Das statistische  Landesamt NRW hat die Schülerzahlen in den Klassen 5 bis 10 des Schuljahres 2009/2010 mit dem laufenden Schuljahr verglichen – und konstatiert einen drastischen Rückgang: Die Schulen verloren fast sieben Prozent ihrer Klienten – und das nur innerhalb eines Jahres. Damit bewegt sich der Rheinisch-Bergische Kreis im Schnitt des Landes und schneidet deutlich besser als etwa der Oberbergische Kreis ab.

UPDATE 18.1.
Die Daten sind offenbar verzerrt, weil 2010/2011 erstmals der Effekt von G8 voll zu Buche schlägt – und die Gymnasien auf einen Schlag jede Menge Schüler verlieren. Also ein Sondereffekt. Mehr dazu in den sehr informativen Kommentaren von Hans Pütz unten.

Noch interessanter ist aber, wie das bei den einzelnen Schulformen aussieht:

Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen
in Nordrhein-Westfalen in der Sekundarstufe I
SchulformSchuljahr 2009/10Schuljahr 2010/11
Schüler(innen)AnteilSchüler(innen)Anteil
Hauptschule201 52517,1%188 05517,1%
Realschule316 41126,8%311 04528,2%
Gesamtschule192 60516,3%192 77417,5%
Gymnasium398 03233,7%338 95830,8%
sonst. Schulen im Bereich der Sek. I71 7446,1%70 8146,4%
Zusammen1 180 317100,0%1 101 646100,0%

Und so sieht es im Rheinisch-Bergischen Kreis aus:

Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen
im Rheinisch-Bergischen Kreis in der Sekundarstufe I
SchulformSchuljahr 2009/10Schuljahr 2010/11
Schüler(innen)AnteilSchüler(innen)Anteil
Hauptschule2 65014,4%2 44114,1%
Realschule5 46929,7%5 36831,1%
Gesamtschule1 94110,5%1 94012,2%
Gymnasium7 25339,4%6 33236,7%
sonst. Schulen im Bereich der Sek. I1 1086,0%1 1716,8%
Zusammen18 421100,0%17 252100,0%

Man sieht schon einen deutlichen Trend, aber ganz brisant wird es, wenn man sich die Verlusten binnen eines Schuljahres in Prozent anschaut, aufgeteilt nach Schulformen:

Hauptschule                  – 7,9 %
Realschule                     – 1,8 %
Gesamtschule (Sek. I)     – 0,1 %
Gymnasium (Sek. I)       – 12,7 %
sonst. Sek. I-Schulen)    + 5,7 %  (Waldorf- und Förderschulen)
zusammen                     – 6,3 %

Mitarbeiter der Schülerzeitung „BlackOut“, DBG

Daraus kann man ein paar Schlüsse ziehen:

  • Gymnasien: der Anteil der Schüler, die das Gymnasium besuchen, ist im RBK überdurschnittlich hoch, aber er sinkt auch rapide. Fast 13 Prozent weniger Schüler binnen Jahresfrist – das ist dramatisch.
  • Hauptschulen: hier ist der Anteil entsprechend niedrig, und sinkt noch weiter.
  • Realschulen: der Anteil liegt leicht über dem Landesschnitt, diese Schulform schrumpft langsamer als die beiden erstgenannten – und gewinnt damit sogar noch leicht an Marktanteil hinzu.
  • Gesamtschulen: diese Schulform ist im RBK krass unterdurchschnittlich vertreten, die Schülerzahl ist konstant (was bei Wartelisten auch kein Wunder ist), der Marktanteil steigt kräftig, soweit es die begrenzte Kapazität eben zulässt.
  • Sonstige Schulen: auf  die Waldorf- und Förderschulen entfallen immer noch sechs Prozent – und sie legen kräftig. Was merkwürdig ist, weil doch eigentlich immer mehr Schüler der Förderschulen in den “normalen” Schulen werden sollen.

Daraus wiederum ließen sich treffliche Argumente für die politische Debatte über Schule und Schulformen ziehen. Aber das überlasse ich lieber Ihnen. Bitte benutzen Sie das Kommentarfeld.

Weitere Informationen:

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Super Arbeit, Georg – und ich kann „Willnow“ nur zustimmen. Lehrer müssen zeitlich entlastet werden, damit sie sich wieder mehr mit den Kindern befassen können (statt zuu korrigieren, zu kopieren etc) – entweder durch kleinere Klassen oder durch Schul-Assistenten! Binnendifferenzierung wäre dringend nötig, von der Grundschule angefangen.

  2. Es folgen die Zahlen für die SEK I Schulen in Bergisch Gladbach. Ich hoffe, es ist so lesbar. Die Gesamtschule umfasst auch die gymnasiale Oberstufe und die SEK der Gymnasien ist besonders erwähnt. Wer die SEK I Zahlen ohne den Hinweis auf die G 8 Problematik veröffentlicht, erweckt einen falschen Eindruck

    2009 2010
    Hauptschule 722 650 -72
    Realschule 2224 2199 -25
    Gymnasium SEK I 3476 2909 -567
    Gymnasium SEK II 1765 2339 574
    Gesamtschule 1383 1399 16

    Förderschule 169 177 8

    SEK I gesamt 7974 7334 -640

    SEK II gesamt 1765 2339 574

    Gesamt 9739 9673 -66

  3. Für alle, die es interessiert nachfolgend die genauen Zahlen zu den Gymnasien in Bergisch Gladbach.

    In der Sekundarstufe I fehlen (scheinbar) 567 Kinder. Die wurden, bedingt durch G 8, jetzt in der SEK II gezählt. Die Sekundarstufe II hat durch diese andere Zählung einen wundersamen Zuwachs von 574 Schülern. Wenn diese Schüler die Schule verlassen, wird die Zahl der Gymnasiasten tatsächlich um deren Anteil sinken. Das war aber schon mit der Einführung von G 8 klar und ist unter dem Stichwort „Doppeljahrgang“ hinreichend diskutiert worden.

  4. Guten Morgen,

    Vorsicht bei zu eiligen Schlüssen. Der Rückgang bei den Gymnasien im SEK I Bereich liegt eindeutig an der Einführung von G 8, die jetzt bei allen Schulen angekommen ist. In den Statistiken des Landes ist in diesem Jahr der Jahrgang 10 erstmals flächendeckend mit 0 angegeben. Das war im vergangenen Jahr noch nicht der Fall. Alleine aus den Gymnasien in Bergisch Gladbach kommen ca. 600 Kinder in einem Jahrgang. Wenn im Rheinisch Bergischen Kreis fast 1.000 Kinder gegenüber dem Vorjahr fehlen, ist das schnell mit der geänderten Zählweise erklärt. Die Zahl der Gymnasiasten an sich ist in Bergisch Gladbach leicht gestiegen und es würde mich sehr wundern, wenn das im Kreis nicht ähnlich wäre.

    Mit freundlichen Grüßen

    Hans Pütz

  5. Ich finde alle Schulen sollten beibehalten werden. Es wäre doch schön kleinere Klassen zu haben, es gäbe weniger überforderte Lehrer die ,mehr Zeit für die Schüler hätten und bessere Förderung für die Kinder.Die kinder ständen dann auch nicht so unter DRuck oder würden als Hyperaktiv abgestempelt.