Walborg Schröder bei der Verleihung der Ehrennadel der Stadt Bergisch Gladbach 2014. Foto: Klaus R. Müller

Im Alter von 93 Jahren ist Walborg Schröder gestorben. Mit ihr hat Bergisch Gladbach eine außergewöhnliche Persönlichkeit verloren, schreibt Tomás M. Santillán in einem Nachruf: Eine unbeugsame Antifaschistin, eine überzeugte Internationalistin, eine Friedenskämpferin und eine Frau, die ihr ganzes Leben in den Dienst von Solidarität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit gestellt habe.

Wir veröffentlichen einen Beitrag von Tomás M. Santillán (Die Linke)

Mit tiefer Trauer und großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Walborg Schröder. Mit hat Bergisch Gladbach eine außergewöhnliche Persönlichkeit verloren: Eine unbeugsame Antifaschistin, eine überzeugte Internationalistin, eine Friedenskämpferin und eine Frau, die ihr ganzes Leben in den Dienst von Solidarität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit gestellt hat.

Ihr lebenslanges Engagement sei unser Auftrag.

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Ihr Tod am 27. Juni 2026 hinterlässt eine große Lücke. Doch Walborg Schröders Lebenswerk endet nicht mit ihrem Abschied. Es lebt weiter in all jenen Menschen, die sich von ihrem Mut, ihrer Haltung und ihrer unermüdlichen Arbeit inspirieren lassen.

Walborg Schröder wurde am 11. März 1933 in Freiberg (Sachsen) geboren – wenige Wochen nach der Machtübertragung an Hitler und die Faschisten. Noch an ihrem Geburtstag sollte ihr Vater, ein sozialdemokratischer Lehrer, von der SA verhaftet werden. Die Verfolgung ihrer Familie durch die Nationalsozialisten, Krieg und die Erfahrung von Diktatur und Unterdrückung prägten ihr ganzes Leben.

Aus diesen Erfahrungen zog sie eine klare Konsequenz: „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ Dieses Satz war für sie keine leere Erinnerung und keine politische Sonntagsrede. Er war ihr Lebensauftrag.

Nach ihrer Ausbildung zur Russisch-Dolmetscherin und ihrer Übersiedlung in die Bundesrepublik fand sie in Bergisch Gladbach ihre Heimat. Beruflich arbeitete sie als Übersetzerin und Dolmetscherin. Doch ihre eigentliche Berufung war der Einsatz für Frieden, internationale Verständigung und soziale Gerechtigkeit.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Karl Heinz Schröder bildete sie über Jahrzehnte ein außergewöhnliches politisches und menschliches Team. Beide verband die Überzeugung, dass Frieden nicht durch Misstrauen und Feindbilder entsteht, sondern durch Begegnung, Solidarität und gegenseitigen Respekt. Gemeinsam engagierten sie sich in der Friedensbewegung, in der internationalen Verständigungsarbeit und im Kampf gegen Faschismus und Krieg. Über viele Jahrzehnte war sie in der Frauenbewegung sowie bei den FINTE-Frauen in Bergisch Gladbach aktiv.

Eine Brückenbauerin

Walborg Schröder war eine Brückenbauerin. Wo andere Grenzen errichteten, suchte sie den Dialog. Wo Vorurteile entstanden, setzte sie Begegnungen entgegen. Sie engagierte sich über Jahrzehnte in der Deutsch-Russischen Gesellschaft Bergisch Gladbach, deren Vorsitzende und später Ehrenvorsitzende sie war. Sie organisierte mehrere Städtepartnerschaften, unzählige Kulturveranstaltungen, Jugendaustausche und humanitäre Hilfsaktionen.

Seit 1975 war sie als Kommunistin Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Darüber hinaus engagierte sie sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), in der Friedensbewegung, in der Kulturvereinigung Leverkusen und in zahlreichen Initiativen gegen Rassismus, Faschismus und Krieg.

