Von außen gesehen schien es, als kümmere die Burg Zweiffel in Herrenstrunden unbeachtet dahin. Hinter den Wänden haben jedoch Katja und Hendrik van Elst und die kreativen Köpfe der EMIL’s Gruppe ganze Arbeit geleistet – und das alte Gemäuer in ein gleichermaßen historisches wie modernes kleines Hotelrestaurant verwandelt. Im Oktober wird es eröffnet, wir haben es uns vorab gründlich angeschaut.
„Wir wollten etwas Außergewöhnliches schaffen“, sagen Katja und Hendrik van Elst über ihr (gar nicht mehr so) neues Projekt. Und es ist ihnen eindrucksvoll gelungen.
Die Burg Zweiffel in Herrenstrunden gibt sich zwar äußerlich unverändert, ist aber vom Keller bis zum zweiten Stock kernsaniert und damit radikal verändert. Im Oktober wird hier ein gehobenes Restaurant und ein kleines Hotel mit drei Suiten mit einem persönlichen Service eröffnet.
Eigentümerin der denkmalgeschützten Burg ist die EMIL’s GmbH, an der neben Hendrik van Elst fünf weitere Gesellschafter aus Bergisch Gladbach beteiligt sind. Die Gesellschaft besitzt einige Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis und in Leverkusen.
Dabei vereint die Gruppe unterschiedliche Kompetenzen unter einem Dach – von der Projektentwicklung über Sanierung und Bau bis hin zu Betrieb und Verwaltung. Diese Kompetenzen nutzt die Gruppe auch für ihre Gastronomieprojekte.
Von außen weitgehend unverändert. Aber schon der Blick in den Garten lässt ahnen, dass sich die Burg Zweiffel verändert hat. Auf dem Foto unten rechts ist der Wintergarten zu erkennen, darüber wird die Terrasse noch ausgebaut.
Den Olivenhof in Schildgen haben sie zwar längst abgegeben, im gleichnamigen Restaurant in der Gartensiedlung Gronauer Wald sind Katja und Hendrik van Elst aber weiterhin auch persönlich engagiert. Hinzu kommen die Eventlocation „Driver’s Lounge“ im Gewerbegebiet „Zum Scheider Feld“ in Schildgen und nun auch die Burg Zweiffel.
Die gastronomischen Aktivitäten werden künftig unter der Dachmarke „VivE Genuss“ gebündelt und durch einen Webshop ergänzt. Dort wird es auch Wein in Demeter-Qualität von eigenen Feldern auf Mallorca geben, der auch im Olivenhof und in der Burg Zweiffel ausgeschenkt wird.
Betrieben wird das alles von einem eigenen Team aus Service-Kräften und Köchen, das van Elst sowohl in der Corona-Zeit als auch in der langen Vorlaufzeit für die Burg Zweiffel immer an Bord gehalten hat.
„Wie im Olivenhof in Gronau werden wir auch in der Burg oft vor Ort sein und mit anfassen“, sagt van Elst. Das eigentliche Gesicht der Gastronomie gegenüber den Gästen seien jedoch die jeweiligen Restaurantleiter. Wobei im Gespräch schnell klar wird, dass Katja und Hendrik van Elst in allen Details tief involviert sind.
Die Suite im Dachgeschoss ist nach oben offen, im Schlafzimmer blickt man auf die Unterseite des Turms, der 1942 abgebrannt war. Brandspuren sind immer noch sichtbar.
Zum Beispiel in der Ausstattung der zwei neuen Hotel-Etagen der Burg Zweiffel. Jede der drei Suiten ist sehr individuell eingerichtet, mit Designs, Farben und Elemente, die Katja van Elst selbst als „etwas verrückt“ und „barock-modern“ bezeichnet.
In den Stockwerken darüber gibt es bis hinauf in den offenen Dachstuhl eine intime „Hochzeits-Suite“, zwei größere Suiten mit jeweils zwei Doppelzimmern, Bädern und eigenen Küchen. Was nicht heißt, dass man selbst kochen muss: Wer sich dort einmietet, kann auf das gesamte Team zurückgreifen. Wer will, kann sich von früh bis spät von einem Privat-Koch umsorgen lassen.
„Barock-modern“ und sehr individuell wurden die Suiten gestaltet.
Im Erdgeschoss trifft man auf die alte Theke und das holzgetäfelte „Trauzimmer“, die aufwendig aufgearbeitet worden sind. Der angrenzende Wintergarten und das Restaurant selbst sind jedoch modern eingerichtet und bieten Platz für kleinere und vielleicht noch mittelgroße Hochzeiten. Eine Event-Location, darauf legen die Eigentümer Wert, soll die Burg aber nicht sein. Sondern ein Ort für Außergewöhnliches.
Noch sind viele Details nicht festgelegt, aber das Restaurant soll voraussichtlich freitags und samstags Menüs der gehobenen Klasse bieten, sonntags könnte ein Brunch oder eine traditionelle „Bergische Kaffeetafel“ gebucht werden.
