Michael Kraus hatte sich sein Markenzeichen, die große, enganliegende Wollmütze übergezogen und hatte sich beherzt in die erste Runde der Casting Show “Unser Star für Oslo” gestürzt. Stefan Raab richtete die Veranstaltung aus, bei der in mehreren Runden der beste deutsche Kandidat für den „Eurovision Song Contest“ bestimmt werden sollte.

Vor großem Publikum, live übertragen, stand der 24-jährige Bergisch Gladbacher allein auf der großen Bühne und sang den Song “Loving You” von Paolo Nutini:

Mit freundlicher Mine lässt er das voreilige Urteil der Jury übergehen, lässt sich von Yvonne Catterfeld dafür loben, „wahnsinnig authentisch“ zu sein. Was wohl heißen soll: Toller Typ, gute Ausstrahlung, aber etwas Gesangsunterricht könnte nicht schaden. Und tatsächlich: nach der Zuschauerwertung ist Michael Kraus schon aus dem Rennen. Aus der Traum von Oslo.

Aber wer ist Michael Kraus eigentlich, den die Veranstalter mit “24, Gartenbauazubi aus Bergisch Gladbach” vorstellen? Auf der ARD-Homepage heißt es:

Wenn Michael Kraus nicht gerade Fußball spielt oder den 1. FC Köln anfeuert, dann macht er Musik. Er spielt Gitarre, Keyboard und Schlagzeug. Und auch stimmlich hat der 24-Jährige aus Bergisch-Gladbach einiges drauf. (…) Der Auftritt bei Stefan Raab war Michaels erster Fernsehauftritt – und in Sachen Publikum eine Art Feuertaufe. Bislang ist er nur vor etwa hundert Zuschauern aufgetreten, bei der Release-Party einer privat aufgenommenen CD seiner Band. Dass er es immerhin bis zum Vorentscheid zum Eurovision Song Contest geschafft hat, ist für den Garten- und Landschaftsbau-Azubi eine große Ehre. (…)  Schon als kleines Kind hat Michael den Grand Prix verfolgt und für Deutschland mitgefiebert. Regelmäßig und mit Herzblut war er auch zu Zeiten von Raabs “Wadde hadde dudde da” und Horns “Guildo hat euch lieb” dabei. Er mag es eben lieber zeitgemäßer – wer bei dem Wort Grand Prix in Deutschland noch sofort an Schlager denkt, der sollte mal ein Wörtchen mit Michael wechseln. Das gefällt dem nämlich gar nicht.

Vielleicht nicht ganz falsch, aber ganz schön platt – und längst nicht vollständig. In der Gladbacher Musikszene ist er kein Unbekannter. Schon seit Jahren singt und trommelt er in der Band Cat Ballou. So stellen sich die Bandmitglieder und ihre Musik selbst vor:

Die popigste Band die Bergisch Gladbach zur Zeit vorzuweisen hat, das ist „cat ballou“. Die Jungs, alle Anfang 20 überzeugen seit 2 Jahren immer wieder mit Liedern die Ohrwurmcharakter haben und zum mitsingen ermuntern…das macht sogar müde Knochen munter!!!
Oliver Niesen: Gitarre, Gesang
Kevin Wittwer: Bass;
Michael Kraus: Schlagzeug;
Dominik Schönenborn: Keyboard, Gesang

Der Musikstil der jungen Männer, wurde anfangs stark von Ska geprägt. Heute ist das größtenteils überwunden. Doch der mächtige Ska legte das Fundament der heutigen Cat Ballou Rock / Pop / Indie Mischung.

Der KSTA beschrieb die Band im vergangenen Herbst in einem ausführlichen Porträt so:

Sie schreiben seit 2002 ihre eigenen, sonnengetränkten Popsongs jenseits selbstmitleidiger Nörgelei. Und gesungen wird auf Deutsch. „Da kann man sich nicht so hinter den Worten verstecken“, so Songtexter Niesen. Müssen Cat Ballou auch nicht. Das positive Lebensgefühl, das sie transportieren, sollte jeden überzeugen. „Ich lieg’ am Strand in meinem Paradies, die Füße stecken tief im Sand. Hier gibt’s kein Dosenpfand, wie sehr ich das genieß. Der Himmel und der Ozean, gefärbt in tiefem Blau“, singen sie in „Kokosnuss“, einem von sechs Songs ihres Mini-Albums. Fast schon unverschämt ausgelassen kommen Cat Ballou darauf daher, so dass man nicht anders kann, als beim Zuhören breit vor sich hinzugrinsen.

Quellen und weitere Informationen:
Stefan Raab als Anti-Bohlen, KSTA
Soundtrack für sonnige Sommertage, KSTA 2009
Cat Balou bei MySpace – mit Hörproben

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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