Für Walborg Schröder waren Antifaschismus, Friedenspolitik und Gewerkschaftsarbeit untrennbar miteinander verbunden. Sie war überzeugt, dass Demokratie nicht nur in den Parlamenten verteidigt wird, sondern ebenso in den Betrieben – durch starke Gewerkschaften und eine solidarische Arbeiterbewegung. Der Einsatz für faire Löhne, Mitbestimmung, soziale Sicherheit und die Würde der arbeitenden Menschen gehörte für sie selbstverständlich zum Kampf gegen Ausbeutung, Unterdrückung und gesellschaftliche Spaltung.

Im Wortlaut: Der Nachruf des DBG Rhein-Berg

Mit großer Trauer nimmt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Rhein-Berg Abschied von Walborg Schröder, die am 27. Juni 2026 im Alter von 93 Jahren verstorben ist. Mit ihr verliert Bergisch Gladbach eine überzeugte Gewerkschafterin, engagierte Antifaschistin und leidenschaftliche Kämpferin für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte.

Die Erfahrungen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft prägten Walborg Schröders Leben und ihre politische Haltung. „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Für Völkerverständigung!“ – diese Überzeugung war für sie kein bloßer Leitsatz, sondern Grundlage ihres jahrzehntelangen gesellschaftlichen Engagements.

Walborg Schröder war Gewerkschafterin bei ver.di und beim DGB Rhein-Berg, Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und über viele Jahrzehnte in der Frauenbewegung sowie bei den FINTE-Frauen aktiv.

Besonders eng verbunden war sie mit der Erinnerungsarbeit in Bergisch Gladbach. Seit Beginn der 1990er-Jahre prägte sie die jährliche Mahnwache am ehemaligen Stellawerk. Gemeinsam mit dem DGB Rhein-Berg und der VVN-BdA erinnerte sie dort an die Opfer des Nationalsozialismus und setzte sich entschieden gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus ein.

Für ihr außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement wurde Walborg Schröder mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Bergisch Gladbach ausgezeichnet. Sie hat damit nicht nur die Erinnerungsarbeit, sondern auch die politische Kultur der Stadt über Jahrzehnte mitgeprägt.

Walborg Schröder hat sich eingemischt, widersprochen und Haltung gezeigt – auch dann, wenn es unbequem war. Ihre Stimme wird uns fehlen. Ihr Mut, ihre Klarheit und ihre Menschlichkeit werden bleiben.

Der DGB Rhein-Berg wird Walborg Schröder in großer Dankbarkeit und Verbundenheit in Erinnerung behalten. Ihr Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und eine Gesellschaft ohne Faschismus bleibt Auftrag und Verpflichtung.

Wir werden Walborg Schröder ein ehrendes Andenken bewahren.

Für Walborg Schröder bedeutete Politik niemals persönliche Karriere. Politik bedeutete Verantwortung. Deshalb kandidierte sie mehrfach bei Wahlen und brachte ihre Überzeugungen auch in den demokratischen Wettbewerb ein.

Als Mitglied der DKP trat sie zuletzt in den Jahren 2015 und 2020 auf der Offenen Liste der Partei Die Linke bei den Kommunalwahlen in Bergisch Gladbach an. Sie wollte nicht nur kritisieren, sondern gestalten. Sie wollte den Menschen eine Stimme geben und für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen.

Mahnwachen am ehemaligen Stella-Werk

Ein besonderer Teil ihres Lebenswerks war die Erinnerungsarbeit und die jährliche Mahnwache am sogenannten „wilden KZ“, dem ehemaligen Stella-Werk in Bergisch Gladbach. Seit 1990 war Walborg Schröder prägende Initiatorin und Organisatorin dieser Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus – für Toleranz und soziale Gerechtigkeit“.

Walborg Schröder bei der Mahnwache 2015. Foto: Redaktion

Dieser Ort in Bergisch Gladbach erinnert seitdem an die Verbrechen der Nationalsozialisten und daran, dass das ehemalige Stella-Werk während der NS-Zeit als Gefängnis und Ort der Verfolgung genutzt wurde.