Die Theke mit Rückwand ist geblieben, die Holzvertäfelung wurde poliert – und durch viele moderne Akzente betont.
Auch bei der Kulinarik will sich das Ehepaar van Elst nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen. „Crossover“ nennt Katja van Elst das Konzept – eine Verbindung von traditionellen und modernen Elementen. Ein Ansatz, der sich auch in der Einrichtung der Hotelzimmer spiegelt.
Preise können und wollen die Inhaber noch nicht nennen; angesichts der angestrebten Qualität und der zuletzt so drastisch gestiegenen Kosten für alles, was eine gute Küche benötigt, wird es aber nicht billig werden. Die Preise der „Dröppelminna“ von Joell Schramm direkt nebenan, der sich auf das zusätzliche Angebot in Herrenstrunden freue, werde aber kaum unterboten werden.
Urkundlich 1251 erwähnt und im Besitz derer „von Strune“ oder „von Strunde“, handelt es sich bei der Burg Zweiffel, auch Burg Zweiffelstrunden genannt, um eine Wasserburg mit weitreichenden Ländereien. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird das Burggelände durch die Kürtener Straße geteilt, mit der Burg und dem Teich auf der linken und den Wirtschaftsgebäuden des „Herkenrather Tors“ auf der anderen Seite.
Das noch existierende Haupthaus wurde 1663 erbaut. 1942 brannte das Dach des Turms ab. Er wurde zwar rasch wieder aufgebaut, die Brandspuren sind im Inneren aber noch immer zu sehen. Mehrfach wurde das Haus saniert und modernisiert. Lange befand es sich im Besitz der Familie von Ingrid Schaeffer-Rahtgens, die dort viele Kulturveranstaltungen organisierte.
Zur Geschichte: Die Burg Zweiffel
2020 hatten die Gruppe um van Elst die Burg Zweiffel bereits gekauft, die Pläne in der Corona-Zeit aber zunächst zurückgestellt und erst in den vergangenen Jahren umgesetzt. Dabei blieb innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudes kaum ein Stein unberührt, sondern sehr hochwertig instand gesetzt. An einigen Stellen blickt man auf die unverputzten Steine, alte Holzbalken stehen im Kontrast zur modernen Einrichtung.
Zur Zeit werden noch einige der sehr aufwendigen Lärm- und Brandschutzmaßnahmen umgesetzt, eine Dachterrasse ertüchtigt und einiges mehr. Mit den Bergischen Genusstagen Ende Oktober Oktober wird die Burg Zweiffel dann aber eröffnet, das „Gasthaus mit Beherbungsbetrieb“ seinen Betrieb aufnehmen.
Weitere Beiträge zum Thema
Aus dem Gasthaus Mödder wird die „Jazzkneipe Mödder“
Mindestens 130 Jahre lang hat die Schankwirtschaft Mödder am Heidplätzchen die Bensberger mit Bier versorgt, doch seit sieben Jahren war die traditionelle Kneipe an der inzwischen umtosten Kreuzung der Kölner Straße dicht. Nun erwacht sie ganz unerwartet zu neuem Leben – und verspricht als Jazz-Club „gute Kultur in behaglichen Räumen“.
Der neue Klausmann ist (fast) der alte
Nach einer sehr gründlichen Renovierung geht die Bensberger Gaststätte Klausmann Ende des Monats wieder an den Start. Unter der Haube ist alles neu, aber für die Gäste soll es sich anfühlen, so aussehen und so schmecken wie früher. Wir haben uns vor Ort umgeschaut, mit dem neuen Pächter Daniel Schmidt gesprochen und einen ersten Blick in die Speisekarte geworfen.
Eine Tour mit Nelson Müller durch die neue Diepeschrather Mühle
Das Hotel, die Brasserie „Müllers in der Mühle“ und das Gourmet-Restaurant „Schote“ in der Diepeschrather Mühle haben ihre Türen bereits geöffnet, am 26. Mai wird auch die offizielle Eröffnung gefeiert. Höchste Zeit also für eine Haustour mit Nelson Müller. Dabei präsentiert der bekannte Koch, was der kräftig erweiterte Komplex alles bietet. Und erzählt, warum er seinen Lebensmittelpunkt nach Bergisch Gladbach verlagert.
Wie Schloss Lerbach jetzt aussieht – und wieder glänzen soll
Eigentlich war es nie ein Schloss, doch in der Schublade „Schloss Lerbach“ liegen im Gedächtnis vieler Bergisch Gladbacher:innen viele Erinnerungen. An den großen Park im Lerbach Wald, an das alte Gebäude, an das Hotel mit Sterne-Restaurant, das weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlte – und nach dem Willen der Investorenfamilie Reißdorf bald wieder glänzen wird. Wir waren im Archiv und vor Ort – und nehmen Sie jetzt mit auf eine Entdeckungstour durch Haus und Park, von der Turmspitze bis…























