderbar, nämlich zu wenig Trinken, zu lange und zu harte Belastung, zu kurze Pausen und wärmestauende Kleidung. Damit lässt sich eine Überhitzung fast immer vermeiden.

Wie viel sollte mein Kind trinken?

Trinken ist die wichtigste Stellschraube. Schon im Normalfall brauchen Kinder feste Mengen an Getränken pro Tag. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Richtwerte:

AlterGetränke pro Tag
1 bis 3 Jahreca. 820 ml
4 bis 6 Jahreca. 940 ml
7 bis 9 Jahreca. 970 ml
10 bis 12 Jahreca. 1170 ml
13 bis 14 Jahreca. 1330 ml
ab 15 Jahrenca. 1530 ml

An heißen Tagen mit viel Bewegung steigt der Bedarf deutlich. Bei Temperaturen über 30 Grad kann die zwei- bis dreifache Trinkmenge nötig sein, beim Sport noch zusätzlich. Wichtig ist, regelmäßig zu trinken und nicht erst auf den Durst zu warten, denn Durst ist bereits ein spätes Zeichen.

Bewährt haben sich feste Trinkpausen vor, während und nach dem Spielen. Wasser ist die beste Wahl, ebenso ungesüßter Tee oder eine verdünnte Saftschorle, am besten leicht gekühlt und nicht eiskalt, denn das wird besser vertragen. Eine eigene Trinkflasche, die immer dabei ist, erinnert ganz nebenbei ans Trinken.

Was hilft bei Hitze, sicher Sport zu machen?

Damit der Nachmittag auf dem Sportplatz unbeschwert bleibt, helfen ein paar konkrete Maßnahmen. Sie richten sich an Eltern genauso wie an Trainerinnen, Trainer und Lehrkräfte:

Tageszeit wählen: Anstrengende Bewegung in die kühleren Morgen- und Abendstunden legen, die Mittagshitze von etwa 11 bis 17 Uhr meiden.

Tempo rausnehmen: Intensität und Dauer herunterfahren, häufige Pausen im Schatten einplanen.

Schatten und Kühlung: Trinkflasche immer dabei, einen schattigen Pausenplatz einrichten, bei Wärmestau mit feuchten Tüchern auf Stirn und Nacken kühlen.

– Richtige Kleidung: Leichte, helle und luftige Kleidung; eine Kappe schützt Kopf und Nacken, dazu Sonnencreme auf die freien Hautstellen.

Langsam gewöhnen: Die Belastung an heißen Tagen langsam steigern statt sofort Vollgas zu geben.

Und ganz wichtig: Sobald ein Kind über Schwäche, Übelkeit oder Schwindel klagt, wird sofort pausiert.

Woran erkenne ich, dass es zu viel war?

Trotz aller Vorsicht ist es wichtig, die Warnzeichen einer Überhitzung zu kennen. Mediziner unterscheiden zwei Stufen.

Bei der Hitzeerschöpfung ist der Körper überwärmt und es fehlt Flüssigkeit, die Körpertemperatur liegt etwa zwischen 37 und 40 Grad. Typisch sind Schwäche, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, ein schneller Puls, Schwindel und blasse, feuchte Haut.

Der Hitzschlag ist die gefährliche Steigerung und ein echter Notfall: Die Körpertemperatur steigt über 40 Grad, die Haut ist heiß, gerötet und oft trocken, weil das Schwitzen versiegt, dazu kommen starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder sogar Bewusstseinsstörungen.

Kurz gesagt ist die Hitzeerschöpfung die Vorstufe, die ernst genommen werden muss, damit es gar nicht erst zum Hitzschlag kommt.

Bei den ersten Zeichen einer Hitzeerschöpfung sollten Sie Ihr Kind sofort in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen, es hinlegen und die Beine etwas hochlagern, in kleinen Schlucken trinken lassen und mit feuchten Tüchern kühlen. Meist bessert sich der Zustand rasch.

Wann sollten Eltern den Notruf wählen?

In folgenden Situationen zählt jede Minute. Wählen Sie den Notruf 112, wenn:

  • die Haut heiß und trocken ist und das Kind hochrot im Gesicht wirkt,
  • Ihr Kind verwirrt, teilnahmslos oder schläfrig wird oder das Bewusstsein verliert,
  • ein Krampfanfall auftritt,
  • sich die Beschwerden trotz Schatten und Kühlung innerhalb von etwa 20 Minuten nicht bessern oder sogar verschlimmern.

Bis der Rettungsdienst eintrifft, gilt: das Kind in den Schatten bringen, überflüssige Kleidung ausziehen und den ganzen Körper aktiv mit feuchten Tüchern oder kühlem Wasser herunterkühlen.

Was gilt für Kinder mit Vorerkrankungen?

Besondere Aufmerksamkeit brauchen sehr junge Kinder, die noch nicht selbst für ausreichendes Trinken sorgen, sowie Kinder mit chronischen Erkrankungen. Bei Asthma etwa kann die an heißen Tagen erhöhte Ozonbelastung die Atemwege reizen, und auch bei Herzerkrankungen, Diabetes oder Epilepsie kann Hitze zusätzlich belasten.

Wenn Ihr Kind eine solche Erkrankung hat, sprechen Sie uns gern an, ob bei Sport in der Hitze etwas Besonderes zu beachten ist.

Fazit

Kinder dürfen und sollen sich auch im Hochsommer bewegen. Wer die heiße Mittagszeit meidet, für regelmäßiges Trinken sorgt, Pausen im Schatten einlegt und die Warnzeichen kennt, muss vor dem Spielen bei Sommerwetter keine Sorge haben.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Kindern einen aktiven und gesunden Sommer bei kühlem Kopf!

Ihre Dr. Uta Römer und Praxisteam

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie u. a. bei Kinderärzte-im-Netz, der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin, dem Umweltbundesamt und unter klima-mensch-gesundheit.de. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizinin Refrath.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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