Für Walborg Schröder war diese Mahnwache niemals nur ein Blick zurück in die Geschichte, sondern immer auch ein Auftrag für die Gegenwart. Gemeinsam mit Menschen aus Gewerkschaften, Schüler:innen, Kirchen, Parteien, Vereinen und der Zivilgesellschaft setzte sie ein Zeichen gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit.

Über Jahrzehnte und bis heute hielt sie die Erinnerung wach und machte deutlich: Demokratie und Menschenwürde müssen jeden Tag verteidigt werden. Die Mahnwache war für sie ein Ort des Erinnerns, aber vor allem auch ein Ort des Handelns und der Solidarität.

Als Zeitzeugin besuchte sie Schulen und erzählte jungen Menschen von ihren Erfahrungen mit Krieg und Faschismus. Ihr Ziel war, dass die nächste Generation aus der Geschichte lernt. Ihr Appell an die Jugend lautete:

„Macht es besser als wir.“ Dieser Satz bleibt ihr Vermächtnis.

Ehrungen für ein außergewöhnliches Lebenswerk

Ihr Engagement blieb nicht unbeachtet. Zahlreiche Menschen und Institutionen würdigten ihren jahrzehntelangen Einsatz für Frieden, Völkerverständigung, Demokratie und Antifaschismus.

Im Jahr 2002 erhielt sie den Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland. Damit wurde ihr herausragendes gesellschaftliches Engagement gewürdigt – insbesondere ihr Einsatz für internationale Verständigung, gegen Rassismus und für eine Kultur des Friedens. 

Für dieses gemeinsame Lebenswerk wurden Walborg und Karl Heinz Schröder im Jahr 2006 mit der Musa-Dschalil-Gedenkmedaille ausgezeichnet. Diese Ehrung würdigte ihren jahrzehntelangen Einsatz für Frieden, Antifaschismus und die Freundschaft zwischen den Völkern. 

Im Jahr 2014 ehrte die Stadt Bergisch Gladbach Walborg Schröder mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt. Damit würdigte die Stadt ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Wirken in Bergisch Gladbach, ihre Arbeit für die Völkerverständigung, ihre Erinnerungsarbeit und ihren Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Doch trotz aller Auszeichnungen blieb sie bescheiden. Nicht Orden und Ehrungen waren ihr wichtig, sondern die Menschen, für die und mit denen sie arbeitete.

Bei all ihrem öffentlichen Engagement war sie auch ein Familienmensch. Sie war stolz auf ihre Töchter und ihre Enkel, die ihr viel bedeuteten und ihr Kraft gaben. Die Familie war für sie ein Ort der Liebe und der Hoffnung – und zugleich die Verbindung zu einer Zukunft, in der Menschlichkeit, Solidarität und Verantwortung weiterleben.

Heute erleben wir erneut eine Zeit, in der Hass und Ausgrenzung zunehmen, in der rechte Kräfte stärker werden und in der Kriege wieder zum politischen Alltag gehören.

Gerade deshalb ist Walborg Schröders Leben eine Mahnung und ein Auftrag. Sie hat uns gezeigt: Wegsehen ist keine Option. Schweigen schützt nicht die Demokratie. Haltung zeigt sich nicht in Worten allein, sondern im Handeln. Die Fortführung ihres Kampfes gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und soziale Ungerechtigkeit ist unsere Verpflichtung.

Vor allem die junge Generation kann sich an Walborg Schröder ein Beispiel nehmen.

Sie hat bewiesen, dass ein einzelner Mensch viel bewegen kann. Dass Mut stärker sein kann als Angst. Dass Solidarität Grenzen überwinden kann. Dass es sich lohnt, für eine bessere Welt einzustehen – auch dann, wenn der Weg schwierig ist. Sie hat den Staffelstab weitergegeben. Jetzt liegt es an uns, ihn aufzunehmen.

Walborg Schröder wird unvergessen bleiben. Ihr Vermächtnis ist unser Auftrag. Ihr Kampf lebt weiter in unserem Handeln.

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