Helene Hammelrath punktet nicht mit Programm sondern mit Person. Wer auf ihrer offiziellen Website nach inhaltlichen Positionen sucht, wird nur sehr wenig finden. Statt dessen gibt es eine Vielzahl von Hinweisen auf Termine und Begegnungen – und einen Hinweis auf die Internetseite: „Futter für’s Volk – Sozialdemokraten haben die besseren Rezepte“. Hier, inmitten von Rezepten, gutem Wein, Lesetipps und Reiseempfehlungen verrät Helene Hammelrath ihre politische Philosophie:

„Kennen Sie das auch? Die Speisekarte lockte, die Tische waren schön gedeckt und Vorfreude kam auf. Bis das Essen serviert wurde… Auch in der Politik werden häufig schöne Kulissen gezeigt, hinter denen sich Gerichte verbergen, die Sie nicht bestellt haben, zubereitet nach Rezepten, die nichts taugen. Ich stehe für eine Politik, die mit Ihnen gemeinsam gemacht wird und ich schätze gutes Essen, Literatur und Kultur und natürlich die Freude am Leben.”

Die silbernen Haare und roten Wangen täuschen

Aber Vorsicht, unterschätzen Sie Helene Hammelrath nicht. Sie ist alles andere als das brave Hausmütterchen mit silbernem Haar und roten Bäckchen, als das sie auf  ihren Wahlplakaten derzeit rüber kommt. Ganz im Gegenteil. Hammelrath ist nicht nur Landtagsabgeordnete, Fussballfan und Karnevalistin, sondern auch eine erfolgreiche Bankerin.

Doch der Reihe nach.

Sie wurde am 5.1. 1950 in Bensberg geboren, als jüngstes der zwölf Kinder von Maria und Josef Hebborn. Die junge Helene half im Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern aus. Zwar war sie nach eigener Aussage „jeck vom ersten Schuljahr an“, aber auch sehr gut im Kopfrechnen. Also ging sie an die höhere Handelsschule und machte eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Mit 22 trat sie in den gehobenen Dienst der Deutschen Bundesbank, arbeitete später beim Genossenschaftsverband Rheinland – und fand sich in der geruhsamen und gesicherten Tätigkeit einer Beamtin wieder, die sie bis zur Pension hätte nachgehen können.

Auf Brechts Spuren: NRWs erste Bankgründerin

Doch stattdessen gründete sie mit 42 Jahren, als erste (und bislang einzige)  Frau in Nordrhein-Westfalen, überhaupt, eine Bank, aber keine kapitalistische, sondern eine soziale: die Bürgschaftsbank für Sozialwirtschaft in Köln, deren Geschäftsführerin sie auch heute noch ist. Träger der Bank sind vor allem die Wohlfahrtsverbände. Hammelrath verwaltet immerhin einen Etat von einer halben Milliarde Euro, die vor allem als Bürgschaftszusagen für Unternehmen eingesetzt, die soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Altenheime oder Behinderteneinrichtungen bauen wollen.

Jungfrau mit Vorliebe für Rolling Stones und SPD

Kinder hat die soziale Bankerin keine, dafür jede Menge Ehrenämter und Hobbies. Kochen und Garten, klar. Auch für das Evangelische Krankenhaus und viele soziale Projekte hat sie sich immer wieder stark gemacht. 1999 war sie Jungfrau des Bergisch Gladbacher Dreigestirns, auch das ganz traditionell. Aber beim Musikgeschmack zeigt sich, dass hinter der bodenständigen Fassade viel Feuer steckt: neben den Beatles nennt Hammelrath die Rolling Stones als Favoriten.

Spezial: Was Sie über die Landtagswahl wissen müssen

Klar, dass Hammelraths politische Heimat die SPD ist, der sie mit 26 beitrat. Schon drei Jahre später wurde sie in den Stadtrat von Bergisch Gladbach gewählt, seit 1999 ist sie auch stellvertretende Bürgermeisterin. Zudem ist sie Vizechefin der SPD im Unterbezirk Rheinisch Bergischer Kreis und seit 2002 Mitglied im Parteirat der Bundes SPD. 2004 bewarb sie sich um ein Mandat im Europaparlament, unterlag aber Herbert Reul (CDU). Vor vier Jahren wurde Hammelrath über die Reserveliste in den Landtag gewählt. Dort ist sie stellvertretende Vorsitzende des Sportausschusses und sitzt im Ausschuss für Wirtschaft, Mittelstand und Energie. Also eine ganze Menge Ämter neben ihrem Job als Bank-Chefin – doch damit jongliert Hammelrath souverän.

Auf direktem Weg zurück in den Landtag?

Ihr Landtagsmandat will Hammelrath verteidigen – aber das wird nicht gerade einfach. Denn der Landesparteitag setzte sie nur auf Platz 37 der Landesliste – aber damit noch in den Landtag einzuziehen, darauf kann und will sie sich verlassen. Hammelrath sagte selbst nach dem Parteitag:

„Es wird schwer sein, dass mein Listenplatz noch mal zieht. Die SPD steht diesmal viel besser da als 2005 und wird mehr Direktmandate holen – und weniger Abgeordnete werden über die Liste einziehen. Ich muss also das Direktmandat holen.“

Ihr direkter Gegner heißt damit Holger Müller (CDU), der 2005 das Direktmandat gewonnen hatte und auch jetzt als Favorit gilt. Mit Müller hat Hammelrath schon manchen Strauß ausgefochten – auch auf der formalen Ebene. So bemängelte sie Müllers Berufsbezeichnung “Jurist” auf dem Wahlzettel: das sei eine Ausbildung, aber kein Beruf.

Ganz klar: Sport + Politik - Holger Müller CDU)
Klara Geist - Annette Glamann (FDP)
Ohne Dünkel, mit Ironie - Friedhelm Weiß (Grüne)
26 Fragen an Tomás M. Santillan
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Für die Auseinandersetzung mit der CDU hat sie sich ein ganz lokales Thema gewählt: den Kampf gegen den Fluglärm, der vor allem den Rösrathern zusetzt. Ansonsten setzt sie auf die bewährten Themen der SPD. Die kämpfe gegen den sozialen Kahlschlag der Landesregierung, gegen die Verödung der Innenstädte und dafür, dass Bildung nicht zum Privileg der Wohlhabenden wird. Da ist sie wieder, die jüngste Tochter des Bensberger Krämers, die mit Millionen hantiert – und mit 60 Jahren noch lange nicht das Ende ihrer Laufbahn erreicht hat.

Aber ob das reicht?

Weitere Informationen:

Kontakt:

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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